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Kapitel 2

Author: Luxie
Der Holzfußboden des Gemeindezentrums fühlte sich unter meinen Sandalen kalt an.

„Ich melde mich freiwillig.“

Ein Mädchen in der letzten Reihe stieß ein lautes Schnauben aus.

Neben mir krallte sich Sashas Hand um mein Handgelenk, ihre Finger gruben sich in meine Haut, um mich wieder nach unten zu ziehen.

Ich sah sie nicht an.

Ich wusste, wenn ich ihrem Blick begegnete, würde die Logik ihrer Angst meinen Entschluss zerstören.

Ich trat in den Mittelgang.

Die Stille im Raum verwandelte sich in ein aufgeregtes Murmeln.

Ich erreichte das Podest und verschränkte die Finger, drückte sie zusammen, bis die Gelenke weiß wurden, um zu verbergen, dass meine Hände zitterten.

Luna Catherine starrte mich an, ihre scharfen Augen musterten mein Gesicht, und ein Ausdruck des Erkennens erschien darin.

Ich hatte drei Jahre lang ihre Seidentüten getragen und ihre Schreibwaren ausgesucht.

„Lisa Hartwell?“, fragte sie.

Ihre Stimme war nicht so warm wie sonst, wenn sie mit mir sprach.

„Verstehst du wirklich, wofür du dich freiwillig meldest?“

„Ja, Luna“, sagte ich.

„Ein Einjahresvertrag.

Ich werde Alpha Camerons Kind austragen und es ihm nach der Geburt übergeben.“

„Mein liebes Mädchen, das ist keine romantische Vereinbarung“, sagte sie, ihre Stimme erhob sich, sodass der ganze Raum es hören konnte.

„Es ist ein bindender Vertrag mit einem Lykaner-Alpha.

Sobald die erste Zahlung erfolgt ist, werden die Gesetze beider Rudel dich daran hindern, den Vertrag aufzulösen.

Es gibt keine Rücktrittsklausel.“

„Ich verstehe“, erwiderte ich.

„Du wirst für die Dauer der Schwangerschaft nach Silberbach umziehen“, fuhr sie fort.

„Du wirst unter der absoluten Autorität von Alpha Cameron leben.

Das bedeutet, du verlässt deine Familie, deinen Job und den Schutz dieses Rudels.

Du wirst ein Gast in fremdem Territorium sein, gebunden an deren Regeln.“

Ein Anflug von Schmerz zog sich durch meine Brust, aber ich blinzelte nicht.

„Ich verstehe.“

„Und du kennst die körperlichen Anforderungen“, sagte sie, ihr Blick glitt zu meiner Körpermitte.

„Die Empfängnis wird auf natürlichem Wege erfolgen. Du wirst mit Alpha Cameron intim sein müssen, bis ein Arzt die Schwangerschaft bestätigt.“

„Ich verstehe die Bedingungen“, sagte ich.

Meine Stimme war jetzt fester, getrieben von Verzweiflung.

Ein Stuhl kratzte hinter mir über den Boden.

Brianna, die Tochter von Beta Castillian, erhob sich. Sie glättete ihr Designerkleid und ging mit einem Lächeln nach vorne.

Ein weiteres Mädchen stand auf, dann zwei weitere aus den mittleren Reihen.

Als die Bewegung schließlich endete, standen zehn von uns in einer Reihe vor Luna Catherine.

„Hat Alpha Cameron eine Präferenz für bestimmte körperliche Merkmale?“, fragte Brianna.

Sie sah die anderen nicht an; sie sprach, als sei die Position bereits ihre.

„Er wird jeden Kandidaten persönlich bewerten“, sagte Luna Catherine.

„Gesundheit ist das Hauptkriterium. Danach folgen Blutlinie und Charakter. Er braucht eine Frau, die mental in der Lage ist, den Vertrag zu erfüllen und das Kind ohne rechtlichen Streit zu übergeben.“

„Die medizinische Untersuchung beginnt morgen um acht Uhr“, verkündete Luna Catherine.

