FAZER LOGINNORAS PERSPEKTIVE
Ich wachte langsam auf, mein Körper kribbelte noch von der vergangenen Nacht. Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war, doch dann kehrten die Erinnerungen zurück: Lucians Hände auf meiner Haut, seine Lippen an meinem Hals, seine Stimme, die mir zugeflüstert hatte, dass ich wunderschön sei, dass ich ihm gehörte.Instinktiv griff ich nach ihm, doch meine Hand traf nur auf die leere Matratze neben mir.Das Bett war kalt.Mein Herz zog sich zusammen. Ich setzte mich schnell auf und ließ den Blick durch das Zimmer schweifen, doch Lucian war fort.Dann entdeckte ich einen ordentlich gefalteten Zettel auf dem Kissen neben mir.Meine Hand zitterte leicht, als ich ihn aufhob und auseinanderfaltete.„Ich musste gehen. Wenn ich geblieben wäre, hätte ich dich wahrscheinlich nicht mehr gehen lassen.Aber das hier ist kein Abschied.Was letzte Nacht zwischen uns passiert ist, war für mich nicht einfach nur eine Nacht. Ich will dich wiedersehen, Nora. Und glaub mir, ich werde dich finden.Du gehörst jetzt mir, und was mir gehört, teile ich mit niemandem. Nicht einmal mit der ganzen Welt.Warte auf mich.– L“Ich las die Zeilen einmal, dann noch einmal und schließlich ein drittes Mal, während mein Herz so heftig schlug, dass ich kaum ruhig atmen konnte.Er würde zurückkommen.Ich gehörte ihm, hatte er geschrieben, und ich sollte auf ihn warten.Ich drückte den Zettel fest an meine Brust und wusste nicht, wohin mit all den Gefühlen, die in mir durcheinanderwirbelten. Ich kannte nicht einmal seinen Nachnamen, und trotzdem hatte er es in einer einzigen Nacht geschafft, dass ich mich lebendiger fühlte als in den gesamten letzten drei Jahren.Schließlich zwang ich mich, aus dem Bett zu steigen. Ich zog mich an und verließ das Hotelzimmer.Der Weg nach Hause verging wie im Traum. Ich konnte mich kaum auf irgendetwas konzentrieren. Die ganze Zeit hielt ich den Zettel in der Hand, las ihn immer wieder und prägte mir jedes einzelne Wort ein.Als ich schließlich mein Haus erreichte, holte ich tief Luft und öffnete die Tür.Lily war bereits wach und saß am Küchentisch. Ihre gepackte Tasche stand neben ihr. Als ich hereinkam, blickte sie auf und kniff misstrauisch die Augen zusammen.„Wo warst du letzte Nacht?“Ich zwang mich zu einem Lächeln und versuchte, möglichst ruhig zu wirken. „Ich habe bei Tessa übernachtet, nachdem wir aus dem Club gekommen sind.“Lily musterte mich aufmerksam und legte den Kopf schief.„Du siehst heute Morgen irgendwie anders aus“, sagte sie langsam. „Irgendetwas ist anders an dir. Ich weiß nur nicht, was.“Mein Herz schlug schneller, doch ich hielt meine Stimme ruhig. „Mir geht es gut, Lily. Ich habe nur nicht besonders viel geschlafen. Und jetzt komm, in zwanzig Minuten fahren wir zum Nightcrest-Rudel. Mach dich fertig.“Sie zuckte mit den Schultern und schnappte sich ihre Tasche. „Okay, Mama.“An der Tür blieb sie jedoch noch einmal stehen und sah zu mir zurück.„Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?“„Ja, ganz sicher“, sagte ich mit einem Lächeln. „Geh schon.“Sie nickte und verschwand durch die Tür.Ich wartete, bis ihre Schritte verklungen waren, dann eilte ich in mein Zimmer, schloss die Tür hinter mir und holte mein Handy hervor.Ich wählte Tessas Nummer. Sie meldete sich bereits nach dem ersten Klingeln.