LOGINMein Atem ging flach.
Ich wagte nicht einmal zu blinzeln. Lucien stand regungslos vor mir. Die Pistole war erhoben. Sein Finger lag auf dem Abzug. Doch seine Augen ruhten nicht auf mir. Sie blickten an mir vorbei. Etwas hinter mir. „Lucien...“ „Nicht.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Beweg dich nicht.“ Ich schluckte. Der warme Atem in meinem Nacken wurde stärker. Langsam. Regelmäßig. Als würde direkt hinter mir jemand stehen. Oder etwas. Ich wollte mich umdrehen. „Nicht!“ Sein Ruf ließ mich erstarren. Zum ersten Mal sah ich echte Angst in seinen Augen. Nicht Sorge. Nicht Anspannung. Angst. „Bitte, Elena.“ Das Wort traf mich unerwartet. Er bat mich. Er befahl mir nicht. Ich hörte ein leises Rascheln zwischen den Rosen. Dann... ein langsames Kratzen. Als würden lange Fingernägel über Stein gleiten. Ganz nah. Direkt hinter meinem Rücken. Mir lief ein Schauer über den ganzen Körper. „Lucien...“ „Ich weiß.“ Er hob die Pistole noch ein Stück höher. Sein Blick folgte etwas, das sich bewegte. „Drei...“ Was? „Zwei...“ Mein Herz schlug bis zum Hals. „Eins...“ BANG! Der Schuss zerriss die Stille. Ich schrie auf und warf mich instinktiv nach vorne. Etwas raste dicht an meinem Kopf vorbei. Zwischen den Rosen erklang ein markerschütternder Schrei. Nicht menschlich. Nicht tierisch. Etwas Drittes. Der Schrei hallte durch den gesamten Rosengarten. Ich hatte noch nie etwas Vergleichbares gehört. Er klang weder menschlich noch tierisch. Eher wie zwei Stimmen, die gleichzeitig schrien. Eine tief. Eine hell. Beide voller Schmerz. Ich schlug hart auf dem feuchten Kies auf. Meine Handflächen brannten. Für einen Moment hörte ich nichts außer dem Rauschen meines eigenen Blutes. Dann spürte ich eine Hand an meiner Schulter. „Elena!“ Luciens Stimme. Ich hob den Kopf. Er kniete bereits neben mir. Die Pistole hielt er noch immer fest umklammert. Sein Blick huschte ununterbrochen durch den Rosengarten. Als würde er erwarten, dass jederzeit etwas aus den Rosen hervorspringen könnte. „Sind Sie verletzt?“ Ich schüttelte benommen den Kopf. „Ich... ich glaube nicht.“ „Gut.“ Er half mir auf die Beine. „Wir müssen hier weg.“ „Nein!“ Ich riss meinen Arm los. „Jetzt reicht es!“ Lucien starrte mich überrascht an. „Ich laufe nicht noch einmal blind hinter Ihnen her.“ „Elena...“ „Nein!“ Meine Stimme überschlug sich. „Sie schießen mitten im Garten mit einer Pistole, erzählen mir überhaupt nichts und erwarten dann, dass ich Ihnen einfach vertraue?“ Er sagte nichts. „Was war das?“ Stille. „Antworten Sie!“ Lucien schloss für einen kurzen Moment die Augen. Als koste ihn jedes Wort Überwindung. „Ich kann nicht.“ „Oder Sie wollen nicht?“ „Beides.“ Ich lachte bitter. „Unglaublich.“ Ich machte einen Schritt zurück. „Sie glauben wirklich, ich bleibe hier, wenn mich alle behandeln wie ein kleines Kind?“ „Sie verstehen nicht—“ „Dann erklären Sie es!“ Seine Finger umklammerten die Pistole so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. „Nicht hier.“ „Warum?“ Er antwortete nicht. Plötzlich knisterte es wieder zwischen den Rosen. Dieses Mal viel näher. Luciens Kopf fuhr sofort herum. „Verdammt...“ Ich folgte seinem Blick. Zwischen zwei Rosenhecken bewegte sich etwas. Ganz langsam. Ich konnte nur Umrisse erkennen. Eine Gestalt. Unnatürlich groß. Viel zu dünn. Sie schien sich nicht zu bewegen... und kam trotzdem näher. Mein Herz blieb beinahe stehen. „Lucien...