Getrennte Wege erkämpft
Ich starrte auf den Vercetti-Ehevertrag, den mein Vater über den Tisch schob.
Ohne zu zögern schrieb ich den Namen meiner Halbschwester darauf – Demi – und schob ihn zurück.
Mein Vater erstarrte. Dann leuchteten seine Augen vor absurder Begeisterung auf, als hätte er gerade im Lotto gewonnen.
„Wie kannst du deiner Schwester eine so perfekte Chance überlassen?“
In meinem letzten Leben war meine Ehe ein Witz für alle um mich herum.
Ich war die rothaarige, ungezähmte kleine Hexe, die es wagte, in Cassian Vercettis Umlaufbahn einzudringen – dem Erben und Anführer der alteingesessenen Vercetti-Verbrecherfamilie.
Ich war nie perfekt und auch nie gehorsam.
Er liebte wallende Göttinnenkleider. Ich trug Miniröcke und tanzte auf Tischen.
Er verlangte Missionarsstellung, traditionelle, geordnete Intimität. Ich wollte oben sein, ihn reiten, mich völlig darin verlieren.
Bei einer Gala lachten die Gesellschaftsdamen über meine Haare, mein Kleid, meine „Wildheit“.
Ich dachte, er würde mich wenigstens zum Schein verteidigen.
Das tat er nicht.
„Verzeiht ihr. Sie ist nicht… richtig erzogen.“
Erzogen.
Wie ein Hund.
Mein gesamtes letztes Leben verbrachte ich damit, unter seinen Regeln zu ersticken. Ich verbog mich bis aufs Blut, um in die Form zu passen, die er wollte – bis zu der Nacht, als unser Haus Feuer fing.
Als ich meine Augen wieder öffnete, war ich zurück an dem Moment, als ich von der arrangierten Ehe erfuhr.
Ich blickte auf den Vertrag vor mir.
Dieses Mal?
Ich glaube, die Jungs aus dem Nachtclub passen besser zu mir.
Doch in dem Moment, als Cassian erkannte, dass ich nicht die Braut war, zerschmetterte er jede Regel, nach der er je gelebt hatte.