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KAPITEL FÜNF

Author: Anna
last update publish date: 2026-06-29 02:12:15

Damien POV

Die Skyline brannte golden durch die Glaswände meines Büros. Ich herrschte sowohl über die übernatürliche als auch über die Geschäftswelt der Stadt. Jeder Deal, jeder Vertrag, jedes Imperium, das sich für unantastbar hielt, beugte sich irgendwann vor mir. Macht war nicht nur etwas, das ich hatte — sie war, wer ich war.

„Damien“, durchbrach Adrians Stimme die Stille, als er eintrat, sein scharfer Anzug passte zum Stahl in seinen Augen. Er trug eine Akte und legte sie auf meinen Schreibtisch, als könnte sie explodieren. „Die Berichte, die du wolltest.“

Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, die Finger aneinandergelegt, während ich ihn beobachtete. „Sag mir etwas, das ich noch nicht weiß.“

Sein Mund zuckte. „Du bist immer noch unmöglich zufriedenzustellen.“ Er öffnete die Akte trotzdem und zeigte auf die Zahlen. „Die Gewinne steigen, die Expansionen laufen planmäßig. Du bist momentan unantastbar.“

„Unantastbar?“ Ich zog eine Augenbraue hoch, meine Stimme eine tiefe Drohung. „Du solltest es besser wissen, als das Schicksal mit solchen Worten zu versuchen.“

Adrian lächelte schwach, doch sein Blick wurde schärfer und schnitt durch die Ruhe wie eine Klinge. „Sie ist wieder in deinem Kopf, oder?“

Ich sagte nichts, klopfte nur einmal auf den Schreibtisch, ein scharfes Geräusch, das ihn verstummen ließ. Aber er hatte nicht unrecht. Sie war seit jenem Tag im Club in meinen Gedanken. Ihr Duft, ihre Schreie, ihr Geschmack — jeder Zentimeter von ihr hatte sich in meine Seele gebrannt.

Meine Gefährtin. Meine Besessenheit.

Adrian musterte mich einen langen Moment, dann atmete er aus. „Ich freue mich, dass du endlich deine Gefährtin gefunden hast, Damien.“

Ich grinste, klappte die Mappe zu. Ich warf einen Blick auf meine Uhr — fast Zeit, dass sie die Arbeit verließ. Ich stand auf und richtete mein Jackett. „Sag das Abendessen mit Harrison ab.“

Adrian runzelte die Stirn. „Wirklich? Harrison fliegt extra aus London ein…“

„Ja.“ Meine Stimme duldete keinen Widerspruch. „Alles kann warten. Meine Gefährtin nicht.“

Adrians Kiefer spannte sich an, doch er nickte. „Verstanden.“

Ich ging ohne ein weiteres Wort hinaus. Mein Imperium würde morgen noch da sein. Heute Nacht würde ich mir nehmen, was mir gehörte.

Ich parkte gegenüber ihrem Arbeitsplatz und beobachtete sie durch die getönten Scheiben. Sie kam mit ihrer Freundin heraus und lachte. Ein scharfer Stich von Eifersucht brannte durch mich. Ich wollte der Einzige sein, der sie zum Lachen brachte. Sie winkte ihrer Freundin zu und stieg in ihr Auto, und sobald sie losfuhr, folgte ich ihr.

Es waren drei Tage seit unserer heißen Begegnung im Club vergangen. Drei Tage, in denen ich mich nach ihr verzehrte, mir ihre Stöhnen vorstellte und mich daran erinnerte, wie sich ihr Körper um mich angefühlt hatte. Ich war wütend gewesen, dass sie ohne ein Wort aus meinem Bett verschwunden war. Ich hatte sie mit meiner Zunge zwischen ihren Beinen wecken wollen, aber sie hatte meinen Plan ruiniert.

Es war nicht schwer gewesen, sie zu finden. Ich kannte ihren Arbeitsplatz, ihre Hobbys, ihre Freunde. Alles. Ich hatte sie seitdem beobachtet, und heute Nacht würde ich aufhören zu beobachten. Heute Nacht würde ich sie mir nehmen.

Sie gehört mir. Und mir allein.

