LOGINZarek„Wie könnt ihr es wagen, in die unterirdischen Zellen des Hohen Rates einzudringen und unsere schweren Eisentore wie gewöhnliche Straßengangster zu zertrümmern?!“ schrie Ältester Thomas und schlug mit dem hölzernen Hammer so laut auf die Bank, dass es ohrenbetäubend krachte. „Nicht nur habt ihr einen Hochrisiko-Häftling ausgebrochen, ihr hattet auch noch die Frechheit, Lord Vance anzufassen!“Die große Marmorhalle war bis zum Rand voll mit Ratsmitgliedern, Wachen und hochrangigen Royals. Oben auf der Galerie stand Ginger mit verschränkten Armen, die Augen kalt und bitter. Unten auf dem Hauptboden saß Lord Vance und klammerte sich mit zitternden Händen an seinen silbernen Stock, ein weißer Verband eng um seinen blauen Hals gewickelt, wo meine Finger sich eingegraben hatten.Und ganz oben in den Schatten des obersten Balkons saß mein Vater.Mein Herz brannte vor einem scharfen, bitteren Schmerz, als ich zu ihm hinaufblickte. Er war seit Jahren nicht mehr nach Hause gekommen. Seit
KelvinDer Raum blieb totenstill, die schweren Worte des Arztes hingen in der kühlen Morgenluft wie dichter Nebel.Ich saß erstarrt auf der weichen Matratze und starrte auf meine blassen, zitternden Hände, die nutzlos auf den Leintüchern lagen. Meine Brust hob und senkte sich in raschen, flachen Atemzügen, während mein Geist in völligem, überwältigendem Schock kreiste.„Schwanger?“ flüsterte ich, meine Stimme kaum hörbar über einem trockenen Keuchen. „Wie… wie kann ein Mann schwanger sein? Das ist körperlich unmöglich. Ich bin ein Omega, aber ich bin immer noch ein Mann. Wie kann das überhaupt passieren?“Zarek und Jasper wirkten genauso betäubt, vollkommen erstarrt wie Steinstatuen, während sie den alten Heiler am Fußende des Bettes anstarrten.„Es ist selten, in der modernen Zeit fast ungehört, Kelvin“, erklärte der Heiler sanft und machte einen langsamen Schritt näher an den Bettrand. „Hast du nie die alten Texte der Wahren Lykane gelesen? Ein männlicher Omega, der Kinder austrägt,
KelvinMeine Augenlider flatterten auf und ließen warmes, weiches Sonnenlicht durch die dünnen Seidenvorhänge herein, das sanfte goldene Muster an die Decke malte.Die grellen, harten Neonröhren, der eiskalte feuchte Stein und die erstickende Dunkelheit des unterirdischen Kerkers des Rates waren verschwunden. Unter mir lag eine weiche, federleichte Matratze, eingehüllt in knisternde Leinenlaken, die schwach nach reichem Zedernholz rochen – Zareks Bett.Ich blinzelte gegen das Morgenlicht, mein Gehirn war neblig und schwer, und ich versuchte langsam zu begreifen, wo ich war und wie ich diesem lebendigen Albtraum entkommen war.Am Rand des großen Eichenschreibtisches auf der anderen Seite des prächtigen Schlafzimmers stand ein älterer Mann in weißem Arztkittel. Er packte methodisch kleine Glasfläschchen, silberne Nadeln und alte ledergebundene Schriftrollen zurück in seine Ärztetasche. Direkt neben ihm, ein Tablett mit sauberen Verbänden und warmem Wasser in den Händen, stand Amy. Ihre
JasperVier schreckliche Tage lang versuchten wir, nach ihren Regeln zu spielen.Vier Tage, in denen wir in stillen Wartezimmern saßen, uns mit falschen Politikern herumschlugen und offizielle rechtliche Petitionen einreichten, die direkt im Müll landeten. Zarek und ich versuchten alles, um friedlich zu bleiben. Wir gingen zu jedem Treffen, boten Kompromisse an und versuchten, den Einfluss unserer Familie zu nutzen, um Kelvin freizubekommen.Es war alles eine riesige Zeitverschwendung.Der Hohe Rat blockierte uns bei jeder einzelnen Gelegenheit. Sie verweigerten alle unsere Besuchsanträge und versteckten sich hinter dummen Ausreden, dass Kelvin in „Hochsicherheitsquarantäne“ eingesperrt sei. Sie gaben uns keine klare Antwort. Sie ließen unsere Ärzte nicht zu ihm. Wir hatten keine Ahnung, ob Kelvin verhungerte, geschlagen, gefoltert wurde oder ob er überhaupt noch lebend in diesem dreckigen unterirdischen Loch war.Jede einzelne Stunde, die wir warteten, fühlte sich an wie heißes Gift,
KelvinVier lange Tage lang hörte die Zeit auf, irgendeine Bedeutung zu haben, in dem tiefsten Kerker des Rates.Es gab keine Fenster. Keine frische Luft. Keine Möglichkeit zu sagen, ob es Tag oder Nacht war. Nur die Kälte, die niemals wich, und die schwere, erstickende Dunkelheit. Die Luft stank nach Schimmel, altem Blut und Abwasser. Mein Magen brannte mit einem scharfen, leeren Schmerz, aber ich weigerte mich, zuzulassen, dass der Schmerz mich brach.Jeden Nachmittag glitt die eiserne Luke an der Zellentür auf. Ein Wächter warf ein Tablett in die Ecke und wartete.Es war kein echtes Essen. Es war grauer, lauwarmer Brei, gemischt mit splitternden Knochen, Fett und Sand – Fraß, der für streunende Hunde bestimmt war. Die Wächter lachten immer, wenn sie die Tabletts über den Boden schoben, in der Hoffnung, dass ich hinüberkriechen und wie ein Tier fressen würde.Ich habe sie nie angerührt.Die Metallteller stapelten sich in der Ecke, unberührt und beginnend, in der feuchten Luft zu rott
ZarekDrei qualvolle Tage lang versuchten wir, nach ihren Regeln zu spielen.Drei Tage voller Hinterzimmer-Treffen, verzweifelter Rechtsmittel und formeller Petitionen an jeden einzelnen Ältesten des Mondrates. Jasper und ich versuchten zu verhandeln. Wir versuchten, mit ihnen zu reden, und nutzten jeden politischen Hebel, den wir hatten, um auf offiziellem Wege zu beweisen, dass Kelvins Verhaftung unter dem Erlass des Hohen Inquisitors völlig rechtswidrig war.Alles war Zeitverschwendung.Der Rat mauert uns bei jedem Schritt ab. Sie sperrten alle Besuchsrechte und ließen weder Jasper noch mich irgendwo in die Nähe der unterirdischen Zellen. Sie behaupteten, Kelvin würde in „Höchstsicherheits-Quarantäne“ gehalten, und blockierten jeden Versuch, nach ihm zu sehen. Wir hatten keine Ahnung, in welchem Zustand er war, ob er verletzt war oder wie lange er noch in der Dunkelheit ohne uns überleben konnte.Jede Stunde, die wir warteten, fühlte sich an wie Gift, das durch meine Adern brannte.







