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KAPITEL ZWEI

Autor: MURK ROSE
last update Fecha de publicación: 2026-07-06 17:50:21

Omen des Unheils

**Kiaras Perspektive**

„Ein Rudel braucht eine Luna, die führen kann", sagte Ronan, seine Augen bohrten sich in mich – kalt und völlig distanziert. „Eine Luna, die sich verwandeln, bluten und mit den Wölfen laufen kann. Mein Vater ist der Alpha, und ich werde nach ihm das Amt übernehmen. Der Silver Moon kann nicht von einem Mädchen geführt werden, das gebrochen ist. Ich kann keine Gefährtin haben, die meiner Blutlinie Schande bringt."

Er trat näher, beugte sich herunter, sodass seine nächsten Worte ein grausames, erdrückendes Flüstern waren, das nur für meine Ohren bestimmt war. „Du bist ein Mädchen ohne Wolf, Kiara. Du bist absolut nichts. Hast du wirklich gedacht, ich würde eine gebrochene Dienerin einem Thron vorziehen?"

Er richtete sich abrupt wieder auf und erhob erneut seine Stimme, seine Worte schnitten durch die Mitternachtsluft wie die Axt eines Henkers. „Ich, Ronan vom Silver Moon, weise dich, Kiara, als meine Gefährtin zurück."

Der goldene Faden in meiner Brust zerbrach nicht nur – er zersplitterte in tausend gezackte Stücke. Es fühlte sich an, als würde mein Herz roh aus meinem Brustkorb gerissen und in den Dreck getreten. Die Qual war so scharf, so vollständig, dass meine Beine völlig nachgaben.

Ich sank auf die Knie, das kalte Gras biss sich in meine Haut. Ich wollte schreien, heulen, den Himmel zerreißen – doch meine Kehle war vollkommen gelähmt.

Das Rudel brach in einen Beifallssturm aus und jubelte über die „weise" Entscheidung ihres neuen Alphas. Elena trat vor, ein selbstgefälliges, giftiges Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus, während sie Ronans Hand ergriff und ihren Platz am Feuer besiegelte.

Doch die Qual war noch nicht vorbei.

Bevor ich auch nur wieder Luft in meine Lungen holen konnte, schloss sich eine Hand in mein Haar und riss mich brutal rückwärts aus dem Licht.

„Du erbärmlicher, peinlicher Freak", zischte Beatrice.

Die elegante Luna-Maske war meiner Stiefmutter vollständig vom Gesicht gefallen. Im Halbdunkel am Rand der Lichtung ließ Beatrice ihre Hand mit der rohen Kraft einer Gestaltwandlerin auf mich niedersausen und schleuderte mich hart zu Boden.

„Mutter, hör auf!", rief Ronan, ein plötzlicher Anflug von Panik durchbrach seine neu erworbene Alpha-Autorität. Er machte einen Schritt nach vorne, doch sein Vater hielt ihn sofort mit einer schweren Hand zurück.

„Lass die Luna dem Menschen seinen Platz zeigen", befahl der alte Alpha kalt.

Beatrices Lederstiefel traf mit voller Wucht meine Rippen. Ein scharfes Knacken hallte in meinen Ohren.

Elena stand direkt hinter ihrer Mutter, ihre Augen glänzten vor krankhaftem, ekstatischem Triumph, während sie den Stoff des gestohlenen Kleides glatt strich.

„Du dachtest, du könntest eine königliche Verbindung beanspruchen?", knurrte Beatrice und versetzte mir einen weiteren schweren Schlag in den Magen. „Du bist eine Plage für unser Erbe. Ein defektes Stück Fleisch!"

Ich rollte mich zu einer engen Kugel zusammen und schmeckte das Blut auf meiner Zunge. Ich wollte schreien, betteln, einen Weg finden, die Schläge zum Aufhören zu bringen. *Es tut mir leid, Papa... Mama...* dachte ich, während eine erstickende graue Dunkelheit mich hinabzuziehen begann. *Man kann keine Seele aufbauen, wenn sie zuerst die Knochen brechen.*

Dann hörte die Welt auf, sich zu bewegen.

Der körperliche Schmerz verschwand augenblicklich, ersetzt durch eine qualvolle, erschreckende Welle reinen elektrischen Stroms, der durch mein Mark schoss. Mein Körper erstarrte plötzlich vollständig. Meine Augen verdrehten sich, und ich fiel flach auf den Rücken, meine Gliedmaßen zuckten und zitterten unkontrollierbar gegen den Boden in einem wilden, unbeherrschbaren Krampf.

„Was macht sie da?", quietschte Elena und wich sofort angewidert zurück. „Hat sie einen Anfall? Sie ist widerlich!"

Doch Beatrice erstarrte, ihr Stiefel schwebte reglos in der Luft.

