INICIAR SESIÓN
Elara konnte den Spott nicht länger ertragen.
Das Blood-Moon-Rudel schlief nie — nicht wirklich — doch an diesem Morgen lag eine seltsame Stille über dem Land. Zu still. Zu schwer. Als würde selbst die Welt den Atem anhalten. Sogar die Vögel hatten den Himmel verlassen.
Elara ging mit hinter dem Rücken gefesselten Händen. Die silbernen Ketten verbrannten ihre Haut, ihre Handgelenke pochten vor Schmerz. Zu beiden Seiten flankierten sie Wachen — große Krieger in dunkler Rüstung, die ihre bitteren Herzen widerspiegelte. Ihre schweren Stiefel zertraten die trockenen Blätter, während sie sie zum zentralen Platz führten.
Sie stellte keine Fragen.
Nicht, weil sie die Antworten nicht bekommen konnte, sondern weil Fragen jetzt bedeutungslos waren.
Sie atmete nur langsam. Vorsichtig. Als wäre selbst das Atmen eine Sünde.
„Weitergehen“, knurrte einer der Wächter.
Sie gehorchte.
Das gesamte Rudel hatte sich versammelt — Hunderte Wölfe standen kreisförmig um die Hinrichtungsplattform. Ihre Gesichter verschwammen vor ihren Augen, voller Verurteilung. Manche blickten sie mit Mitleid an, andere mit grausamer Genugtuung.
Aber sie alle warteten.
Sie warteten auf den Alpha.
Sie warteten darauf, ihren Vater sterben zu sehen.
Warteten sie auch darauf, dass sie gemeinsam mit ihm hingerichtet wurde?
Der Gedanke war ihr kaum gekommen, da wurde sie nach vorne gestoßen und brutal zu Boden geworfen.
„Ahh!“ schrie Elara auf, als Dornen ihre Haut aufrissen. Ihre milchig helle Haut platzte auf, Blut färbte den Boden unter ihr rot.
„Da ist sie!“ schrien einige Rudelmitglieder.
Die Stimmen zwangen sie, den Kopf zu heben.
„Sie verdient es nicht zu leben!“
„Sie muss sterben!“
„Sie soll fühlen, was diese jungen Wölfe durchmachen mussten!“
Noch bevor sie reagieren konnte, flogen die ersten schweren Steine.
Einer traf ihren Kopf.
Ein anderer ihre Lippe.
Dann ihre Brust. Ihre Beine. Ihre Nase.
Innerhalb weniger Sekunden regnete Schmerz auf ihren ganzen Körper nieder.
„Steh auf.“
Elara schluckte trocken und zwang sich hoch. Ihre Beine fühlten sich schwerelos an, als würden sie jeden Moment nachgeben. Jeder kleine Fehltritt wurde sofort mit neuen Steinen bestraft oder mit einem harten Stoß der Wachen von hinten.
Vor ihr ragte der Hinrichtungsrahmen auf.
Das Holz wirkte neu.
Zu neu.
Natürlich, dachte sie bitter. Ein neuer Rahmen für den einst gefürchteten und respektierten Beta.
In der Mitte kniete ihr Vater.
Seine Hände waren gefesselt, die Augen verbunden, schwere Ketten lagen um seinen Hals. Von dem Mann, vor dem einst jeder gezittert hatte, war nichts mehr übrig. Nur eine gebrochene, verängstigte Hülle.
Langsam hob er den Kopf, als er ihre Anwesenheit spürte.
„Elara…“ krächzte er mit heiserer Stimme.
Ihr Atem stockte.
„Elara… mein Kind…“
Sie wusste nicht mehr, wie sich ihre Füße bewegt hatten, doch plötzlich stand sie direkt vor ihm und wischte ihm die Tränen aus dem geschwollenen Gesicht. Sein blondes Haar war verfilzt und voller getrocknetem Blut.
Elara biss sich auf die Lippe, bis sie ihr eigenes Blut schmeckte.
Sie hatte sich ihren Vater oft vorgestellt: Kalt. Grausam. Streng. Herzlos.
Aber nie so zerbrochen.
