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KAPITEL VIER

Author: Anna
last update publish date: 2026-06-29 02:11:18

Lauras POV

Der Dampf aus meinem Bad haftete noch an meiner Haut, als ich auf der Kante meines Bettes saß und mir die Haare föhnte. Das leise Summen erfüllte den Raum und lullte mich fast in eine fragile Ruhe. Ich war bereit, in meinen Pyjama zu schlüpfen und mich unter die Decke zu vergraben, als das scharfe Ding-Dong meiner Türklingel die Stille durchschnitt.

Ich erstarrte.

Niemand besucht mich so spät.

Es klingelte erneut, diesmal energischer. Ich stellte den Föhn auf die Kommode und schlich zur Tür. Ich presste mein Auge an den Spion —

James.

Oh Gott.

Ich war nicht bereit dafür. Nicht heute Abend. Ich hatte seine Anrufe den ganzen Tag ignoriert, seine Nachrichten umgangen, und jetzt stand er da — lächelte geduldig vor meiner Tür.

Ich atmete tief ein, wappnete mich und schloss die Tür auf.

„Hey, Baby“, sagte James sofort, sein Gesicht leuchtete auf, als wäre nichts falsch. In seiner Hand hielt er einen Strauß weißer Lilien. Meine Brust zog sich zusammen. Lilien — meine Lieblingsblumen.

Ich zwang ein kleines Lächeln hervor. „Danke.“

„Alles für dich“, antwortete er und trat ein, sobald ich zur Seite trat. Sein Parfüm folgte ihm, sauber und vertraut, aber heute Abend erstickte es mich. Er ließ sich auf der Couch nieder, als gehöre ihm der Platz, lässig, entspannt.

Ich flüchtete in die Küche und beschäftigte mich damit, eine Vase zu finden. Ich kürzte die Stiele und stellte die Lilien ins Wasser. Sie sahen so perfekt aus, so zart, als gehörten sie in ein anderes Leben, eines, das ich nicht mehr lebte.

Als ich zurückkam, setzte ich mich auf den gegenüberliegenden Stuhl und achtete darauf, Abstand zwischen uns zu halten.

James lehnte sich vor und musterte mich. „Was ist los, Babe?“

„Warum denkst du, dass etwas los ist?“, wich ich aus und zwang meine Stimme zur Ruhe.

Er runzelte leicht die Stirn. „Nachdem du gestern Abend mein Haus verlassen hast, habe ich dich unzählige Male angerufen, aber du bist nicht rangegangen. Ich habe es heute sogar noch einmal versucht, aber du hast alle meine Anrufe ignoriert.“

„Oh… das.“ Ich spielte mit meinen Fingern. „Ich bin direkt ins Bett gegangen, als ich nach Hause kam, deshalb habe ich das Telefon nicht gehört. Und heute war es chaotisch bei der Arbeit. Aufgaben hintereinander. Ich hatte kaum Zeit zum Atmen.“

Er wurde weicher und nickte langsam. „Ich weiß, dass du gestern Abend wütend warst. Es tut mir leid, Laura. Ich werde es nächstes Mal besser machen. Ich verspreche es. Gib mir einfach Zeit.“

Dieselben Worte. Immer dieselben Worte.

Ich starrte ihn an, den Mann, den ich jahrelang geliebt hatte, den Mann, für den ich Teile von mir geopfert hatte.

„Das sagst du immer, James“, flüsterte ich, mein Hals eng. „Nächstes Mal wird es besser. Aber es ist nie so. Und ich bin so müde.“

Seine Augen weiteten sich. Panik flackerte darin auf, schnell und roh. „Baby, nein. Bitte. Ich werde es nächstes Mal härter versuchen. Du musst mir einfach vertrauen. Ich liebe dich.“ Er stand auf und kam zu mir, umfasste mein Gesicht sanft mit seinen warmen Händen. Sein Daumen strich über meine Wange, als wäre ich zerbrechliches Glas. „Ich liebe dich so sehr, Laura.“

Ich schluckte schwer, mein Herz schmerzte. „Ich weiß, James. Aber Liebe reicht nicht mehr.“

Sanft schob ich seine Hände weg und stand auf.

