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Kapitel Zwei: Der Vertrag

Autor: U.C BELLE
last update Fecha de publicación: 2026-10-24 08:38:49

Die Büros der Familie De Luca befanden sich im obersten Stockwerk eines Gebäudes, dessen Name unten auf der Straße nirgends zu finden war. Kein Schild, kein Logo, nur eine Reihe von Aufzügen hinter Glastüren und ein Sicherheitsmann, der ihren Namen auf einer Liste abhakte, ohne auch nur ein einziges Mal aufzublicken.

Clara saß anschließend im Wartezimmer, in ihrem einzigen guten Kleid, dem marineblauen, das sie selbst zweimal geändert hatte, um zu verbergen, wie dünn der Stoff inzwischen geworden war. Ihre Hände lagen so fest ineinander verschränkt auf ihrem Schoß, dass ihre Knöchel blutleer geworden waren.

„Signorina Ricci.“

Marco erschien in der Tür, pünktlich auf die Minute und genauso beherrscht wie damals auf der Veranda ihrer Stiefmutter.

„Hier entlang.“

Der Raum, in den man sie führte, war von dunklem Holz und noch dunklerer Stille erfüllt, von jener Art Stille, die bewusst herbeigeführt wurde, sorgfältig konstruiert, wie es in Räumen üblich war, in denen man es gewohnt war, dass einem gehorcht wurde.

Am Kopfende eines langen Tisches saß ein Anwalt. Vor ihm lag ein Stapel Papiere, exakt ausgerichtet. Marco nahm neben ihm Platz, mit der Geradlinigkeit eines Soldaten, der in Formation trat – den Rücken aufrecht, die Hände gefaltet, Clara im Blick, ohne sie scheinbar wirklich anzusehen.

„Bevor wir fortfahren“, sagte der Anwalt und schob ihr eine dicke Mappe über die polierte Tischplatte entgegen, „möchte ich sichergehen, dass Sie die aufgeführten Bedingungen verstanden haben. Ein Jahr gemeinsames Wohnen mit Don De Luca, beginnend an dem Tag, an dem Sie Ihren Wohnsitz auf dem Anwesen beziehen. Ihre einzige Verpflichtung im Rahmen dieses Vertrags besteht darin, sein Kind zu empfangen und seinen Erben bis zur Geburt auszutragen. Nach der Geburt des Kindes wird Ihnen die vereinbarte Entschädigung in voller Höhe ausgezahlt, und Ihre Verbindung zur Familie endet.“

Er hielt inne und sah ihr in die Augen, ohne dass sein eigener Blick auch nur die geringste Wärme verriet.

„Sie haben keinerlei rechtlichen Anspruch auf das Kind. Keinerlei.“

Claras Kehle zog sich zusammen, noch bevor sie etwas dagegen tun konnte.

„Überhaupt keinen Anspruch? Nicht einmal darauf, es zu sehen? Ob Junge oder Mädchen?“

„Keinen.“ Der Blick des Anwalts blieb unbewegt. „Ist das ein Problem für Sie, Signorina?“

Sie dachte an Donna Marchesis Stimme, scharf wie ein Streichholz, das entzündet wurde – wertloses Mädchen –, und an das Zimmer auf dem Dachboden mit seinem zugenagelten Fenster. Sie dachte an die vier Jahre seit dem Tod ihres Vaters, in denen kein einziger Mensch sie gefragt hatte, was sie wollte. Nicht ein einziges Mal. Nicht einmal aus bloßer Höflichkeit.

„Nein“, sagte Clara und zwang sich, dem Anwalt weiterhin in die Augen zu sehen. „Das ist kein Problem.“

„Sie werden während der gesamten Vertragsdauer auf dem Anwesen wohnen. Es ist Ihnen nicht gestattet, das Grundstück ohne eine genehmigte Begleitperson zu verlassen. Ebenso ist es Ihnen untersagt, mit irgendjemandem außerhalb dieses Raumes über die Art dieser Vereinbarung zu sprechen, auch nicht mit Ihrer Familie.“

Er blätterte um. Das trockene Rascheln des Papiers klang in der Stille viel zu laut.

„Ein Verstoß gegen eine dieser beiden Klauseln führt zum sofortigen und vollständigen Verlust Ihrer Entschädigung. Haben Sie noch Fragen, bevor Sie unterschreiben?“

Clara hatte hundert Fragen, die sich hinter ihren Zähnen drängten, jede schärfer als die vorherige. Sie zwang sich, die meisten davon beiseitezuschieben. Es würde noch Zeit dafür geben, sagte sie sich, oder eben nicht. Und so oder so war dieser Raum nicht für eine Frau geschaffen, die zu viele Fragen auf einmal stellte.

