Share

Kapitel 96: Der Sitzungssaal

Author: Tammy
last update publish date: 2026-09-19 23:52:06
Maximilian

Als ich hereinkam, hatte Delacroix bereits alle Anwesenden am Tisch versammelt; neun Gesichter waren zur Tür gewandt, keines davon freundlich.

„Setz dich“, sagte er. „Wir warten schon seit zwanzig Minuten.“

„Ich war bei Mila. Es gab eine neue Entwicklung.“

„Es gibt immer eine neue Entwicklung, Maximilian. Das ist ja gerade das Problem.“ Er klopfte zweimal auf den Tisch – eine Angewohnheit, von der ich gelernt hatte, dass sie bedeutete, er war dem aktuellen Stand des Gesprächs bereits
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 141: Die Tür und was dahinter liegt

    MilaHelga las Maxis Nachricht, während sie am Herd stand, hinter ihr tickte der Wasserkocher, und eine Hand lag flach auf der Arbeitsplatte.Ich sah zu, wie sie die Nachricht zweimal las. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. Da wusste ich, dass es nichts Gutes bedeutete.„Setz dich“, sagte sie.„Nein.“„Dann stütz dich irgendwo an.“Ich lehnte mich an den Türrahmen. Auf dem Tisch lag der gelbe Block, auf den ich seit einer Stunde meine eigene Initiale geschrieben hatte, Reihe für Reihe: nach unten, zurück, eintauchen, nach oben, aushalten. Die ersten Reihen waren wackelig. Mit den letzten hätte ich einen Mietvertrag unterschreiben können.„Maximilian hat einen Schlüssel erhalten“, sagte Helga. „Von seinem Cousin. Nate hatte ihn von einem Mann am Straßenrand vor deinem Atelier bekommen. Der Mann bat darum, dass er an dich geht, nicht über einen Anwalt und nicht über Maximilian.“ Sie drehte ihr Handy mit dem Display nach unten. „Ich erzähle dir das, weil du lieber wissen möchtes

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 140: Der Hut

    MaximilianDer Mann am Kotflügel schaute auf seine Uhr. Er drehte sein Handgelenk nach außen und blickte darauf, so wie man einen Topf betrachtet, vor dem man keine wirkliche Angst hat, dann schob er den Ärmel mit dem Daumen wieder nach unten. Immer wieder, eine kleine Drehung am Manschettenknopf.Nate hatte sich nicht bewegt. Seine Hand lag weiterhin über seinem Mund. Zwischen zwei Fingern konnte ich sehen, wie seine Lippe zitterte.„Sag etwas“, sagte Lena mit sehr leiser Stimme.„Ich kann nicht.“„Du hast gesagt, es ist nicht Frank.“„Ist es auch nicht.“ Er senkte langsam die Hand. „Frank steht mit seinem Gewicht auf beiden Füßen. Er ist ein Mann, dem der Bürgersteig gehört. Der da“ – er nickte in Richtung der Scheibe, ohne hinzuschauen – „stützt sich auf das linke Bein. Da steckt ein Stift im Knie. Er ist auf der Werft von einer Leiter gefallen, als ich vier war, und es ist nie richtig verheilt.“„Nate.“„Ich sage nicht, wer es ist. Ich beschreibe nur den Gang.“ Seine Stimme klang

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 139: Zwei Schlüssel

    MilaDer Stift blieb auf der Linie liegen. Ich beobachtete ihn.Ich kannte diesen Buchstaben. Ich hatte ihn in Schulheften, Mietverträgen, einer Heiratsurkunde und auf der Rückseite einer Karte geschrieben, die unter einer Tür hindurchgeschoben worden war. Und in einem Lesesaal im Keller, wo auf dem Nebentisch eine Fälschung offen auf dem Tisch lag, wollte mir meine Hand nicht verraten, in welche Richtung der Mittelteil ging.„Lass dir Zeit“, sagte Herr Pfeiffer mit der Stimme eines Mannes, dem man gesagt hatte, dass das hilft.Es half nicht. Es war die Zeit, die das bewirkte.Helga trat um den Schreibtisch herum, legte zwei Finger auf den Kugelschreiber und hob ihn aus meiner Hand. Die Kette klirrte gegen das Holz. „Setzt euch“, sagte sie. „Ihr beide. Herr Pfeiffer, ein Glas Wasser.“Er brachte es in einem Marmeladenglas. Ich hielt es mit beiden Händen fest und trank, und das Wasser schmeckte nach der Leitung, durch die es geflossen war.Unter dem Tisch, an meinem Oberschenkel, probi

