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Blut und Flamme

Penulis: Fàvy Hartwell
last update Tanggal publikasi: 2026-09-08 23:59:26

Ich bin in meinem Leben nie schneller gerannt als den Flur hinunter zu dem Schrei meiner Tochter.

In den Sekunden, die es brauchte, die Entfernung zwischen meinem Zimmer und dem Kinderzimmer zu überqueren, spielte mein Verstand jede mögliche Horrorvorstellung durch. Abtrünnige Wölfe hätten die Mauer durchbrochen. Feuer. Ein Sturz aus dem Fenster, auf das sie kletterte, um den Mond zu beobachten. Als ich die Tür zum Kinderzimmer aufriss, hämmerte mein Herz so heftig gegen meine Rippen, dass ich kaum etwas anderes hören konnte als das Rauschen meines Blutes.

Mia saß kerzengerade in ihrem Bett, in Decken verheddert, Tränen liefen ihr über das Gesicht — aber sie war ganz. Unversehrt. Am Leben. Die Erleichterung, die durch mich durchbrach, war so vollkommen, dass mir beinahe die Knie wegbrachen im Türrahmen.

„Liebling, ich bin hier, ich bin hier.“ Ich überquerte das Zimmer in drei Schritten, zog sie an mich, fuhr mit den Händen über ihre kleinen Schultern und ihren Rücken, suchte nach Verletzungen, von denen mein Verstand bereits überzeugt war, sie müssten da sein. „Was ist passiert? Hast du dich verletzt?“

„Ich hatte einen bösen Traum“, schluchzte Mia an meiner Schulter, ihre kleinen Fäuste krallten sich in den Stoff meines Nachthemdes. „Da war eine Frau. Eine gruselige Frau mit Feuer in den Augen, und sie hat Papa weggeholt, und ich konnte dich nirgends finden, Mama, ich habe überall gesucht und du warst weg.“

Ich zog sie fester an mich, drückte die Lippen auf ihren Scheitel und sagte mir, es sei nur ein Kinderalbtraum, nur die natürliche Angst eines Fünfjährigen, der mehr von der Anspannung im Haus aufschnappt, als wir Erwachsenen bemerkt hatten. Das sagte ich mir. Ganz glauben konnte ich es nicht — nicht mit dem Eis, das noch in meiner Brust saß von dem, was ich vor einer Stunde belauscht hatte, nicht mit dem seltsamen, unruhigen Gefühl, das mich seit dem Blick Großmutter Rosalinds begleitete.

„Ich bin hier“, murmelte ich. „Ich gehe nirgendwohin, und Papa auch nicht. Es war nur ein Traum.“

Es dauerte fast eine Stunde, bis ich sie wieder einschlafen ließ. Ich sang das leise Lied, das ich schon tausendmal gesungen hatte, blieb weit länger, bis ihr Atem ruhig und gleichmäßig wurde, weil ein abergläubischer, verängstigter Teil von mir sie nicht alleinlassen wollte mit dem, was diesen bestimmten Traum in ihren Kopf gesetzt haben mochte. Als ich schließlich vom Bett aufstand, waren meine Beine steif und mein Rücken schmerzte; Damian stand im Türrahmen.

Ich hatte nicht gehört, wie er gekommen war. Ich wusste nicht, wie lange er dort schon stand und zusah, sein Gesicht im schwachen Licht der Nachtlampe von Mia kaum zu lesen.

„Ist sie in Ordnung?“ fragte er leise.

„Ein Albtraum“, sagte ich. „Jetzt ist sie in Ordnung.“

Er nickte; einen Moment lang standen wir beide regungslos an den Seiten des Betts unserer schlafenden Tochter wie zwei Fremde, die zufällig das Sorgerecht für dasselbe kleine Wunder teilten. Ich dachte an alles, was ich vor der Tür gehört hatte. Ich dachte an das Wort früher, das zwischen ihm und Seraphina hing wie ein angehaltenes Atmen. Ich dachte an drei Jahre, und zu meiner eigenen Überraschung fand ich, dass ich ihm nichts mehr zu sagen hatte, das diesen behutsamen, flüchtigen Frieden nicht zerschmettert hätte, während wir über dem Bett unseres Kindes standen, fast um ein Uhr nachts.

„Gute Nacht, Damian“, sagte ich und ging an ihm vorbei — und falls er mir noch nachrief, überhörte ich ihn im Geräusch meiner eigenen Schritte.

