Home / Romantik / DER PERFEKTE EHEMANN / KAPITEL 2: CLARA

Share

KAPITEL 2: CLARA

Author: C.C
last update publish date: 2026-09-04 16:27:02

Die massive Eingangstür der Villa der Familie Knox schwang auf.

Sofort stieg ihr dieser vertraute Geruch in die Nase.

Liora trat ein, doch ihre Beine erstarrten, als ihr Blick zum Balkon wanderte.

Er war verschwunden.

An seiner Stelle befand sich nun eine solide, nahtlose Wand.

Eine warme Hand legte sich auf ihre Schulter.

„Ich habe ihn entfernen lassen …“ Knox trat vor sie und versperrte ihr vollständig die Sicht. „… damit wir neu anfangen können. Okay?“

Liora schenkte ihm ein schwaches Lächeln. Knox lächelte zurück – ein breites, strahlendes Lächeln –, während er sie fest in seine Arme zog.

„Wir fangen von vorne an“, murmelte er. „Ganz von vorne.“

Liora nickte an seiner Brust. „Danke.“

Er löste sich ein wenig von ihr, sein Gesichtsausdruck neugierig. „Wofür?“

„Für alles … dafür, dass du an meiner Seite geblieben bist … dafür, dass du mich nie behandelt hast, als wäre ich verrückt.“

„Es ist doch meine Pflicht als Ehemann, oder?“ Er beugte sich näher zu ihr, seine Augen auf ihre gerichtet. „Damit ich weiterhin der beste Ehemann für dich sein kann.“

Und das war er tatsächlich gewesen. Knox gewann jedes Jahr den Preis für den „Besten Ehemann“ und trat sogar als Eheberater und Ratgeber für unzählige Paare auf.

Liora löste sich von ihm und zog sich ins Badezimmer zurück. Unter der Dusche stehend, prasselte das warme Wasser endlich auf ihre Haut und rief die Erinnerung an ein längst vergangenes Gespräch zurück …

„Was glaubst du, was unser Kind einmal werden wird?“

„Mmm …“

„Antworte mir, Knox …“

„Wie wäre es mit einer Anwältin?“

„Eine Anwältin? Nein … Ich möchte, dass sie ein Mensch wie du wird, jemand, dem jeder wichtig ist.“

„Wirklich?“

„Mmm.“ Er lächelte.

Liora trocknete sich ab und trat hinaus. Sie fand ihn dort, wo er immer war: in der Küche, wo er das Frühstück zubereitete.

Beim Geräusch ihrer Schritte drehte er sich um. „Bist du fertig? Komm, setz dich. Ich bin fast fertig.“

Er wandte sich wieder dem Herd zu. „Ich habe dein Lieblingsessen gemacht – Hühnersuppe und Reis. Keine Sorge, ich habe diesmal daran gedacht, das Hähnchen nicht zu lange zu kochen.“

Liora stieß ein leises Lachen aus. Ich muss stark bleiben, wenn auch nur für diesen Mann.

Sie überbrückte die kurze Distanz zwischen ihnen und schlang von hinten die Arme um seine Taille. Knox’ Körper versteifte sich für einen kurzen Moment, bevor er sich wieder entspannte.

„Ich habe dich wirklich vermisst“, flüsterte Liora und meinte jedes einzelne Wort.

Sie vermisste ihr gemeinsames Leben – ihr Lachen, wie sie gemeinsam durch das Haus gerannt waren, einfach alles.

„Ich werde es versuchen … Ich werde wieder stark sein.“

Knox legte seine Hand auf ihre. „Ich habe dich auch vermisst.“ Er drehte sich mit einem warmen Lächeln zu ihr um. „Und jetzt setzt sich meine Prinzessin hin, damit ich ihr das Essen servieren kann?“

Liora kicherte erneut und setzte sich auf den Küchenhocker, während er das tat, was er am besten konnte – kochen und dafür sorgen, dass das Haus perfekt war.

Doch ihr Blick wanderte zurück ins Wohnzimmer und blieb an der leeren Wand hängen, wo einst der Balkon gewesen war.

