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Ein Baby, das sie nicht geplant hatte

Author: M.D Elowen
last update publish date: 2026-08-29 22:33:39

Wochen vergingen, und Lumi konnte kaum fassen, wie viel Zeit ihr durch die Finger gerutscht war. Es fühlte sich an, als sei es nur Tage her, dass sie in jenem Hotelzimmer gestanden und vom Schock von allem, was geschehen war, erschüttert war. Doch jetzt war sie hier – schlief auf dem Sofa einer Freundin, bewarb sich Job um Job und erhielt immer noch nichts als Absagen.

Jeden Morgen wachte sie mit schmerzendem Rücken und demselben schweren Gefühl in der Brust auf. Sie öffnete sofort ihren Laptop und schickte weitere Bewerbungen. Für Marketing-Assistentin, Junior-Copywriterin. Alles, was sie online finden konnte. Sie tippte Anschreiben, bis ihre Finger schmerzten. Sie überprüfte ihre E-Mails zehnmal am Tag. Dennoch kam nichts zurück.

Ihre Augen starrten auf den leuchtenden Bildschirm ihres Telefons, auf die unzähligen E-Mails und Nachrichten, die mit derselben Antwort zurückkamen. „Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen …“ Es stach. Jedes Wort, jeder Klick auf den „Löschen“-Button ließ sie kleiner und hoffnungsloser fühlen. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie schon wach war und nur auf den Bildschirm starrte.

Tränen füllten ihre Augen. „Warum ruft mich niemand zurück?“, flüsterte sie zu sich selbst. Sie fühlte sich wertlos. Zwei Jahre zu Hause mit Henry hatten ihr die Berufserfahrung genommen. Und jetzt wollte sie niemand. Sie dachte daran, aufzugeben. Vielleicht sollte sie einfach aufhören zu versuchen. Doch dann erinnerte sie sich an ihren Vater im Krankenhaus. Er brauchte sie stark.

„Lumi“, rief ihre Freundin Emily aus der Küche und riss sie aus ihren Gedanken. „Alles in Ordnung?“

Lumi antwortete zunächst nicht. Sie spürte das Gewicht von allem – die Absagen, die Verzweiflung und das Gefühl, dass alles ihr durch die Finger glitt. Sie konnte nicht einmal ein Vorstellungsgespräch bekommen. Sie war sich nicht mehr sicher, was sie tun sollte.

„Mir geht’s gut“, sagte sie leise, ohne sich selbst zu überzeugen.

Emily kam ins Wohnzimmer, eine Tasse Kaffee in der Hand. „Du bewirbst dich jetzt schon seit Wochen. Hast du irgendetwas zurückgehört?“

Lumi schüttelte den Kopf, spürte, wie sich ihre Brust zusammenzog. Sie hasste das – hasste die mitleidigen Blicke und die Hilflosigkeit in den Augen ihrer Freundin. „Nein. Nichts.“

Emily setzte sich neben sie und stellte den Kaffee auf den Tisch. „Lumi, denkst du nicht, dass es vielleicht … vielleicht Zeit ist, über einen anderen Ansatz nachzudenken?“, fragte sie sanft.

Lumi ballte die Fäuste, die Frustration baute sich auf. „Welchen anderen Ansatz? Niemand stellt mich ein. Ich glaube nicht einmal, dass irgendjemand mich noch einstellen will.“

Sie pausierte, ihre Augen voller Frustration, und ihre Stimme zitterte. „Ich glaube, jemand setzt mich auf eine schwarze Liste.“

Es war zunächst ein lächerlicher Gedanke. Doch je mehr Lumi darüber nachdachte, desto mehr realisierte sie, dass sie recht hatte. Niemand wollte sie. Sie bekam nicht einmal eine Antwort auf eine einfache Online-Bewerbung.

Was sie jedoch nicht wusste, war, dass Henry leise Anrufe getätigt hatte. Er hatte mit Leuten gesprochen und ihnen gesagt, sie sollten sie nicht einstellen. Es reichte nicht, dass er ihre Ehe zerstört hatte; er würde auch ihre Chancen auf eine Zukunft zerstören.

Henry saß in seinem Büro bei Langford Enterprises. Er griff nach seinem Telefon und rief einen alten Kontakt in der Personalabteilung an. „Hör zu, wenn eine Frau namens Lumi Reeves sich für eine Position bewirbt, stell sie nicht ein. Sie ist Ärger. Verbreite das leise.“

Der Mann am anderen Ende lachte. „Verstanden, Henry. Ist erledigt.“

Henry lächelte ohne Wärme. „Gut. Sie muss ihren Platz lernen.“

Die medizinischen Rechnungen ihres Vaters stapelten sich weiter, und jeden Tag spürte Lumi, wie ihr Gewicht ihre Brust erdrückte. Sie hatte das Geld nicht, um sie zu bezahlen. Sie hatte das Geld für nichts. Wie sollte sie das alles in Ordnung bringen? Sie konnte nicht einmal sich selbst in Ordnung bringen.

Lumis Telefon vibrierte mit einer weiteren Benachrichtigung über eine Krankenhausrechnung. Sie öffnete sie und sah den Betrag – mehr Geld, das sie nicht hatte. Ihr Magen drehte sich um. Dads Behandlungen kosten so viel. Sie hatte geschickt, was sie von ihren Ersparnissen konnte, doch es war jetzt weg. Sie fühlte sich hilflos. „Ich kann nicht einmal meinem eigenen Vater helfen“, dachte sie, während die Tränen erneut kamen. „Was für eine Tochter bin ich?“

Eines Morgens, nach einer weiteren schlaflosen Nacht voller Bewerbungen, wachte Lumi auf und fand sich im Badezimmer wieder, wo sie sich übergab. Sie nahm an, es sei Stress. Die Erschöpfung, die Angst – alles hatte sie eingeholt.