Sie stand auf und signalisierte das Ende der Versammlung.

„Alpha Cameron kommt in drei Tagen. Er wird mit jeder Freiwilligen ein privates Gespräch führen, bevor er seine endgültige Wahl trifft. Bereitet euch entsprechend vor.“

Der Raum zerfiel in ein Chaos aus rutschenden Stühlen und lautem Stimmengewirr.

Briannas schrilles Lachen erklang, als sie einer Freundin erzählte, dass der Rang ihres Vaters sie zur einzig logischen Wahl machte.

Ich drehte mich um und ging zum Ausgang.

Sasha holte mich auf dem Kiesparkplatz ein.

„Was zum Teufel war das, Lisa? Bist du verrückt geworden?“

„Ich habe mich freiwillig gemeldet, Sasha. Es ist beschlossen.“

Sie warf die Hände hoch, ihre Schatten tanzten unter den gelben Parkplatzlampen.

„Hörst du dir selbst überhaupt zu? Du schläfst mit einem Fremden, lässt neun Monate lang ein Kind in dir wachsen und übergibst das Baby dann, als wäre es ein Paket.

Du redest davon, deinen Körper zu verkaufen.“

Ich zog mein Handy aus der Tasche.

Ich drückte Play auf der Sprachnachricht meiner Mutter und hielt es zwischen uns.

Sasha stand still, während die zitternde Stimme meiner Mutter den Raum füllte.

Das Schluchzen am Ende der Aufnahme war laut in der stillen Nacht.

Als der Ton verstummte, sanken Sashas Schultern.

„Es tut mir leid“, flüsterte sie.

„Wegen deiner Mutter. Wegen deines Vaters, der ein Monster ist. Aber Lisa, das ist zu viel.“

„Es ist das Einzige, was genug einbringt.“

Ich öffnete den Ordner mit den Screenshots von dem Handy meines Vaters.

Ich reichte es ihr.

Sie las die Nachrichten schweigend.

Ich sah ihr Gesicht dunkler werden, als sie von dem Makler, der Geliebten und dem Plan las, meinen Bruder und mich in den Sozialwohnungen zurückzulassen.

„Dieser Bastard“, spuckte sie und gab mir das Handy zurück.

„Er löscht uns aus“, sagte ich.

Ich steckte das Handy ein.

„Dieser Vertrag kauft meiner Mutter ein Haus auf ihren eigenen Namen. Er finanziert James‘ Ausbildung. Er gibt uns ein Leben, in dem wir das Rudel nicht mehr um Almosen bitten müssen.“

Sasha schüttelte den Kopf.

„Lisa, ein Jahr mit einem Lykaner-Alpha? Die sind nicht wie wir. Sie sind kalt. Das wird dich brechen.“

Ich öffnete meine Autotür.

„Vielleicht. Aber meine Familie wird sicher sein, während ich wieder zu mir selbst finden muss.“

Sie starrte mich an, ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Er wäre ein Narr, wenn er nicht Brianna nähme. Sie ist genau das, was ein Alpha bei einer Leihmutter sucht.“

„Dann bin ich wieder am Anfang“, sagte ich.

„Aber ich muss es versuchen.“

Sasha trat vor und zog mich in eine Umarmung.

Ich drückte sie zurück, vergrub mein Gesicht an ihrer Schulter, bevor ich mich löste.

„Wenn du das tust“, sagte sie und wischte sich die Augen, „bleibe ich an deiner Seite.

Und wenn er dich schlecht behandelt –“

„Ich werde es überleben“, sagte ich.

Ich stieg ins Auto und fuhr durch die stillen Straßen.

Das Haus war dunkel, bis auf das flackernde gelbe Licht des Küchenfensters.

Das Auto meines Vaters stand nicht mehr in der Einfahrt.

Drinnen fühlte sich die Luft schwer an.

Meine Mutter saß am Küchentisch.