„Was passiert“, fragte sie stattdessen und wählte ihre Worte mit derselben Sorgfalt, mit der sie sonst prüfte, welche Bodenfliesen ihr volles Gewicht tragen konnten, ohne zu brechen, „wenn ich innerhalb dieses Jahres nicht schwanger werde?“

„Der Vertrag kann im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden. Andernfalls wird er aufgelöst, und Sie erhalten eine anteilige Entschädigung für die bereits geleistete Zeit, zu einem reduzierten Satz, wie in Klausel vierzehn festgelegt.“

Der Anwalt tippte auf die entsprechende Seite, ohne hinzusehen, als hätte er das gesamte Dokument auswendig gelernt, als hätte er genau diese Zeilen schon anderen Frauen vorgetragen, in genau diesem Raum, an genau diesem Tisch.

Clara fragte sich mit einem kalten Ziehen im Magen, wie viele andere Frauen bereits genau dort gesessen hatten, wo sie jetzt saß.

„Die meisten Vereinbarungen erfordern keine Verlängerung.“

„Und wenn mir etwas passiert? Während der Schwangerschaft?“

„Ihnen wird die bestmögliche medizinische Versorgung in Rom zur Verfügung stehen. Der Don geht mit seinem Erben keine Risiken ein.“

Eine kurze, sachliche Pause.

„Ebenso wenig mit der Frau, die ihn austrägt, solange diese Aufgabe andauert.“

Ein kleiner Trost, dachte Clara, sprach es aber nicht laut aus. Sie erlaubte sich nur noch eine Frage, jene, die ihr seit dem Augenblick auf der Zunge lag, als Marco auf der Schwelle ihrer Stiefmutter zum ersten Mal den Namen des Don ausgesprochen hatte.

„Werde ich ihn jemals kennenlernen? Bevor ich unterschreibe?“

Marco und der Anwalt tauschten einen kurzen, undurchschaubaren Blick aus. Es war die Art Blick, die sich zwei Männer zuwarfen, wenn eine Frau etwas gesagt hatte, womit sie nicht gerechnet hatten.

„Der Don trifft sich üblicherweise nicht mit Leihmüttern, bevor der Vertrag endgültig abgeschlossen ist“, erklärte der Anwalt und griff bereits nach seinem Stift, als wäre die Angelegenheit damit erledigt.

„Dann möchte ich ihn vorher kennenlernen.“

Clara hörte ihre eigene Stimme, die gefasster klang, als sie sich innerlich fühlte. Etwas Kleines und Ungewohntes regte sich in ihrer Brust, ein seltsamer, stiller Nervenkitzel, der daher rührte, dass sie etwas verlangte, ohne sich sofort dafür zu entschuldigen.

„Ich gebe ein ganzes Jahr meines Lebens für diesen Mann auf. Ich möchte ihm in die Augen sehen, bevor ich meinen Namen unter irgendetwas setze.“

Stille legte sich über den Tisch. Dann zuckte Marcos Mundwinkel unerwartet, als wäre da etwas, das beinahe Zustimmung ausdrückte, auch wenn er den Anflug davon rasch wieder verschwinden ließ.

„Ich werde ihn fragen“, sagte er und erhob sich, ohne auf die Erlaubnis des Anwalts zu warten.

Das verriet Clara etwas über die Rangordnung in diesem Raum, und sie prägte es sich sorgfältig ein.

Marco verließ den Raum durch eine Seitentür. Seine Schritte verklangen in einem unsichtbaren Korridor, während Clara mit ineinander verschlungenen Händen zurückblieb und ihr Herz so laut hämmerte, dass sie sicher war, der Anwalt ihr gegenüber müsse es hören können.

Sie konnte nicht wissen, dass drei Stockwerke über ihr ein Mann, der in seinem ganzen Leben noch nie seine Pläne geändert hatte, um sich jemandem anzupassen – weder seinem Rat noch seiner Verlobten noch einmal seiner eigenen Großmutter –, gerade die Papiere beiseitelegte, die er gelesen hatte, und Marco aufforderte, seine Worte zu wiederholen.

Zehn Minuten krochen dahin.

