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Kapitel 4

Author: Sommer
„Nein! Warren, das kannst du nicht tun!“

„Helena lebt nur noch wegen dieser zielgerichteten Medikamente. Wenn du sie absetzt, stirbt sie!“

Ich achtete nicht auf den Schmerz an meinem Handrücken.

Der Zugang zog an meiner Haut. Blut lief bereits in den Schlauch zurück. Trotzdem kämpfte ich mich hoch und griff nach seiner Hand.

Helena war der einzige Mensch auf dieser Welt, der mich wirklich liebte.

Ich durfte sie nicht verlieren.

Warren riss sich von mir los.

Dann rief er im Sanatorium an und ließ die Medikamente absetzen.

Danach drehte er sich kalt um und ging.

Er ließ mich allein zurück.

Allein mit meiner Verzweiflung.

Mit letzter Kraft schleppte ich mich in den Sitzungssaal der Familie.

Ich wollte Warren weiter anflehen. Ich wollte ihn bitten, Helenas Medikamente wieder freizugeben.

Doch kaum trat ich ein, sah ich Cynthia.

Sie war wieder zur Familie Alcott gekommen.

Und sie saß ganz selbstverständlich auf dem Platz zu Warrens rechter Hand.

Auf meinem Platz.

Diesen Platz gab es früher nicht.

Warren ließ ihn damals extra für mich einrichten, um meine Arbeit für die Familie Alcott anzuerkennen.

„Allie, ich habe diesen Platz für dich geschaffen, damit du an den Familienangelegenheiten teilnehmen kannst. Ich will, dass jeder sieht, wie hervorragend du bist.“

Doch jetzt saß eine andere Frau dort.

Warren sah, wie ich schwankend in der Tür stand.

Für einen kurzen Moment flackerte Schmerz in seinen Augen auf.

Gleich darauf wurde daraus gereizte Ungeduld.

Cynthia warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Dann schmiegte sie sich an seinen Arm und sprach mit süßer Stimme.

„Warren, du darfst jetzt nicht weich werden. Deine Frau war an dem Tag so aggressiv. Ich hatte wirklich Angst.“

Warren hörte ihr zu.

Dann sah er mich mit einem spöttischen Lächeln an.

„Hast du gehört? Mich anzuflehen bringt dir nichts. Fleh lieber sie an. Wenn du Cynthia dazu bringst, dir zu verzeihen, lasse ich die Medikamente wieder liefern.“

Danach lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und wartete auf meine Reaktion.

Ich ballte die Hände so fest, dass meine Nägel in meine Handflächen schnitten.

Einen Moment lang zögerte ich.

Dann zog ich den Ring von meinem Finger.

Den Ring, der meine Stellung als Donna zeigte.

Ich beugte mich hinunter und reichte ihn Cynthia.

„Es tut mir leid ... Ich war im Unrecht. Den Platz der Donna will ich nicht mehr. Ich bitte Sie nur, Ihren Ärger loszulassen.“

Cynthia sah den Ring an und lachte leise.

Dann legte sie vor meinen Augen die Arme um Warrens Hals und küsste ihn.

Erst danach sprach sie langsam weiter.

„Das nennst du eine Entschuldigung? Oder willst du mir damit etwa die Schuld geben? Deinen Ring wage ich doch gar nicht anzunehmen.“

Sie neigte den Kopf und lächelte noch süßer.

„Machen wir es so. Du kriechst auf allen vieren über den Boden. Bell ein paarmal wie ein Hund und kriech bis zu meinen Füßen. Dann schlägst du mit der Stirn vor mir auf den Boden und bittest mich um Verzeihung. Wenn du das tust, verzeihe ich dir. Na?“

Warren tippte ihr liebevoll gegen die Stirn.

„Du bist wirklich frech.“

Damit gab er ihr stillschweigend recht.

In diesem Augenblick starb mein Herz endgültig.

Unter Tränen legte ich mich auf den Boden.

Gedemütigt.

Zerbrochen.

Wie ein Hund bellte ich vor ihnen.

Dann kroch ich zu Cynthias Füßen und schlug die Stirn vor ihr auf den Boden.

„Bitte verzeihen Sie mir.“

Irgendwann konnte Warren nicht mehr hinsehen.

Er runzelte die Stirn.

„Genug. Es reicht.“

Das Lächeln auf Cynthias Gesicht verschwand schlagartig.

Offenbar war sie noch lange nicht zufrieden.

Ich sagte hastig: „Danke.“

Dann stand ich auf und ging.

Warren sah mich leicht verblüfft an.

In diesem Moment merkte er wohl, dass ich mich verändert hatte.

Aber in meinem Kopf gab es nur noch einen Gedanken.

Helena war gerettet.

Solange sie lebte, war alles gut.

Doch ich lag falsch.

Auf dem Weg rief mich der Arzt an.

Seine Stimme war schwer.

„Frau Alcott, Helenas Zustand verschlechterte sich nach dem Absetzen der Medikamente plötzlich dramatisch. Wir leiteten sofort die Wiederbelebung ein. Aber ... es tut mir leid. Wir konnten sie nicht retten.“

Gerade eben war sie gestorben.

Ich regelte Helenas Beerdigung allein.

Wie eine leere Hülle.

Danach nahm ich ihre Asche und ging zum Waisenhaus.

Doch was ich dort sah, war ein Meer aus Flammen.
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