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Als der Abschied zur Qual wurde
Als der Abschied zur Qual wurde
Autor: Sommer

Kapitel 1

Autor: Sommer
Ich ging durch das Tor des Anwesens der Familie Alcott.

Der eisige Wind schnitt mir ins Gesicht.

Zu meiner Überraschung folgte Warren mir.

„Du willst wirklich in diesen Sachen gehen? Fang nachher bloß nicht an zu jammern, wenn du krank wirst. Und gib mir dann ja nicht die Schuld.“

Er zog seinen Mantel aus und wollte ihn mir umlegen.

Ich wich ihm aus.

„Selbst dann geht es dich nichts mehr an.“

Warrens Hand blieb in der Luft hängen. Für einen kurzen Moment blitzte Verblüffung in seinen Augen auf. Dann wurde daraus Spott.

„Bist du immer noch sauer auf mich? Ich war vorhin noch nicht fertig.“

Er drückte mir ein Siegel in die Hand.

Auf der Oberfläche war das Wort „Alcott“ eingraviert. Das Metall lag eiskalt in meiner Handfläche.

„Nimm dein Privilegsiegel mit. Wenn du es bereust, kommst du damit zu mir zurück.“

Warren sah auf mich herab. Als warf er einer streunenden Katze einen Knochen hin.

Ich hielt das Siegel fest.

Früher war es mir kostbarer als alles andere. Jetzt schnitt es mir nur noch schmerzhaft in die Handfläche.

Am Anfang unserer Ehe kannte ich die Regeln der Mafia nicht. Deshalb machten Warrens Leute mir oft das Leben schwer. Damals wollte er mir am liebsten die ganze Welt zu Füßen legen. Jede kleine Regung von mir, jeden heimlichen Wunsch, merkte er sich.

Dieses Siegel ließ er extra für mich anfertigen.

Damals sagte er zu mir: „Wer dieses Siegel sieht, sieht den Don selbst. Solange du es bei dir hast und damit zu mir kommst, erfülle ich dir jeden Wunsch.“

Später tat ich alles, um wirklich an seine Seite zu passen.

Ich ordnete mit größter Sorgfalt die legalen Geschäfte der Familie Alcott. Ich glättete die Zahlen. Ich löschte Feuer, bevor sie zu Bränden wurden. Ich lernte zu schweigen, wenn Schweigen nötig war.

Doch Warrens Liebe zu mir wurde trotzdem von Tag zu Tag blasser.

In den letzten zwei Jahren versuchte ich auf jede erdenkliche Weise, gut zu ihm zu sein. Ich wollte unsere Ehe retten. Ich wollte retten, was längst nicht mehr zu retten war.

Es brachte fast nichts.

Am Ende blieb mir nur dieses Siegel.

Ich nahm es und bat ihn um eine einzige Sache.

An unserem Hochzeitstag sollte er nach Hause kommen und mit mir essen.

Zwei Jahre hintereinander war er an diesem Tag nicht bei mir.

Doch selbst diese eine Bitte erfüllte er nicht.

Ein einziger Anruf reichte. Er ließ mich allein zu Hause sitzen.

Als ich ihn danach zur Rede stellte, wütend und gedemütigt, gab er mir keine Erklärung. Er nahm mir nur das Siegel weg.

Von diesem Tag an war ich der größte Witz der Familie Alcott.

Und jetzt, nach unserer Scheidung, gab er es mir zurück.

Wie lächerlich.

Kaum fuhr der Wagen los, wurde mein Handy von Nachrichten aus dem internen Familienchat überflutet.

„Donna, bei den Geldwäschebüchern für dieses Quartal stimmt etwas nicht. Wann kommen Sie zur Prüfung?“

„Donna, Herr Colton Alcott braucht langsam einen persönlichen Leibwächter. Wie sollen wir die Kandidaten auswählen?“

„Donna, für das Feuergefecht mit der rivalisierenden Familie heute Abend müssen die Vorräte verteilt werden. Wie lautet Ihre Anweisung?“

......

Müde schloss ich die Augen.

Meine Finger glitten über den Bildschirm. Nachdem ich alles Nötige erledigte, schrieb ich eine letzte Nachricht in die Gruppe.

„Warren und ich sind geschieden. Von jetzt an gehen mich die Angelegenheiten der Familie Alcott nichts mehr an.“

Dann verließ ich den Chat.

Endlich wurde es still.

Kurz darauf schrieb mir der Butler, Russell Belvoir.

Er war der Einzige in der Familie Alcott, der mir je ein wenig Wärme schenkte.

„Donna, selbst wenn Sie wütend auf den Don sind, dürfen Sie doch nicht gleich von Scheidung sprechen. Das verletzt auch den jungen Herrn Colton. Der Don trägt Sie immer noch im Herzen. Geben Sie wie früher nach. Entschuldigen Sie sich und besänftigen Sie ihn ein wenig. Dann holt er Sie bestimmt zurück.“

Er glaubte, ich machte wieder nur eine Szene.

Er dachte, ich musste wie früher vor Warren den Kopf senken. Ich musste mich entschuldigen. Dann wurde alles wieder gut.

Doch Russell wusste nicht, dass diesmal alles anders war.

Mein Herz war kalt.

Vollkommen kalt.

Niemand konnte es mehr wärmen.

„Wir sind wirklich geschieden, Russell. Bitte kümmer dich in Zukunft gut um Colton.“

Lange kam keine Antwort.

Dann schrieb Russell nur noch einen Satz.

„Frau Alcott, ich begleitete Sie beide von Anfang an. Sie und der Don waren früher so verliebt. Wie konnte es nur so weit kommen?“

Ich lachte leise über mich selbst.

Ja.

Wie konnte es nur so weit kommen?
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