Doch am nächsten Morgen geschah dasselbe. Ihr Magen drehte sich, und das Gefühl der Übelkeit überwältigte sie erneut. Sie konnte es nicht länger ignorieren. Es war, als versuche ihr Körper, ihr etwas zu sagen, doch sie wollte nicht hinhören.

Dann erinnerte sie sich an jene Nacht im Hotel. Der Fremde und die Tatsache, dass sie keinen Schutz verwendet hatten.

Ihre Gedanken rassten, als sie in der Schlange in der Apotheke um die Ecke stand. Sie versuchte, sich einzureden, dass es nur Stress sei, doch eine nagende Stimme sagte ihr, etwas dagegen zu unternehmen.

„Entschuldigung“, sagte sie zum Apotheker, ihre Stimme zitternd. „Ich brauche … einen Schwangerschaftstest.“

Das Gesicht des Apothekers erweichte sich vor Besorgnis, doch Lumi wollte nur raus. Sie kümmerte sich nicht um das Mitgefühl; sie kümmerte sich nicht um den Smalltalk. Sie wollte nur allein sein.

Sie bezahlte für den Test, registrierte den Preis kaum und eilte in eine öffentliche Toilette. Ihre Hände zitterten, als sie die Schachtel öffnete, den Test machte und wartete.

Als sie hinsah, erschienen zwei rosa Linien.

Positiv.

„Gott, nein“, murmelte Lumi unter ihrem Atem und verfluchte sich, während Tränen ihre Sicht verwischten. Sie saß lange auf dem Toilettensitz und starrte auf den Stab. Der Mann aus dem Hotel. Sie kannte seinen Namen nicht. Sie wusste nichts über ihn. Wie konnte das jetzt passieren? Ihr Leben fiel bereits auseinander. Sie hatte keinen Job, kein Geld, Rechnungen überall. Und ein Baby würde alles schlimmer machen.

Sie fühlte sich panisch. Sie konnte es nicht behalten. Sie hatte keine Möglichkeit, sich um ein Kind zu kümmern. Die Rechnungen ihres Vaters kamen zuerst, und sie musste ihr eigenes Leben in Ordnung bringen, bevor sie eine weitere Person hineinbrachte. Sie dachte hart darüber nach. Ein Teil von ihr hatte Angst davor, doch sie sagte sich, dass sie keine Wahl hatte.

Doch selbst als sie sich das sagte, zögerte sie. Ihre Finger umklammerten die Kante des Toilettensitzes, ihr Kopf rasste. Sie war nicht bereit dafür. Sie kannte nicht einmal seinen Namen. Sie konnte unmöglich—

Lumi schloss die Augen und kämpfte gegen den Ansturm von Emotionen, der drohte, sie zu überwältigen. Sie konnte es nicht behalten. Der Gedanke, ein Kind in dieses Chaos zu bringen, war niemandem gegenüber fair.

Sie verließ die Toilette benommen, immer noch schockiert und unsicher, was zu tun sei. Doch sie hatte sich entschieden. Am nächsten Tag kaufte sie Abtreibungspillen in einer Apotheke in der Nähe und hoffte, dass sie die Zukunft auslöschen würden, die sie nie gewollt hatte.

Zwei Tage später kam ihre Periode. Sie war leichter und kürzer als üblich – zwei Tage statt fünf. Sie fühlte eine Mischung aus Erleichterung und Schuld, als sie sich einredete, dass es funktioniert hatte und dass sie das Richtige getan hatte. Sie versuchte weiterzumachen, doch die Schuld und die Traurigkeit blieben und verließen sie nie ganz.

Die Tage vergingen, und gerade als sie dachte, nichts könne mehr gut gehen, bekam sie einen Anruf.

Ihr Herz raste, als sie das Telefon abnahm. „Hallo?“

„Ist das Lumi Reeves?“, fragte eine Stimme am anderen Ende.

„Ja“, antwortete sie, die Nervosität in ihrer Stimme unverkennbar. „Wer ist das?“

„Das ist Emma von Vanders Global. Wir möchten Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen.“

Lumis Herz setzte einen Schlag aus. Sie hatte noch nie von Vanders Global gehört, doch der Name klang prestigeträchtig. In diesem Moment war es ihr egal, ob es eine obskure Firma war. Es war eine Chance.

Am Tag des Vorstellungsgesprächs kleidete sich Lumi so gut wie möglich, strich ihren Rock glatt und atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Sie wiederholte ihr Portfolio im Kopf, als sie im Wartezimmer saß, die Hände zitternd.

„Lumi Reeves?“, rief die Rezeptionistin. „Sie sind an der Reihe.“

Lumi stand auf, ihre Beine unsicher, als sie der Rezeptionistin ins Büro folgte. Der Raum war modern, schlank und kalt – genau wie der Mann, der hinter dem Schreibtisch saß.

In dem Moment, als er sich umdrehte und ihre Blicke sich trafen, sank ihr Magen. Die Welt schien einen Moment lang stillzustehen, als ihre Augen sich trafen.

Es war der Mann aus dem Hotel.

Seine Augen waren kalt, distanziert und unlesbar. Sie spürte, wie ihre Beine unter ihr weich wurden.

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