Und genau diese Version zerriss ihr Herz am meisten.
Sie hob den Blick zu den urteilenden Gesichtern um sie herum.
Sie wollte etwas sagen.
Wollte schreien, dass sie nichts gewusst hatte.
Dass sie nichts mit seinen Verbrechen zu tun hatte.
Dass sie niemals geahnt hatte, welche Monster er erschaffen hatte.
Doch ihre Stimme versagte.
Mein Vater wurde durch seine grausamen Geschäfte reich… und ich lebte wie eine Prinzessin. Von Geld bezahlt mit den Tränen unschuldiger junger Wölfe.
Ich verdiene das hier.
Die Menge wich plötzlich auseinander.
Eine große, kräftige Gestalt trat nach vorne.
Alpha Kane Blackthorn.
In dem Moment, in dem er erschien, veränderte sich die Luft.
Kälter. Schärfer. Gefährlicher.
Instinktiv senkten die Menschen ihre Köpfe. Niemand wagte es, ihm direkt in die Augen zu sehen. Seine bloße Anwesenheit verlangte Gehorsam.
Kane bewegte sich mit der Ruhe eines Mannes, der nichts fürchtete.
Nicht den Tod. Nicht das Schicksal.
Dunkle Haarsträhnen fielen ihm lässig in die Stirn, während sein langer schwarzer Mantel im eisigen Wind flatterte.
Er wirkte zu jung für solche Macht. Zu jung, um ein Rudel voller Dunkelheit zu führen. Zu jung, um das Gewicht all dieser Sünden zu tragen.
Und trotzdem schien selbst der Boden unter seinen Schritten zu erzittern.
Rudel zerbrachen unter seinem Blick.
Langsam trat er an den Rahmen heran und musterte Draven mit kalter Ruhe.
„Draven des Blood-Moon-Rudels“, sagte er mit dunkler Stimme. „Du wurdest schwerer Verbrechen beschuldigt. Verbrechen gegen unser Volk — Handel mit jungen Wölfen, verkauft als Sklaven, Zuchtobjekte und Sexsklaven. Du hast diese Verbrechen gestanden.“
Entsetzte Atemzüge gingen durch die Menge, obwohl längst jeder davon wusste.
Kanes Blick verhärtete sich.
„Hast du noch etwas zu sagen, bevor dein Urteil vollstreckt wird?“
Draven schluckte schwer. Sein Blick wanderte zu Elara.
Für einen einzigen Moment zeigte sich echte Schuld in seinen Augen.
Roh. Selten. Echt.
„Elara…“ flüsterte er. „Es… tut mir leid.“
Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen.
Sofort richteten sich alle Blicke auf sie.
Die Tochter des Verräters.
Die Tochter des Betas.
Mitschuldig.
Kane folgte Dravens Blick und sah sie an.
Seine Augen trafen sie wie die eines Raubtiers.
Durchdringend. Unbeweglich.
Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Kalt. Unlesbar.
Und doch veränderte sich etwas in seinem Blick.
Für einen kurzen Moment.
Mitleid?
Berechnung?
Sie konnte es nicht sagen.
„Beginnt“, befahl Kane.
Die Hinrichtung ging schnell.
Draven schrie nicht.
Ob Stolz oder Schuld ihn schweigen ließ, wusste Elara nicht. Doch er senkte den Kopf, als würde er sein Ende akzeptieren.
Ein erstickter Schrei brach aus ihrer Kehle, doch die Wachen hielten sie fest, bevor sie nach vorne stürzen konnte.
Als alles vorbei war, begann Schnee zu fallen.
Nicht sanft.
Die eisigen Flocken schnitten wie winzige Messer in ihre Haut.
Einige Wölfe murmelten Gebete. Andere flüsterten Flüche. Manche drehten sich einfach um und gingen.
Und Kane…
Kane sah kein einziges Mal zurück.
Er wandte sich ab, als wäre die Hinrichtung nichts weiter als ein Termin gewesen.
Doch dann blieb er direkt vor ihr stehen.
Elara erstarrte.
Nur wenige Zentimeter trennten sie voneinander.
