MasukEmma konnte sich während der gesamten Rückfahrt kaum auf ihre Arbeit konzentrieren.
Sophias Worte hallten immer wieder in ihrem Kopf nach.
> „Alexander verliert sehr schnell das Interesse an Menschen.“
Sie war sich nicht sicher, warum sie diese Bemerkung überhaupt beschäftigte. Schließlich war Alexander Hart ihr Chef. Mehr nicht.
Und doch...
Etwas an seinem Verhalten passte nicht zu dem Bild, das Sophia von ihm zeichnete.
Seit ihrem ersten Arbeitstag hatte er sie zwar streng behandelt, aber niemals respektlos. Im Gegenteil. Er hatte ihr zugehört, ihr erklärt, wie das Unternehmen funktionierte, und sie sogar zum Geschäftsessen mitgenommen.
Warum also sprach Sophia über ihn, als wäre er ein herzloser Mann?
Die schwarze Limousine hielt vor der Hart Corporation.
Der Chauffeur öffnete die Tür.
„Wir sind da, Sir.“
Alexander stieg aus und wartete überraschenderweise auf Emma.
„Kommen Sie.“
Gemeinsam betraten sie die Eingangshalle.
Sofort verstummten mehrere Gespräche.
Emma bemerkte die neugierigen Blicke der Mitarbeiter.
Einige flüsterten.
Andere beobachteten sie nur unauffällig.
Als sie am Empfang vorbeigingen, hörte Emma zwei Frauen leise miteinander sprechen.
„Ist das nicht die Neue?“
„Doch.“
„Sie war gerade mit Herrn Hart unterwegs.“
„Zum Mittagessen.“
„Schon am ersten Tag?“
Emma senkte unbewusst den Blick.
Sie mochte Gerüchte nicht.
Alexander hingegen schien nichts davon wahrzunehmen.
Oder es interessierte ihn einfach nicht.
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Kaum erreichten sie den vierzigsten Stock, eilte Daniels Assistent auf sie zu.
„Herr Hart!“
Alexander blieb stehen.
„Was gibt es?“
„Die Vorstandssitzung wurde vorverlegt.“
„Wann?“
„In zehn Minuten.“
Daniel kam ebenfalls aus seinem Büro.
„Alex.“
Alexander sah ihn an.
„Was ist passiert?“
Daniel fuhr sich durchs Haar.
„Richmond Industries.“
Alexander verzog keine Miene.
„Was ist mit ihnen?“
„Sie haben unser Angebot abgelehnt.“
Emma bemerkte sofort, wie sich die Atmosphäre veränderte.
Daniel wirkte ungewöhnlich nervös.
Alexander dagegen blieb erschreckend ruhig.
„Und?“
Daniel runzelte die Stirn.
„Und?“
„Sie haben gerade einen Vertrag über mehrere Millionen verloren.“
Alexander nahm seinen Aktenkoffer entgegen.
„Nein.“
Daniel sah ihn verwundert an.
„Noch nicht.“
Damit ging Alexander weiter.
Emma folgte ihm.
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Der Vorstandssaal war riesig.
Ein langer Tisch aus dunklem Holz dominierte den Raum.
An den Wänden hingen große Bildschirme.
Bereits acht Vorstandsmitglieder warteten.
Sobald Alexander den Raum betrat, erhoben sich alle.
„Guten Tag.“
Er nickte kurz.
„Setzen wir uns.“
Emma nahm auf einem Platz hinter Alexander Platz und öffnete ihren Laptop.
Die Sitzung begann.
Ein älterer Vorstand sprach zuerst.
„Richmond Industries hat heute Morgen offiziell erklärt, mit unserem Konkurrenten zusammenarbeiten zu wollen.“
Ein anderer ergänzte:
„Wir verlieren dadurch einen enorm wichtigen Markt.“
„Unsere Aktionäre werden Fragen stellen.“
„Die Presse ebenfalls.“
Mehrere Stimmen redeten gleichzeitig.
Alexander hörte schweigend zu.
Er sagte kein einziges Wort.
Emma beobachtete ihn.
