LOGINKapitel Vier
DER FEIND IM INNEREN
*Saras POV
Ich folgte Kael die schmale Steintreppe hinunter, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Sein Griff an meinem Arm war fest, fast schmerzhaft, während Heulrufe durch das Rudelhaus hallten. Die verzerrten Wölfe waren überall.
„Bleib nah bei mir", befahl Kael, seine Stimme kalt.
Wir erreichten die verstärkte Tür. Er schob mich in den kleinen Sicherheitsraum und wandte sich ab, um zu gehen.
„Riegle ihn hinter mir ab", sagte Kael. „Öffne ihn für niemanden außer mir."
„Kael, warte"
Doch er war bereits weg. Die schwere Tür schlug zu. Ich schob den Eisenriegel in die Halterung und lehnte mich dagegen, schwer atmend.
Stille hüllte mich ein. Die Gefährtenbindung zog an mir wie eine Kette, die ich nicht brechen konnte. Ich hasste es, wie sehr mein Körper noch immer auf ihn reagierte, selbst jetzt.
Ich schritt in dem kleinen Raum auf und ab und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Mein Vater war unschuldig. Das wusste ich in meinen Knochen. Jemand hatte ihn hereingelegt, und ich würde es beweisen. Doch zunächst musste ich überleben, was auch immer kommen mochte.
Minuten zogen sich hin, was sich wie Stunden anfühlte. Entfernte Knurrer und Schläge drangen durch die dicken Wände. Ich presste mein Ohr an die Tür und versuchte angestrengt zu hören.
Dann kam ein leises Scharren von draußen.
Ich erstarrte.
Das Schloss klickte.
Die Tür öffnete sich langsam.
Eine große Gestalt trat herein und schloss sie leise hinter sich. Silbernes Haar fing das Licht der Laterne auf. Durchdringende eisgraue Augen hefteten sich auf meine.
Alpha Snow.
„Du solltest nicht hier sein", flüsterte ich.
„Ich bin genau dort, wo ich sein muss, Sara", sagte Snow und trat näher, seine Präsenz füllte den winzigen Raum.
Er streckte die Hand aus und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Berührung war sanft, doch seine Augen brannten vor etwas Dunklerem. Hunger. Verlangen.
„Kael ist da draußen und kämpft für dich", sagte Snow leise. „Doch er bekämpft noch immer die Bindung. Ich sehe, wie er dich ansieht. Als wärst du eine Last, die er nicht ablegen kann."
„Warum erzählst du mir das?", fragte ich.
„Weil ich dich sehe, Sara", sagte Snow. „Nicht als verfluchtes Omega. Nicht als Problem. Ich sehe eine Frau, die gebrochen wurde und noch immer kämpft, um aufzusteigen."
Seine Hand verweilte auf meiner Wange. Wärme breitete sich in mir aus. Anders als Kaels raues Beanspruchen fühlte sich Snows Berührung wie ein Versprechen an. Verboten. Verlockend.
„Die Bindung mit Kael ist stark", sagte ich, meine Stimme schwankend.
Snow lächelte schwach. „Bindungen können kompliziert sein. Manche ziehen dich. Andere rufen dich in den Schatten."
Er lehnte sich vor, sein Atem streifte mein Ohr. „Ich beobachte dich, seit Kael dich hierher gebracht hat. Deine Stärke. Dein Feuer. Es ruft mich."
Mein Herz raste. Ich wusste, dass ich ihn hätte wegstoßen sollen. Doch ich tat es nicht. Die Wärme, die von ihm ausströmte, war berauschend, und zum ersten Mal seit meiner Zurückweisung sah mich jemand an, als ob ich von Bedeutung wäre.
Schwere Schritte donnerten plötzlich den Korridor draußen entlang. Mehrere Wölfe. Aggressiv.
Snow versteifte sich. „Sie kommen", sagte Snow. „Bleib versteckt. Ich kümmere mich darum."
Er schlüpfte schnell hinaus und schloss die Tür hinter sich. Ich verriegelte sie wieder, mein Puls hämmerte.
Ich sank auf das schmale Feldbett und versuchte, meine Atmung zu beruhigen. Snows Worte hallten immer wieder in meinem Kopf. Seine Berührung brannte noch auf meiner Haut. Der Zug zwischen uns wurde stärker, und es erschreckte mich, wie sehr ich mehr wollte.
Später in jener Nacht öffnete sich die Tür schließlich wieder. Kael trat herein, bedeckt mit Blut und Schweiß. Seine stürmischen Augen musterten mich sofort.
„Du bist unverletzt", sagte Kael.
Ich nickte. „Was ist da draußen passiert?"
„Wir haben sie vorerst zurückgetrieben", sagte Kael. „Doch mehr werden kommen. Blackthorn will dich zum Schweigen bringen."
Er überquerte den Raum in zwei Schritten und zog mich an seine Brust. Die Gefährtenbindung brandete zwischen uns auf, überwältigend und unerbittlich. Was folgte, war nicht sanft — das war es mit Kael nie. Er war rau und besitzergreifend und beanspruchte mich, als würde er versuchen, etwas in sich selbst zum Schweigen zu bringen. Und mein Körper reagierte, hilflos gegen die Bindung, die uns zusammenhielt.