Schneeflocken lagen auf seinen dunklen Wimpern — ein grausamer Kontrast zu der Hitze in seinem Blick, während er sie musterte.
Die Tochter des meistgehassten Verräters des Rudels.
„Du wusstest nichts von seinen Verbrechen?“ fragte er schließlich.
Seine Stimme war ruhig, doch die Frage traf sie wie ein Schlag.
„Nein“, flüsterte sie. „Ich schwöre es.“
Einer der Wächter schnaubte verächtlich.
„Das behaupten sie alle—“
Der andere lachte.
Kane hob nur eine Hand.
Sofort verstummten beide.
Sein Blick blieb auf Elara ruhen.
Suchend.
Abwägend.
„Er wurde hingerichtet“, sagte Kane ruhig. „Doch das Rudel verlangt nach mehr Gerechtigkeit.“
Kälte kroch durch ihren Körper.
„Mein… Schicksal?“
„Du wirst in den Palast gebracht“, erklärte Kane. „Bis ich entscheide, was mit dir geschieht.“
„Ihr nehmt sie mit?“ fragte Luciano, sein Beta.
„Warum verschont Ihr sie?“ zischte der Hauptkrieger.
Eine Frau spuckte vor Elaras Füße.
„Sie trägt sein Blut. Sie wird genauso wie er.“
Die Stimmen wurden lauter.
Hässlicher.
Elara senkte den Kopf.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Scham.
„Genug“, knurrte Kane.
Die Menge verstummte augenblicklich.
Der Alpha trat näher und hob ihr Kinn mit einer einzigen Berührung seiner Finger an.
Elara versteifte sich.
Plötzlich fiel ihr das Atmen schwer.
Zu nah.
Zu intensiv.
Etwas Fremdes schoss durch ihre Nerven.
Kane sprach leise weiter.
„Dein Leben gehört jetzt mir, Elara Draven.“
Seine Worte waren kälter als der Schnee, der um sie herum fiel.
„Wenn du meinen Palast betrittst, bist du keine Bürgerin des Blood-Moon-Rudels mehr.“
Ihr Atem stockte.
„Du gehörst mir.“
Elara erstarrte in dem Moment, als seine Stimme den Raum erfüllte.„Spreiz die Beine, Elara.“Die Art, wie er ihren Namen aussprach – langsam, ruhig und bewusst – jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken.Es war das zweite Mal in dieser Nacht, dass er ihren Namen gesagt hatte, und irgendwie klang er aus seinem Mund völlig anders: weich und schwer zugleich.Sie gehorchte sofort.Hör auf, warnte sie sich selbst. Denk nicht. Fühl nichts.Sie wartete, sehnte sich nach einer Berührung, nach irgendetwas – doch nichts kam.Die Abwesenheit war schlimmer als Schmerz.War das alles Teil ihrer Strafe? Oder verdienten Sexsklavinnen keine Lust? Wollte er sie spüren lassen, dass sie es nicht einmal wert war, berührt zu werden? Als ob eine Berührung ihr Trost spenden oder sie sich wieder menschlich fühlen lassen könnte – und genau das verweigerte er ihr.Der erste Stoß traf sie völlig unvorbereitet.Er war nicht nur unerwartet… er war brutal, tief und hart und jagte brennenden Schmerz durch ih
ALPHA KANES GEMACH — NACHTElara erwachte mit einem scharfen, panischen Keuchen.Ihre Brust hob und senkte sich hektisch, während die Luft brennend in ihre Lungen strömte. Für einen kurzen, schrecklichen Moment wusste sie nicht, wo sie war.Oder wer sie war.Dann biss die Kälte in ihre Handflächen.Glatter Marmor.Sie lag auf dem Boden.Nicht im Bett. Nicht kniend.Ihr Kopf pochte heftig, ein dumpfer Schmerz pulsierte hinter ihren Augen, als sie schluckte und langsam aufsah.Alpha Kane stand am anderen Ende des Raumes.Regungslos. Still. Beobachtend.Er hatte sich keinen Zentimeter bewegt.Elara schnappte nach Luft.Sofort zwang sie sich auf die Beine, obwohl sich noch alles in ihr drehte. Hastig senkte sie den Kopf so tief, dass ihre Stirn beinahe den Boden berührte.„E-Es tut mir leid“, stotterte sie mit zitternder Stimme. „Bitte verzeiht mir, mein Lord.“Das Schweigen drückte schwer auf sie herab.„Du bist ohnmächtig geworden“, sagte Kane schließlich.Seine Stimme war ruhig.Viel z
