ANMELDENROWANS SICHT
„…und dann stand er einfach da, die Hose um die Knöchel, während die ganze Klasse zugesehen hat.“
Marcus lachte so heftig, dass er kaum noch Luft bekam. Er beugte sich nach vorn und hielt sich den Bauch, während ich mich bemühte, ernst zu bleiben.
„Auf keinen Fall. Das hast du dir ausgedacht.“
„Ich schwöre bei Gott.“ Ich grinste. „Ms. Patterson musste ihn sogar bis zum Büro des Direktors begleiten. Eine ganze Woche lang hat er sich nicht mehr blicken lassen.“
„Was ist danach mit ihm passiert?“
„Anscheinend hat er die Schule gewechselt.“
Marcus richtete sich auf. „Deswegen?“
„Würdest du das nicht tun?“
„Ehrlich? Ich würde in ein anderes Land ziehen.“
Ich lachte und schüttelte den Kopf. „Du hättest sein Gesicht sehen sollen. Er hat versucht, den Harten zu spielen, aber seine Hände haben gezittert.“
Wir standen vor einem kleinen Laden ein paar Blocks vom Park entfernt, jeweils ein kaltes Getränk in der Hand. Die Sonne begann unterzugehen und tauchte den Himmel in Orange und Rosa. Ein paar Autos fuhren über die Straße, während das Neonlicht des Ladens über uns flackerte.
Zum ersten Mal an diesem Tag fühlte ich mich leicht. Normal.
„Also“, sagte er und nahm noch einen Schluck von seinem Getränk, „erinner mich daran, niemals in der ersten Reihe irgendeines Kurses zu sitzen.“
„Warum?“
„Professoren könnten sich an mich erinnern.“
„Das ist doch der Sinn davon, zum Unterricht zu gehen.“
„Nicht, wenn sie sich aus den falschen Gründen an mich erinnern.“
Ich öffnete den Mund, um zu antworten.
Dann hörte ich es.
„Na, na. Wenn das nicht der Nerd ist.“
Mein Lachen blieb mir im Hals stecken.
Die Stimme durchfuhr mich, noch bevor ich mich umdrehte. Meine Finger schlossen sich fester um den Plastikbecher, und die Wärme, die eben noch meine Brust erfüllt hatte, verschwand.
Langsam drehte ich mich um.
Drei Typen standen am Eingang und grinsten, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen.
Derek. Tyler. Cole.
Dieselben Gesichter, die vier Jahre lang mein Leben zur Hölle gemacht hatten.
Derek trat vor und verschränkte die Arme. Er war größer, als ich ihn in Erinnerung hatte, und auch breiter. Sein Grinsen war noch genau dasselbe, als hätten die Jahre alles verändert, außer den Teil von ihm, der Freude daran hatte, andere Menschen leiden zu sehen.
„Ich dachte, du würdest dich zu Hause verstecken“, sagte er. „Was machst du hier draußen?“
Ich antwortete nicht.
Mein Herz hämmerte so stark, dass ich es in meinen Ohren spürte. Der Becher in meiner Hand fühlte sich plötzlich rutschig an, und ich musste meinen Griff anpassen.
Marcus bemerkte die Veränderung in meinem Gesicht.
Er stellte sich vor mich. „Haut ab.“
Derek hob eine Augenbraue. „Aww, der Nerd hat jetzt also einen Bodyguard.“
Tyler lachte. „Wie süß.“
Cole starrte mich einfach mit diesen leeren Augen an. Er war schon immer der Ruhige gewesen. Derjenige, der die schlimmsten Dinge tat, ohne ein Wort zu sagen.
Ich erinnerte mich daran, wie er die Badezimmertür zugehalten hatte, während Derek mich gegen die Wand drückte. Ich erinnerte mich daran, wie Cole daneben gestanden und zugesehen hatte, ohne etwas zu sagen, während meine Bücher in eine Toilette geworfen wurden.
Ich hatte Monate damit verbracht, diese Erinnerungen zu vergessen.
Jetzt standen sie wieder vor mir.