„Und jetzt … sag mir, ob du mein Essen vermisst hast.“

Liora lächelte trotz der Tränen, die noch immer in ihren Augen standen, und nahm einen Bissen. Der Geschmack war genau derselbe.

Der perfekte Geschmack.

„Wie ist es?“

„Es ist … genauso gut wie immer.“

Er streckte die Hand aus und zerzauste liebevoll ihr Haar.

„Knox?“

„Hm?“, antwortete er und nahm einen Bissen von seinem eigenen Essen.

„Vermisst du sie?“

Seine Hand erstarrte mitten in der Bewegung.

„Vermisst du Clara?“

Clara. Der Name ihres Babys.

Sie erinnerte sich an den Tag, an dem sie den Namen ausgesucht hatten:

„Wie möchtest du sie nennen?“

„Warum suchst du den Namen nicht aus?“, hatte Knox geantwortet.

„Nein, ich möchte, dass du ihr einen Namen gibst.“

Knox’ Augen waren ziellos durch den Raum gewandert, bevor sie auf dem eingeschalteten Fernseher hängen blieben.

„C … Clara.“

„Clara? Ist das nicht der Name einer Berühmtheit?“

Er lächelte.

„Okay, dann nennen wir sie Clara.“

„Ja, das tue ich …“, antwortete Knox schließlich, legte seinen Löffel ab und nahm ihre Hand. „Aber Liora … wir müssen aufhören, an sie zu denken. Ich möchte einfach, dass du diesen Unfall vergisst.“

Der Unfall.

Lioras Gedanken kehrten zu jenem schrecklichen Tag zurück.

„Ich werde nur diesen Müll wegwerfen … Clara, bleib auf deinem Platz. Ich bin gleich wieder da.“

Sie hatte ein Lied gesummt, war die Treppe hinuntergeeilt und wieder ins Haus gegangen.

„Ich bin wieder da! Clara? Wo bist du? Ich habe keine Lust auf Verstecken …“

Sie durchsuchte den Raum, während die Panik in ihr aufstieg.

„Clara … wo bist du?“

AHHHHH!

Ein gellender, blutgeronnener Schrei hallte von unten herauf. Liora stürzte zum Balkon und zwang sich, nach unten zu sehen.

Ein kleines rosafarbenes Kleid.

Ihr entwich ein Keuchen, während ihr Körper unkontrolliert zitterte und die Realität ihre Welt in Stücke riss.

Clara.

Liora erwachte mit einem scharfen Keuchen aus dem Albtraum. Ihre Brust hob und senkte sich heftig, während ihre Hand über das kalte Bettlaken tastete.

Knox war nicht da.

Sie blickte auf die Wanduhr: 3:00 Uhr morgens.

„Knox?“, rief sie leise und schaltete die Nachttischlampe ein. „Knox?“

Sie stieg aus dem Bett und sah sich im Schlafzimmer um.

Leer.

Schlafwandelt er wieder?

Das passierte immer, wenn er unter starkem Stress stand.

Sie ging die Treppe hinunter ins dunkle Wohnzimmer.

Ding.

Sie betätigte den Lichtschalter.

Der Raum war leer.

„Knox? Wo bist du?“ Sie drehte sich um und zog ihr Handy heraus, um seine Nummer zu wählen.

„Liora?“

Sie fuhr herum.

Knox stand völlig regungslos im Schatten neben dem Sofa.

„Was ist los? Geht es dir gut?“, fragte er und trat aus dem Schatten ins Licht auf sie zu.

Liora blickte durch den schattigen Raum, während ihr Herz raste. „Wo warst du?“, fragte sie und griff nach seiner Hand.