Blätter waren vor ihr ausgebreitet, und sie beugte sich so nah über das Holz, dass ihre Nase fast die Seiten berührte, um die Scheidungspapiere trotz ihrer getrübten Sicht zu verstehen.

Oben dröhnte der dumpfe Bass von James‘ Boxen durch die Decke.

„Lisa? Bist du das?“, rief sie.

Sie klang erschöpft.

„Ich bin‘s, Mama.“

Sie stand auf und trat mir in der Tür entgegen.

Ihre Augen waren rot und geschwollen.

Sie versuchte, ein Lächeln aufzusetzen, aber es erreichte ihre Augen nicht.

„Wie war die Versammlung im Zentrum?“

„Es war in Ordnung. Nur Routinegespräche.“

Das falsche Lächeln verschwand.

„Bist du hungrig? Ich habe die Nudeln gemacht, die du magst. Niemand hat sie angerührt.“

„Mir geht es gut, Mama. Ich bin nur müde.“

Sie nickte und schlurfte zum Tisch zurück.

„Geh nach deinem Bruder sehen. Er hat sein Zimmer seit dem Weggang deines Vaters nicht verlassen.“

Ich ging nach oben und klopfte an James‘ Tür.

Er öffnete einen Spalt, sein Gesicht in einer bitteren Miene erstarrt.

Er sagte kein Wort, drehte sich um und ging zurück an seinen Schreibtisch.

„Hey“, sagte ich leise.

„Geht es dir gut?“

„Sieht es so aus, als ginge es mir gut?“, fuhr er mich an.

Er wirbelte herum, seine Augen glänzten vor Wut.

„Er kommt morgen früh, um den Rest seiner Sachen zu holen. Er sagte, er erklärt dann die ‚finanzielle Übergangsphase‘.“

„James, wir werden das schon hinbekommen.“

„Ich will nicht darüber reden, Lisa. Lass mich einfach in Ruhe.“

Er schlug die Tür zu, der Rahmen klapperte.

Ich ging wieder nach unten und setzte mich auf die unterste Treppenstufe.

Ich presste die Handflächen zusammen und starrte auf die Haustür.

Die Tragweite meiner Entscheidung lag schwer auf mir.

In drei Tagen würde ich vor einem mächtigen Alpha stehen und ihn bitten, meinen Körper zu nutzen, um sein Erbe zu sichern.

Mein Handy summte.

Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

„Morgen, 8 Uhr pünktlich. Medizinische Untersuchung und Vorbereitungsgespräch in der Rudelklinik. Nicht zu spät kommen.“ – Luna Catherine

Ich tippte eine kurze Antwort: „Ich werde da sein.“

Meine Mutter trat in den Flur, ihre Hand streifte zur Orientierung die Wand entlang.

Ich stand auf und nahm ihre Hände.

„Uns wird es gutgehen“, sagte ich zu ihr.

„Du hast noch mich, und du hast James.“

Sie zog mich in eine Umarmung, ihr Kopf ruhte auf meiner Schulter.

„Du bist so stark, Lisa. Du warst immer starker als ich.“

„Gute Nacht, Mama.“

Ich ging in mein Schlafzimmer und setzte mich auf die Bettkante.

Ich öffnete den Browser und tippte einen Namen in die Suchleiste:

Alpha Cameron, Silberbach.

Der Bildschirm füllte sich mit Artikeln über Territorialkriege, Firmenfusionen und aggressive Rudelerweiterungen.

Es gab keine Fotos.

Nur Beschreibungen von Journalisten und Zeugen.

Ich starrte auf den leuchtenden Bildschirm und dachte an die Gefährtin, die Luna Catherine erwähnt hatte.

Ich fragte mich, wie die Frau wohl war, die in einer Villa in Silberbach saß und darauf wartete, dass eine Fremde das Kind ihres Mannes austrug – und ob sie mich dafür hassen würde, dass ich etwas konnte, das ihr verwehrt blieb.

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