Sie parkte vor ihrem Gebäude. Ich parkte ein paar Autos weiter, die Augen auf sie gerichtet, als sie ausstieg. Meine Hände umklammerten das Lenkrad fester, als ein Mann, der an einem nahestehenden Auto gelehnt hatte, direkt auf sie zuging. Er versuchte, sie zu umarmen, doch sie stieß ihn weg.

Was zur Hölle?

Wer ist dieser Idiot?

Ich würde ihn töten, weil er etwas berührt hatte, das mir gehörte. Mein Blut kochte. Meine Sicht verschwamm rot. Ich stellte den Motor ab, stieg aus und war bereit, ihn in Stücke zu reißen.

———

**Laura POV**

Ich parkte mein Auto vor meinem Gebäude, erschöpft. Ich konnte es kaum erwarten, zu duschen und zu schlafen. Der Tag hatte mich ausgelaugt. Als ich die Autotür schloss, ließ mich eine Stimme erstarren.

„Hey, Babe.“

Ich erstarrte und drehte mich in Richtung der Stimme. James. Nicht heute Abend. Ich hatte keine Energie dafür. Ich trat zurück, als er näher kam, und stieß ihn sofort weg, als er versuchte, mich zu umarmen.

„Was machst du hier, James?“ Meine Stimme war scharf, kalt. Ich hoffte, er verstand die Botschaft.

„So spricht man nicht mit seinem Freund, Laura.“ Er lächelte, doch es erreichte seine Augen nicht.

„Hör auf, James. Wir haben Schluss gemacht, erinnerst du dich? Du bist nicht mehr mein Freund.“

„Ich habe nie mit dir Schluss gemacht, Laura. Ich liebe dich und ich weiß, dass du mich auch liebst.“ Er trat näher, seine Stimme wurde angespannt.

„Hör auf, James. Hör auf, dir etwas vorzumachen. Wir haben Schluss gemacht, und das ist endgültig.“ Ich versuchte, um ihn herumzugehen, doch er packte mein Handgelenk und knallte mich gegen mein Auto. Schmerz schoss mein Rückgrat hinauf durch den Aufprall.

„Du hast nicht das Recht, es zu beenden, Laura. Wir sind verliebt. Wir werden das hinkriegen“, zischte er durch zusammengebissene Zähne.

Mein Magen sackte ab. Er war verrückt.

Er lehnte sich vor, versuchte mich zu küssen und drückte mich gegen das Auto. Ich wand mich, wehrte ihn ab, bereit, ihm das Knie in die Weichteile zu rammen — doch bevor ich es konnte, wurde er von mir weggerissen.

Es ging so schnell.

In der einen Sekunde war James auf mir, in der nächsten flog er wie eine Stoffpuppe durch die Luft. Er schlug hart auf dem Boden auf. Ein Mann ragte über ihm auf, und mir stockte der Atem.

Als der Mann sich aufrichtete, sah ich Blut auf seinem Hemd. James lag am Boden, die Kehle aufgeschlitzt, Blut sammelte sich unter ihm.

Ich keuchte.

Ich sah den Mann an — den Mann aus dem Club. Aber er sah jetzt anders aus. Furchterregend. Seine Augen waren nicht mehr das Blau, an das ich mich erinnerte, sie waren rot. Blutrot. In seinem Mund waren Fänge, scharf und glänzend. Seine Hände… oh Gott. Lange, scharfe Krallen tropften von Blut. James’ Blut.

Er richtete seinen Blick auf mich, und ich zitterte.

Er machte einen Schritt vorwärts.

Ich machte einen Schritt zurück.

„Komm nicht näher! Bleib weg von mir!“ schrie ich.

Er hörte nicht. Er ging weiter. Meine Hände fummelten nach meinen Schlüsseln, versuchten das Auto zu öffnen, doch bevor ich es konnte, wurde ich zurück gegen das Auto geschleudert, sein Körper drückte meinen fest.

Rote, wütende Augen brannten sich in mich.

„Du willst vor mir weglaufen?!“ knurrte er, seine Stimme war nicht mehr menschlich.

Ich kniff die Augen zu, Tränen liefen mir übers Gesicht. „Tu mir nicht weh, bitte. Tu mir nicht weh“, flehte ich.