DIE GEMÄCHER DER DIENERINNENDie Dienstmädchen hatten sich bereits in ihren Gemächern versammelt. Lady Claribel, die Oberdienerin, stand vor ihnen und sprach mit scharfer, strenger Stimme zu ihnen, als plötzlich die Tür ohne Vorwarnung aufgestoßen wurde.Der Hauptkrieger schubste Elara grob hinein.Lady Claribel hielt mitten im Satz inne und drehte sich um.„Ist sie das?“ fragte sie den Wächter.Er nickte nur.„Die Sexsklavin des Alphas?“ murmelte jemand im Hintergrund.„Ruhe!“ fauchte Lady Claribel sofort und brachte den gesamten Raum zum Schweigen.„Ihr könnt gehen. Ich werde sie ausbilden.“Der Wächter verließ den Raum, während Claribel langsam auf Elara zuging, die noch immer dort saß, wo sie hingefallen war. Einen Moment zögerte sie, dann half sie ihr überraschend sanft auf die Beine.„Danke“, flüsterte Elara leise.„Wie heißt du?“„Elara… Draven“, antwortete sie, wobei ihr Nachname bitter auf ihrer Zunge lag.Lady Claribel nickte langsam.„Komm mit.“Elara folgte ihr sofort.„Is
Der Palast war kälter als der Hinrichtungsplatz.Damit hatte Elara nicht gerechnet.Sie hatte Wärme erwartet — knisternde Kamine, Diener, poliertes Holz und goldene Verzierungen wie in den Geschichten, die man Kindern erzählte.Stattdessen bestanden die Hallen aus dunklem Stein, der jedes Licht zu verschlucken schien. Fackeln flackerten entlang der endlosen Korridore und warfen Schatten an die Wände, die sich wie rastlose Geister bewegten. Jeder ihrer Schritte hallte laut wider, während die Wachen sie tiefer in den Palast führten.Sie wusste nicht, wohin man sie brachte.Niemand sprach.Mit jeder Abbiegung fühlte es sich an, als würde sie tiefer in die Höhle des Löwen hinabsteigen — direkt ins Herz des Raubtiers, das ihr alles genommen und sie dennoch verschont hatte.Aus Gerechtigkeit.Oder aus Grausamkeit.Schließlich blieben sie vor einer schweren Eisentür stehen.„Rein“, befahl einer der Wächter.Elara zögerte. „Was… ist das?“Der Kiefer des Mannes spannte sich an.„Dein Quartier.
Elara konnte den Spott nicht länger ertragen.Das Blood-Moon-Rudel schlief nie — nicht wirklich — doch an diesem Morgen lag eine seltsame Stille über dem Land. Zu still. Zu schwer. Als würde selbst die Welt den Atem anhalten. Sogar die Vögel hatten den Himmel verlassen.Elara ging mit hinter dem Rücken gefesselten Händen. Die silbernen Ketten verbrannten ihre Haut, ihre Handgelenke pochten vor Schmerz. Zu beiden Seiten flankierten sie Wachen — große Krieger in dunkler Rüstung, die ihre bitteren Herzen widerspiegelte. Ihre schweren Stiefel zertraten die trockenen Blätter, während sie sie zum zentralen Platz führten.Sie stellte keine Fragen.Nicht, weil sie die Antworten nicht bekommen konnte, sondern weil Fragen jetzt bedeutungslos waren.Sie atmete nur langsam. Vorsichtig. Als wäre selbst das Atmen eine Sünde.„Weitergehen“, knurrte einer der Wächter.Sie gehorchte.Das gesamte Rudel hatte sich versammelt — Hunderte Wölfe standen kreisförmig um die Hinrichtungsplattform. Ihre Gesicht