In jener Nacht kehrte ich nicht zu meinem unvollendeten Brief zurück. Stattdessen lag ich wach und starrte an die Decke, drehte Mias Alptraum in meinem Kopf umher neben allem anderen, was in den letzten vierundzwanzig Stunden geschehen war, und in der grauen Stunde vor der Morgendämmerung traf ich eine Entscheidung, die mich selbst überraschte. Ich würde zu Rosalind gehen. Nicht aus Trost, obwohl ich ihn dankbar angenommen hätte, wäre er angeboten worden. Ich ging, weil ein alter, störrischer Teil in mir zu ahnen begonnen hatte, dass die Antworten, die ich brauchte, nicht aus meinem eigenen Haushalt kommen würden — und Großmutter Rosalind war die einzige in Ashwood, die mich je so angesehen hatte, als wisse sie etwas, das der Rest des Rudels nicht wusste.

Ich fand sie in ihrer kleinen Steinhütte am Rand des Heilergartens kurz nach Sonnenaufgang, schon wach, schon etwas Duftendes in einem Mörser zerreibend, mit der geduldigen, langsamen Bewegung einer Frau, die lange genug gelebt hatte, um nicht mehr allem hastig hinterherzulaufen.

„Ich habe mich gefragt, wie lange du brauchen würdest“, sagte Rosalind, ohne aufzublicken, als hätte sie auf meinen Klopfen Jahre statt Minuten gewartet.

„Großmutter.“ Ich trat in den kräuterduftenden Raum und schloss die Tür hinter mir. „Ich muss dir etwas fragen, und ich will, dass du mir die Wahrheit sagst, egal, was es uns kostet.“

Sie legte den Stößel nieder und sah mich endlich an; ihre alten Augen nahmen mehr wahr, als meine erschöpfte Gestalt und die zerwühlte Kleidung verrieten.

„Setz dich“, sagte sie und deutete auf den Hocker gegenüber ihrem Arbeitstisch. „Du siehst aus wie eine Frau, die endlich beschlossen hat, auf die richtigen Fragen zu bestehen.“

Ich setzte mich. Meine Hände zitterten; ich legte sie flach auf die Knie, um sie zu beruhigen. „Letzte Nacht hörte ich, wie Damian Seraphina sagte, er habe nie aufgehört, sie zu lieben. Nicht einen einzigen Tag unserer Ehe.“ In dem letzten Wort brach meine Stimme, und ich hasste es, hasste, dass drei Jahre sorgfältiger Fassung von sechs Worten hinter einer verschlossenen Tür zunichtegemacht werden konnten. „Ich werde um eine Freilassung als Luna bitten. Ich habe einmal, vor Jahren, davon in den alten Akten gelesen. Ich weiß nicht, ob man das heute noch anerkennt, ob die Ältesten es je gewähren würden, aber ich muss es versuchen, Großmutter. Ich kann nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, vor Türen zu warten für einen Mann, der sich, lange bevor er mich traf, entschieden hatte, dass in seinem Herzen kein Platz für mich ist.“

Rosalind schwieg lange, ihr wetterndes Gesicht schwer zu lesen; dann nickte sie langsam, als hätte ich etwas bestätigt, das sie seit Langem vermutet und nicht überrascht.

„Die Freilassung wird noch anerkannt“, sagte sie. „Selten ausgesprochen und selten gewährt, denn die Ältesten geben ungern zu, dass das Band des Mondes irren kann oder dass eine schicksalhafte Verbindung zwei Lebewesen enttäuschen kann, die Besseres verdient hätten. Aber sie existiert, und du hast jedes Recht, sie zu beantragen.“ Sie hielt inne, musterte mich mit einer Intensität, die mich wegsehen lassen wollte und mich zugleich zwang, zu bleiben. „Aber Elena, ehe du diesen Weg gehst, gibt es etwas, das du über dich wissen solltest. Etwas, das ich dir vor Jahren hätte sagen sollen und nicht sagte, weil ich auf ein Zeichen wartete, das nie zu kommen schien — bis letzte Nacht, als du endlich verstanden hast, was deine Ehe wirklich war.“

Meine Brust zog sich zusammen. „Wovon sprichst du?“

Rosalind stand auf, ging zu einem verschlossenen Schrank am Ende der Hütte und holte eine kleine Holzschachtel hervor, vom Alter glattgescheuert, die sie mit der Ehrfurcht einer Frau, die etwas Heiliges handhabt, auf den Tisch legte.

„Du wurdest nicht bei der Familie geboren, die dich aufzog“, sagte sie. „Das weißt du. Du hast es immer gewusst, seit du alt genug warst zu fragen, warum du deiner Mutter und deinem Vater kaum glichst — sie fanden dich als Säugling verlassen an Ashwoods südlichem Tor, mit nichts als einer Decke und einem silbernen Anhänger.“ Sie öffnete die Schachtel; auf verblichenem Samt lag ein kleiner Anhänger in Form eines wachsenden Mondes, umwunden von Flammen, gealtert, aber eindeutig feine Handwerkskunst, eindeutig alt. „Ich habe diesen Anhänger sechsundzwanzig Jahre gehütet und auf den richtigen Moment gewartet, ihn dir zurückzugeben. Ich glaube, Elena, dass dieser Moment nun gekommen ist.“

