LOGINZwei Monate lang lebte Liora in einer psychiatrischen Klinik. Sie konnte nicht akzeptieren, dass ihr Baby fort war. Sie konnte die Menschen um sich herum nicht erkennen. Und sie konnte sich nicht an den Ehemann erinnern, den sie einst geliebt hatte. Doch Knox wich nie von ihrer Seite. Er hielt sie, wenn sie weinte. Er blieb an ihrem Krankenbett. Er versprach ihr, dass alles wieder gut werden würde. Bis sie schließlich nach Hause zurückkehrte. Doch dann entdeckte Liora etwas, das sie an allem zweifeln ließ, woran sie sich zu erinnern glaubte. Ihr Ehemann war nicht der Mann, für den sie ihn gehalten hatte. Und sie selbst war es auch nicht.
View More„Mrs. Liora, können Sie mich ansehen?“
Liora hob langsam den Blick vom Fernseher.
Auf dem Bildschirm war ihr Ehemann zu sehen – Knox, ihr geliebter Ehemann.
Der Arzt hob zwei Finger vor ihrem Gesicht. „Wie viele Finger sind das?“
Liora starrte sie an. Ihre Lippen öffneten sich, doch kein Wort kam heraus.
Der Arzt seufzte. Seit fast zehn Minuten stellte er ihr dieselben Fragen.
„Liora Hale“, sagte er sanft. „Wo ist Ihr Baby?“
Etwas veränderte sich in ihrem Gesichtsausdruck.
„Mein Baby?“
„Ja. Ihr Baby. Wo ist sie?“
Lioras Augen füllten sich langsam mit Tränen. „Sie ist … tot.“
Stille erfüllte den Raum. Jeder schien erleichtert aufzuatmen.
„Gott sei Dank“, gähnte ihre Schwiegermutter und eilte auf sie zu, um Lioras Hand zu ergreifen. „Gott sei Dank … Liora, du bist jetzt wieder in Ordnung. Endlich geht es dir wieder gut, und wir gehen nach Hause.“
Nach Hause. Liora starrte sie ausdruckslos an.
„Die Leute reden schon über dich, Liora …“
Nach zwei Monaten in der psychiatrischen Klinik wurde sie endlich entlassen. Doch niemand schien die Leere in ihren Augen zu bemerken. Ebenso wenig konnte sie den seltsamen Laut vergessen, den sie in jener Nacht auf dem Balkon gehört hatte.
„Bist du sicher, dass sie bereit ist? Sie wirkt immer noch … verloren“, flüsterte ihre Schwiegermutter außerhalb des Zimmers.
„Sie hat den Tod ihres Kindes akzeptiert“, antwortete der Arzt. „Das ist ein wichtiger Schritt. Ihr Verhalten sollte allmählich wieder normal werden.“
Ihre Schwiegermutter nickte und warf dann einen Blick auf das kleine Stoffkaninchen, das auf dem Bett saß – dasselbe Spielzeug, das Liora zwei Monate lang in den Armen gehalten, gefüttert, gewiegt, neben sich schlafen gelegt und ihr Baby genannt hatte.
„Ich bekomme dieses Bild einfach nicht aus dem Kopf“, sagte Deina, ihre Schwägerin, und verschränkte die Arme. „Sie hat diesen Müll behandelt, als wäre es ein echtes Kind. Sie ließ nicht einmal zu, dass jemand es ihr wegnahm.“
„Halt den Mund“, zischte Sara.
„Was zum Teufel redest du da?“, unterbrach sie eine kalte Stimme von hinten und ließ sie sich umdrehen.
Knox stand dort, sein Gesichtsausdruck eisig. „Sie ist meine Frau.“
Seine Mutter verstummte sofort und stieß Deina leicht an, die mit den Augen rollte.
Drinnen starrte Liora wieder auf den Fernseher. Das Bild von Knox lief noch immer über den Bildschirm. Er war der Mann, den sie geliebt hatte, der Mann, mit dem sie sich ein Leben aufgebaut hatte, und der Mann, der sie jede Nacht in den Armen gehalten hatte, während sie um das Baby weinte, das sie verloren hatten – sogar das Spielzeug mitspielte, als wäre es wirklich ihr gemeinsames Kind.
Sie wandte den Blick vom Bildschirm ab. „Ich möchte meinen Mann sehen.“
Die Tür schwang auf. Knox stand im Türrahmen, seine Hand umklammerte den Rahmen fester. Einen Moment lang bewegte sich keiner von beiden.
Dann durchquerte er den Raum. „Liora …“
Sie sah zu ihm auf. „Knox …“
Er zog sie an sich. Seine Brust hob und senkte sich schwer, während er sie festhielt.
Tränen liefen über seine Wangen. „Ich bin hier“, flüsterte er, während seine Hand auf ihrem Rücken lag und seine Finger sich in einem gleichmäßigen, bedachten Rhythmus bewegten.
Tap.
Tap.
Tap.
„Ich bin hier, Schatz. Es ist alles gut.“
Liora schloss die Augen. Zum ersten Mal seit zwei Monaten fühlte sie sich endlich sicher.
Doch hinter Lioras geschlossenen Augen blieb ein Gedanke bestehen: Mein Baby ist fort.