Das heftige Zucken wurde schneller, eine seltsame Vibration durchdrang den Steinboden unter meinem bebenden Körper. Und dann wurde die Luft in der Lichtung eisig kalt. Das tosende Zeremonienfeuer flackerte heftig auf, seine gewaltigen orangefarbenen Flammen verwandelten sich in ein krankhaftes, gespenstisches, übernatürliches Weiß.

„Seht euch ihr Haar an!", schrie ein erfahrener Krieger aus der vorderen Reihe, seine Stimme brach vor plötzlicher, urwüchsiger Angst.

Das gesamte Rudel keuchte wie aus einem Mund.

Von den Wurzeln ausgehend begann mein verfilztes, rußverschmiertes dunkles Haar sich zu verändern. Ein blendendes, flüssiges Licht sickerte durch die Strähnen und wusch das dunkle Pigment fort. Innerhalb von Sekunden wurde mein Haar nicht nur blond – es verwandelte sich in geschmolzenes, schimmerndes, leuchtendes Gold. Es strahlte eine seltsame, uralte Wärme aus und pulsierte mit einer Kraft, die keiner von ihnen je in seinem Leben gespürt hatte.

Eine schwere, erdrückende Aura explodierte von meinem krampfenden Körper nach außen – so dicht und erschreckend, dass die hochrangigen Wölfe in der vorderen Reihe auf die Knie fielen und wimmerten, während ihre inneren Bestien in absoluter Angst zusammenkauerten.

„Was... was ist das?", wimmerte Elena und klammerte sich an Ronans Arm. „Mutter, was ist sie?!"

Beatrice taumelte rückwärts, ihr Gesicht wurde kreidebleich. „Das ist... das ist unmöglich."

Der alte Alpha trat vor, seine Augen weit aufgerissen vor uraltem, abergläubischem Grauen. Er sah auf die weißen Flammen des heiligen Feuers, dann auf das glühende, goldenhaarige Mädchen, das zuckend auf dem Boden lag.

Für einen Werwolf war unerwartete Magie kein Segen – sie war ein Omen des Unheils.

„Es ist ein Fluch", flüsterte der Alpha, seine Stimme zitterte, während er mit einem bebenden, angsterfüllten Finger auf meine zuckende Gestalt zeigte. „Die Mondgöttin hat eine Auserwählte gezeichnet. Sie ist ein Vorbote des Unglücks!"

Das Rudel verfiel in totale Panik. Wölfe begannen vor Angst zu heulen und flohen vom Podium, als wäre ich eine wandelnde Seuche.

„Beatrice!", brüllte der Alpha über das Chaos hinweg und wandte sich mit wild aufgerissenen Augen an seine Luna. „Schafft dieses verfluchte Mädchen aus meinen Augen! Bringt sie von diesem Territorium fort, bevor sie Ruin und Unglück über die Amtsübernahme meines Sohnes bringt! Sofort!"

Beatrice zögerte nicht. Sie eilte zum Rand der Lichtung, wo ein schwarzer, gepanzerter Transporter geparkt stand. Sie gab den beiden massigen, schwarz gekleideten Abholern, die neben den Türen standen, energisch ein Zeichen.

„Nehmt sie!", schrie Beatrice, ihre Stimme überschlug sich. „Werft sie in den Transporter! Bringt sie in die nördlichen Berge!"

Die Abholer, ihre gelben Augen weit aufgerissen vor einer Mischung aus Ehrfurcht und Angst, stürmten nach vorne. Sie packten meinen noch zuckenden, goldenhaarigen Körper vom Boden und schleppten mich zum schweren Fahrzeug.

Als sie mich in das pechschwarze, fensterlose Innere warfen, flackerte mein Bewusstsein für eine letzte, klare Sekunde auf. Durch die zuschlagenden Türen sah ich Ronan, der mich in absolutem, gelähmtem Entsetzen anstarrte. Ich sah Elena zittern – in der Erkenntnis, dass das Mädchen, das sie als „nichts" bezeichnet hatte, die Welt soeben auf den Kopf gestellt hatte.

Die schwere Metalltür schlug zu, und das elektronische Schloss klickte ein wie ein Schuss.

Ich sackte gegen die eiskalte Stahlwand. Meine Gliedmaßen wurden endlich still, das leuchtende, goldene Licht meines Haares warf einen schwachen, unheimlichen Schimmer in die absolute Dunkelheit des Transporters.

Das zerbrechliche Dienstmädchen, das Böden geschrubbt hatte, war tot. Das Rudel glaubte, einen verfluchten Menschen in die Berge geschickt zu haben, um dort zu sterben.

Sie hatten keine Ahnung, dass sie gerade einen Gott in die Schmiede geschickt hatten.

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