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Kapitel 2

Author: Eukalyptusnebel
Ich nahm mein Handy und öffnete mein Postfach.

Die neueste E-Mail kam vom Organisationskomitee.

„Da das Werk nicht zum Wettbewerb gehörende Elemente enthält und dadurch die Bildintegrität sowie die Regeln der anonymen Begutachtung verletzt, wird die Teilnahmeberechtigung für dieses Jahr aufgehoben.“

Ich hielt Mira den Bildschirm vor Augen.

Ihr Lächeln erstarrte langsam.

Dann röteten sich ihre Augen.

„Die Jury hat ja überhaupt keinen Humor. Woher sollte ich wissen, dass die so verbohrt sind?“

Sie schniefte, ihre Stimme wurde immer gekränkter.

„Ich wollte doch nur, dass du dich ein bisschen entspannst. Du läufst seit Tagen wegen dieses Wettbewerbs mit so einem Gesicht herum. Wer hält das denn aus? Jana Berg, kannst du bitte aufhören, mich so anzusehen? Dann erstatte ich dir eben die Anmeldegebühr.“

Simon zog Mira hinter sich.

Diese Bewegung kannte ich nur zu gut.

Als wäre ich, sobald sie weinte, automatisch diejenige, die nachgeben musste.

„Jana.“ Simons Stimme wurde schwer. „Mira hat es nicht mit Absicht getan. Sie hat wirklich Mist gebaut, aber sie meinte es gut.“

Ich sah ihn an.

„Meine Teilnahmeberechtigung ist weg.“

„Wenn es dieses Jahr nicht geht, dann nächstes Jahr.“ Simon runzelte die Stirn. „Du hast Talent. Kommt es wirklich auf dieses eine Jahr an? Musst du die Sache unbedingt jetzt für alle so hässlich machen?“

Mira fügte leise hinter ihm hinzu:

„Ich habe doch schon gesagt, dass ich das Geld zahle.“

Plötzlich kam mir diese Wohnung sehr eng vor.

So eng, dass ihre Selbstverständlichkeit nicht hineinpasste und der letzte Rest meiner Würde auch nicht.

Ich senkte den Kopf und machte Screenshots: von der Stornierung, vom Gruppenchat, von der Absage-Mail.

Als Simon sah, was ich tat, wurde sein Gesicht noch finsterer.

„Wozu machst du Screenshots? Willst du Beweise sammeln, um uns anzuklagen?“

Ich steckte das Handy weg, ging in den Flur und nahm meinen Ersatzschlüssel von Simons Schlüsselbund.

Unwillkürlich legte er die Hand auf den Ring.

„Jana Berg.“

Ich riss daran. Der Schlüssel fiel in meine Hand.

„Ihr widert mich wirklich an.“

Mira hatte Tränen im Gesicht und sah aus, als hätte man ihr eine Ohrfeige gegeben.

In Simons Augen war seine Geduld endgültig aufgebraucht.

„Wenn du heute durch diese Tür gehst, erwarte nicht, dass ich dich noch einmal tröste.“

Ich öffnete die Tür und zog meinen Koffer hinaus.

Bevor die Tür ins Schloss fiel, hörte ich Mira mit tränenerstickter Stimme fragen:

„Ist sie nicht viel zu weit gegangen?“

Simon antwortete nicht sofort.

In dem Moment, als die Fahrstuhltüren zugingen, erschien seine Nachricht.

„Wenn du dich genug beruhigt hast, komm von selbst zurück.“

Das Taxi hielt vor dem Terminal. Ich zog meinen Koffer heraus.

Der Fahrer fragte, ob er helfen solle.

Ich schüttelte den Kopf, hielt das Handy ans Ohr und hörte die Sprachnachricht von Prof. Eva Richter ab.

„Jana, der Platz für die Künstlerresidenz auf Island ist noch frei. Wenn du sicher bist, dass du kommen willst, lasse ich dir heute Abend vom Atelier die Einladung schicken.“

Ich hielt die Sprechtaste gedrückt.

„Prof. Eva Richter, ich bin sicher.“

Nachdem ich die Nachricht gesendet hatte, leitete ich ihr die Absage des Sternzeichner-Preises weiter.

Sie antwortete schnell.