“ „Nicht ansehen.“ „Aber—“ „Nicht!“ Seine Stimme war schärfer als der Schuss zuvor. „Wenn du es direkt ansiehst...“ Er brach mitten im Satz ab. Die Gestalt blieb stehen. Vielleicht zwanzig Meter entfernt. Der Wind wurde stärker. Die Rosenblätter begannen plötzlich, sich wie ein Strudel um sie herum zu drehen. Und dann... lächelte sie. Nicht mit dem Mund. Sondern... mit ihrem ganzen Gesicht. Mir wurde schwindelig. Etwas stimmte daran nicht. Das Lächeln war viel zu breit. Viel zu unmenschlich. Es passte nicht auf ein menschliches Gesicht. „Elena!“ Luciens Ruf riss mich aus meiner Starre. Er packte meine Hand. „Nicht hinschauen!“ Ich zwang mich, den Blick abzuwenden. Sofort verschwand das Schwindelgefühl. „Was... war das?“ „Keine Ahnung.“ Ich sah ihn ungläubig an. „Sie lügen.“ Er nickte langsam. „Ja.“ Diese Ehrlichkeit überraschte mich mehr als jede Ausrede. „Aber diesmal muss ich.“ Er zog mich hinter sich. „Laufen.“ Zum ersten Mal gehorchte ich, ohne zu widersprechen. Nicht, weil ich ihm vertraute. Sondern weil ich zum ersten Mal das Gefühl hatte... dass Lucien genauso große Angst hatte wie ich. Wir rannten. Der Kies spritzte unter unseren Füßen auf, während die hohen Rosenhecken links und rechts an uns vorbeizogen. Mein Atem brannte in der Lunge. „Wie weit noch?“, keuchte ich. „Nicht stehen bleiben!“ Lucien antwortete, ohne sich umzudrehen. Er kannte jeden Weg durch das Labyrinth. Ich dagegen hatte längst die Orientierung verloren. Hinter uns erklang wieder dieses Kratzen. Langsam. Rhythmisch. Als würde etwas mit langen Fingern über den Steinboden fahren. Ich wagte einen Blick über die Schulter. „Nicht!“ Luciens Stimme durchschnitt die Luft. Doch es war zu spät. Zwischen den Rosen stand die Gestalt. Nicht mehr zwanzig Meter entfernt. Vielleicht zehn. Sie bewegte sich nicht. Und trotzdem war sie näher. Ein kalter Schauer jagte durch meinen Körper. „Wie...“ Meine Stimme versagte. „...wie macht sie das?“ „Nicht fragen.“ „Lucien!“ „Später!“ Er packte meine Hand fester. Zum ersten Mal fiel mir auf, wie kalt seine Finger waren. Nicht kühl. Eiskalt. Als hätte er stundenlang im Schnee gestanden. „Sie zittern.“ Er sah mich kurz an. „Das tue ich.“ Diese Ehrlichkeit überraschte mich. Bis jetzt hatte er immer versucht, unnahbar zu wirken. Jetzt wirkte er plötzlich... menschlich. „Haben Sie Angst?“ Er lachte leise. Es war ein bitteres Lachen. „Mehr, als Sie sich vorstellen können.“ Ein weiterer Schrei durchschnitt die Luft. Diesmal kam er nicht hinter uns. Sondern direkt vor uns. Ich blieb abrupt stehen. „Lucien...“ Zwischen zwei Rosenhecken tauchte dieselbe Gestalt auf. Nein. Nicht dieselbe. Eine zweite. Mein Magen zog sich zusammen. „Das kann nicht sein.“ Lucien fluchte leise. „Verdammt.“ Langsam hob er die Pistole. Sein Blick wechselte zwischen den beiden Gestalten. „Bleiben Sie hinter mir.“ „Sie können doch nicht auf beide schießen.“ „Nein.“ „Dann sitzen wir fest.“ „Noch nicht.“ Er griff in die Manteltasche. Ich erwartete ein weiteres Magazin. Stattdessen zog er... eine silberne Kette hervor. An ihr hing ein kleines Medaillon in Form einer Rose. Ich starrte ihn an. „Was soll das bringen?