An den Fürsten der Hölle verkauft

An den Fürsten der Hölle verkauft

last updateLast Updated : 2026-08-06
By:  ConnieOngoing
Language: Deutsch
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„Ich werde mich nicht lebend gefangen nehmen lassen“, waren ihre letzten Worte, bevor alles schwarz wurde. Nachdem sie mit ansehen musste, wie ihre beiden Eltern ermordet und ihr Königreich in Schutt und Asche gelegt wurde, scheint Leiyas Leben nicht mehr schlimmer werden zu können – doch genau das geschieht. Sie wird gewaltsam von ihrer Schwester getrennt und als Geschenk geschickt, um Helion, den Herrscher des Königreichs Kaltain, zu besänftigen – den mächtigsten Dämon, der je existiert hat, den „Prinzen der Hölle“. Doch Leiya ist entschlossen, den letzten Wunsch ihres Vaters zu erfüllen. Sie wird ihre Schwester Nayla um jeden Preis finden, und nicht einmal Helion kann ihr dabei im Weg stehen.

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Chapter 1

Chapter 1

„Sie kommen, Eure Majestät.“

Geiyas Augen glänzten vor Angst. Schweißperlen liefen über sein Gesicht und seinen Hals. Ich drehte mich um und sah meinen Vater am Kopfende des Tisches an.

Seine Augen zeigten keinerlei Regung. Ich blickte zu meiner Mutter; ihre Augen schrien vor Angst.

Ich sah zu meiner kleinen Schwester. So viele Tränen hatten sich in ihren Augen gesammelt, dass sie ihr beinahe über die Wangen liefen.

„Lass uns allein, Geiya.“

Mein Vater sprach endlich. Er blickte nicht auf, er zuckte nicht einmal zusammen. Ich hatte ihn noch nie so gesehen. Hatte er Angst?

Nein.

Mein Vater hatte niemals Angst. Er hatte in seinem Leben unzählige Schlachten geschlagen und war immer als Sieger daraus hervorgegangen.

„Ja, Eure Majestät.“

Sekunden später schloss sich die Tür und ließ uns vier allein zurück. Wir saßen alle in schrecklicher Stille. Niemand wagte es, das Essen auf seinem Teller anzurühren.

Draußen vor der Tür konnte man das Aufeinanderschlagen von Schwertern hören. Das Stöhnen verwundeter Männer. Man konnte das Blut riechen, das aus ihren Körpern sickerte.

Man konnte es beinahe schmecken.

„Ich habe Angst, Vater.“

Ich blickte zu Nayla auf. Die Tränen waren ihre Wangen hinunter bis zu ihrem Kinn gelaufen. Meine Mutter legte ihre Hand auf ihre, um ihr etwas Trost zu spenden.

Es half nichts. Ihre Tränen flossen ungehindert weiter.

„Habe ich dir beigebracht, Angst zu haben, Nayla?“

Mein Blick wanderte zu meinem Vater. Er war ein Mann, der nur selten Gefühle zeigte.

Immer wenn Mutter erzählte, wie er sie einst im Sturm erobert hatte, fragte ich mich, wie dieser Mann zu dem eiskalten König hatte werden können, den wir Vater nannten.

„Nein, Vater.“

Nayla schüttelte langsam den Kopf und wagte nicht, ihn anzusehen. Sie hatte die größte Angst vor unserem Vater. Ich konnte es ihr nicht verübeln.

Sie war ein zwölfjähriges Mädchen, dem nie erlaubt worden war, einfach nur ein zwölfjähriges Mädchen zu sein. Mein Vater hatte bereits mit ihr das Schwerttraining begonnen, als sie erst fünf Jahre alt gewesen war.

Jedes Mal, wenn sie sich verletzte, schrie er sie an, sie solle aufhören zu weinen. Er sagte ihr, sie dürfe nicht schwach sein.

Er sagte immer: „Wunden heilen, aber deine Würde nicht.“

„Bring mir etwas Wasser, Leiya.“

Ich erhob mich leise. Er hatte alle Dienstmädchen fortgeschickt, und ich hätte es niemals gewagt, ihm zu widersprechen.

Mit beiden Händen hob ich den großen Holzkrug auf, der am anderen Ende des Tisches stand.

Die Geräusche von jenseits der Mauern übertönten das Plätschern des Wassers, das ich in seinen Becher goss.

Ich stand so nah bei ihm, dass ich die feuchte Stelle an seiner Schläfe erkennen konnte.

Schweiß.

Mein Vater schwitzte nie – außer natürlich, wenn er sich mitten in einer Schlacht befand. Selbst beim Training kam er nie ins Schwitzen. Er sagte immer, das sei nichts im Vergleich zu all den Schlachten, die er geschlagen hatte.

Meine Hände zitterten, während ich den Krug fest an mich drückte. Mein Vater, der stärkste Mann im ganzen Königreich Herra, der mir mein ganzes Leben lang beigebracht hatte, niemals Angst zu haben, hatte… Angst.

„Es ist Zeit.“

Er nahm einen Schluck aus dem Becher, den ich gerade gefüllt hatte. Er ließ sich Zeit beim Schlucken, bevor er weitersprach.

„Degar könnte mich und eure Mutter töten, aber euch beide wird er nicht töten. Ein so stolzer Mann wie er wird euch lieber als Kriegsbeute in sein Königreich führen.“

Er umklammerte den Becher mit seinen Fäusten. Wäre er nicht aus massivem Holz gewesen, hätte er dem wütenden Griff meines Vaters nicht standgehalten.