„Erzähl mir alles!“, platzte sie voller Aufregung heraus.Unwillkürlich musste ich lächeln. „Er heißt Lucian. Er ist siebenundzwanzig und unglaublich gut aussehend, Tessa. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben.“„Und?“, drängte sie.„Die Nacht war unglaublich“, gab ich zu und spürte, wie meine Wangen immer wärmer wurden. „Er hat mir das Gefühl gegeben, die einzige Frau auf der Welt zu sein. Und heute Morgen hat er mir einen Zettel hinterlassen. Er hat geschrieben, dass er zurückkommen und mich holen wird.“Tessa schnappte hörbar nach Luft. „Nora! Das ist ja unglaublich!“„Ich weiß überhaupt nicht, was ich davon halten soll“, sagte ich mit leicht zitternder Stimme. „Ich habe mich so lange innerlich wie gebrochen gefühlt, und jetzt bin ich plötzlich … leichter. Anders.“„Dann bewahr dir dieses Gefühl“, sagte sie bestimmt. „Du hast es verdient, Nora. Du hast es verdient, glücklich zu sein.“Ich lächelte. „Danke, Tessa.“„Und jetzt geh“, sagte sie. „Fahr zum Nightcrest-Rudel und fang dein neues Leben an. Und hör auf, dir ständig Sorgen zu machen. Alles wird gut.“Wir verabschiedeten uns, und ich legte auf. Ich fühlte mich so unbeschwert wie schon seit Jahren nicht mehr.Eine Stunde später erreichten Lily und ich das Gelände des Palastes des Nightcrest-Rudels.Der Palast war gewaltig, schöner als alles, was ich je zuvor gesehen hatte. Hohe goldene Tore ragten vor uns auf, und Wachen standen stramm an ihren Posten.Lily stand mit weit aufgerissenen Augen neben mir und schnappte hörbar nach Luft.„Mama, schau dir das an!“, flüsterte sie und zupfte aufgeregt an meinem Arm. „Das ist ja wie ein Schloss!“Ich lächelte und drückte sanft ihre Hand. „Im Grunde ist es das ja auch, oder?“Greta kam uns bereits entgegen, die Arme weit ausgebreitet und ein warmes Lächeln auf dem Gesicht. Sie strahlte Eleganz und Stärke aus, doch in ihren Augen lag eine solche Güte, dass ich sofort spürte, wie meine Nervosität nachließ.„Nora!“, rief sie und eilte auf mich zu. „Endlich bist du da!“Sie schlang die Arme um mich und drückte mich fest an sich. Ich erwiderte die Umarmung und atmete den vertrauten Duft ihres Parfüms ein.„Greta, es ist so schön, dich zu sehen“, sagte ich glücklich, als wir uns wieder voneinander lösten.Sie betrachtete mich aufmerksam.„Sieh dich nur an“, sagte sie leise. „Du siehst glücklich aus. Irgendetwas hat sich verändert.“Ich lachte nervös. „Ich weiß nicht so recht.“Dann wandte sie sich Lily zu, und ihr Lächeln wurde noch breiter.„Und du musst Lily sein! Oh, du bist sogar noch schöner, als deine Mutter mir erzählt hat.“Lily errötete und lächelte schüchtern. „Danke, Madam.“Greta lachte und winkte ab. „Madam? Bitte nenn mich Greta. Komm her, lass dich mal ansehen.“Sie zog Lily in eine herzliche Umarmung, und mir wurde vor Dankbarkeit ganz warm ums Herz. Greta war noch genauso, wie ich sie in Erinnerung hatte: warmherzig, freundlich und großzügig.„Willkommen im Nightcrest-Rudel“, sagte sie fröhlich, als sie einen Schritt zurücktrat und nach unseren Händen griff. „Ihr beide. Das hier ist jetzt euer Zuhause.“Sie führte uns hinein, und ich ließ den Blick über all den Luxus und Reichtum schweifen, der uns umgab. Der Palast übertraf alles, was ich mir vorgestellt hatte.Doch während ich durch die prächtigen Flure ging, bildete sich plötzlich ein seltsamer Knoten in meinem Magen.Ich redete mir ein, dass ich mein altes Leben hinter mir gelassen hatte. Ich redete mir ein, dass ich hier in Sicherheit war. Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich etwas aus jener Nacht mitgebracht hatte: die Erinnerung an Lucian, den Geschmack seiner Lippen und den Klang seiner Stimme, die mir sagte, dass ich ihm gehörte. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich geradewegs in ein Feuer lief, das ich nicht hatte kommen sehen.GRETAS PERSPEKTIVEIch saß in meinen Gemächern und kämmte mir die Haare, als ein Diener an meine Tür klopfte.„Herein“, sagte ich, und die Tür öffnete sich. Dahinter stand Elara, meine Zofe, mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht.„Meine Herrin“, sagte Elara leise. „Ich habe Neuigkeiten. Wichtige Neuigkeiten.“Ich legte meine Bürste beiseite und wandte mich ihr zu.„Was ist los?“, fragte ich.„Lord Darius ist zum Rudel zurückgekehrt“, sagte Elara. „Er ist heute Morgen angekommen. Und er hat den Alpha um seine Position herausgefordert.“Ich starrte sie einen Moment lang an, um die Worte sacken zu lassen.„Lord Darius?“, wiederholte ich langsam. „Der Mann, der einst Alpha werden wollte? Derjenige, der fortging, nachdem Lucians Vater seinen Sohn auserwählt hatte?“„Ja, meine Herrin“, sagte Elara. „Er ist zurückgekehrt. Und er fordert den Alpha heraus. Der Kampf ist für heute in einer Woche angesetzt.“Ich spürte, wie sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete, ein Lächeln, das ich
LUCIANS PERSPEKTIVEIch saß in meinem Arbeitszimmer mit einem Stapel Dokumente vor mir und hatte endlich das Gefühl, dass ich die Lage im Griff hatte.Trevor war auf dem Weg, aber ich war bereit für ihn. Ich hatte Beweise für Gretas Verrat und einen Plan, um die beiden auf frischer Tat zu ertappen. Nora war in Sicherheit, Lily war in Sicherheit, und das Rudel war stabil. Zum ersten Mal seit Wochen hatte ich das Gefühl, wieder atmen zu können.Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken, und Jace kam mit einem seltsamen Gesichtsausdruck herein.„Lucian“, sagte er leise. „Da ist jemand am Tor. Ein Besucher.“Ich runzelte tief die Stirn, als ich von meinen Unterlagen aufblickte.„Ein Besucher? Wer?“Jace zögerte einen Moment, dann sagte er: „Lord Darius.“Ich spürte, wie mir augenblicklich das Blut in den Adern gefror.Lord Darius. Der Mann, der einst ein Anwärter auf das Amt des Alphas gewesen war, bevor mein Vater mich auserwählt hatte. Er hatte das Rudel vor Jahren verlassen,
LUCIANS PERSPEKTIVEIch saß in meinem Arbeitszimmer mit einem Stapel Dokumente vor mir und konnte mich auf kein einziges Wort konzentrieren.Nora hatte mir von Trevors Anruf erzählt, davon, wie er gedroht hatte, zum Nightcrest-Rudel zu kommen, und von der gemeinen Bemerkung, die er über ihr Gewicht gemacht hatte. Und ich hatte ihr versprochen, herauszufinden, wer ihm verraten hatte, wo sie sich aufhielt. Ich hatte ihr versprochen, sie zu beschützen. Doch seitdem war ich nicht mehr in der Lage gewesen, mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren.Ich schob die Unterlagen beiseite, stand auf und ging zur Tür. Im Flur traf ich auf Jace, dem ich den Stapel Papiere überreichte.„Kümmere dich in den nächsten Tagen darum“, sagte ich mit fester Stimme. „Ich muss mich um etwas anderes kümmern.“Jace runzelte die Stirn, blickte auf die Unterlagen und dann wieder zu mir.„Lucian, das ist wichtig“, sagte er vorsichtig. „Das Handelsabkommen mit dem nördlichen Rudel, der Grenzstreit mit den östli