Der Anwalt sagte nichts. Er bot ihr weder Wasser noch einen Stuhl mit weicherem Polster noch irgendetwas an, das auch nur entfernt an Trost erinnerte. Dies war kein Raum dieser Art, begriff Clara, und sie war nicht die Art Gast, bei der sich irgendjemand hier verpflichtet fühlte, sie zu beruhigen.

Sie hielt den Rücken gerade und den Blick auf die Mappe vor sich gerichtet, auf den Vertrag, in dem ihre gesamte Zukunft eingeschlossen war, und wartete. Sie zählte die Sekunden, so wie sie früher beim Schrubben eines Bodens die einzelnen Bürstenstriche gezählt hatte – ein Trick, um zu verhindern, dass ihre Gedanken an Orte abschweiften, an die sie es sich nicht leisten konnte, sie wandern zu lassen.

Sie dachte daran, umzukehren. Aufzustehen, dem Anwalt für seine Zeit zu danken und durch die namenlose Eingangshalle zurück auf die gewöhnlichen, abendlichen Straßen Roms zu gehen. Zurück in das Dachbodenzimmer, zurück zu dem zugenagelten Fenster, zurück zu vier weiteren Jahren. Zehn. Zwanzig. Ein Leben, in dem sie für niemanden etwas bedeutete.

Der Gedanke hielt genau so lange an, wie sie brauchte, um sich wieder das Gesicht von Donna Marchesi vorzustellen, diese flache, porzellanartige Grausamkeit. Dann war er verschwunden.

Es gab keinen Weg zurück. Den hatte es nie wirklich gegeben.

Als sich die Tür endlich wieder öffnete, hatte sich Marcos Gesichtsausdruck verändert. Nicht unbedingt weicher, aber geschärft von etwas, das nach Überraschung aussah und das er mit aller Kraft zu verbergen versuchte.

„Sie sollten wissen“, sagte er leise, beinahe zu sich selbst, „dass der Don in den elf Jahren, in denen ich für ihn arbeite, noch nie zugestimmt hat, eine Leihmutter zu treffen. Kein einziges Mal.“

Er musterte sie einen weiteren Moment, als müsste er etwas neu bewerten.

„Was auch immer Sie auf dieser Veranda gesagt haben, Signorina Ricci, es scheint bei ihm hängen geblieben zu sein. An Ihrer Stelle wäre ich vorsichtig damit, was Sie als Nächstes sagen.“

Schließlich fuhr er fort: „Er wird Sie empfangen. Jetzt.“

Claras Magen schien durch den Boden zu stürzen, durch das Gebäude hindurch bis hinunter auf die kalte römische Straße. Einen langen Augenblick lang wollten ihre Beine sich einfach nicht daran erinnern, wie man aufstand.

„Signorina Ricci?“, fragte der Anwalt nach, nicht unfreundlich, aber auch nicht freundlich.

Clara erhob sich. Sie strich mit feuchten Handflächen über die Vorderseite ihres Kleides, obwohl es in dem Raum kühl war, und spürte, wie ihr Herzschlag bis in ihre Kehle hinaufkletterte. Er hämmerte so laut, dass sie sicher war, man müsse ihn sehen können, wie ein Puls, der unter ihrem Schlüsselbein flatterte und für jeden sichtbar war.

Sie hatte um dieses Treffen gebeten. Nein, sie hatte es verlangt, mit der einzigen Stimme, die ihr geblieben war, nachdem sie vier Jahre lang jede andere hinuntergeschluckt hatte. Und nun musste sie das Verlangen überstehen, so wie sie alles andere überstanden hatte, was sie jemals gefordert und anschließend sofort bereut hatte.

„Bringen Sie mich zu ihm“, sagte sie, und ihre Stimme zitterte nicht. Das fühlte sich wie ein kleiner Sieg an.

Sie folgte Marco aus dem Raum und einen Korridor hinunter, der von demselben dunklen, stillen Holz gesäumt war, bis sie einen Aufzug erreichten, an dessen gebürsteten Stahltüren keine Knöpfe zu sehen waren. Stattdessen gab es nur ein kleines schwarzes Bedienfeld, auf das Marco seine Handfläche legte. Die Türen glitten auf, als hätten sie bereits auf ihn gewartet.

Clara trat neben ihm hinein. Unter ihnen versank die Stadt, während der Aufzug nach oben fuhr, dem obersten Stockwerk entgegen, dem Mann entgegen, dem die ganze Stadt lieber aus dem Weg ging.

Sie presste ihre Hand flach gegen den Bauch, um das Zittern zu unterdrücken.

Es gelang ihr nicht.

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