Und irgendwo tief in ihr begann ein Teil von ihr zu erwachen – entschlossen herauszufinden, was in jener Nacht wirklich geschehen war.
Knox’ Herz raste, als er das Blatt Papier aufhob.„Mr. Knox, falls sie sich eines Tages dazu entscheidet zu gehen … ich denke, Sie sollten sie gehen lassen. Ich weiß, dass es schwer ist, aber das wird das Erste sein, was sie braucht – um wieder zu sich selbst zu finden.“Das hatte die Ärztin damals gesagt.Er öffnete den Brief.Lieber Knox,es tut mir leid.Ich weiß, ich habe diese Worte schon viel zu oft gesagt.Es tut mir leid, dass ich dich beschuldigt habe.Es tut mir leid, dass ich geglaubt habe, du hättest unsere Tochter getötet.Es tut mir leid, dass ich versucht habe, dir wehzutun.Aber vor allem …es tut mir leid, dass ich dich vergessen habe.Ich habe dein Lächeln vergessen.Ich habe vergessen, wie du mich gehalten hast.Ich habe den Mann vergessen, der an meiner Seite geblieben ist, selbst als ich mich nicht einmal an meinen eigenen Namen erinnern konnte.Jetzt erinnere ich mich an alles.Ich erinnere mich an Liora.Ich erinnere mich an den Balkon.Ich erinnere mich daran, w
Knox bewegte sich nicht, als sie das Messer hob.Er hatte sie beobachtet, als sie versucht hatte, ihm in den Rücken zu stechen, während er Wasser für sie vorbereitete.Tränen liefen ihm über die Wangen.Doch sie tat es nicht.Er kannte seine Frau.Clara würde so etwas niemals tun, selbst wenn ihr Verstand ihr Streiche spielte.---Jetzt stand sie vor Knox.Sie wusste nicht mehr, was sie tun oder sagen sollte.„Ich … ich habe dich immer beschuldigt. Ich wollte dich töten. Ich wollte …“, weinte Clara und schüttelte den Kopf. „Ich bin ein Monster …“„Das bist du nicht. Das bist du nicht.“ Knox hielt sie fest.„Ich habe mein Kind getötet. Ich habe versucht, meinen Mann zu töten. Ich …“„Es ist nicht deine Schuld, Clara. Ich habe dir niemals die Schuld gegeben. Niemals. Und ich werde es auch niemals tun. Wenn ich dort gewesen wäre, wäre es nicht so ausgegangen.“„Ich bin ein Monster … Ich … ich könnte diejenige gewesen sein, die meine Tochter gestoßen hat …“„Clara, sieh mich an.“Er hielt
„Mr. Knox, es tut mir so leid … aber ich habe Ihrer Frau den USB-Stick gegeben.“„Was?!“Knox’ Atem stockte.„Sie hatte nach mir gesucht, also habe ich ihn ihr gegeben, damit niemand sonst—“„Wenn meiner Frau irgendetwas passiert … du—“Knox trat das Gaspedal durch und unterbrach sich selbst.Bitte, Clara. Bitte sei in Sicherheit.Er drückte das Pedal bis zum Boden durch.Er kam quietschend vor der Villa zum Stehen, in der sie gewohnt hatte.„Clara!“, rief er und stürmte durch die Türen. „Clara!“Leer.Brumm. Brumm.Die Nummer, die Sie gewählt haben, wurde an die Mailbox weitergeleitet …„Bitte …“, flüsterte Knox in die Stille.Er rannte zurück zu seinem Wagen und raste zum Vergnügungspark, jagte durch das Gelände und suchte jede Ecke des überfüllten Festplatzes ab.Doch von ihr war keine Spur zu sehen – kein Anzeichen ihres langen, dunklen Haares oder ihrer unheimlich schönen Augen.Er presste eine Hand an seine Schläfe, als sich die Welt um ihn zu drehen begann und Erinnerungen brut
„Wie hast du mich genannt?“Knox sagte kein Wort.Clara starrte ihn an, während ihr Atem immer unregelmäßiger wurde.„Sag es noch einmal.“Langsam ging er die Treppe hinunter.„Clara …“Ihr Kopf begann zu pochen.„Nein …“Der Schmerz kehrte zurück, diesmal noch stärker.Wie sollen wir das Baby nennen?Wie wäre es mit Liora?Liora … das ist perfekt. Sie hatte gekichert.„Nein …“„Clara.“ Knox trat näher.Sie wich sofort zurück. „Fass mich nicht an.“„Liora … Liora. Meine Liora …“Der Name hallte in ihren Ohren wider.„Nein.“ Sie hielt sich die Ohren zu. „Nein. Es ist eine Lüge. Es ist eine Lüge. Ich kann den Namen meiner Tochter nicht vergessen.“„Clara.“ Knox’ Stimme brach.Jetzt, da sie es herausgefunden hatte, hatte es keinen Sinn mehr, es zu verbergen.„Du musst—“„Ich sagte, fass mich nicht an!“Sie zeigte mit einem zitternden Finger auf das Foto auf dem Boden.„Wer … wer ist Liora?“Knox sagte nichts.„Wer zum Teufel ist Liora? Warum hast du diesen Namen als den unserer Tochter a











