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KAPITEL 5

Autor: Lady D
last update Data de publicação: 2026-08-18 19:24:02

NORAS PERSPEKTIVE

Der große Saal des Nightcrest-Rudels war aus der Nähe noch beeindruckender. Die hohen Decken, die funkelnden Kronleuchter und die langen, mit edlen violetten Stoffen gedeckten Tische ließen mich staunend den Blick schweifen.

Greta führte uns zu unseren Plätzen am Kopfende des Tisches. Dort wartete bereits eine mir unbekannte Frau, die uns mit einem herzlichen Lächeln begrüßte.

„Nora, das ist Lady Elara“, sagte Greta und deutete auf die elegante Frau neben sich. „Sie ist die Gefährtin eines unserer engsten Vertrauten und hat sich schon sehr darauf gefreut, dich kennenzulernen.“

Lady Elara neigte anmutig den Kopf. „Greta hat mir schon so viel von dir erzählt, meine Liebe. Es freut mich sehr, dich endlich kennenzulernen.“

Ich lächelte und erwiderte ihre Begrüßung herzlich, obwohl mir die Ereignisse der vergangenen vierundzwanzig Stunden noch immer durch den Kopf gingen. Der Club. Lucian. Sein Zettel. Die Reise hierher. Und jetzt saß ich plötzlich in einem Palast, der wie aus einem Traum wirkte, umgeben von einem Luxus, wie ich ihn noch nie erlebt hatte.

Lily ließ sich auf den Stuhl neben mir sinken und blickte mit großen Augen durch den prächtigen Saal.

„Mama, dieser Ort ist unglaublich“, flüsterte sie.

Ich drückte unter dem Tisch sanft ihre Hand. „Das ist er wirklich.“

Greta gab den Bediensteten ein Zeichen, und kurz darauf wurde das Abendessen serviert. Schon bald füllten Gerichte den Tisch, deren Namen ich teilweise nicht einmal kannte. Alles duftete köstlich und war so kunstvoll angerichtet, dass ich beinahe Hemmungen hatte, etwas davon anzurühren.

Ich nahm meine Gabel in die Hand, doch besonders hungrig war ich nicht. Mein Magen war viel zu aufgewühlt.

Da beugte sich Greta zu mir herüber. Ein wissendes Lächeln spielte um ihre Lippen.

„Also“, sagte sie so leise, dass nur ich sie hören konnte. „Erzähl mir von diesem jungen Wolf, den du gestern Abend kennengelernt hast.“

Ich verschluckte mich beinahe an meinem Wein.

„Greta!“

„Du brauchst gar nicht erst so zu tun, als wüsstest du nicht, wovon ich rede“, sagte sie lachend. „Tessa hat mich heute Morgen angerufen und mir alles erzählt.“

Mir schoss die Hitze ins Gesicht.

Tessa. Natürlich.

Ich hätte wissen müssen, dass sie ihren Mund nicht halten konnte.

„Greta, bitte“, murmelte ich und warf einen Blick zu Lily, die viel zu sehr damit beschäftigt war, das Essen vor sich zu bestaunen, um uns Beachtung zu schenken. „Nicht vor Lily.“

Lady Elara hatte offenbar genug von unserem Gespräch mitbekommen, um zu verstehen, worum es ging. Sie lächelte mich freundlich an.

„Du musst dich doch nicht schämen, meine Liebe“, sagte sie sanft. „Du bist hier unter Freunden. Du darfst dein Leben genießen.“

Greta nickte sofort. „Ganz genau! Eigentlich sollten wir eine Flasche Champagner öffnen. Du bist dieses nutzlose Exemplar von einem Ex-Partner endlich los. Weißt du, wie lange ich darauf gewartet habe, dich wieder so lächeln zu sehen?“

Ich öffnete den Mund, um zu widersprechen. Um ihr zu sagen, dass ich gar nicht wirklich lächelte, dass ich immer noch dieselbe gebrochene Frau war wie zuvor.

Doch die Worte kamen nicht.

Denn wenn ich ehrlich zu mir selbst war, fühlte ich mich tatsächlich anders.

Leichter.

Als hätte sich irgendetwas in mir verändert.

Ich wusste nur noch nicht, was ich mit diesem Gefühl anfangen sollte.

Lily blickte neugierig von ihrem Teller auf. „Wann kommt eigentlich der Alpha? Ich will sehen, wie er aussieht.“

Bei seiner Erwähnung leuchteten Gretas Augen auf, und ein sanftes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Er müsste jeden Moment kommen, Liebling. Er hatte heute Vormittag eine wichtige Sitzung, aber er wird gleich zu uns stoßen.“

Etwas in ihrer Stimme ließ mich aufhorchen. Da war eine Wärme, die über gewöhnliche Bewunderung hinauszugehen schien, und ich bemerkte, wie sich ihre Finger ein wenig fester um ihr Glas schlossen.

Ich lächelte und versuchte gleichzeitig, das Gespräch von mir wegzulenken.

