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KAPITEL VIER

Author: MURK ROSE
last update publish date: 2026-07-06 17:53:23

**Der Käfig und die Dunkelheit**

**Kiaras Perspektive**

Die Kellertür schloss sich nicht einfach – sie knallte mit voller Wucht zu und versiegelte mich in einer absoluten, erstickenden Dunkelheit, die nach feuchter Erde, verfaulten Kartoffeln und Jahrhunderten von Rudelgeheimnissen roch.

Die Wachen trugen mich nicht die Steinstufen hinunter. Sie warfen mich.

Mein wunder, gepeitschter Rücken prallte heftig auf den gezackten Steinboden am Fuß der Treppe. Ein erstickter Schrei reiner Agonie wurde mir aus der Kehle gerissen, als die frischen Schnitte auf meiner Haut sich weit aufspalteten und heißes Blut in den Stoff meines weingetränkten Hemdes weinten.

„Bleib da unten, du Freak", knurrte einer der Vollstrecker hinter den schweren Eisenstäben des Kellergitters. „Luna Beatrices Befehle. Kein Essen, kein Wasser und kein Licht, bis der Transport eintrifft, um das Rudel von deinem Fluch zu befreien."

Der schwere eiserne Riegel glitt mit einem endgültigen, spöttischen *Klack* an seinen Platz, dann verklangen ihre Schritte und ließen mich in der Schwärze völlig allein zurück.

Die Stunden verschwammen zu einem wachen Albtraum. Ich rollte mich auf dem eisigen Erdboden zu einer engen Kugel zusammen und versuchte, den Kontakt zwischen meiner zerfetzten Haut und dem Stein zu minimieren. Jeder einzelne Atemzug fühlte sich an wie das Einatmen von Scherben zersplitterten Glases. Meine Kehle war eine Wüste – ausgedörrt und verzweifelt nach einem einzigen Tropfen Feuchtigkeit – und mein Magen krampfte sich vor hohlem, übelkeitserregendem Hunger zusammen.

Doch das Schlimmste von allem war die Stille. In der Dunkelheit konnte ich noch immer das pfeifende Echo der Peitsche hören. Ich konnte noch immer die absolute Gleichgültigkeit in Ronans Augen sehen, während er mir beim Bluten zusah.

*Er wusste es*, dachte ich, eine bittere Träne schnitt eine saubere Linie durch das getrocknete Blut und den Wein auf meiner Wange. *Er wusste genau, was sie mir antun würden, und wählte trotzdem seine Krone.*

Irgendwann in der Totenstille der Nacht brach die schwere Stille.

Das feine, rhythmische Klicken von Kampfstiefeln hallte die Steinstufen herab. Meine Augen schnappten in der Dunkelheit auf, mein Herz hämmerte gegen meine gebrochenen Rippen wie ein gefangener Vogel.

Der harte Schein einer einzigen Taschenlampe schnitt durch die Schwärze und blendete mich. Hinter dem Strahl stand ein massiger Rudelkrieger – Garrett. Er war einer der erfahrenen Vollstrecker, die in der Lichtung die Peitsche gehalten hatten, und er stank schwer nach billigem Alkohol und aggressivem, saurem Alpha-Moschusgeruch.

Er öffnete das Eisengitter, die Angeln stöhnten laut, und trat direkt in meine kleine Zelle.

„Schau dich an", schnurrte Garrett, seine gelben Wolfsaugen glänzten mit einer krankhaften, raubtierartigen Hitze, während er das Licht an meinem Körper hinunterführte. Der Strahl fing den tiefroten Weinfleck auf meiner Brust und den zerrissenen Stoff meines Hemdes auf. „Die große Tochter des Alphas Elias, zu einer blutenden Ratte im Dreck reduziert. Weißt du, das Rudel denkt, du bist ein Fluch. Aber ich denke, du bist nur ein wehrloses kleines Menschenmädchen, das niemanden mehr hat, der es beschützt."