„Wusste gar nicht, dass du Freunde hast, Rowan“, sagte Derek. „Was ist passiert? Hast du ihn dafür bezahlt, mit dir abzuhängen?“
Marcus' Schultern versteiften sich.
„Geh weg“, sagte er. Seine Stimme war ruhig, aber ich konnte die Anspannung spüren, die von ihm ausging.
Derek legte den Kopf schief. „Oder was?“
„Oder du gehst mit einem Problem nach Hause, das du bei deiner Ankunft noch nicht hattest.“
Tyler schnaubte. „Hört euch diesen Typen an. Er hält sich für einen Helden.“
Dereks Blick wanderte zu Marcus. „Willst du dich mit mir prügeln?“
Marcus zuckte nicht einmal. „Wenn es sein muss.“
Ich packte Marcus am Arm. „Lass uns einfach gehen.“
Er sah zu mir zurück. „Rowan—“
„Bitte.“
Ich wollte nicht, dass er gegen sie kämpfte. Nicht, weil ich dachte, Marcus könnte sich nicht verteidigen, sondern weil ich wusste, wie schnell die Situation gefährlich werden konnte. Derek spielte nie fair, und Cole war die Art von Mensch, die wartete, bis jemand ihm den Rücken zudrehte.
Derek trat zur Seite und versperrte uns den Weg.
„Warum die Eile? Wir holen doch nur ein bisschen die alten Zeiten nach.“
Ich sah mich um. Die Straße war größtenteils leer. Der Ladenbesitzer war drinnen und wahrscheinlich völlig ahnungslos. Am anderen Ende der Straße stand ein Auto, aber niemand war nah genug, um uns zu helfen.
„Wir wollen keinen Ärger“, sagte ich.
„Ärger?“ Derek lachte. „Wir sind doch nur freundlich. Stimmt's, Jungs?“
Tyler nickte. „Sehr freundlich.“
Cole lächelte nur.
Dieses kalte, leere Lächeln hatte jahrelang meine Albträume verfolgt.
Derek machte noch einen Schritt auf mich zu. „Erinnerst du dich an die Highschool, Rowan? An all die schönen Zeiten?“
Ich antwortete nicht.
Mein Mund war trocken geworden.
Marcus drehte den Kopf zu mir. „Du kennst diese Typen?“
Ich konnte nicht antworten.
Derek lachte, als er meinen Gesichtsausdruck sah. „Was? Er hat dir nie davon erzählt?“
„Halt die Klappe“, sagte Marcus.
Derek ignorierte ihn. „Du hättest ihn damals sehen sollen. Immer lief er mit diesem ängstlichen Blick herum. Die Lehrer hielten ihn für irgendein stilles Genie, aber jeder andere wusste, dass er einfach nur schwach war.“
Meine Brust zog sich zusammen.
Seine Stimme schien immer lauter zu werden, obwohl er nicht schrie. Jedes Wort holte eine alte Erinnerung zurück. Das Lachen auf dem Flur. Die Namen, mit denen sie mich beschimpft hatten. Die Male, in denen ich so getan hatte, als würde ich sie nicht hören, weil es alles nur schlimmer machte, wenn ich darauf reagierte.
Mein Atem wurde flacher.
Ich spürte die vertraute Enge in meiner Lunge – die ersten Anzeichen eines Asthmaanfalls.
Marcus musste es bemerkt haben, denn er stellte sich noch weiter zwischen uns.
Für einen Moment bewegte sich niemand.
Derek musterte Marcus von oben bis unten. Marcus erwiderte seinen Blick, ohne zu blinzeln. Seine Fäuste waren an seinen Seiten geballt, und ich wusste, dass er alles tat, um ruhig zu bleiben.
Ich zog an seinem Ärmel. „Marcus, lass uns gehen.“
Derek bemerkte die Bewegung.
„Versteckst du dich immer noch hinter jemand anderem?“, fragte er mich.
Ich senkte den Blick.
„Sieh mich an, wenn ich mit dir rede.“
Marcus machte einen Schritt nach vorn, aber ich hielt seinen Arm noch fester.
„Nicht“, flüsterte ich.
Derek lachte. „Da ist er ja. Der alte Rowan.“
„Genug“, sagte Marcus.