„Er muss seine Sache wirklich gut machen. Nightcrest gilt schließlich als eines der modernsten und mächtigsten Rudel überhaupt.“

Greta richtete sich ein wenig auf, und ihr Stolz war ihr deutlich anzusehen. Doch auch diesmal hatte ich das Gefühl, dass mehr dahintersteckte.

„Lucian hat sehr hart dafür gearbeitet, das Rudel dorthin zu bringen, wo es heute steht“, sagte sie leise. „Er hat es schon in jungen Jahren übernommen und musste sich immer wieder beweisen. Ich habe miterlebt, wie er zu dem Alpha geworden ist, der er heute ist, und ich …“

Sie hielt kurz inne, fing sich wieder und lächelte beinahe schüchtern.

„Ich bewundere ihn sehr.“

Etwas an der Art, wie sie seinen Namen ausgesprochen hatte, ließ mich stutzen.

Lucian.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Lucian?

So hieß der Mann, mit dem ich die vergangene Nacht verbracht hatte.

Der Mann, der mich in seinen Armen gehalten, mich berührt und mir zugeflüstert hatte, dass ich ihm gehörte. Der Mann, der mir am Morgen einen Zettel hinterlassen und versprochen hatte, mich wiederzufinden.

Nein.

Das konnte nur ein Zufall sein.

Es musste ein Zufall sein.

„Er heißt Lucian?“, fragte ich und bemühte mich um einen möglichst beiläufigen Ton, obwohl meine Hände unter dem Tisch zu zittern begannen.

Greta nickte lächelnd. „Ja. Sein Großvater hat ihm den Namen gegeben, bevor er starb. Es ist ein alter Name in seiner Familie, mit einer langen Geschichte.“

Sie hielt einen Moment inne und fügte dann leiser hinzu: „Und ich finde, er passt perfekt zu ihm.“

Ich wollte gerade etwas erwidern, als eine Stimme vom Eingang des Saales ertönte.

Warm.

Tief.

Und unverkennbar vertraut.

„Hat da gerade jemand meinen Namen gesagt?“

Ich erstarrte.

Mein Herz schien für einen Moment stillzustehen.

Diese Stimme kannte ich.

Ich hatte sie in der Dunkelheit an meinem Ohr gehört. Hatte ihren Klang gespürt, während seine Lippen meine Haut berührten. Und erst letzte Nacht war ich in seinen Armen eingeschlafen.

Langsam hob ich den Blick von meinem Teller.

Und da stand er.

Am Eingang des großen Saales, groß und atemberaubend gut aussehend, die silbergrauen Augen direkt auf mich gerichtet. Auf seinen Lippen lag ein Lächeln, bei dem mir augenblicklich ganz anders wurde.

Greta erhob sich sofort.

Und wieder veränderte sich etwas an ihr. Ihr ganzes Gesicht hellte sich auf, und ihre Augen strahlten auf eine Weise, die ich bisher noch nicht an ihr gesehen hatte.

Sie ging ihm mit schnellen Schritten entgegen.

„Lucian! Da bist du ja!“

Dann schlang sie die Arme um ihn und drückte ihn fest an sich.

Vielleicht einen Moment länger, als ich es von einer gewöhnlichen freundschaftlichen Begrüßung erwartet hätte.

Ich sah wie erstarrt zu, wie er ihre Umarmung erwiderte.

Doch seine Augen blieben auf mich gerichtet.

Meine Hände begannen erneut zu zittern. Plötzlich fiel mir das Atmen schwer.

Greta löste sich von ihm, wandte sich wieder mir zu und bedeutete mir aufzustehen.

„Meine liebe Freundin“, sagte sie herzlich, „das ist der Alpha des Nightcrest-Rudels, Alpha Lucian.“

Dann sah sie zu ihm.

„Lucian, das sind meine sehr gute Freundin Nora Summers und ihre Tochter Lily.“

Lucian trat einen Schritt auf mich zu. Seine silbergrauen Augen ließen meine keinen Moment los.

Dann blieb er direkt vor mir stehen und hielt mir die Hand hin.

„Hallo, Nora“, sagte er mit sanfter Stimme.

Ich starrte auf seine ausgestreckte Hand, während mein Herz so laut schlug, dass ich kaum noch etwas anderes wahrnahm.

Und dann sah ich wieder in seine Augen.

Dasselbe Feuer wie in der vergangenen Nacht.

Dasselbe Verlangen.

Derselbe Hunger.

In diesem Moment begriff ich endlich, wer der Mann vor mir wirklich war.

Ich hatte mit einem Alpha geschlafen, ohne auch nur zu ahnen, wer er war.

Und wenn ich Gretas Blick richtig deutete, war Lucian ausgerechnet der Mann, für den sie schon lange mehr empfand.

Doch Lucian sah nicht Greta an.

Er sah mich an. Als hätte die vergangene Nacht für ihn noch lange nicht geendet.

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