Ich drückte mich rückwärts gegen die feuchte Steinwand, meine wunden Finger krallten sich verzweifelt in die Erde. „Geh weg von mir", krächzte ich, meine Stimme kaum ein gebrochenes Flüstern.

„Oder was? Du rufst deinen Gefährten?" Garrett lachte – ein dunkles, hässliches Geräusch, das von den Kellerwänden abprallte. Er warf die Taschenlampe auf eine Holzkiste und ließ ihren Strahl die Zelle beleuchten, während er seinen schweren Taktikgürtel aufschnallte. „Ronan hat dich vor der ganzen Welt zurückgewiesen, Süße. Du gehörst jetzt dem Rudel. Und da du sowieso morgen in die Berge gehst, um zu sterben, wäre es doch schade, so ein hübsches Ding ungenutzt zu lassen."

Er stürzte sich auf mich.

Ein Schrei riss sich aus meiner Kehle, als sein massiver, schwerer Körper mich auf dem eisigen Boden festnagelte. Der erstickende Geruch von saurem Alkohol und Schweiß überflutete meine Sinne, während seine großen Hände brutal meine Schultern packten und mich festhielten. Die Agonie in meinem gepeitschten Rücken flammte zu einem blendenden weißen Licht auf und drohte mich ins Bewusstlose zu ziehen – doch mein Überlebensinstinkt erwachte mit gewaltsamer Kraft zum Leben.

*Nein. Ich werde nicht zulassen, dass sie mich brechen.*

Als Garrett sich herabbeugte, um seinen Mund gegen meinen Hals zu pressen, rammte ich meinen Daumen mit der gesamten verbleibenden Kraft in meinem kleinen Körper direkt in seine linke Augenhöhle.

Garrett brüllte vor Schmerz auf, sein Griff lockerte sich für den Bruchteil einer Sekunde, als Blut aus seinem Auge quoll. Ich nutzte das Fenster und riss mein Knie heftig nach oben, schmetterte es direkt in seinen Schritt. Der massive Krieger krümmte sich, würgte und kollabierte neben mir in den Dreck.

Ich robbte rückwärts auf Händen und Knien, schluchzend nach Luft ringend, mein Körper zitterte so heftig, dass ich mich kaum aufrecht halten konnte. Garrett richtete sich bereits wieder auf, sein Gesicht zu einer dämonischen Maske purer Raserei verzerrt.

„Du tote Schlampe!", knurrte er und griff nach seinem Messer. „Ich werde dir die Kehle aufschlitzen—"

„Garrett! Zurückstehen!"

Eine scharfe, befehlsgewohnte Stimme schnitt durch den Keller.

Elena stand oben an der Treppe, die Arme fest über der Brust verschränkt, und blickte auf die chaotische Szene herunter mit einem Ausdruck tiefer Langeweile und Verärgerung. Sie trug noch immer das silbern perlenbesetzte Zeremonienkleid – dasjenige, das meiner toten Mutter gehört hatte.

Garrett erstarrte, seine Brust hob und senkte sich keuchend, während er das Blut aus seinem Auge wischte und zur zukünftigen Luna aufblickte. „Sie hat mich angegriffen, Lady Elena. Ich war gerade dabei—"

„Mir ist egal, was du getan hast", schnappte Elena, ihre Absätze klickten scharf gegen den Stein, als sie die Stufen hinabstieg. Sie warf Garrett keinen einzigen Blick zu – ihre boshaften, triumphierenden Augen fixierten sich direkt auf meine zitternde, gebrochene Gestalt. „Raus hier. Die Abholer des Hohen Rates sind gerade an den vorderen Toren eingetroffen. Sie wollen, dass das Objekt sofort in den Transport geladen wird."

Garrett spuckte in den Dreck, warf mir einen letzten, tödlichen Blick zu, bevor er seinen Gürtel schnallte und an Elena vorbei die Treppe hinaufstürmte.

