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Ein gefährlicher Anfang

last update Veröffentlichungsdatum: 27.07.2026 21:21:50

Die Tür schloss sich hinter Daniel.

Für einen kurzen Moment herrschte wieder dieselbe Stille, die Emma inzwischen mit Alexander Hart verband.

Er griff nach einer Mappe, unterschrieb mehrere Dokumente mit schnellen, präzisen Bewegungen und legte sie auf einen zweiten Stapel.

„Frau Keller."

Emma richtete sich sofort auf.

„Ja, Sir?"

„Haben Sie schon einmal den Terminkalender eines CEOs verwaltet?"

„Nein."

„Internationale Geschäftsreisen organisiert?"

„Nein."

„Verhandlungen vorbereitet?"

„Nein."

Er legte den Füller langsam auf den Schreibtisch.

„Dann wird heute ein interessanter Tag."

Emma spürte, wie ihre Hände feucht wurden.

Alexander bemerkte ihre Unsicherheit.

„Haben Sie Angst?"

Sie schwieg einen Augenblick.

„Ein bisschen."

„Gut."

Emma sah überrascht auf.

„Gut?"

„Menschen, die keine Angst haben, werden leichtsinnig."

Er stand auf.

„Kommen Sie."

Gemeinsam verließen sie das Büro.

Kaum trat Alexander auf den Flur, änderte sich die Stimmung augenblicklich.

Mitarbeiter unterbrachen ihre Gespräche.

Telefone wurden leiser gestellt.

Jeder schien plötzlich noch konzentrierter zu arbeiten.

Emma beobachtete fasziniert, welchen Einfluss dieser Mann allein durch seine Anwesenheit hatte.

Alexander blieb stehen.

„Was sehen Sie?"

Emma verstand die Frage zunächst nicht.

„Sir?"

„Sehen Sie sich um."

Sie blickte durch die große Etage.

Überall arbeiteten Menschen.

Designer.

Programmierer.

Manager.

Assistenten.

Juristen.

„Ich sehe viele Mitarbeiter."

Alexander nickte.

„Ich sehe Verantwortung."

Er ging weiter.

„Über dreitausend Familien leben von diesem Unternehmen."

Emma schwieg.

„Jede Entscheidung, die ich treffe, beeinflusst Tausende von Menschen."

Seine Stimme klang ruhig.

„Deshalb dulde ich keine Nachlässigkeit."

Emma verstand plötzlich, warum alle ihn respektierten.

Es ging nicht um Macht.

Nicht um Geld.

Sondern um Verantwortung.

Sie erreichten einen Konferenzraum.

Eine Assistentin kam ihnen entgegen.

„Guten Morgen, Herr Hart."

„Morgen."

„Die japanischen Investoren sind bereits eingetroffen."

Alexander nickte.

„Fünf Minuten."

Die Frau verschwand.

Emma blickte ihn überrascht an.

„Sie sprechen mit jedem so kurz?"

„Ja."

„Warum?"

„Weil Zeit kostbarer ist als Geld."

Er öffnete die Tür.

Der Konferenzraum war beeindruckend.

Ein riesiger Tisch.

Mehrere Bildschirme.

Panoramafenster.

An der gegenüberliegenden Seite saßen sechs elegant gekleidete Geschäftsleute.

Alle standen sofort auf.

Alexander begrüßte jeden einzelnen mit einem festen Händedruck.

Seine Körpersprache hatte sich verändert.

Er wirkte noch selbstbewusster.

Fast unantastbar.

„Willkommen bei Hart Corporation."

Die Besprechung begann.

Emma setzte sich etwas abseits und machte sich Notizen.

Alexander sprach fließend Englisch.

Dann wechselte er plötzlich ins Japanische.

Emma blinzelte überrascht.

Sie hatte nicht gewusst, dass er mehrere Sprachen beherrschte.

Die Investoren lächelten anerkennend.

Die Atmosphäre wurde entspannter.

Alexander präsentierte Zahlen.

Diagramme.

Strategien.

Er beantwortete jede Frage ohne zu zögern.

Seine Argumente waren klar.

Seine Stimme ruhig.

Sein Blick fest.

Emma konnte kaum glauben, dass dies derselbe Mann war, der vor wenigen Minuten beinahe emotionslos gewirkt hatte.

Hier lebte er förmlich auf.

Nach fast zwei Stunden war das Meeting beendet.

Alle verabschiedeten sich zufrieden.