„Komm erst einmal hierher. Dass ein Werk zerstört wurde, ist nicht das Ende. Du selbst bist noch da.“

Ich starrte auf diesen Satz, und meine Kehle zog sich zusammen.

In meinem Studienjahr, als meine Eltern sich scheiden ließen und mir zusammen mit den Schulden den Rücken kehrten, war es Mira gewesen, die ihr Geld für den Lebensunterhalt mit mir geteilt und mich durch die schwersten Monate begleitet hatte.

Später, als ich eine Panikattacke hatte und auf dem Dach fast keine Luft mehr bekam, trug Simon mich auf dem Rücken ins Krankenhaus und blieb die ganze Nacht an meinem Bett.

Ich bin kein undankbarer Mensch.

Darum hatte ich mir immer wieder gesagt, dass sie mich nicht absichtlich verletzten. Wir kannten uns nur zu gut, deshalb achteten sie nicht mehr auf Grenzen.

Aber heute verstand ich endlich:

Ihre Hilfe von damals war kein Freifahrtschein, mich später zu misshandeln.

In der Schlange beim Check-in löste ich das gemeinsame Zahlungskonto mit Simon und beendete die Standortfreigabe.

Sofort rief Simon an.

Ich nahm ab.

„Du hast das gemeinsame Zahlungskonto deaktiviert?“ Seine Stimme wurde kalt. „Jana Berg, willst du jetzt sogar bei diesem bisschen Geld eine klare Grenze ziehen?“

„Ja.“

Am anderen Ende blieb es zwei Sekunden still.

Dann drängte sich Miras Stimme hinein.

„Jana, du bist doch nicht wirklich am Flughafen, oder? Wen willst du denn erschrecken? Simon nimmt es dir schon nicht mehr übel.“

Es klang, als nähme Simon das Handy kurz weiter weg und hielte es dann wieder ans Ohr.

„An welchem Eingang bist du? Ich komme dich abholen. Wegen der Mappe frage ich jemanden, ob man noch Einspruch einlegen kann.“

„Nicht nötig.“

„Was heißt nicht nötig?“ In Simons Ton lag mühsam unterdrückte Ungeduld. „Das Hotel in Sanya lässt sich nicht stornieren. Wenn du nicht mitkommst, macht es für uns beide auch keinen Spaß.“

Mira sagte leise neben ihm:

„Ganz ohne Spaß ist es auch nicht, es fehlt nur jemand zum Fotografieren.“

Ich reichte der Mitarbeiterin am Schalter meinen Reisepass.

Nachdem sie meine Unterlagen geprüft hatte, gab sie mir die Bordkarte.

„Gute Reise.“

Ich nahm die Bordkarte entgegen und sagte ins Telefon:

„Ich habe noch etwas zu erledigen. Ich lege auf.“

Jetzt wurde Simon wirklich wütend.

„Jana Berg, müssen sich unbedingt alle nur um deine Gefühle drehen? Mira hat schon geweint. Was willst du denn noch?“

Ich senkte den Blick auf das Reiseziel auf der Bordkarte.

„Weiter weg von euch.“

Ich legte auf und öffnete den Social-Media-Feed.

Mira hatte vor zehn Minuten ein Selfie gepostet. Ihre Augen waren rot, im Arm hielt sie eine Schnorchelmaske.

„Ich wollte jemandem voller Vorfreude eine Überraschung machen und werde behandelt, als hätte ich Böses getan. Menschen, die keinen Spaß verstehen, sind wirklich schwer zu ertragen.“

Darunter trösteten sie bereits mehrere Leute.

Simons Antwort fiel besonders auf.

„Wein nicht. Wir fahren nach Sanya und schauen aufs Meer. Sie ist stur. Nach ein paar kalten Tagen kommt sie zurück und entschuldigt sich.“

Ich hinterließ kein Gefällt-mir und schrieb keinen Kommentar.

Ich stellte nur ein, dass ich ihre Beiträge nicht mehr sehen wollte.

Bevor der Bildschirm dunkel wurde, erschien eine Benachrichtigung der Fluggesellschaft.

„Der Flug nach Reykjavík verspätet sich wegen polarer Luftströmungen. Das Boarding wird voraussichtlich um vier Stunden verschoben.“

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