
Er dachte, ich lerne endlich. Ich ging schon.Als Adriano Morelli bemerkte, dass ich seit drei Tagen keine einzige Haushaltsanfrage mehr gestellt hatte, rief er mich zum ersten Mal seit Monaten persönlich an.
„Serafina“, sagte er mit ruhiger, geduldiger Stimme, „die Klinik ist freigegeben. Deine Akte steht wieder ganz oben auf der Prioritätenliste. Na, verstehst du jetzt? Wenn du aufhörst, alles schwierig zu machen, und endlich begreifst, wie diese Familie funktioniert, sorge ich dafür, dass du gut versorgt bist.“
Er klang immer dann am sanftesten, wenn er mich daran erinnerte, wer wirklich die Kontrolle hatte.
Was er allerdings nicht wusste: In dem Moment, als sein Name auf meinem Bildschirm aufleuchtete, waren die Scheidungspapiere längst entworfen.
Nach außen hin hatte ich alles, was eine Frau sich wünschen konnte: ein bewachtes Penthouse, einen Fahrer auf Abruf, Designerkleidung, und den Nachnamen eines der gefürchtetsten Männer der Stadt.
Aber fast nichts davon gehörte wirklich mir.
Die Kreditkarten wurden überwacht. Bargeld musste genehmigt werden. Das Personal folgte Viviana Costas Anweisungen, noch bevor es überhaupt auf mich hörte. Selbst mein Kleiderbudget, mein Terminkalender und der Zugang zum Familienbüro – alles lief über ihre Hände.
Adriano nannte das „Praktikabilität“.
Vor drei Tagen wurde ich hastig in eine Privatklinik gebracht – mein Kleid war bereits vom Blut durchtränkt –, während mir ein Arzt erklärte, es gäbe noch eine Chance, das Baby zu retten, wenn die Notfallanzahlung sofort geleistet würde.
Ich rief Adriano an, immer wieder, bis meine Hände zitterten.
Viviana verzögerte die Überweisung.
Zuerst fehlte angeblich die direkte Genehmigung. Dann war der Betrag zu hoch. Schließlich befand sich Adriano in einer Besprechung und durfte wegen einer Angelegenheit, die womöglich gar nicht so ernst sei, auf keinen Fall gestört werden.
Als das Geld schließlich eintraf, war es bereits zu spät.
Das Baby war tot.
Ich war aus zwei Gründen bei Adriano geblieben: Ich liebte ihn, und ich glaubte, dass er sich, wenn es wirklich darauf ankam, für mich entscheiden würde.
In beidem hatte ich mich geirrt.
Zuerst starb unser Kind.
Und mit ihm starb auch meine Ehe.