Zwei Schwestern, ein Abschied
Meine Zwillingsschwester Lily und ich heirateten am selben Tag die Zwillingsbrüder einer Mafiafamilie.
Sie heiratete den älteren, Leo, einen Bundesrichter; ich heiratete den jüngeren, Sam, einen Chirurgen.
Während meines Krankenhausaufenthalts zur Erhaltung der Schwangerschaft wurde ich von Entführern verschleppt und gegen Lösegeld festgehalten.
Mit meinem Handy versuchten sie zweiunddreißig Mal, meinen Mann Sam zu erreichen – jeden einzelnen Anruf lehnte er ab.
Außer sich vor Wut drosch der Entführer mit einem Baseballschläger auf meinen Bauch ein.
Ich versuchte mit aller Kraft, mein ungeborenes Kind zu schützen, und verlor es trotzdem.
Beim allerletzten Anruf nahm Sam endlich ab und fauchte: „Annie wäre fast fehlgeboren, ich begleite sie nur zur Untersuchung. Kannst du endlich aufhören, mich ständig anzurufen, um meine Aufmerksamkeit zu erregen?“
Als die Entführer begriffen, dass es kein Lösegeld geben würde, fesselten sie mich von Kopf bis Fuß, warfen mich aus Frust in den Pool und verschwanden.
Als ich schon halb tot war, kam meine Schwester gerade noch rechtzeitig, um mich zu retten.
Sie sah, dass ich das Kind verloren hatte und kaum noch atmete, und rief sofort ihren Mann, den Richter, an.
Doch sie bekam nur eine eisige Bandansage zu hören: „Ich bestrafe gerade den Täter, der Annie fast in eine Fehlgeburt getrieben hat. Bitte nicht stören.“
Als sie die Polizei verständigen wollte, war der Akku leer.
Ihr blieb nichts anderes übrig, als mich ins Auto zu legen und loszufahren.
Auf dem Rückweg brach plötzlich ein heftiger Schneesturm los, ein Erdrutsch versperrte den Weg, der Wagen blieb liegen, und wir saßen zitternd in der eiskalten Kabine fest.
Zum Glück entdeckte uns rechtzeitig eine Forstpatrouille – sonst wären wir beide erfroren.
Als wir im Krankenhaus zu uns kamen, hatten meine Schwester und ich denselben ersten Gedanken: Wir lassen uns scheiden. Beide.