Stille.

„Sieh mich an“, befahl er.

Ich hielt die Augen geschlossen.

„Ich sagte, sieh mich jetzt an!“ Seine Stimme dröhnte wie Donner.

Ich öffnete die Augen. Seine Augen waren wieder in ihr ursprüngliches Blau zurückgekehrt. Die Fänge waren verschwunden. Er sah wieder menschlich aus, bis auf das Blut auf seinem Hemd.

„Ich würde dir niemals wehtun“, sagte er, sanfter, aber immer noch tödlich. „Du gehörst mir. Und ich werde jeden Mann töten, der versucht, dich anzufassen oder dir wehzutun.“

Mein Atem stockte. Oh Gott. Er ist verrückt. Warum ziehe ich immer die Verrückten an?

„Bitte lass mich gehen… bitte“, flüsterte ich zitternd.

Er musterte mich einen langen Moment, dann ließ er mich langsam los.

In dem Moment, in dem seine Hände mich losließen, rannte ich los. Meine Beine waren wackelig, aber ich rannte ins Gebäude, mein Herz hämmerte in meinen Ohren.

Im Aufzug, als die Türen sich schlossen und er zu meiner Wohnung hochfuhr, sackte ich auf den Boden und stieß ein ersticktes Schluchzen aus. Ein Mann war vor meinen Augen getötet worden, und das Monster, das ihn getötet hatte, hatte mich gerade als sein Eigentum beansprucht.

Als die Aufzugtüren sich endlich öffneten, taumelte ich in meine Wohnung, knallte die Tür zu und verriegelte sie zweimal. Mein Atem kam in abgehackten Stößen, mein ganzer Körper zitterte so heftig, dass ich kaum stehen konnte.

Ich presste meinen Rücken gegen die Tür, die Handflächen schweißnass. Meine Brust hob und senkte sich in ruckartigen Stößen. Dann drehte sich mein Magen um, eine heftige Welle von Übelkeit stieg meine Kehle hoch.

Ich taumelte ins Badezimmer, fiel auf die Knie, schob meinen Kopf über die Toilette und würgte, bis meine Rippen schmerzten. Säure brannte in meiner Kehle. Als es endlich vorbei war, spülte ich und zwang mich aufzustehen, klammerte mich am Waschbecken fest, um das Gleichgewicht zu halten.

Das Gesicht, das mir im Spiegel entgegenstarrte, sah nicht aus wie meins. Meine Augen waren blutunterlaufen, die Haut blass, die Wimperntusche lief in Streifen über meine Wangen.

„Was soll ich tun?“, flüsterte ich in das leere Badezimmer, meine Stimme brach. „Was soll ich tun?“

James’ Blut. Sein Schrei. Das Aufblitzen roter Augen und Krallen. Es lief hinter meinen Lidern wie ein Albtraum, aus dem ich nicht aufwachen konnte.

„Ja“, krächzte ich und umklammerte die Ablage. „Die Polizei. Ich muss die Polizei rufen.“

Meine Finger fummelten nach meinem Handy. Ich ließ es fast zweimal fallen, bevor ich 110 wählen konnte.

Die Vermittlung nahm sofort ab, die Stimme ruhig und fest. „110, was ist Ihr Notfall?“

„Mein… mein Ex-Freund“, stammelte ich, die Worte purzelten zwischen Schluchzern heraus. „Er ist… er ist tot! Ein Mann hat ihn gerade vor meinem Gebäude getötet. Bitte, Sie müssen schnell kommen.“ Meine Stimme brach. „Überall ist Blut.“

Die Vermittlung blieb vollkommen ruhig. „Ma’am, wo sind Sie?“

Ich ratterte meine Adresse herunter.

„Okay, Ma’am. Einheiten sind unterwegs. Bleiben Sie ruhig und bleiben Sie, wenn möglich, drinnen.“

Ruhig bleiben. Als ob das möglich wäre.

Ich legte auf und begann in meiner Wohnung auf und ab zu laufen wie ein eingesperrtes Tier, jedes Geräusch draußen ließ mich zusammenzucken.

