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Kapitel 2

Author: Sommer
Vor fünf Jahren wurde Warren gerade erst Don der Familie Alcott.

Kurz darauf geriet er in einen Hinterhalt.

Ich war damals gerade volljährig und verließ das Waisenhaus. Durch Zufall fand ich ihn. Er lag blutüberströmt vor mir, kaum noch bei Bewusstsein.

Als ich erkannte, dass er der Mann war, der unser Waisenhaus jahrelang heimlich unterstützte, wusste ich selbst nicht, woher ich den Mut nahm.

Ich zerrte ihn in eine verlassene Lagerhalle und versteckte ihn dort.

Doch bevor die Männer der Familie Alcott eintrafen, holten uns seine Verfolger ein.

Ich fing eine Kugel für ihn ab.

Sie verfehlte meine Wirbelsäule nur um Haaresbreite.

Später brachte man uns zurück zur Familie Alcott. Warren war schwer verletzt. Doch kaum wachte er auf, schleppte er sich mit hohem Fieber an mein Bett.

„Ich schulde dir mein Leben. Sag mir, was du willst. Ich gebe es dir.“

Ich sah in sein blasses Gesicht.

Die Worte rutschten mir heraus, bevor ich nachdenken konnte.

„Dann bezahl deine Lebensschuld mit dir selbst.“

Ich wollte sofort sagen, dass es nur ein Scherz war.

Doch Warren nickte.

Er sagte einfach: „Ja.“

Die Zeit, in der wir uns von unseren Verletzungen erholten, war die glücklichste Zeit meines Lebens.

Nachdem Warren wieder auf den Beinen war, setzte er sich gegen alle Stimmen durch und heiratete mich.

Ein Mädchen ohne Familie. Er sagte, ich sei das einzige Licht in jener dunklen Zeit seines Lebens. Er wollte mich zur angesehensten Donna der Familie Alcott machen.

Aber in der Familie Alcott sah niemand zu mir auf.

Auf unserer Hochzeit verspottete mich Warrens Cousin sogar vor allen Gästen. Er nannte meine Herkunft niedrig und schmutzig.

Warren nahm ihm noch am selben Tag jeden Rang.

Dann erklärte er vor der gesamten Familie, mein Status sei von nun an dem seinen gleich.

Seitdem wagte niemand in der Familie Alcott mehr, mich offen geringzuschätzen.

Bald darauf bekamen wir Colton.

Doch bei seiner Geburt riss meine alte Verletzung wieder auf. Ich verlor so viel Blut, dass ich fast nicht mehr aufwachte.

Warren hielt meine Hand. In seinen Augen standen Tränen.

„Du hast mir Angst gemacht, Alyssa. So eine verdammte Angst.“

Danach wollte er am liebsten jeden Tag nach Hause eilen und an meiner Seite bleiben.

Damals glaubte ich wirklich, wir hätten die Hölle überlebt.

Ich glaubte, unser Glück sei endlich sicher.

Doch als Colton ein Jahr alt war, hörte Warren langsam auf, an mir zu hängen.

Er kam immer seltener nach Hause. Immer öfter blieb er angeblich wegen Familiengeschäften über Nacht weg.

Die Nähe von früher verschwand.

Ich wurde unruhig.

Ich hatte Angst, dass er etwas Gefährliches vor mir verbarg.

Aus Sorge ließ ich heimlich einen Tracker an seinem Wagen anbringen.

Erst dadurch fand ich heraus, wo er diese Nächte wirklich verbrachte.

Er kümmerte sich nicht um gefährliche Geschäfte der Familie.

Er war bei seiner Jugendliebe.

Sie hatte nur eine Erkältung. Trotzdem blieb er bei ihr. Er passte auf sie auf, redete ihr geduldig zu und brachte sie dazu, ihre Medikamente zu nehmen.

Cynthia Whitley war die Prinzessin der Familie Whitley.

Sie kehrte gerade nach ihrem Abschluss ins Land zurück.

Die Familie Alcott und die Familie Whitley standen sich seit jeher nahe. Ohne den Zwischenfall von damals heirateten Warren und Cynthia längst im Rahmen einer Eheallianz.

Cynthia kannte ich schon vorher.

An unserem Hochzeitstag bereitete ich mit größter Sorgfalt ein Candle-Light-Dinner vor und wartete auf Warren.

Damals brachte er Cynthia mit nach Hause und stellte sie mir vor.

„Das ist Cynthia. Ich kenne sie, seit sie klein ist. Sie ist gerade zurück. Ich wollte, dass ihr euch kennenlernt.“

Ich zweifelte nicht an ihm.

Ich kümmerte mich sogar aufmerksam um sie.

Denn ich vertraute unserer Liebe.

Doch die Wirklichkeit schlug mir hart ins Gesicht.

Unser erster heftiger Streit brach an meinem Geburtstag aus.

In den fünf Jahren unserer Ehe kam Warren jedes Jahr an meinem Geburtstag nach Hause und kochte persönlich für mich.

Dieses Versprechen brach er nie.

Nur dieses eine Mal kam er nicht.

Ich rief ihn an. Er ging nicht ran.

Ich schrieb ihm. Er antwortete nicht.

Ich wartete bis tief in die Nacht. Selbst Colton schlief längst. Warren kam trotzdem nicht zurück.

Erst gegen Morgen schickte er mir hastig eine Sprachnachricht.

„Allie, ich habe heute Nacht etwas Dringendes zu erledigen. Du und Colton, schlaft erst mal. Wartet nicht auf mich.“

Doch in der Nachricht hörte ich Cynthias zweideutiges Stöhnen.

Diese Lüge war so schlecht, dass sie fast wie eine Beleidigung klang.

Ich legte das Handy weg und rief die Ortung auf.

Als ich die beiden eng ineinander verschlungen sah, färbte Wut meinen Blick rot.

Ich wollte auf sie losgehen.

Ich wollte ihnen zeigen, dass eine Donna der Familie Alcott sich nicht einfach demütigen ließ.

Doch Warren stellte sich mir in den Weg.

Er packte mein Handgelenk. Sein Griff war hart, seine Stimme eiskalt.

„Alyssa, sie ist die Prinzessin der Familie Whitley. Mit ihr legst du dich nicht an. Wenn sie auch nur einen Kratzer abbekommt, kannst du Helena Jansens Behandlung vergessen.“

Ich erstarrte.

In diesem Moment wurde mein Blut eiskalt.

Helena zog mich groß.

Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Und die Medikamente, die sie am Leben hielten, lagen in Warrens Hand.

Also konnte ich nur gehen.

Unter Cynthias arrogantem, verächtlichem Blick verließ ich den Ort.

Meine Tränen brannten vor Scham.

Von da an wurde Warren immer skrupelloser.

Er kam kaum noch nach Hause.

Ich verlangte die Scheidung.

Er weigerte sich strikt, die Papiere zu unterschreiben.

Er drohte mir mit Coltons Sorgerecht.

Er drohte mir mit den Medikamenten meiner Pflegemutter.

Ich verstand es nicht.

Warum tat er das?
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