“ Er antwortete nicht. Langsam öffnete er das Medaillon. Im Inneren befand sich kein Bild. Nur ein einzelnes Wort. Lux. In dem Moment begann das Medaillon schwach zu leuchten. Die beiden Gestalten hielten inne. Zum ersten Mal bewegten sie sich rückwärts. Nicht schnell. Fast widerwillig. „Laufen!“ Lucien nutzte den Moment. Wir rannten an ihnen vorbei. Ich wagte kaum zu atmen. Als wir die letzten Rosenhecken hinter uns ließen, tauchte endlich Blackwood Manor vor uns auf. Noch nie hatte ein Gebäude so beruhigend ausgesehen. Lucien stieß die schwere Eingangstür auf. „Rein!“ Kaum hatte ich die Schwelle überschritten, zog er mich nach innen. Mit voller Wucht schlug die Tür hinter uns zu. Stille. Nur unser schwerer Atem war zu hören. Ich lehnte mich gegen die Wand. Meine Beine zitterten. „Jetzt...“ Ich rang nach Luft. „...erklären Sie mir endlich, was dort draußen war.“ Lucien antwortete nicht. Er starrte auf seine rechte Hand. Erst jetzt bemerkte ich das Blut. Nicht viel. Nur ein schmaler Schnitt zog sich quer über seine Handfläche. Doch das Blut tropfte langsam auf den Marmorboden. Ich trat einen Schritt auf ihn zu. „Sie sind verletzt.“ „Das ist nicht wichtig.“ „Doch.“ Er wollte die Hand zurückziehen. Ich hielt sie fest. Für einen Augenblick sahen wir uns nur an. Zum ersten Mal war keine Mauer zwischen uns. Keine sarkastische Bemerkung. Kein Geheimnis. Nur zwei Menschen, die gerade etwas erlebt hatten, das sie beide nicht erklären konnten. Leise sagte ich: „Sie haben mich beschützt... oder?“ Lucien schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, war seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich habe nur verhindert, dass Blackwood Manor dich heute zurückholt.“ Ein eisiger Wind fuhr plötzlich durch die Eingangshalle. Obwohl alle Fenster geschlossen waren. Gleichzeitig begann irgendwo tief im Haus... eine alte Standuhr zu schlagen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Dann blieb sie stehen. Luciens Blick wanderte langsam zur großen Treppe. Alle Farbe wich aus seinem Gesicht. „Nein...“ „Was ist los?“ Er antwortete nicht. Er flüsterte nur einen einzigen Satz. „Sie hätte noch gar nicht aufwachen dürfen...“ Ich sah Lucien an. „Wer?“ Er antwortete nicht. Sein Blick blieb auf die große Treppe gerichtet. Ich folgte seinem Blick. Nichts. Die Eingangshalle lag still vor uns. Nur das Ticken der alten Standuhr erfüllte erneut den Raum. Tick. Tick. Tick. Dann... blieb sie wieder stehen. Genau in diesem Moment wurde es im gesamten Haus unnatürlich still. Nicht einmal das Feuer im Kamin knackte noch. „Lucien...“ Er hob langsam eine Hand. „Kein Wort.“ Seine Stimme war kaum hörbar. Ich wollte fragen, was los war. Doch plötzlich... hörte ich es. Ein einzelnes Geräusch. Nicht laut. Fast zärtlich. Als würde jemand barfuß über altes Holz laufen. Tipp... ... Tipp... ... Tipp... Die Schritte kamen aus dem oberen Stockwerk. Ganz langsam. Jeder einzelne Schritt ließ meinen Magen sich weiter zusammenziehen. Martha wurde kreidebleich. „Nein...“ flüsterte sie. „Das ist zu früh.“ Ich runzelte die Stirn. „Wovon reden Sie?“ Sie antwortete nicht. Lucien zog langsam den Sicherungshebel seiner Pistole zurück. Klick. Das metallische Geräusch hallte durch die Eingangshalle. „Bitte...“ murmelte Martha. „Nicht wieder.