Derek musterte ihn noch einen Moment, bevor sein Grinsen zurückkehrte.
„Du hast Mut, das muss ich dir lassen.“ Er sah mich an. „Aber dein Freund wird nicht immer da sein, oder, Rowan?“
Ich schluckte schwer.
Die Drohung war nicht laut, aber ich verstand sie eindeutig.
„Wir sehen uns“, sagte Derek. „Schon sehr bald.“
Er nickte Tyler und Cole zu, dann gingen sie davon und verschwanden um die Ecke. Tyler warf noch einen letzten Blick über die Schulter und lachte leise.
Ich stieß die Luft aus, ohne zu wissen, dass ich sie angehalten hatte.
Meine Knie fühlten sich schwach an.
„Alles okay?“, fragte Marcus.
Ich nickte, aber das stimmte nicht.
Meine Hände zitterten. Meine Brust fühlte sich eng an, und ich konnte nicht aufhören, über Dereks Worte nachzudenken.
Wir sehen uns. Schon sehr bald.
Marcus drehte sich in Richtung der Ecke. „Was zum Teufel war das? Wer waren diese Typen?“
„Highschool“, brachte ich heraus.
„Das erklärt gar nichts.“
„Sie … sie haben früher …“
Meine Stimme versagte.
Marcus' Gesichtsausdruck veränderte sich. Die Wut war noch da, aber schnell trat Sorge an ihre Stelle.
„Haben sie dir wehgetan?“
„Nichts, womit ich nicht klarkommen konnte.“
„Rowan.“
Ich sah ihn an.
„Mir geht's gut. Wirklich.“
„Dir geht's nicht gut. Du bist blass. Du zitterst. Du siehst aus, als würdest du gleich ohnmächtig werden.“
Ich legte eine Hand auf meine Brust. „Ich brauche nur eine Minute.“
Marcus widersprach nicht. Er legte eine Hand auf meinen Rücken und führte mich zu einer nahegelegenen Bank.
„Setz dich.“
Ich setzte mich und beugte mich nach vorn, die Ellbogen auf den Knien. Mein Atem ging noch immer unregelmäßig, und jeder Versuch, tief einzuatmen, fühlte sich an, als würde etwas dagegenhalten.
Marcus ging vor mir in die Hocke.
„Atme. Langsam.“
Ich nickte.
„Durch die Nase ein“, sagte er. „Durch den Mund wieder aus. Überstürz es nicht.“
Ich folgte seinen Anweisungen.
Ein.
Aus.
Noch einmal.
Die Enge in meiner Brust begann nachzulassen, obwohl meine Hände weiterhin zitterten.
Marcus blieb vor mir, bis mein Atem wieder ruhiger wurde.
„Sie sind weg“, sagte er. „Sie können dir nichts tun.“
„Das weißt du nicht.“ Ich sah ihn an. „Du hast gehört, was er gesagt hat. Sie sind noch nicht fertig.“
„Na und? Willst du dich jetzt einfach von ihnen einschüchtern lassen?“
„Ich—“
„Doch.“ Marcus' Stimme war fest. „Du lässt sie in deinen Kopf. Genau das wollen sie.“
Ich antwortete nicht. Ich starrte nur auf den Boden.
„Ich dachte, es wäre vorbei“, sagte ich leise.
„Was?“
„Nach der Highschool. Ich dachte, ich müsste sie nie wiedersehen. Ich dachte, ich könnte das alles hinter mir lassen.“
Marcus setzte sich neben mich. „Du hast nichts getan, um das zu verdienen, was sie dir angetan haben. Ich kenne sie nicht einmal, und ich hasse sie jetzt schon.“
Das brachte mich leise zum Lachen.
Marcus lächelte, aber sein Gesichtsausdruck wurde bald wieder ernst.
„Wenn sie noch einmal in deine Nähe kommen, ruf mich an.“
„Ich kann dich nicht jedes Mal anrufen, wenn jemand etwas sagt.“
„Dann ruf mich an, wenn sie etwas tun. Oder ruf mich an, weil du Angst hast. Das ist mir egal.“
„Ich wollte, dass heute normal wird“, gab ich zu.