Elena trat in die Mitte der feuchten Zelle und blieb wenige Zentimeter von mir entfernt stehen, wo ich gegen die Wand zusammengebrochen lag. Sie blickte mit einem langsamen, giftigen Lächeln auf mich herunter.

„Schau dich an", flüsterte Elena, ihre Stimme triefte vor ekstatischer, spöttischer Befriedigung. „Du siehst schon aus wie eine Leiche. Dachtest du wirklich, du könntest irgendeine erbärmliche Freak-Magie benutzen, um Ronan von mir wegzustehlen? Schau dir dieses Kleid an, Kiara. Es passt mir perfekt. Genau wie sein Thron zu ihm passt."

Ich hob meinen Kopf, mein Blick schwamm, mein Körper so geschwächt durch Blutverlust, Hunger und Erschöpfung, dass ich kaum meine Augen offen halten konnte. „Er ist... ein Feigling", würgte ich hervor und spuckte einen Mund voll Blut auf den Boden nahe Elenas Schuhen. „Und du auch."

Elenas Lächeln verschwand sofort, ersetzt durch einen kalten, scharfen Hass. Sie hob ihren Fuß und trieb ihren Absatz aggressiv direkt in meine blauen Rippen.

Ich keuchte und kollabierte flach auf die Seite, als der Knochen unter dem plötzlichen Druck knackte.

„Genieß die nördlichen Berge, Schwester", schnurrte Elena und beugte sich herunter, um mir ins Ohr zu flüstern. „Die Abholer draußen sind keine Rudelwölfe. Sie sind bewaffnete Monster von der Alpha-Akademie. Wenn sie deinen erbärmlichen, wolfslosen Körper zu den Gipfeln schleifen, wirst du den Frost anflehen, dich zu töten."

Elena richtete sich auf und gab den Treppenaufgang frei. „Abholer! Sie gehört euch. Schafft den Müll raus."

Zwei turmhohe, monolithische Männer traten aus den Schatten des Treppenabgangs hervor. Sie trugen nicht die Uniform des Silver-Moon-Rudels.

Sie trugen schwere, mattschwarz taktische Rüstung, und ihre Augen glänzten in einem flüchtigen, unnatürlichen Gelb durch die Dunkelheit. Sie strahlten eine erschreckende Aura von altem Blut und Bergfrost aus.

Mit völliger, gefühlloser Effizienz packend griff der erste Abholer mich am Kragen meines ruinierten Hemdes und hob meinen schlaffen, gebrochenen Körper vollständig vom Boden, als würde ich gar nichts wiegen.

Ich konnte mich nicht wehren. Meine Muskeln waren völlig unbeweglich, mein Kopf rollte nutzlos gegen meine Schulter, während mein Blickfeld in dunkelgrauen Rändern zu verschwimmen begann.

Sie schleiften mich die Steinstufen hinauf, durch die Küche und in die eisige Morgenluft hinaus.

Durch mein nachlassendes Bewusstsein spürte ich, wie meine nackten Füße über den Schotter schliffen und eine schwache karmesinrote Spur hinter mir hinterließen.

Sie warfen mich ohne Umschweife in das Heck des gepanzerten schwarzen Transporters. Die massive Metalltür schlug zu, und das elektronische Schloss klickte mit einem Geräusch wie ein Schuss an seinen Platz – und begrub mich in der Dunkelheit.

Ich sackte gegen die eiskalte Stahlwand. Das zerbrechliche Dienstmädchen, das um Gnade geweint hatte, war fort.

Die Akademie sollte mein namenloses Grab sein. Doch während der Transporter nach vorne ruckte und Richtung nördlichem Frost fuhr, wusste ich, dass sie zu meinem Schmelztiegel bestimmt war.

Was dachten sie sich dabei? Sie hatten meine Knochen gebrochen? Auf gar keinen Fall!

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