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RUDELHAUS

Author: Onyekewrites
last update publish date: 2026-06-22 23:09:45

Kapitel Fünf

RUDELHAUS

*Saras POV

Am nächsten Morgen verlegte Kael uns in einen sichereren Flügel des Rudelhauses. Ich ging neben ihm und spürte das Gewicht jedes Blickes aus dem Rudel. Manche Augen waren neugierig. Andere brannten vor offener Feindseligkeit.

„Du wirst in diesem Zimmer bleiben", sagte Kael und öffnete eine schwere Holztür. Es war größer als das letzte, mit einem richtigen Bett und einem kleinen Balkon mit Blick auf den Wald.

„Danke", antwortete ich leise.

Kael hielt in der Türöffnung inne. „Danke mir nicht. Das ist keine Freundlichkeit. Es ist Notwendigkeit."

Er ging ohne ein weiteres Wort.

Ich trat herein und erkundete den Raum langsam. Das Zimmer fühlte sich weniger wie ein Gefängnis an als der Sicherheitsraum, doch ich fühlte mich noch immer gefangen. Meine Gedanken schweiften immer wieder zu Snow ab — die Art, wie er mich angesehen hatte, wie seine sanfte Berührung mich zum ersten Mal seit meiner Zurückweisung wirklich gesehen fühlen ließ.

Später am Nachmittag kam ein leises Klopfen an der Tür. Ich öffnete sie vorsichtig.

Es war Snow.

Er schlüpfte schnell herein und schloss die Tür hinter sich. Seine eisgrauen Augen hefteten sich mit brennender Intensität auf meine.

„Wir haben nicht viel Zeit", sagte Snow. „Kael ist in einer Besprechung mit seinen Kriegern."

Er trat näher. Die Luft zwischen uns knisterte vor Spannung. Ich konnte seinen Duft wahrnehmen — Kiefer, Mondlicht und etwas Dunkleres, das meinen Wolf aufhorchen ließ.

„Sara", murmelte Snow, seine Hand legte sich an meine Wange. „Ich habe seit letzter Nacht an dich gedacht."

Diesmal zog ich mich nicht zurück. Ich lehnte mich in seine Berührung. Sein Daumen streifte meine Unterlippe und sandte Funken durch meinen Körper.

„Du spürst es auch", flüsterte Snow. „Den Zug. Nicht nur die erzwungene Bindung mit Kael. Etwas Echtes."

Ich nickte langsam. „Es ist gefährlich."

„Die besten Dinge sind es meistens", sagte Snow leise.

Snow lehnte sich vor und küsste mich — langsam, tief und erkundend. Nichts wie Kaels raues Beanspruchen. Das fühlte sich gänzlich anders an. Als Stimmen auf dem Flur draußen ertönten, zog er sich schnell zurück, seine Augen voller Bedauern.

„Wir werden Zeit finden", versprach Snow. „Sei vorsichtig. Es gibt welche in diesem Rudel, die dich hier nicht wollen."

Er schlüpfte hinaus und ließ mich errötend und verstört zurück.

An jenem Abend wurde die Spannung im Rudel dichter. Ich hörte Krieger auf dem Flur streiten. Manche gaben mir die Schuld für die jüngsten Angriffe. Andere sagten, Kael sei wegen der Bindung abgelenkt.

Beim Abendessen beobachtete mich Lira — eine der Wölfinnen in Kaels Nähe — mit offener Feindseligkeit. Sie war schön und stark, mit markanten Zügen und langem rotbraunem Haar. Sie saß nah bei Kael und berührte bei jeder sich bietenden Gelegenheit besitzergreifend seinen Arm.

Ich hielt den Kopf gesenkt, doch ich konnte ihre Augen die ganze Zeit über auf mir brennen spüren.

Später in jener Nacht kam Kael wieder in mein Zimmer. Er sprach kaum. Die Bindung zwischen uns brandete auf, sobald er hereintrat, und was folgte, war verzehrend und heftig — seine Berührung rau und besitzergreifend, meine hilflos gegen den Zug, der uns zusammenhielt. Danach zog er sich schnell an, sein Ausdruck so distanziert wie eh und je.

„Diese Bindung wird immer schwerer zu ignorieren", gestand Kael kalt. „Aber verwechsle das nicht mit Zuneigung, Sara. Ich will noch immer keine Gefährtin."

Er ließ mich wieder allein zurück.

Die nächsten paar Tage folgten demselben Muster. Kaels raues Beanspruchen bei Nacht. Wachsende Spannung innerhalb des Rudels. Und heimlich gestohlene Momente mit Snow, in denen er mich zum ersten Mal seit dem Tod meines Vaters begehrt und wertgeschätzt fühlen ließ.

An einem Nachmittag fand mich Snow beim Spaziergang im Garten. Er zog mich hinter ein dichtes Baumgehölz, weg von neugierigen Augen.

„Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken", gestand Snow und küsste mich innig.

Wir hörten näher kommende Schritte. Snow zog sich mit einem frustrierten Knurren zurück.

„Bald", versprach Snow leise. „Ich werde dich richtig für mich haben."

Der innere Konflikt wurde von Tag zu Tag stärker. Lira begann Gerüchte zu verbreiten, ich sei eine von Blackthorn gesandte Spionin. Manche Krieger fingen an, mir vollständig aus dem Weg zu gehen. Andere sahen mich mit offener Verdächtigung an.

Kael bemerkte die Spaltung, sagte aber nichts. Sein Fokus blieb auf der Stärkung der Grenzen und der Vorbereitung auf den nächsten Angriff.

Ich verbrachte meine Tage damit, still alles zu untersuchen, was ich über den Tod meines Vaters in Erfahrung bringen konnte. Ich fand alte Karten und Briefe in der Rudelbibliothek, die auf geheime Bündnisse zwischen Blackthorn und unbekannten Parteien hindeuteten. Jemand hatte meinen Vater hereingelegt. Ich war sicher.

Doch jeder Schritt vorwärts brachte mehr Gefahr.

Eines Nachts, als ich in mein Zimmer zurückkehrte, fand ich einen Zettel, der unter der Tür durchgeschoben worden war.

*Verlasse Silvermoon, oder du wirst enden wie dein Vater.*

Die Handschrift war elegant. Feminin.

*Lira.

Der Konflikt innerhalb des Rudels war nicht länger verborgen. Er baute sich auf etwas Explosives hin auf.

Und inmitten alledem wurde Snows heimliche Aufmerksamkeit meine einzige Quelle der Wärme, während Kaels kaltes Beanspruchen mich an eine Bindung kettete, der ich nicht entkommen konnte.

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