„Ich weiß.“
„Ich wollte einfach nur hier sitzen, über die Uni reden und für eine Weile alles vergessen.“
„Das kannst du immer noch.“
Ich sah zu der Ecke, um die Derek und seine Freunde verschwunden waren.
„Nicht mehr.“
Marcus folgte meinem Blick. „Vielleicht nicht heute. Aber sie entscheiden nicht darüber, wie der Rest deines Lebens aussieht.“
Ich wollte ihm glauben. Wirklich.
Aber während ich dort saß und auf die leere Straße starrte, auf der Derek und seine Freunde verschwunden waren, wurde ich das Gefühl nicht los, dass das hier noch nicht vorbei war.
Nicht einmal annähernd.
„Komm, lass uns zu dem Laden um die Ecke gehen. Ich kaufe dir etwas, das dich aufmuntert.“
ROWANS SICHT„Zweimal an einem Tag. Ich schätze, heute ist unser Glückstag“, sagte Derek in dem Moment, in dem er uns in dem kleinen Laden entdeckte, in den wir gekommen waren, um etwas zu kaufen.Marcus packte mich am Handgelenk und zog mich zum Ausgang.„Komm. Wir gehen.“Ich stolperte hinter ihm her. Mein Herz raste, während mein Blick immer wieder zu Derek und seinen Freunden wanderte. Sie standen einfach nur da und beobachteten uns mit diesen widerlichen Grinsen.Ich konnte die Anspannung in meiner Brust von dem, was draußen passiert war, immer noch spüren. Meine Hände zitterten, und ich hasste den Gedanken, dass Derek es wahrscheinlich sehen konnte.„Schon wieder weg?“, rief Derek uns hinterher. „Aber ihr seid doch gerade erst gekommen.“Marcus blieb nicht stehen. Er zog mich weiter zur Tür.Ich warf einen Blick über meine Schulter.Derek stieß sich von der Wand ab.Mein Magen zog sich zusammen.„Marcus“, flüsterte ich.„Ich weiß.“Derek stellte sich uns in den Weg, noch bevor w
ROWANS SICHT„…und dann stand er einfach da, die Hose um die Knöchel, während die ganze Klasse zugesehen hat.“Marcus lachte so heftig, dass er kaum noch Luft bekam. Er beugte sich nach vorn und hielt sich den Bauch, während ich mich bemühte, ernst zu bleiben.„Auf keinen Fall. Das hast du dir ausgedacht.“„Ich schwöre bei Gott.“ Ich grinste. „Ms. Patterson musste ihn sogar bis zum Büro des Direktors begleiten. Eine ganze Woche lang hat er sich nicht mehr blicken lassen.“„Was ist danach mit ihm passiert?“„Anscheinend hat er die Schule gewechselt.“Marcus richtete sich auf. „Deswegen?“„Würdest du das nicht tun?“„Ehrlich? Ich würde in ein anderes Land ziehen.“Ich lachte und schüttelte den Kopf. „Du hättest sein Gesicht sehen sollen. Er hat versucht, den Harten zu spielen, aber seine Hände haben gezittert.“Wir standen vor einem kleinen Laden ein paar Blocks vom Park entfernt, jeweils ein kaltes Getränk in der Hand. Die Sonne begann unterzugehen und tauchte den Himmel in Orange und
ROWANS SICHTMarcus war bereits da, als ich ankam. Er saß auf unserer üblichen Bank am Ententeich und hielt zwei Eistees in den Händen.Er entdeckte mich, noch bevor ich die Bank erreichte, und runzelte sofort die Stirn.„Du siehst beschissen aus“, sagte er.„Danke.“ Ich ließ mich neben ihn auf die Bank fallen und nahm einen der Eistees. „Ich spüre die Liebe wirklich.“„Ich meine es ernst. Hast du letzte Nacht überhaupt geschlafen?“„Definiere Schlaf.“Er sah mich an. „Rowan.“„Mir geht's gut.“ Ich stach den Strohhalm in den Becher und nahm einen langen Schluck. Die kalte Flüssigkeit tat gut in meinem Hals. „Nur ein beschissener Morgen.“Marcus musterte mich einige Sekunden lang. Sein Blick wanderte über mein Gesicht und bemerkte wahrscheinlich die Müdigkeit, die ich nicht einmal versucht hatte zu verbergen.„Ist etwas passiert?“„Es passiert doch immer irgendwas.“„Das beantwortet meine Frage nicht.“Ich lehnte mich gegen die Bank und starrte auf den Teich. „Ich bin nach unten gegang
