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Kapitel 6

作者: Victor ellis
last update 公開日: 2026-08-31 18:32:31

Unsichtbar

Ich blieb lange an die Wand gelehnt, seine Feuchtigkeit lief immer noch an meinen Oberschenkeln herunter. Das Haus war jetzt still. Zu still.

Später in dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich wanderte durch die Flure, auf der Suche nach Wasser, als ich Stimmen aus dem Gästebereich hörte – leise, intim.

Ich erstarrte vor der leicht angelehnten Tür.

Lias Stimme. Sanft. Zitternd.

„Ich habe nie aufgehört, an dich zu denken“, flüsterte sie.

Seine Antwort war leiser, rau von etwas, das ich nicht benennen konnte. „Sie haben dich mir weggenommen.“

Ich blickte durch den Spalt.

Sie lagen auf dem Bett. Lias Kleid war bereits von ihren Schultern gerutscht. Seine Hand war zwischen ihren Schenkeln und bewegte sich langsam. Sie stöhnte leise und wölbte sich in seine Berührung, während er ihren Hals küsste – denselben Hals, den er früher an mir mit Wut markiert hatte und den er jetzt mit etwas berührte, das gefährlich nah an Hunger lag.

„Ich hätte heute Nacht dir gehören sollen“, hauchte Lia, ihre Finger in seinem Haar.

Er gab einen tiefen Laut von sich und drückte sie zurück auf die Laken, legte sich zwischen ihre Beine. Sein Hemd war offen. Er beugte sich hinunter, küsste sie tief, während seine Hüften sich gegen sie bewegten. Ich konnte sehen, wie hart er wieder war, wie er sich durch die letzte dünne Stoffbarriere an sie presste.

Seine Hand bewegte sich, um sich freizumachen. Lia wimmerte vor Vorfreude, spreizte die Beine weiter und zog ihn näher.

Der Boden knarrte unter meinem Fuß.

Er erstarrte. Sein Kopf schnellte zur Tür, die Augen trafen meine durch die schmale Öffnung. Dunkel, gefährlich und gefangen zwischen Wut und roher Lust.

Lias atemlose Stimme durchbrach die Stille. „Hör nicht auf…“

Lias Stimme war kaum verklungen, da zog Adrian sich von ihr zurück.

Der Raum wurde still.

Seine Augen blieben auf mich gerichtet durch die schmale Türöffnung, scharf und undurchschaubar. Eine schreckliche Sekunde lang bewegte sich niemand.

Dann drehte sich Lia endlich um.

Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich in dem Moment, als sie mich dort stehen sah. Die Sanftheit verschwand fast sofort aus ihrem Gesicht und wurde durch etwas Kälteres ersetzt. Etwas, das zufrieden wirkte.

Ich trat sofort zurück.

„Ich habe nach Wasser gesucht“, sagte ich schnell und hasste, wie schwach meine Stimme klang.

Adrian stand langsam vom Bett auf. Sein Hemd hing offen und enthüllte einen Teil seiner Brust, sein dunkles Haar war leicht zerzaust von Lias Fingern. Der Anblick ließ meinen Magen schmerzhaft zusammenziehen.

Er wirkte wütend, dass ich sie unterbrochen hatte. Aber schlimmer noch: Er wirkte schuldig, und ich verstand nicht, warum. „Du solltest lernen zu klopfen“, sagte er kalt.

Ich schluckte schwer und senkte den Blick. „Ich wollte euch nicht stören.“

„Offensichtlich.“ sagte er, dann verließ er den Raum und ließ mich an der Tür stehen.

Lia zog die Decke theatralisch an ihre Brust. „Serena, warum hast du uns ausspioniert?“

„Ich habe nicht ausspioniert.“

„Was hast du dann vor dem Zimmer gemacht?“ fragte sie leise.

Ich sah sie an. Die falsche Unschuld in ihrer Stimme ließ etwas Bitteres in mir aufsteigen.

„Ich habe schon gesagt, dass ich nach Wasser gesucht habe.“

„Und du bist zufällig genau vor dieser Tür stehen geblieben?“ fragte sie.

Ich antwortete nicht. Weil ich ehrlich gesagt stehen geblieben war, weil ich Adrians Stimme gehört hatte. Und weil ich ihn dabei erwischt hatte, wie er Sex mit meiner jüngeren Schwester hatte. Das war nicht der demütigende Teil.

Die Art, wie er sie berührte, war nicht von Wut oder Groll getrieben. Sie war behutsam, als wolle er sie noch mehr. Als zähle sie.

Ich wandte mich ab und ging schnell weg, bevor sie die Tränen sehen konnte, die hinter meinen Augen brannten.

Der Flur fühlte sich auf dem Rückweg kälter an.

Jeder Schritt tat weh. Nicht körperlich, sondern emotional.

Ich erreichte mein Zimmer und schloss die Tür leise hinter mir, bevor ich mich dagegen lehnte. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen, während die Bilder in meinem Kopf abspielten.

Seine Hände an ihr. Die Art, wie sie ihn anlächelte. Die Sanftheit in seiner Stimme. Ich schloss die Augen fest.

Dumm.

Was genau hatte ich erwartet?

Er liebte Lia. Nicht mich. Ich war nur der Fehler, der an ihren Platz gezwungen worden war.