Danach trat Kael zurück, sein Ausdruck kalt wie eh und je.
„Mach dich sauber", sagte Kael. „Wir brechen bei Tagesanbruch auf. Ich werde nicht zulassen, dass Blackthorn nimmt, was mir gehört, auch wenn ich die Bindung nicht will."
Er drehte sich um und ging, die Tür hinter sich abschließend.
Ich saß dort in der Stille, die Leere kehrte schnell zurück. Kael wollte die Bindung zum Schweigen bringen. Er wollte mich nicht.
Snows Worte verweilten in der Dunkelheit. Wärmer. Gefährlicher.
Ohne mein Wissen beobachtete Lira alles von einem verborgenen Gang in der Nähe. Ihre Augen brannten vor reinem Hass.
Das zurückgewiesene Omega kam ihrem Alpha zu nah.
Und sie würde dafür sorgen, dass ich dafür bezahlte.
Kapitel sechsundsechzig: Die Tür öffnet sichSaras Perspektive„Sara“, sagte Kael, die Arme noch immer um mich. „Sprich mit mir.“„Ich bin hier“, sagte ich. „Ich bin noch hier.“„Was fühlst du?“, sagte Snow. Er war direkt neben mir, seine Hand an meinem Gesicht, seine Augen suchten meine.„Es ist wie in einer Strömung zu stehen“, sagte ich. „Sie zieht mich nirgendwohin. Sie bewegt sich durch mich hindurch.“ Ich sah Luca an, der noch immer auf dem Pfad stand. „Du hast das von Anfang an geplant. Nicht die Bindung. Mich. Dafür zu sorgen, dass ich hier stehe.“„Ja“, sagte Luca. Ohne Triumph. Ohne Entschuldigung. Nur ein Mann, der eine Tatsache feststellte, die er lange mit sich herumgetragen hatte. „Sera Voss hat etwas über die Schatten-Omega-Blutlinie verstanden, das Thalira nie vollständig akzeptiert hat. Der Erbe öffnet die Tür nicht mit Kraft. Der Erbe öffnet die Tür, indem er über dem strukturellen Punkt anwesend ist, wenn der Bruch das kritische Stadium erreicht. Deine Kraft erledig
Kapitel fünfundsechzig: In die umkämpftenLandeSaras PerspektiveWir verließen Silvermoon, bevor das Rudel das Frühstück beendet hatte.Zu viert. Ich, Kael, Snow, Lira. Nach Osten durch das äußere Tor, ohne Ankündigung oder Zeremonie.Thalira stand am Tor, als wir vorbeikamen. „Ich werde den Bruch so lange halten, wie ich kann“, sagte Thalira. „Lasst mich ihn nicht länger halten, als ich kann.“„Werden wir nicht“, sagte ich.Sie nickte einmal, und wir ließen sie dort zurück.Ich hatte Mira gebeten zurückzubleiben. Sie hatte es nicht gut aufgenommen.„Du lässt mich hier“, sagte Mira flach, als ich es ihr sagte.„Ich brauche jemanden, dem ich vertraue, innerhalb dieser Mauern, während wir fort sind“, sagte ich. „Jemanden, der nicht Thalira ist, weil Thalira die Bindung managen wird und nicht gleichzeitig das Rudel beaufsichtigen kann.“„Du willst, dass ich babysitte“, sagte Mira.„Ich will, dass du meine Augen bist“, sagte ich. „Das ist ein Unterschied.“Mira hatte mich einen langen Mo
Kapitel vierundsechzig: Zu spätSaras PerspektiveWir verließen den Kriegsraum gemeinsam und gingen, um Aldric zu suchen.Kael stieß seine Tür auf, ohne anzuklopfen.Der Geruch erreichte uns vor allem anderen. Snow legte seine Hand auf meinen Arm. Thalira trat an uns beiden vorbei und ging zuerst hinein.Aldric saß auf dem Stuhl neben dem Fenster. Diese besondere Reglosigkeit, die keine Abstufungen kennt und keinen Zweifel daran lässt, was sie bedeutet.Kael durchquerte den Raum und kauerte sich neben ihn. Er presste zwei Finger an Aldrics Kehle und hielt sie länger dort, als nötig gewesen wäre. Dann stand er auf, drehte sich um, und sein Gesicht machte das, was es immer machte, wenn etwas Ungeheures in einer Tiefe festgehalten wurde, die erst später sichtbar werden würde.„Wie lange?“, sagte Snow.„Nicht lange“, sagte Thalira. Sie untersuchte den Türrahmen und fuhr mit den Fingern langsam über das Holz. „Jemand, der genau wusste, was er tat, und keine Zeit damit verschwendet hat.“„L