GRETAS PERSPEKTIVEIch öffnete die Tür und sah Nora dort stehen – ihr Gesicht war blass und ihre Hände zitterten. Ich verspürte einen Anflug von Überraschung, den ich jedoch schnell hinter einer Maske der Besorgnis verbarg.„Nora“, sagte ich leise und trat einen Schritt zurück, um sie hereinzulassen. „Was machst du denn hier? Es ist schon spät.“Sie ging an mir vorbei in meine Gemächer, und ich schloss die Tür hinter ihr, während mir die Gedanken durch den Kopf rasten. Warum war sie hier? Hatte sie etwas herausgefunden? Hatte ihr jemand etwas erzählt?Doch ich verdrängte diese Gedanken schnell und wandte mich ihr zu, wobei ich meinen Gesichtsausdruck sorgfältig so gestaltete, dass er Besorgnis und Wärme ausstrahlte.„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich sanft. „Du siehst aufgeregt aus.“Nora stand in der Mitte des Zimmers, die Arme um sich geschlungen, und sah mich mit diesen warmen braunen Augen an, die von etwas erfüllt waren, das ich nicht ganz deuten konnte.„Ich muss dich etwas fra
NORAS PERSPEKTIVEIch stand in Lucians Gemächern, das Telefon ans Ohr gepresst, und mein Herz hämmerte in meiner Brust – ich konnte einfach nicht glauben, was ich gerade gehört hatte.Tessas Stimme klang scharf, und ich konnte ihre Wut durch das Telefon spüren.„Was ist das denn für eine Frage?“, fragte sie schroff. „Was für eine Beleidigung ist das?“Ich spürte, wie mich Schuldgefühle überkamen, und versuchte schnell, es zu erklären.„Es tut mir so leid“, sagte ich mit zitternder Stimme, „ich wollte dich nicht beleidigen. Es ist nur so, dass Trevor mich angerufen hat, und er wusste, wo ich war, und Lucian dachte, jemand hätte es ihm vielleicht verraten.“Am anderen Ende der Leitung herrschte lange Stille, dann atmete Tessa tief aus.„Trevor hat dich angerufen?“, fragte sie mit harter Stimme. „Diese Schlange hat dich tatsächlich angerufen?“„Ja“, flüsterte ich. „Er sagte, er kommt zum Nightcrest-Rudel, um mich und Lily zu sehen.“Tessa schwieg einen Moment, und als sie wieder sprach,
NORAS PERSPEKTIVEIch stand wie erstarrt im Flur, das Telefon noch immer ans Ohr gepresst, und konnte mich nicht bewegen, konnte nicht atmen und konnte nicht denken.Trevor war auf dem Weg hierher.Trevor, der mich gebrochen hatte. Trevor, der mir das Gefühl gegeben hatte, wertlos zu sein. Trevor, der mich für eine jüngere Frau verlassen und mir deutlich gemacht hatte, dass ich nicht gut genug war. Er war auf dem Weg zum Nightcrest-Rudel, und er kam, um mich und Lily zu sehen.Ich spürte, wie mir das Telefon aus den Fingern glitt und mit lautem Klirren auf den Boden fiel, und ich lehnte mich an die Wand, um mich zu stützen. Mein Herz hämmerte so heftig, dass ich es bis in die Kehle spürte, und meine Hände zitterten so stark, dass ich sie kaum ruhig halten konnte.Ich dachte an seine Stimme, daran, wie er mit mir gesprochen hatte. So sanft. So unecht. Als würde er mit einem verängstigten Tier sprechen, das er verschlingen will, als würde er versuchen, mich in eine Falle zu locken. Und