Nichts weiter.

Ich ging langsam zum Badezimmer und starrte mich im Spiegel an. Die Spuren an meinem Hals waren immer noch da. Dunkel und sichtbar. Meine Finger strichen vorsichtig über eine davon.

Vor Stunden war sein Mund dort gewesen. Und jetzt war er in einem anderen Zimmer und berührte meine Schwester.

Ein zittriges Lachen entwich mir, bevor ich es zurückhalten konnte. Der Laut fühlte sich gebrochen an. Ich drehte die Dusche hastig auf, fast verzweifelt, und trat unter das heiße Wasser. Doch egal, wie lange ich dort stand – ich fühlte mich immer noch schmutzig.

Am nächsten Morgen wachte ich erschöpft auf. Ich hatte kaum geschlafen.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Adrian, wie er Lia so ansah, wie er sie in der Nacht zuvor angesehen hatte.

Begehrend.

Als gehöre sie ihm.

Ich zwang mich trotzdem aus dem Bett.

Es hatte keinen Sinn, sich ewig im Zimmer zu verstecken.

Nachdem ich mich in einfache Kleidung umgezogen hatte, ging ich leise die Treppe hinunter. Das Anwesen fühlte sich bereits fremd an, obwohl ich erst seit zwei Tagen dort war.

Das Personal bewegte sich höflich, aber niemand lächelte mich an. Niemand begrüßte mich herzlich. Ich spürte es. Sie wussten es bereits. Die falsche Braut.

Ich war kaum in den Speisesaal getreten, da blickte Adrians Mutter von ihrem Kaffee auf. Ihre Augen landeten sofort auf meinem Hals. Missbilligung huschte über ihr Gesicht.

„Du solltest dich anständig bedecken“, sagte sie kühl.

Hitze stieg mir ins Gesicht. „Es tut mir leid.“

Sie nahm einen weiteren Schluck Kaffee, bevor sie weitersprach. „Eine Frau in deiner Position sollte vermeiden, den Leuten den falschen Eindruck zu vermitteln.“

Ich sagte kein Wort, sondern setzte mich still ans andere Ende des Tisches und hoffte, dass das Gespräch damit enden würde.

Es endete nicht.

„Du hast bereits genug Peinlichkeit verursacht“, fuhr sie ruhig fort. „Das Mindeste, was du jetzt tun kannst, ist, dich anständig zu verhalten.“

Ich senkte den Blick auf den Tisch. „Ja, Madam.“

Der Raum wurde wieder still. Dann kamen Schritte in den Speisesaal.

Adrian.

Ich spürte seine Anwesenheit, bevor ich aufblickte. Er kam in einem dunklen Anzug herein, ruhig und gefasst, als wäre in der Nacht zuvor nichts geschehen.

Sein Blick traf kurz den meinen. Nur kurz.

Dann sah er zuerst weg. Lia trat direkt hinter ihm ein. Sie trug eines seiner Hemden. Mein Magen zog sich sofort zusammen.

Seine Mutter bemerkte es auch, doch anstatt negativ zu reagieren, wurde ihr Gesichtsausdruck etwas weicher. „Du solltest etwas essen, Liebes“, sagte sie sanft zu Lia.

Lia lächelte süß, bevor sie sich ganz natürlich neben Adrian setzte, als gehöre sie bereits dorthin.

Vielleicht tat sie das.

Vielleicht war ich die Einzige, die so tat, als wäre es anders. „Hast du nicht gut geschlafen?“ fragte Lia mich plötzlich.

Ich sah sie genau an. Die Frage klang unschuldig, aber ihre Augen erzählten eine andere Geschichte.

Sie wusste genau, warum ich nicht geschlafen hatte.

„Mir geht’s gut“, antwortete ich leise.

„Sie sah heute Morgen blass aus“, sagte Lia und wandte sich an Adrian. „Vielleicht kriegt sie der Stress endlich zu schaffen.“

Adrian schnitt ruhig in sein Essen. „Sie wird überleben.“

Die Worte trafen härter, als sie sollten. Weil er nicht einmal mehr wütend klang. Ich zwang mich weiterzuessen, obwohl mir der Appetit vollständig vergangen war.

Die Stille am Tisch fühlte sich unerträglich an. Dann griff Lia plötzlich nach Adrians Hand.

Natürlich und selbstverständlich.

Und er ließ es zu.

Etwas in mir brach leise. Gerade genug, dass ich endlich die Wahrheit verstand.

Hier gab es keinen Platz für mich.

Nicht in diesem Haus. Nicht in dieser Familie.

Und erst recht nicht an seiner Seite. Ich stand abrupt auf.

Seine Mutter runzelte die Stirn. „Wohin gehst du?“

„Ich habe keinen Hunger mehr.“

Bevor jemand mich aufhalten konnte, verließ ich den Speisesaal so ruhig, wie ich es nur konnte.

Doch in dem Moment, als ich den Flur erreichte, zog sich meine Brust erneut schmerzhaft zusammen. Ich drückte eine Hand dagegen und atmete langsam.

Denn egal, wie oft ich mir einredete, dass Adrian Laurent mir nichts bedeutete – ihn zuzusehen, wie er vor meinen Augen meine Schwester wählte, tat immer noch weit mehr weh, als es sollte.

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