„Ich … habe ich dich geweckt?“

„Nein, ich bin gerade aufgewacht und konnte dich nicht finden. Ich dachte, du würdest wieder schlafwandeln.“

„Das habe ich nicht.“ Er schenkte ihr ein sanftes Lächeln. „Komm, lass uns wieder ins Bett gehen.“

„Es ist spät, Liora.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 14: DER PERFEKTE EHEMANN

    Knox’ Herz raste, als er das Blatt Papier aufhob.„Mr. Knox, falls sie sich eines Tages dazu entscheidet zu gehen … ich denke, Sie sollten sie gehen lassen. Ich weiß, dass es schwer ist, aber das wird das Erste sein, was sie braucht – um wieder zu sich selbst zu finden.“Das hatte die Ärztin damals gesagt.Er öffnete den Brief.Lieber Knox,es tut mir leid.Ich weiß, ich habe diese Worte schon viel zu oft gesagt.Es tut mir leid, dass ich dich beschuldigt habe.Es tut mir leid, dass ich geglaubt habe, du hättest unsere Tochter getötet.Es tut mir leid, dass ich versucht habe, dir wehzutun.Aber vor allem …es tut mir leid, dass ich dich vergessen habe.Ich habe dein Lächeln vergessen.Ich habe vergessen, wie du mich gehalten hast.Ich habe den Mann vergessen, der an meiner Seite geblieben ist, selbst als ich mich nicht einmal an meinen eigenen Namen erinnern konnte.Jetzt erinnere ich mich an alles.Ich erinnere mich an Liora.Ich erinnere mich an den Balkon.Ich erinnere mich daran, w

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 13: DAS VERBORGENE MONSTER

    Knox bewegte sich nicht, als sie das Messer hob.Er hatte sie beobachtet, als sie versucht hatte, ihm in den Rücken zu stechen, während er Wasser für sie vorbereitete.Tränen liefen ihm über die Wangen.Doch sie tat es nicht.Er kannte seine Frau.Clara würde so etwas niemals tun, selbst wenn ihr Verstand ihr Streiche spielte.---Jetzt stand sie vor Knox.Sie wusste nicht mehr, was sie tun oder sagen sollte.„Ich … ich habe dich immer beschuldigt. Ich wollte dich töten. Ich wollte …“, weinte Clara und schüttelte den Kopf. „Ich bin ein Monster …“„Das bist du nicht. Das bist du nicht.“ Knox hielt sie fest.„Ich habe mein Kind getötet. Ich habe versucht, meinen Mann zu töten. Ich …“„Es ist nicht deine Schuld, Clara. Ich habe dir niemals die Schuld gegeben. Niemals. Und ich werde es auch niemals tun. Wenn ich dort gewesen wäre, wäre es nicht so ausgegangen.“„Ich bin ein Monster … Ich … ich könnte diejenige gewesen sein, die meine Tochter gestoßen hat …“„Clara, sieh mich an.“Er hielt

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 12: GEHEIMNIS

    „Mr. Knox, es tut mir so leid … aber ich habe Ihrer Frau den USB-Stick gegeben.“„Was?!“Knox’ Atem stockte.„Sie hatte nach mir gesucht, also habe ich ihn ihr gegeben, damit niemand sonst—“„Wenn meiner Frau irgendetwas passiert … du—“Knox trat das Gaspedal durch und unterbrach sich selbst.Bitte, Clara. Bitte sei in Sicherheit.Er drückte das Pedal bis zum Boden durch.Er kam quietschend vor der Villa zum Stehen, in der sie gewohnt hatte.„Clara!“, rief er und stürmte durch die Türen. „Clara!“Leer.Brumm. Brumm.Die Nummer, die Sie gewählt haben, wurde an die Mailbox weitergeleitet …„Bitte …“, flüsterte Knox in die Stille.Er rannte zurück zu seinem Wagen und raste zum Vergnügungspark, jagte durch das Gelände und suchte jede Ecke des überfüllten Festplatzes ab.Doch von ihr war keine Spur zu sehen – kein Anzeichen ihres langen, dunklen Haares oder ihrer unheimlich schönen Augen.Er presste eine Hand an seine Schläfe, als sich die Welt um ihn zu drehen begann und Erinnerungen brut

