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KAPITEL 3: SOLL ICH WIRKLICH VERGESSEN?

Author: C.C
last update publish date: 2026-09-04 16:29:44

„Er verhält sich anders …“, sagte Liora zu der Therapeutin.

„Vielleicht liegt es daran, dass … ich all das verursacht habe, aber Dr. Thorne …“ Sie blinzelte schnell und kämpfte gegen die Tränen an.

„Ich möchte alles vergessen, damit wir wieder so sein können wie früher.“

Dr. Thorne atmete leise aus und beugte sich näher zu ihr. „Liora … du kannst es schaffen. Ihr beide könnt das gemeinsam durchstehen. Die Antwort liegt in deinen Händen.“

Liora nickte, während sich ihre Fingernägel in ihre Handflächen bohrten.

Ich werde es tun. Ich kann das für Knox schaffen. Aber ich muss immer noch herausfinden, wer Clara von diesem Balkon gestoßen hat.

Sie beschloss, dass ihr erster Schritt darin bestehen sollte, sich zu beschäftigen. Das würde ihrem Geist helfen, zu heilen.

Später an diesem Nachmittag ging Liora zum Wachhäuschen des Anwesens.

„Mr. Vincent …“, rief sie dem Sicherheitsmann zu.

„Ich möchte die Überwachungsaufnahmen von dem sehen, was in jener Nacht passiert ist.“

Der Wachmann sah sie verwirrt an.

„Ich möchte die Aufnahmen vom 20. Juli sehen.“ Sie hob einen dicken Papierumschlag hoch. „Es soll sich für Sie lohnen.“

Mr. Vincent räusperte sich, sah sich nervös um und deutete auf die Tür. „Kommen Sie rein … Ich mache das nur, weil Sie es sind. Normalerweise erlauben wir so etwas nicht.“

„Danke“, sagte Liora leise und folgte ihm in den Überwachungsraum.

Er schaltete den Monitor ein. „August, welcher Tag?“

„20. Juli“, korrigierte Liora ihn, während ihr Blick auf die vier geteilten Bildschirme gerichtet war, die das gesamte Anwesen zeigten.

Klick.

Ein leerer Bildschirm erschien.

„Was stimmt damit nicht?“, murmelte der Wachmann und klickte erneut mit der Maus.

Klick.

Wieder war der Bildschirm leer.

„Ich glaube, die Aufnahmen sind …“

„… verschwunden“, beendete Liora seinen Satz.

Sie hatte es bereits vermutet. Sie waren vollständig gelöscht.

Sie sah den Wachmann eindringlich an.

„Mr. Vincent, erinnern Sie sich an diesem Tag an gar nichts? Ein Kind ist von …“

„Oh, das … davon habe ich gehört.“

„Gehört?“

„Ja. Aber ich wurde erst vor Kurzem hier eingesetzt.“

„Sie waren vor zwei Monaten noch nicht hier?“ Liora starrte ihn an.

Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin erst seit etwas mehr als einem Monat hier.“

Sie haben also auch den Sicherheitsmann ausgetauscht? Aber war es nicht Knox, der ihn eingestellt hat? Was geht hier wirklich vor? Jemand will definitiv nicht, dass ich die Wahrheit herausfinde.

Liora ging zurück zum Haupteingang des Anwesens, während ihre Gedanken rasten.

Da entdeckte sie Knox’ Wagen am Rand des Anwesens.

Knox ist schon wieder zurück?

„Knox …“

Sie erstarrte.

Ein Mann mit tief ins Gesicht gezogener Baseballkappe näherte sich Knox’ Wagen und stieg auf der Rückbank ein, hinter den stark getönten Scheiben.

Liora bewegte sich nicht, während sie das Fahrzeug beobachtete.

Schließlich stieg der Mann wieder aus.

Liora beschleunigte ihre Schritte und verringerte den Abstand zwischen ihnen.

„… lass nicht zu, dass sie es herausfindet“, hörte sie Knox befehlen.

„Werde ich nicht, Sir“, antwortete der Mann und wandte sich zum Gehen.

„Warum kommt er mir so bekannt vor?“, fragte sich Liora und kniff die Augen zusammen.

Julie.

Der alte Sicherheitsmann.

Was hatte er mit Knox zu tun?

„Knox?“, rief sie.

Knox sah auf und stieg aus dem Wagen.

„Liora? Was machst du hier unten?“

Liora trat näher, während ihr Herz heftig gegen ihre Brust schlug.

„Wer war das?“

Knox warf einen beiläufigen Blick zurück. „Oh, niemand Wichtiges.“

„Ist das Julie? Der alte Sicherheitsmann?“

Knox’ Gesichtsausdruck veränderte sich. Für einen kurzen Moment lag etwas Unergründliches in seinen Augen.

Dann kehrte sein Lächeln zurück.

„Julie?“

„Bitte sag mir die Wahrheit“, flehte sie.

Er trat näher und nahm ihre Hand. „Ja, das war Josh.“

Josh? Ich dachte, sein Name wäre Julie …

„Ich dachte, er hätte gekündigt?“

„Mmm … Er erledigt jetzt private Aufträge für meine Familie“, sagte Knox glatt.