„Was auch immer geschieht, verliert euch niemals aus den Augen. Bleibt immer in der Nähe voneinander. Gemeinsam seid ihr stärker, als ihr es jemals getrennt sein werdet.“

Das war die Art meines Vaters, sich von Nayla und mir zu verabschieden. Ich hob den Blick und begegnete seinen Augen. Sie waren nicht so entschlossen und befehlend wie sonst.

Ich sah ein Gefühl darin, das ich noch nie zuvor gesehen hatte, doch ich wusste nicht genau, welches es war. Er nickte leicht. Ich wusste, dass er mir die Verantwortung übertrug, auf meine Schwester aufzupassen.

Ich nickte zurück. Ich würde es bis zu meinem letzten Blutstropfen tun.

Plötzlich wurden die Geräusche auf der anderen Seite der Tür immer lauter.

Begleitet von zahlreichen Schritten.

Mein Herz begann schneller und lauter zu schlagen. Genau in diesem Moment flogen die beiden großen Holztüren auf. Blutverschmierte Männer mit Schwertern marschierten herein.

Meine Mutter griff sofort nach Nayla, doch die schwerttragenden Männer packten sie beide. Im Bruchteil einer Sekunde knieten wir mit Schwertern an unseren Kehlen auf dem Boden.

„Ach. Habe ich das Familienessen unterbrochen?“

Ich richtete meinen Blick auf den grausamen Mann.

König Degar.

Geschichten über seine Schreckensherrschaft hatten sich weit und breit verbreitet.

Eine Narbe zog sich über sein linkes Auge. Er hatte ein furchteinflößendes Aussehen und war von einer Aura der Gefahr umgeben.

Falls ich jemals an den Geschichten über ihn gezweifelt hatte, waren diese Zweifel in diesem Augenblick verschwunden.

„Irgendwelche letzten Worte… Philip?“

Er stand am anderen Ende des Tisches und blickte aufmerksam zu meinem Vater, der am gegenüberliegenden Ende festgehalten wurde.

„Lasst meine Familie leben.“

Die Worte meines Vaters wurden durch das Schwert eingeschränkt, das fest an seinen Hals gedrückt wurde. Jetzt war ich mir sicher, welches Gefühl ich zuvor in seinen Augen gesehen hatte.

Es war Angst.

Dann traf mich die Erkenntnis.

Mein Vater würde sterben.

„Als guter Mann werde ich deinen letzten Wunsch erfüllen. Aber zuerst…“

Mit einer Handbewegung befahl er seinen Männern, uns auf die Beine zu zwingen.

Nur meinen Vater nicht.

Jetzt waren sowohl das Gesicht meiner Mutter als auch das meiner Schwester von Tränen überströmt.

Voller Entsetzen sah ich zu, wie er sein Schwert zog und auf meinen Vater zuging. Er blieb über ihm stehen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Ein krankhaftes Grinsen.

„Du musst erst sterben, bevor ich dir deinen Wunsch erfüllen kann.“

Mein Vater bekam keine Gelegenheit zu antworten, bevor die lange, scharfe Klinge sich in seine Brust bohrte. Alles geschah gleichzeitig.

Das gedämpfte Stöhnen meines Vaters.

Die Schreie meiner Mutter.

Der schrille Aufschrei meiner Schwester.

Und mein Herz, das in eine Million Stücke zerbrach.

Meine Mutter riss sich von ihrem Bewacher los und eilte zu meinem Vater, als er zur Seite fiel.

Sie kniete sich in die Blutlache, die sich neben ihm zu bilden begann.

Eine Lache seines Blutes.

Sie hob seinen Kopf an und weinte hemmungslos.

Degar beobachtete alles mit Genugtuung.

Auf seinen Lippen lag ein zufriedenes Lächeln.

Die Art von Lächeln, die man trägt, nachdem man eine Medaille gewonnen hat, nicht nachdem man einen Vater vor den Augen seiner Familie ermordet hat.

Er machte mich krank.

Er brachte mein Blut zum Kochen.

„Nehmt die Mädchen und lasst uns nach Hause gehen.“

Er drehte sich um und ging auf die Tür zu.

„Und sie?“

Er drehte sich um, und ich folgte seinem Blick zu meiner Mutter, die neben ihrem nun toten Ehemann kniete. Er betrachtete sie lange und aufmerksam, nicht mit Mitleid oder Mitgefühl, sondern mit Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit.

„Tötet sie.“

Die Worte kamen mühelos über seine Lippen, und meine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

Meine Mutter bewegte sich nicht.

Innerlich war sie bereits tot.

Nayla schrie und weinte unaufhörlich, doch ich war zu betäubt, um ebenfalls zu schreien oder zu weinen.

Ich warf meiner Mutter einen letzten Blick zu, während die Männer uns fortschleiften. Selbst mit den Tränen und dem Blut in ihrem Gesicht war sie noch immer hellhäutig und wunderschön.

Die schönste Frau, die ich je gekannt hatte – innerlich wie äußerlich.

Wir waren bereits mehrere Meter von der Tür entfernt, als ich erneut das Geräusch eines eindringenden Schwertes hörte.

Darauf folgte ein dumpfer Aufprall.

Ich wusste, was das bedeutete, doch ich hatte zu große Angst, um mich umzudrehen.

Nayla warf sich in meine Arme und weinte unkontrolliert, während die Männer uns immer weiter von den Türen fortführten.

Jetzt waren nur noch wir beide übrig.

Als wir hinaus in den Schnee traten und die eisige Luft mit voller Wucht mein Gesicht traf, wurde mir klar, was mein Vater gemeint hatte, als er sagte:

„Für manche Menschen ist die Kälte Geborgenheit, für andere ist sie Grausamkeit.“

Erst in diesem Moment begannen sich meine Augen mit Tränen zu füllen.

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