Einer der Investoren sagte lächelnd:

„Mr. Hart, it's always a pleasure doing business with you."

Alexander nickte nur leicht.

„The pleasure is mine."

Nachdem die Gäste gegangen waren, blieb Emma noch einen Moment sitzen.

„Beeindruckend."

Alexander sammelte seine Unterlagen ein.

„Was genau?"

„Sie."

Er hob den Blick.

„Sie kannten auf jede Frage eine Antwort."

Alexander lächelte schwach.

„Das nennt man Vorbereitung."

Sie verließen gemeinsam den Konferenzraum.

Gerade als sie den Flur entlanggingen, hörte Emma plötzlich lautes Stimmengewirr.

Zwei Mitarbeiter standen sich gegenüber.

„Das ist Ihre Schuld!"

„Nein, Ihre!"

Alexander blieb sofort stehen.

Sein Blick wurde kalt.

„Was ist hier los?"

Beide verstummten augenblicklich.

Einer der Männer trat nervös vor.

„Sir... wir... wir haben unterschiedliche Zahlen im Quartalsbericht."

Alexander streckte die Hand aus.

„Her."

Der Mitarbeiter übergab ihm den Ordner.

Alexander blätterte nur wenige Sekunden.

Dann schloss er ihn.

„Wer hat die Daten überprüft?"

Niemand antwortete.

„Ich frage nicht noch einmal."

Schließlich hob eine junge Frau zögernd die Hand.

„Ich."

„Und?"

„Ich dachte..."

Alexander unterbrach sie.

„In diesem Unternehmen wird nicht gedacht."

Alle starrten ihn erschrocken an.

Er machte eine kurze Pause.

„Hier wird geprüft."

Die junge Frau senkte beschämt den Kopf.

Alexander gab ihr den Ordner zurück.

„Korrigieren Sie den Bericht."

„Ja, Sir."

„Innerhalb einer Stunde."

„Ja."

Er ging weiter.

Emma folgte ihm schweigend.

Erst im Aufzug fragte sie leise:

„Sind Sie immer so streng?"

Alexander antwortete nicht sofort.

Die Türen schlossen sich.

Der Aufzug setzte sich in Bewegung.

„Nein."

Emma blickte überrascht auf.

„Nicht immer."

„Aber vor allen Mitarbeitern schon."

„Warum?"

Alexander sah auf die vorbeiziehenden Stockwerke.

„Weil Fehler ansteckend sind."

Emma dachte über seine Worte nach.

„Und Lob?"

Alexander sah sie zum ersten Mal seit mehreren Minuten direkt an.

„Lob verdient man."

Der Aufzug hielt.

Als sich die Türen öffneten, kam eine junge Frau mit langen blonden Haaren auf sie zugelaufen.

Sie trug ein enges Designerkleid und hohe Absätze.

„Alexander!"

Noch bevor Emma reagieren konnte, fiel die Frau dem CEO um den Hals.

Sie küsste ihn auf die Wange.

„Du hast meine Anrufe ignoriert."

Alexander blieb vollkommen ruhig.

„Ich arbeite."

Die Frau lachte.

„Du arbeitest immer."

Dann bemerkte sie Emma.

Ihr Lächeln verschwand.

„Und wer ist sie?"

Alexander antwortete sachlich.

„Meine neue Assistentin."

Die Frau musterte Emma von Kopf bis Fuß.

Langsam.

Abschätzig.

„Aha."

Emma spürte sofort, dass dieser Blick nichts Gutes bedeutete.

Die Frau trat einen Schritt näher.

„Pass gut auf."

Emma runzelte die Stirn.

„Wie bitte?"

„Alexander wechselt Assistentinnen häufiger als seine Krawatten."

Alexander seufzte hörbar.

„Sophia."

„Was denn?"

Sie verschränkte die Arme.

„Ich sage nur die Wahrheit."

Emma zwang sich zu einem höflichen Lächeln.

„Vielen Dank für die Information."

Sophia erwiderte das Lächeln nicht.

Stattdessen drehte sie sich zu Alexander.

„Wir reden später."

Ohne ein weiteres Wort ging sie davon.

Emma blickte ihr nach.

„War das..."

Alexander antwortete trocken:

„Eine alte Bekannte."

Doch etwas in seinem Gesicht verriet Emma, dass diese Begegnung längst nicht so harmlos gewesen war, wie er behauptete.

Fortsetzung folgt...

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