“ Die Schritte verstummten. Genau über uns. Ich hob den Blick. Oben auf der Galerie... bewegte sich etwas. Nur ein Schatten. Langsam. Fast lautlos. Er glitt an dem Geländer entlang. Ich konnte keine Beine erkennen. Keine Arme. Nur... eine Silhouette. Sie blieb stehen. Direkt über der Treppe. Dann hob sie langsam den Kopf. Obwohl sie viel zu weit entfernt war... hatte ich plötzlich das Gefühl... dass sie mich direkt ansah. „Lucien...“ Er antwortete nicht. Ich sah ihn an. Er hatte die Pistole erhoben. Doch... er zielte nicht. Er zitterte. Nicht viel. Nur leicht. Aber genug, um zu erkennen: Lucien Moreau hatte Angst. Nicht vor mir. Nicht vor dem Haus. Vor... ihr. Und genau in diesem Moment... lächelte die Gestalt. Die Gestalt bewegte sich nicht. Sie stand regungslos auf der Galerie. Der Mond war inzwischen hinter den Wolken hervorgekommen und tauchte die Eingangshalle in ein fahles, silbriges Licht. Ich konnte ihr Gesicht noch immer nicht erkennen. Nur ihre Umrisse. Und dieses Gefühl... Dass sie mich beobachtete. „Lucien...“ Meine Stimme war kaum hörbar. „Wer ist sie?“ Er antwortete nicht sofort. Sein Blick blieb starr auf die Gestalt gerichtet. Langsam senkte er die Pistole. Nicht, weil keine Gefahr mehr bestand. Sondern weil er wusste... dass sie nichts nützen würde. „Ich weiß es nicht.“ Ich sah ihn ungläubig an. „Was soll das heißen?“ Er atmete tief durch. „Vor vielen Jahren wusste ich ihren Namen.“ Seine Stimme klang rau. „Heute erinnert sich niemand mehr daran.“ Ein eisiger Wind fuhr durch die Eingangshalle. Alle Kerzen flackerten gleichzeitig. Martha bekreuzigte sich. „Bitte...“ flüsterte sie. „Lass sie heute Nacht in Ruhe.“ Die Gestalt hob langsam den Kopf. Zum ersten Mal glaubte ich, ihre Augen zu erkennen. Sie wirkten ungewöhnlich hell. Fast silbern. Sie sah nicht Lucien an. Nicht Martha. Nur mich. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Plötzlich hob sie langsam ihre rechte Hand. Sie zeigte auf mich. Nicht drohend. Nicht wütend. Fast... als hätte sie mich erkannt. Ich machte unwillkürlich einen Schritt nach vorn. „Elena!“ Lucien packte meinen Arm. „Nicht.“ „Aber sie...“ „Nicht!“ In diesem Moment gingen sämtliche Lichter aus. Die Eingangshalle versank in völliger Dunkelheit. Ich hörte Martha erschrocken aufkeuchen. Irgendwo im Haus fiel eine Tür krachend ins Schloss. Für einen einzigen Augenblick war nichts zu hören. Dann... ein leises Flüstern. Direkt an meinem Ohr. „Ich habe so lange auf dich gewartet.“ Ich fuhr herum. Niemand. Die Lichter sprangen wieder an. Die Galerie war leer. Die Gestalt war verschwunden. „Wo ist sie?“ Niemand antwortete. Lucien ließ meinen Arm langsam los. Sein Blick wanderte nach oben. Dann erstarrte er. Ich folgte seinem Blick. Mitten auf dem Holzboden der Galerie... lag eine einzelne rote Rose. Frisch. Ohne einen einzigen Dorn. Daneben lag... ein alter Messingschlüssel. Auf dem runden Schlüsselkopf war nur eine einzige Zahl eingraviert. 28. Lucien schloss für einen Moment die Augen. „Zu spät...“ flüsterte er. „Sie hat den nächsten Schlüssel ausgewählt.“Elena brauchte einige Sekunden, um wieder zu Atem zu kommen.Sie hielt sich am Beckenrand fest, während hinter ihr noch immer Wasser schwappte.„Du bist schuld“, sagte sie.Lucien strich sich die nassen Haare aus der Stirn.„Interessante Interpretation.“Elena drehte sich zu ihm um.„Du hast mich reingeworfen.“„Und du hast mich hinterhergezogen.“„Notwehr.“„Rache.“„Dasselbe.“Lucien lachte.