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 138: Was zum M tut

    MaximilianLena trug um zwei Uhr, ohne jemanden zu fragen, einen Kaffee hinunter zum grauen Auto.Ich beobachtete sie vom Fenster aus. Sie ging in Strümpfen über die Straße, in der einen Hand einen Pappbecher, in der anderen ein in eine Serviette gewickeltes Brötchen, und blieb mit erhobenem Kinn an der Fahrertür stehen. Tobias Keil kurbelte das Fenster zwei Zoll herunter. Sie schob den Becher durch den Spalt. Er blieb stecken. Sie drehte ihn zur Seite und schob noch einmal, und der Becher passte hinein.„Sie hat den Verstand verloren“, sagte Nate.„Sie hat ihre Schuhe verloren.“„Das auch.“Lena stand mit verschränkten Armen da, während er trank. Er sah sie nicht an. Er sah auf den Becher. Nach einer Minute sagte sie etwas Kurzes, und er nickte, und sie ging zurück über die Straße, wobei ihre Füße sehr blass auf dem Asphalt abhoben. Sie runzelte die Stirn, als sie die Treppe hinaufkam.„Er mag keine Sahne“, sagte sie. „Ich habe nicht gefragt. Ich hätte fragen sollen.“„Was hast du ih

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 137: Der Planraum

    MilaHelga bestellte für uns beide, ohne die Speisekarte aufzuschlagen. Zwei Schüsseln Linsensuppe, ein Korb Roggenbrot, eine Kanne Tee. Die Kellnerin, ein Mädchen mit einem Ring in der Augenbraue, stellte alles auf einmal vor uns hin und stellte mir, als wäre es ihr erst im Nachhinein eingefallen, eine Essigflasche neben den Ellbogen.„Edith hat dich Weiß genannt“, sagte ich.„Das war mein Name, als sie mich kennenlernte. Ich war dreiundzwanzig und bei ihrem Mann in der Ausbildung.“ Helga brach ein Stück vom Brot ab. „Brandt-Neumann kam mit der Heirat. Ich behalte ‚Weiß‘ für Leute, die mich kannten, bevor ich mich entschieden hatte, was ich werden wollte.“„Brandt.“„Der häufigste Name im Land. Dein Vater hatte kein Monopol darauf.“Sie sagte es beiläufig und fuhr fort, das Brot zu bestreichen. Ich sah ihr dabei zu, bis hin zu den Ecken des Brotes, und ließ es dann fallen.Ich hatte die gefaltete Skizze während des ganzen Spaziergangs in meiner Faust gehalten, und sie war vom Schweiß

  • ALS SEINE FRAU GING, KAM DIE LEGENDE ZURÜCK   Kapitel 136: Tobias

    MaximilianIch fotografierte das Auto durch die Scheibe, vier Aufnahmen, das Kennzeichen wurde von einem geparkten Transporter verdeckt. Dann schickte ich die Bilder mit einer einzigen Zeile an Helga. Derselbe Mann, der Mila das Foto überreicht hatte. Unter unserem Fenster.Ihre Antwort kam in weniger als einer Minute. Geh nicht nach unten. Öffne das Fenster nicht. Sprich nicht mit ihm. Ist die Schachtel noch versiegelt?Aufgeschnitten und flachgedrückt. Nicht von uns.Dann ist es kein Beweis für irgendetwas, was ihr getan habt. Deckt es ab. Lasst es, wo es ist.Lena hatte bereits einen Mantel vom gefalteten Stapel genommen und ihn über den Karton geworfen, die Ärmel hingen bis zum Boden herunter. Es sah aus wie ein kleines graues Tier, das unter einer Decke schlief. Nate stand zwei Fuß davon entfernt und ließ die Hände an den Seiten hängen.„Er ist in meinem Alter“, sagte Nate.„Wer?“„Der Junge mit der Kamera. Ich habe ihn gestern Abend auf der Treppe gesehen, hinter dem Müllcontain

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status