Die Minuten zogen sich wie Stunden hin, bis blinkende rote und blaue Lichter durch meine Vorhänge die Wände bemalten. Mir stockte der Atem. Sie waren da.

Ich stürzte zur Tür, zog nicht einmal Schuhe an. Meine bloßen Füße klatschten auf den Treppen, als ich ins Foyer hinunterrannte, mein Herz hämmerte so hart, dass ich es schmecken konnte.

Zwei uniformierte Beamte standen auf dem Parkplatz. Einer von ihnen sah auf, als ich nach draußen stürmte.

„Sind Sie die Anruferin?“, fragte der Ältere.

„Ja“, keuchte ich. „Ja — hier drüben — bitte —“

Ich führte sie über den Platz, mein Magen verkrampfte sich. Ich wollte es nicht noch einmal sehen, aber ich musste es ihnen zeigen.

Der Strahl der Taschenlampe schwenkte voraus und blieb stehen.

James.

Er lag ausgestreckt auf dem Asphalt, seine Kehle weit aufgerissen, Blut sammelte sich unter ihm wie ein schwarz-roter Schatten. Seine leblosen Augen starrten nach oben, glasig und unbewegt.

Ich taumelte zurück, beide Hände flogen zu meinem Mund. „Oh Gott“, flüsterte ich. „Oh Gott.“

Der jüngere Beamte fluchte heftig unter seinem Atem. Der Ältere hockte sich hin und hielt die Taschenlampe ruhig über die Wunden.

„Jesus Christus“, murmelte er. „Sieht aus wie ein Tierangriff.“

„Nein!“ Meine Stimme riss aus meiner Kehle, roh und verzweifelt. „Es war kein Tier.“

Beide Beamten drehten sich zu mir um, erschrocken über meinen Ton.

„Ich habe ihn gesehen“, sagte ich, meine Stimme brach. „Seine Augen — sie waren rot. Seine Zähne, seine Hände — sie waren nicht menschlich. Er… er hat James getötet.“

Der jüngere Beamte runzelte die Stirn und senkte die Taschenlampe ein wenig. „Miss… wollen Sie sagen, ein Mann hat das getan? Mit bloßen Händen?“

„Ja!“ schrie ich, meine Stimme wurde höher. „Ich sage Ihnen, es war ein Monster. Er sah menschlich aus, aber er war es nicht. Ich habe es gesehen. Ich habe alles gesehen.“

Die Beamten wechselten einen langen, schweren Blick.

Der Ältere erhob sich langsam, sein Gesicht undurchdringlich. Er legte eine feste, aber nicht unfreundliche Hand auf meine Schulter, sein Ton sanft, vorsichtig, so wie man mit einem verängstigten Kind spricht.

„Sie stehen unter Schock“, sagte er sanft. „Sie haben ein Trauma erlebt. Manchmal verdreht der Verstand… was wir sehen. Was real ist.“

„Ich bin nicht verrückt!“ fuhr ich ihn an, meine Augen brannten vor Tränen. „Ich weiß, was ich gesehen habe. Er war real. Er ist real.“

„Miss…“, begann der jüngere Polizist, doch sein Partner warf ihm einen Blick zu.

Der ältere Beamte atmete schwer aus. „Wir nehmen die Leiche mit. Wir werden weiter ermitteln. Aber fürs Erste sollten Sie nach oben gehen und sich etwas ausruhen. Sie haben heute Abend genug durchgemacht.“

Ihre Worte verschwammen danach. Ich hörte sie kaum, spürte ihre führende Berührung kaum, als sie mich zurück zum Gebäude führten. Das Bild von James’ leblosem Körper, das Blut an Damiens Krallen, diese monströsen Augen — es spielte sich immer wieder ab, bis mir übel wurde.

Als ich wieder hineinging, warf ich einen Blick über die Schulter. Die Beamten arbeiteten bereits, machten Fotos und murmelten miteinander. Aber in meinem Kopf hörte ich nur seine Stimme, tief und rau: Du gehörst mir.

Ich konnte seine blutroten Augen nicht vergessen. Seine Krallen. Die Art, wie er mich angesehen hatte, als gehöre ich ihm.

Sie dachten, ich wäre verrückt, aber ich hatte das Monster mit eigenen Augen gesehen.

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