Er wirkte vollkommen ruhig.
Fast zu ruhig.
Plötzlich hob er die Hand.
Augenblicklich verstummte der gesamte Raum.
„Sind Sie fertig?“
Niemand antwortete.
Alexander stand langsam auf.
„Gut.“
Er ging zur großen Leinwand.
Mit wenigen Klicks erschien eine Grafik.
„Was sehen Sie?“
Einer der Direktoren antwortete.
„Unsere Verluste.“
Alexander schüttelte den Kopf.
„Falsch.“
Er wechselte zur nächsten Folie.
„Was sehen Sie jetzt?“
„Die Konkurrenz.“
„Wieder falsch.“
Er blickte in die Runde.
„Ich sehe eine Gelegenheit.“
Emma bemerkte, wie mehrere Vorstandsmitglieder sich verwundert ansahen.
Alexander sprach ruhig weiter.
„Richmond Industries glaubt, sie hätten die bessere Entscheidung getroffen.“
Er lächelte zum ersten Mal.
„Dann lassen wir sie glauben.“
Ein Vorstandsmitglied runzelte die Stirn.
„Was haben Sie vor?“
Alexander verschränkte die Arme.
„Wir entwickeln ein besseres Produkt.“
„In sechs Monaten.“
„Unmöglich.“
Alexander sah den Mann direkt an.
„Nichts ist unmöglich.“
„Nur schlecht geplant.“
Emma musste sich ein Lächeln verkneifen.
Langsam verstand sie, warum Alexander Hart als einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes galt.
Er dachte anders als alle anderen.
Während die anderen Probleme sahen...
...sah er Chancen.
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Zwei Stunden später endete die Sitzung.
Nach und nach verließen alle den Raum.
Daniel blieb zurück.
„Alex.“
„Ja?“
„Du bist verrückt.“
Alexander lächelte leicht.
„Danke.“
Daniel schüttelte lachend den Kopf.
„Das war als Kritik gemeint.“
„Ich weiß.“
Daniel sah zu Emma.
„Gewöhn dich daran.“
Emma lachte.
„Ich versuche es.“
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Es war bereits nach sieben Uhr abends.
Die meisten Mitarbeiter hatten das Gebäude verlassen.
Emma sortierte noch einige Unterlagen.
Sie blickte auf die Uhr.
„Herr Hart?“
„Ja?“
„Sie haben heute seit dem Mittagessen nichts mehr gegessen.“
Alexander sah nicht einmal von seinem Laptop auf.
„Ich weiß.“
„Vielleicht sollten Sie—“
„Ich habe keine Zeit.“
Emma seufzte.
„Jeder Mensch braucht eine Pause.“
Alexander tippte weiter.
„Nicht jeder.“
Emma schwieg einen Moment.
Dann stand sie auf.
„Ich bin gleich zurück.“
Alexander reagierte nicht.
Zehn Minuten später kehrte sie mit einer kleinen Papiertüte zurück.
Der Duft frischer Sandwiches erfüllte das Büro.
Alexander blickte endlich auf.
„Was ist das?“
Emma stellte die Tüte auf seinen Schreibtisch.
„Abendessen.“
„Ich habe keins bestellt.“
„Ich schon.“
„Für Sie.“
Alexander sah sie einen langen Moment schweigend an.
„Warum?“
Emma zuckte mit den Schultern.
„Weil niemand gute Entscheidungen trifft, wenn er hungrig ist.“
Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Zusammenarbeit musste Alexander tatsächlich lachen.
Nicht nur ein kurzes Schmunzeln.
Ein echtes Lachen.
Es dauerte nur wenige Sekunden.
Doch Emma war überrascht, wie sehr sich sein Gesicht dadurch veränderte.
Er wirkte plötzlich viel jünger.
Wärmer.
Menschlicher.
„Sie sind hartnäckig.“
Emma lächelte.
„Das sagt meine Mutter auch.“
Alexander öffnete schließlich die Tüte.
„Danke.“
„Gern.“
Während er aß, klingelte plötzlich sein Handy.