Elena hatte irgendwann aufgehört, die ruhigen Tage zu zählen.Vielleicht war das ein Fehler.Aber zum ersten Mal, seit sie Blackwood Manor betreten hatte, fühlte sich Ruhe nicht mehr verdächtig an.Sie fühlte sich einfach...gut an.Der Nachmittag war ungewöhnlich warm geworden. Die Fenster im Erdgeschoss standen offen, irgendwo im Garten summte ein Rasenmäher, und aus der Küche drang der Geruch von etwas, das Martha seit fast zwei Stunden vorbereitete und über das sie hartnäckig keine Auskunft gab.Elena hatte beschlossen, sich nicht einzumischen.Vor allem, nachdem Martha sie beim dritten Versuch mit einem Kochlöffel aus der Küche gescheucht hatte.Also saß sie auf den breiten Steinstufen hinter dem Haus, die Schuhe neben sich, und ließ ihre nackten Füße über das warme Gras streichen.Das Buch, das Emilia ihr gegeben hatte, lag aufgeschlagen neben ihr.Chroniken von Blackwood und Umgebung.
Als Elias Ashford verließ, war es bereits dunkel.Er wusste nicht genau, warum er überhaupt ins Auto gestiegen war.Vielleicht, weil er in dem kleinen Haus nicht bleiben konnte.Vielleicht, weil Jonathans Teller noch immer auf dem Tisch stand.Oder weil ein einziger Satz seit fast einer Stunde in seinem Kopf widerhallte.Vielleicht bist du ja froh.Elias umklammerte das Lenkrad fester.Vierzehn Jahre.Vierzehn Jahre hatte er versucht, seinen Sohn von all dem fernzuhalten.
Die Tage vergingen.Ruhiger, als Jonathan erwartet hatte.Der Besuch in Blackwood Manor rückte zurück in den Alltag, irgendwo zwischen Akten, Terminen und viel zu starkem Kaffee.Zumindest hätte er das tun sollen.Doch ein Gedanke ließ ihn nicht los.Elena.Nicht einmal sie selbst.Vielmehr dieses seltsame Gefühl, das ihn begleitet hatte, seit sie die Tür geöffnet hatte.Als würde er jemanden ansehen, den er nicht kannte...
Vier Tage waren vergangen, seit Jonathan Winter vor der Tür von Blackwood Manor gestanden hatte.Vier erstaunlich ruhige Tage.Zumindest für die Verhältnisse dieses Hauses.Keine geheimnisvollen Spieluhren.Keine Stimmen hinter verschlossenen Türen.Keine Fotografien, die mehr Fragen aufwarfen, als sie beantworteten.Und vor allem keine Menschen, die Elena ansahen, als müssten sie sich jedes einzelne Wort zweimal überlegen, bevor sie es aussprachen.Na ja.Fast keine.Martha war noch immer Martha.
Einige Stunden später hatte Elena den Vorfall mit der Amsel beinahe vergessen.Zumindest versuchte sie es.Lucien hingegen war seit dem Morgen ungewöhnlich still.Nicht, dass Schweigen bei ihm etwas Besonderes gewesen wäre.Aber diesmal fühlte es sich anders an.Mehrmals hatte Elena bemerkt, wie sein Blick zum Fenster gewandert war. Als würde ihn etwas beschäftigen, über das er nicht sprechen wollte.Sie hatte kurz überlegt, ihn darauf anzusprechen.Dann hatte sie es gelassen.Wenn Lucien ihr etwas erzählen wollte, würde er das schon tun.