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 11: LIORA ODER CLARA

    „Wie hast du mich genannt?“Knox sagte kein Wort.Clara starrte ihn an, während ihr Atem immer unregelmäßiger wurde.„Sag es noch einmal.“Langsam ging er die Treppe hinunter.„Clara …“Ihr Kopf begann zu pochen.„Nein …“Der Schmerz kehrte zurück, diesmal noch stärker.Wie sollen wir das Baby nennen?Wie wäre es mit Liora?Liora … das ist perfekt. Sie hatte gekichert.„Nein …“„Clara.“ Knox trat näher.Sie wich sofort zurück. „Fass mich nicht an.“„Liora … Liora. Meine Liora …“Der Name hallte in ihren Ohren wider.„Nein.“ Sie hielt sich die Ohren zu. „Nein. Es ist eine Lüge. Es ist eine Lüge. Ich kann den Namen meiner Tochter nicht vergessen.“„Clara.“ Knox’ Stimme brach.Jetzt, da sie es herausgefunden hatte, hatte es keinen Sinn mehr, es zu verbergen.„Du musst—“„Ich sagte, fass mich nicht an!“Sie zeigte mit einem zitternden Finger auf das Foto auf dem Boden.„Wer … wer ist Liora?“Knox sagte nichts.„Wer zum Teufel ist Liora? Warum hast du diesen Namen als den unserer Tochter a

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 10: SIE ZU VERLASSEN

    „Dich an diesem Tag allein zu lassen?“ Liora wiederholte seine Worte leise.„Warum?“Knox’ Kiefer verspannte sich. „Weil Clara vielleicht noch hier wäre, wenn ich dich nicht allein gelassen hätte.“Liora erstarrte.Also war er nicht da gewesen. Wenn er nicht zu Hause gewesen war, konnte er sie nicht gestoßen haben. Er war nicht der Schatten gewesen, an den sie sich auf dem Balkon erinnerte.Eine ferne Erinnerung stieg in ihrem Kopf auf:„Knox … ich habe dich wirklich vermisst“, kicherte Liora und ließ ihre Beine von der Sofakante baumeln, während sie mit ihm telefonierte.„Ich vermisse dich auch“, erklang Knox’ warme Stimme durch das Telefon. „Keine Sorge, ich bin heute Abend oder morgen zurück. Ich muss meine Frau nach ganzen zwei Wochen endlich wiedersehen.“„Mhm.“ Liora blickte zu dem kleinen Mädchen hinüber, das auf dem Teppich mit ihren Bauklötzen spielte. Sie lächelte sanft. „Und Clara vermisst dich auch …“„Ich vermisse sie so sehr. Ich muss jetzt auflegen, Babe. Die Vorstandss

  • DER PERFEKTE EHEMANN   KAPITEL 9: WEM SOLL ICH GLAUBEN?

    „Wo bist du gerade?“Knox blieb abrupt stehen, das Handy noch immer ans Ohr gedrückt.Liora schlüpfte schnell hinter einen Baum.„Hier?!“, fragte Knox und ließ seinen Blick über den belebten Park schweifen.Sie presste ihren Rücken noch fester gegen die Rinde und hielt den Atem an.„Wie kannst du hier sein? Triff mich sofort am Eisladen.“Er legte auf und begann, durch die Menge zu gehen.Liora folgte ihm vorsichtig und ließ sich auf einer Bank neben einer Familie nieder.„Mr. Knox.“Ein Mann in einer dunklen Uniform trat vom Weg her auf ihn zu.Der alte Wachmann.Schon wieder.„Ich dachte, ich hätte dir gesagt, dass wir uns nicht auf diese Weise treffen sollten“, sagte Knox knapp.„Es tut mir leid, Sir … Ich wollte Ihnen das nur persönlich übergeben.“Der Mann reichte ihm einen Manila-Umschlag.Was konnte darin sein?Knox starrte ihn an, bevor er ihn entgegennahm.Er öffnete die Klappe gerade weit genug, um einen Blick hineinzuwerfen, erstarrte für einen Moment und schloss sie wieder

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status