Ein Blick auf das Display genügte.
Sein Lächeln verschwand.
Sophia.
Er drückte den Anruf weg.
Sofort klingelte das Telefon erneut.
Und wieder.
Und wieder.
Alexander schaltete das Handy schließlich aus und legte es auf den Tisch.
Emma sagte nichts.
Doch sie wusste instinktiv, dass dies nicht das Ende war.
Es war erst der Anfang eines viel größeren Konflikts.
Und ohne es zu ahnen, würde sie schon bald mitten zwischen Alexander, Sophia und den Geheimnissen der Familie Hart stehen.
Emma konnte nicht sprechen.Für mehrere Sekunden war sie nicht einmal sicher, ob sie noch atmete.Der Mann, der wenige Meter vor ihr stand, war nicht irgendein Fremder. Er war ein Gesicht aus alten Fotografien, aus Geschichten, aus Familienakten und aus den wenigen Erinnerungen, die sie von ihrer Kindheit noch besaß.Richard Hart.Ihr Großvater.Der Mann, dessen Tod seit Jahren als Tatsache behandelt worden war.Der Mann, dessen Name immer wieder in den dunkelsten Geheimnissen von Obsidian aufgetaucht war.Der Mann, der angeblich tot war.Und nun stand er vor ihr.Lebendig.Älter, als Emma ihn von den Fotografien kannte, aber unverkennbar.Sein Haar war fast vollständig grau geworden. Eine tiefe Narbe verlief an seinem rechten Kiefer entlang. Seine Haltung war noch immer aufrecht, beinahe befehlend, doch in seinen Augen lag etwas, das Emma nicht erwartet hatte.Erschöpfung.Als hätte dieser Mann zu lange mit einer Wahrheit gelebt, die niemand sonst tragen durfte.Alexander stellte sic
Das schloss, das niemand öffnen durfteNiemand bewegte sich.Der letzte Satz stand noch immer auf dem Bildschirm.ALEXANDER IST NICHT DER ZWEITE SCHLÜSSEL.Darunter erschien langsam eine weitere Zeile.ER IST DAS SCHLOSS.Emma starrte auf die Worte, während ihr Herz immer schneller schlug. Sie hatte geglaubt, inzwischen genug über Alexander zu wissen. Sie hatte geglaubt, die größten Geheimnisse seiner Familie bereits gesehen zu haben. Doch jedes Mal, wenn sie dachte, sie hätte endlich den Kern der Wahrheit erreicht, öffnete sich eine neue Tür.Und hinter dieser Tür wartete eine noch größere Lüge.Alexander stand neben ihr.Sein Gesicht war ausdruckslos geworden.„Ich verstehe das nicht.“Victor antwortete nicht.Samuel ebenfalls nicht.Adrian hingegen bewegte sich plötzlich auf den Computer zu.„Wartet.“Emma sah ihn an.„Was?“„Das Video.“Er öffnete die Systemprotokolle.„Es wurde nicht gerade abgespielt.“Alexander trat näher.„Was meinst du?“„Es war bereits in unserem System.“Ad
Die Tür zum Konferenzraum stand noch immer offen.Emma bewegte sich keinen Zentimeter.Ihr Blick lag auf dem Fremden, der gerade eingetreten war und ein altes Foto in der Hand hielt. Das Bild zeigte sie als Kind. Neben ihr stand Anna. Im Hintergrund war ein Teil des alten Hart-Anwesens zu erkennen.Doch das war nicht das Beunruhigende.Es war die Tatsache, dass der Mann dieses Foto in der Hand hielt, als hätte es ihm gehört.Alexander trat einen Schritt näher zu Emma.„Wer sind Sie?“Der Mann antwortete nicht sofort. Er legte das Foto langsam auf den Tisch.„Jemand, der lange genug gewartet hat.“Victor verschränkte die Arme.„Du solltest nicht hier sein.“Der Fremde sah ihn an.„Und du solltest überhaupt nicht mehr hier sein.“Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille.Emma sah zwischen den beiden Männern hin und her.„Ihr kennt euch.“„Leider“, sagte Victor.Der Fremde lächelte schwach.„Victor kennt mich. Aber er kennt nur die Version von mir, die man ihm gezeigt hat.“Emma