Kapitel dreiundsechzig: Alte Allianzen, neue GefahrenSaras PerspektiveDer Kriegsraum fühlte sich anders an, als wir alle vier gleichzeitig am selben Tisch saßen und dieselbe Richtung hatten.Keine Krise, die uns dorthin zog. Keine unmittelbare Bedrohung, die das Gespräch erzwang. Nur Sara, Kael, Snow und Thalira um den steinernen Tisch, mit allem, was wir wussten, zwischen uns ausgebreitet und einem klaren Ziel, das zum ersten Mal im Zentrum stand.Ich hatte ihnen erzählt, was ich Kael auf dem Trainingshof gesagt hatte. Der Name meines Vaters. Ryker, der vor einer Menge stand. Die Wahrheit, die in Blackthorn ans Licht kam, auf eine Weise, die nicht gemanagt oder begraben werden konnte.Niemand widersprach. Niemand bot ein anderes Ziel an. Was mir sagte, dass sie alle darauf gewartet hatten, dass ich es laut aussprach.„Das Instrument zuerst“, sagte Kael. „Vor allem anderen. Wir können nichts aufbauen, solange jemand aktiv gegen uns innerhalb dieser Mauern arbeitet.“„Einverstanden“,
Kapitel zweiundsechzig: DAS VERLANGENSaras PerspektiveIch erwachte vor Sonnenaufgang und versuchte nicht, wieder einzuschlafen.Ich saß im Dunkeln auf der Bettkante und erlaubte mir etwas, das ich seit der Nacht, in der Kael mich aus dem Renegatengebiet hinausgetragen hatte, nicht mehr richtig getan hatte. Ich erlaubte mir, mich zu erinnern.Das Gesicht meines Vaters an dem Morgen, an dem sie ihn holten. Er hatte über den Platz hinweg zu mir gesehen, mit einem Ausdruck, den zu entschlüsseln ich Monate verbracht hatte. Keine Angst. Keine Entschuldigung. Etwas, das näher an Vertrauen lag. Als übergäbe er mir etwas, das er nicht mehr tragen konnte, und glaubte, ich sei stark genug, es zu halten.Dann Ryker.Er stand vor dem gesamten Rudel, seine Stimme trug über den Platz, als verkünde er etwas Alltägliches. Jedes Wort präzise und öffentlich und darauf angelegt, mit größtmöglichem Schaden zu treffen. Dein Vater war ein Verräter. Du bist nichts. Du gehörst nicht mehr zu mir. Du bist hie
Kapitel einundsechzig: Der NameSaras PerspektiveIch fand Kael kurz vor Mitternacht im Kriegsraum.Er saß am Tisch, ohne dass etwas vor ihm lag. Er sah auf, als ich hereinkam, und las mein Gesicht so, wie er es gelernt hatte – schnell und ohne zuerst unnötige Fragen zu stellen.„Setz dich“, sagte ich.Er setzte sich.Ich sagte ihm den Namen.Ich beobachtete, wie er landete. Nicht dramatisch. So, wie die schlimmste Art von Nachricht bei Menschen landet, die gelernt haben, Dinge im Stehen zu empfangen – leise, in der Reglosigkeit von jemandem, der etwas Schweres hält und in Echtzeit entscheidet, wie er es tragen soll.Kaels Blick ging in eine mittlere Ferne, in der nichts war außer der Erinnerung, die der Name gerade heraufgezogen hatte.Dann stellte er mir eine Frage.„Wie lange?“, sagte Kael.„Aldric glaubt mindestens vierzehn Monate“, sagte ich. „Möglicherweise länger.“Kael nickte einmal. Langsam. Wie ein Mann, der etwas aufnimmt, das er nicht hatte kommen sehen, das ihn aber nicht
Kapitel AchtCHAOS*Saras SichtLira stürzte sich mit erhobener Klinge auf mich. Im letzten Moment wich ich aus. Der Dolch zischte durch die Luft und verfehlte meine Kehle nur um Haaresbreite. Ich taumelte zurück, mein Herz raste.„Du Miststück“, zischte Lira, ihre Augen glühten vor Hass. „Du glaub
Kapitel SiebenSILVERMOON*Saras POVDie Spannungen in Silvermoon erreichten neue Höhen. Mehrere Krieger weigerten sich, in meiner Nähe Patrouille zu laufen. Liras Einfluss wurde jeden Tag stärker. Sie hatte eine Gruppe von Wölfinnen davon überzeugt, dass ich ein Fluch war, der geschickt wurde, um
Kapitel ZweiNEUER ANFANG*Saras POVIch erwachte nackt unter weichen Fellen in einem großen, dunklen Zimmer. Mein Körper schmerzte überall, doch der schlimmste Schmerz hatte nachgelassen. Mondlicht strömte durch das Fenster.Alpha Kael Draven stand am Fußende des Bettes und beobachtete mich mit ka
Kapitel EinsHINRICHTUNG UND ABLEHNUNG*Saras POV„Ich, Ryker Voss, zukünftiger Alpha des Blackthorn-Rudels, weise dich, Sara Harlan, als meine vorherbestimmte Gefährtin zurück", erklärte Ryker.Die Worte durchschnitten mich wie eine Klinge. Schmerz explodierte in meiner Brust und riss die frische