Er arbeitet für seine Familie? Warum sollte er direkt nach Claras Tod plötzlich für sie arbeiten?

Liora zwang sich zu einem Lächeln, doch sie konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass er etwas vor ihr verbarg.

Dr. Thornes Worte hallten in ihrem Kopf wider:

„Liora, ich versuche, alles auszulöschen, was diesen Zustand wieder auslösen könnte … Es hängt von dir ab.“

Was, wenn ich mir das alles nur einbilde? Was, wenn Knox mich einfach beschützen und mir helfen will, darüber hinwegzukommen?

„Komm mit mir“, sagte Knox sanft und riss sie aus ihren Gedanken.

Ding.

Der Aufzug öffnete sich.

Knox trat hinter Liora und bedeckte ihre Augen sanft mit seinen Händen.

„Knox, was ist los?“, fragte sie, wobei ihr ein nervöses Lachen entwich.

„Warte, wir sind gleich da …“

Die Tür klickte auf.

„Mach deine Augen noch nicht auf.“

Er nahm seine Hände von ihrem Gesicht und eilte ins Wohnzimmer, wo er einen riesigen Strauß roter Rosen vom Tisch nahm.

„Okay … jetzt kannst du sie öffnen.“

Liora öffnete langsam die Augen.

Der Raum war mit Kerzen, Champagner und riesigen metallischen Ballons geschmückt, die die Worte bildeten:

HAPPY 4TH ANNIVERSARY

„Heute?“, fragte sie mit brüchiger Stimme.

Sie war so sehr von ihrer Trauer und Verwirrung eingenommen gewesen, dass sie es völlig vergessen hatte.

Doch er hatte sich daran erinnert.

„Wann hast du das alles gemacht?“

„Während du unterwegs warst“, sagte er, trat näher und reichte ihr die Blumen.

Rosen – ihre absoluten Lieblingsblumen.

„Alles Gute zum Jahrestag, Liora.“

Liora schlang die Arme um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter.

„Alles Gute zum vierten Jahrestag …“

„Ich liebe dich, Knox“, flüsterte Liora.

Einen Moment lang sagte er nichts. Seine Hand glitt steif über ihr Haar.

„Ich liebe dich auch.“

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste seine Lippen. Er erwiderte den Kuss, bevor er sich wieder zurückzog.

Liora lächelte und lehnte sich gegen die Arbeitsplatte.

„Trinken wir etwas?“

„Mmm“, antwortete Knox, nahm eine Flasche Whiskey aus dem Schrank und schenkte ihn in zwei schwere Gläser ein. „Ich erinnere mich daran, dass du das geliebt hast, also habe ich es herausgeholt.“

Liora starrte auf die goldene Flüssigkeit.

„Ich liebe Rotwein, Knox.“

Knox’ Hand verharrte an der Flasche.

Er sah auf, die Augenbrauen zusammengezogen.

„Wirklich?“ Er stieß ein leises Lachen aus. „Es tut mir leid, Schatz. Ich hole dir etwas anderes …“

„Nein, schon gut!“, versicherte Liora und deutete auf die romantische Dekoration. „Du hast bereits so viel gemacht. Ich mag das hier eigentlich auch.“

Er muss es einfach vergessen haben. Schließlich ist er ein vielbeschäftigter Mann.

Sie saßen zusammen, tranken, lachten und unterhielten sich bis spät in die Nacht.

Knox lächelte und lachte genau an den richtigen Stellen.

Schließlich übermannte Liora die Erschöpfung, und sie schlief an seiner Brust ein.

Knox schlang die Arme um sie, hob sie hoch und trug sie nach oben, wobei er die Treppenstufen jeweils zwei auf einmal nahm.

Er öffnete die Schlafzimmertür, legte sie sanft auf die Matratze und trat leise wieder hinaus, bevor er die Tür hinter sich abschloss.

In dem Moment, in dem das Schloss einrastete, öffnete Liora die Augen.

Mein Instinkt hatte recht.

Sie sah auf die Uhr neben dem Bett: 3:00 Uhr morgens.

Knox, ich möchte dir vertrauen. Wirklich. Aber ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.

Sie glitt unter der Bettdecke hervor, schlich zur Schlafzimmertür und schloss sie auf.

Ihre Hand umklammerte ihr Nachthemd, während sie lautlos zum Geländer ging.

Sie blickte hinunter.

Da war er.

Knox.

Er stand im Dunkeln.

Schon wieder.

„Was macht er dort?“

Er ging zu der Wand, an der ihr großes Hochzeitsfoto hing.

Er schob den schweren Rahmen zur Seite, legte seine Handfläche auf die nackte Wand und drückte.

Mit einem leisen Klick teilte sich die massive Wand wie eine Tür und gab den Blick auf einen dunklen Raum frei.

Liora schlug die Hand vor den Mund und wich einen Schritt zurück.

Knox trat in den Raum, und die Wand schloss sich hinter ihm, sodass im Flur eine Totenstille zurückblieb.

Schon wieder.

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