Die Tür hinter Anna stand offen.Emma konnte sich nicht bewegen.Niemand konnte es.Das Licht im Raum flackerte einmal.Dann zweimal.Hinter Anna erschien eine Gestalt.Langsam.Ohne Eile.Der Mann trat aus dem Schatten.Emma sah sein Gesicht.Und für einen Moment vergaß sie zu atmen.„Nein.“Das Wort verließ ihre Lippen kaum hörbar.Alexander sah ebenfalls zur Tür.Sein Gesicht verlor jede Farbe.„Das... kann nicht sein.“Adrian wich zurück.Sophia begann zu weinen.Samuel dagegen blieb vollkommen ruhig.Als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.Der Mann blieb hinter Anna stehen.Er war älter als auf den alten Fotos, aber Emma erkannte ihn sofort.Das Gesicht.Die Augen.Die Haltung.Alles.„Papa?“Der Mann sah sie an.Daniel Weber.Der Mann, den Emma ihr ganzes Leben lang ihren Vater genannt hatte.Der Mann, von dem sie geglaubt hatte, er sei weit entfernt von all den Geheimnissen.Der Mann, der sie großgezogen hatte.Der Mann, dem sie vertraut hatte.Er sah sie an.Seine Augen
Emma konnte nicht sprechen.Die Worte auf dem Bildschirm verschwanden nicht.DER MANN, DEN IHR FÜR TOT HIELT, IST NICHT DER EINZIGE, DER ZURÜCKGEKEHRT IST.Ihr Blick blieb auf der Nachricht hängen.Dann sah sie Victor an.„Wer ist zurückgekehrt?“Victor antwortete nicht.Emma ging einen Schritt auf ihn zu.„Du hast gesagt, du würdest mir die Wahrheit erzählen.“„Das werde ich.“„Dann fang an.“Victor sah sie ruhig an.„Dein Vater.“Emma erstarrte.„Welcher?“Die Frage kam leise.Doch sie veränderte die Atmosphäre im gesamten Raum.Victor sah sie lange an.„Genau das ist das Problem.“Alexander trat neben Emma.„Sie sprechen von Samuel?“Victor schüttelte den Kopf.„Nein.“Emma spürte, wie ihr Herz schneller schlug.„Daniel?“Wieder schüttelte Victor den Kopf.„Nein.“Adrian sah plötzlich aus, als hätte er etwas verstanden.„Dann meinst du...“Victor sah ihn an.„Ja.“Adrian wurde blass.Emma bemerkte es sofort.„Adrian.“Er antwortete nicht.„Was weißt du?“„Emma, ich glaube—“„Was we
Die vier Worte standen noch immer auf dem Bildschirm.DIE WAHRHEIT BEGINNT JETZT.Emma bewegte sich nicht.Niemand bewegte sich.Der Vorstandssaal war in völlige Dunkelheit getaucht. Nur das kalte Licht des Hauptbildschirms erhellte die Gesichter der Anwesenden.Emma sah zuerst Alexander an.Dann Adrian.Dann Sophia.Und schließlich den älteren Mann.Den Mann, der behauptete, ihre Mutter jahrelang gefangen gehalten zu haben.Den Mann, der behauptete, Alexander zu ihr geschickt zu haben.Den Mann, der sich selbst den echten ersten Schlüssel nannte.Emma spürte, wie sich in ihr etwas veränderte.Die Angst war noch da.Aber sie ließ sich nicht mehr von ihr beherrschen.„Wer ist diese Stimme?“, fragte sie.Keine Antwort.Emma ging einen Schritt auf den Bildschirm zu.„Ich habe genug von Rätseln.“Ihre Stimme hallte durch den Saal.„Wenn jemand etwas von mir will, soll er mir ins Gesicht sehen und es sagen.“Der ältere Mann beobachtete sie aufmerksam.„Genau deshalb bist du die Erste.“Emm