Ich starrte auf den Anhänger; etwas Kaltes und Elektrisches krabbelte mir durch die Brust, dem ich keinen Namen geben konnte. „Ich verstehe nicht. Was ist das?“

„Das Siegel der Moonfire-Linie“, sagte Rosalind leise. „Eine Blutlinie, von der die Wolfwelt seit über einem Jahrhundert glaubte, sie sei ausgestorben. In den alten Geschichten galt sie einst als so mächtig, dass ganze Rudel ihre Ratssitze vor dem beugten, der sie trug, denn Moonfire-Blut erbte nicht einfach die Stärke eines Alphas oder die Sanftheit eines Omegas. Es vereinte beides und noch mehr in einem einzigen Wolf.“ Ihre Augen trafen meine, fest und ernst. „Seit sechsundzwanzig Jahren vermute ich, dass du dieses Blut trägst, Elena. Ich habe dich dein ganzes Leben lang auf Zeichen beobachtet, und nun habe ich genug gesehen, dass ich keinen Zweifel mehr habe.“

Der Raum schien sich leicht zu neigen. „Das ist nicht möglich. Ich bin eine Omega. Ich habe mich nie vollständig verwandelt, Rosalind, du weißt das besser als jede andere; die Heiler sagten immer, mein Wolf sei schwach, ich hätte nur Glück, eine Gabe fürs Heilen zu besitzen, die das ausgleichen könne.“

Ich dachte an jede Vollmondnacht, in der ich andere Wölfe über das Übungsgelände rennen sah, während meine eigene Verwandlung stumm blieb, halbgebildet — ein Grund zur stillen Verlegenheit, hinter der ich die Ruhe einer Heilerin verbarg. Ich dachte an die geflüsterten Bemerkungen, die ich als Kind gehört hatte: „Armes Ding, kaum ein Wolf.“ Ich hatte mein ganzes Leben auf dem Glauben aufgebaut, weniger zu sein als die um mich; ich hatte einen Mann geheiratet, der — vielleicht auf eine unausgesprochene Weise — nie ganz sah, dass ich sein Ebenbürtiger sein könnte, weil etwas in ihm dasselbe gespürt hatte wie alle anderen, einen Wolf, der kaum ein Wolf schien.

„Oder“, sagte Rosalind sanft, „dein Wolf hat gewartet. Dormantes Blut kündigt sich nicht an, bis es gebraucht wird, Elena, und bis letzte Nacht hattest du es nie nötig. Du hast dein Leben damit verbracht, dich so klein zu machen, dass du in die Räume passtest, die andere für dich schufen. Vielleicht verstand dein Wolf, besser als du, dass es in diesem Leben keinen Platz gab für das, was du wirklich bist.“

Ich öffnete den Mund, wollte widersprechen, darauf bestehen, das müsse ein Irrtum sein, eine Geschichte, die eine alte Frau sich nach Jahrzehnten von Geheimnissen und Kummer erzählt hatte. Noch ehe ein Wort meine Lippen verließ, barst hinter mir die Hüttentür auf; ein junger Krieger stürmte herein, keuchend, das Gesicht bleich vor Alarm.

„Großmutter, Luna, entschuldigt die Störung.“ Er rang nach Luft, sichtlich die ganze Strecke aus der großen Halle gelaufen. „Der Alpha hat einen Notrat einberufen. Nachricht kam aus den östlichen Wachtürmen. Es gibt Bewegung an der Blackwood-Grenze, aus dem Gebiet, aus dem die Überlebende kam. Und Großmutter.“ Sein Blick huschte zu Rosalind; etwas Unheilvolles lag in seinem Ausdruck. „Sie sagen, es seien nicht nur Abtrünnige dort draußen. Sie sagen, was vor fünf Jahren angegriffen hat, kommt zurück — und dieses Mal suchen sie nicht nach Land.“

„Wonach suchen sie dann?“ fragte Rosalind, doch ihre Ruhe verriet mir, dass sie die Antwort vielleicht bereits ahnte, noch ehe der junge Krieger sprach.

„Sie suchen eine Person“, sagte er. „Die Späher haben es deutlich genug aufgeschnappt. Wer auch immer das Massaker überlebte — zusammen mit Seraphina Vale — wird gejagt, und sie jagen nach jemandem, den die alten Geschichten als den letzten lebenden Träger von Mond und Flamme nennen.“

Rosalinds Hand schloss sich langsam um den Anhänger auf dem Tisch, und als sie mich ansah, war das Mitleid, das ich jahrelang in ihren Augen gesehen hatte, von etwas viel Dringlicherem und Furchterregenderem ersetzt worden.

„Elena“, sagte sie leise, „ich glaube, sie jagen dich.“

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