ROWANS SICHTIch betrat die Küche und blieb wie angewurzelt stehen.Lily saß am Tisch, trug eines von Jaces Shirts und sonst nichts. Ihre Haare waren zerzaust, ihre Lippen geschwollen, und sie scrollte durch ihr Handy, als würde ihr das Haus gehören. Ihr gegenüber saß das andere Mädchen von gestern Abend – Cassie oder wie auch immer sie hieß – und stocherte in einer Schüssel Müsli herum.Und Jace stand am Herd.Oben ohne.Er machte Eier.Natürlich tat er das.Die Szene sah schmerzhaft normal aus, als wären sie eine kleine glückliche Familie, die gemeinsam frühstückte. Lily fühlte sich in seinen Klamotten sichtlich wohl, Cassie wirkte vollkommen entspannt, und Jace stand am Herd, als wäre überhaupt nichts Ungewöhnliches passiert.Als wäre er nicht einfach weggegangen, nachdem er mich im peinlichsten Moment meines Lebens erwischt hatte.Ich blieb einen Moment im Türrahmen stehen und überlegte, ob ich mich einfach umdrehen und wieder nach oben gehen konnte. Doch mein Magen knurrte laut,
JACES SICHT„Du bist den ganzen Morgen schon komisch.“Ich starrte an die Decke. Ein Arm lag hinter meinem Kopf, der andere auf meinem Bauch. Lily hatte sich an meine Seite gekuschelt und zog mit ihren Fingern träge Kreise auf meiner Brust. Die Bettlaken waren um uns herum völlig zerwühlt.„Ich bin nicht komisch“, sagte ich.„Doch, bist du.“ Sie stützte sich auf einen Ellbogen und sah auf mich hinunter. „Du bist distanziert. Abwesend. Du hast mich gestern Nacht kaum angesehen.“„Ich war müde.“„Müde.“ Sie wiederholte das Wort, als würde sie mir nicht glauben. „Du bist nie müde. Du bist Jace Anderson. Du kannst die ganze Nacht durchmachen und trotzdem perfekt aussehend zum Unterricht erscheinen.“Ich antwortete nicht. Ich starrte einfach weiter an die Decke.Lily hob ihre Hand und wedelte damit vor meinem Gesicht herum. „Hallo? Hörst du mir überhaupt zu?“„Ja, ich höre dir zu.“„Dann antworte mir.“Ich drehte den Kopf zu ihr. „Was soll ich denn sagen?“„Die Wahrheit wäre ein guter Anfa
ROWANS SICHT„Er hat mich erwischt.“„Wobei?“Ich schloss die Augen. Die Worte lagen wie Gift auf meiner Zunge, schwer und bitter. Ich hatte sie noch nie laut ausgesprochen. Noch nie hatte ich irgendjemandem erzählt, was in dieser Nacht passiert war.Aber Marcus wartete geduldig, so wie immer, wenn ich ihn am dringendsten brauchte.„Mich selbst zu berühren“, flüsterte ich. „Seinen Namen zu sagen.“Stille.Lang, schwer und erdrückend.Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ich konnte Marcus am anderen Ende der Leitung atmen hören, aber er sagte nichts. Die Stille zog sich weiter hin, und mit jeder Sekunde wurde der Druck in meiner Brust stärker.„Marcus?“ Meine Stimme brach. „Sag etwas.“Er atmete langsam aus. „Wow. Okay. Das ist … das ist eine Menge.“Ich kniff die Augen fest zusammen. „Ich weiß. Ich bin widerlich. Du musst nicht—“„Hey.“ Seine Stimme wurde schärfer. „Hör auf. Das habe ich nicht gesagt.“„Das musstest du auch nicht.“„Rowan.“ Er sagte meinen Namen wie eine Warnung. „I