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. „Was sagst du da?“

Ich sah ihm in die Augen, meine Stimme zitterte, war aber fest. „Lass uns Schluss machen, James.“

Es war, als hätte ich ihn geschlagen. Er erstarrte, Ungläubigkeit in sein Gesicht gemeißelt.

„Schluss machen?“ Seine Stimme brach. „Laura, nein. Nein, sag das nicht. Das meinst du nicht ernst.“

„Doch. Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht weiter auf den Mann warten, den du versprichst zu sein, aber nie wirst. Ich kann mich nicht weiter für dich klein machen.“

Er schüttelte heftig den Kopf. „Nein. Bitte, Baby, tu das nicht. Wir können es reparieren. Ich schwöre, ich werde mich ändern. Diesmal werde ich es dir beweisen.“ Er griff nach meinen Händen und umklammerte sie fest. „Du bist alles für mich. Bitte… verlass mich nicht.“

Ich zog meine Hände frei. „Es tut mir leid, James. Es tut mir so, so leid. Aber ich bin fertig. Ich kann das nicht mehr.“

„Laura, bitte!“ Seine Stimme brach, verzweifelt, fast kindlich. Er sackte zurück auf die Couch und vergrub das Gesicht in den Händen. „Wirf uns nicht weg. Wirf mich nicht weg.“

Ich biss mir auf die Lippe, bis ich Blut schmeckte, und zwang mich, nicht zusammenzubrechen. Jeder Teil von mir wollte ihn trösten, aber ich wusste — wenn ich jetzt nachgab, wäre ich für immer in diesem Kreislauf gefangen.

„Leb wohl, James“, flüsterte ich, meine Stimme endgültig.

Er starrte mich gebrochen an, bevor er langsam aufstand. Seine Augen suchten meine, ein letztes Mal, als hoffte er, das Mädchen zu finden, das seine Meinung ändern würde. Aber sie war fort.

Ohne ein weiteres Wort ging er zur Tür und verließ die Wohnung.

Das Geräusch der zuschnappenden Tür hallte wie Donner in meiner Brust wider.

Ich sackte auf die Couch und vergrub das Gesicht in den Händen. Tränen liefen heiß und schuldbeladen. Ich fühlte mich schlecht für ihn. Für uns. Für das, was wir einmal waren.

Aber tief drinnen, unter dem Schmerz, lag die ruhige Gewissheit, dass ich das Richtige getan hatte.

———

**Damien POV**

Ich stand draußen vor dem Packhaus, dem Ravenblood-Anwesen, mit Adrian an meiner Seite — mein Bruder, mein Beta und meine vertrauenswürdigste rechte Hand. Um uns herum bildeten die restlichen meiner Wölfe einen Kreis, still, aber kochend. Ihre Loyalität vibrierte in der Luft wie ein tiefes Summen und wartete auf mein Wort.

„Sie sind zu weit gegangen, Bruder“, sagte Adrian, seine Stimme angespannt vor zurückgehaltener Wut. „Sie drängen an unsere Grenzen. Sie wollen es persönlich machen.“

Mein Kiefer spannte sich an, meine Augen brannten vor Rage, als ich sie zum dunklen Blätterdach der Bäume hob. Ich hatte lange genug die Ruhe bewahrt. Das Ashmoon-Rudel überschritt Linien, die niemals berührt werden sollten.

Andere Rudel in dieser Region hatten sich längst den Ravenbloods gebeugt, nicht weil sie uns liebten, sondern weil sie wussten, dass es Selbstmord war, unser Feind zu sein. Seit Generationen war das Rudel meiner Familie das stärkste gewesen, und seit ich mit dreiundzwanzig Alpha geworden war, hatte ich uns zu etwas noch Tödlicherem geformt. Zehn Jahre Blut und Herrschaft. Zehn Jahre, in denen ich bewiesen hatte, dass ich rücksichtslos genug war, um die Meinen zu beschützen.

Jeder, der mich testete — der versuchte, meine Grenzen zu überschreiten, Spione einzuschleusen oder Krieg zu entfachen — bereute es immer. Denn wenn die Ravenbloods kämpften, hörten wir nicht auf, bis unsere Feinde auf den Knien lagen und um Gnade bettelten, die sie niemals erhalten würden.

Aber Kael Draven, Alpha des Ashmoon-Rudels, war zu arrogant, um daraus zu lernen.

Er hatte schon immer Krieg gewollt. Hatte immer Wege gesucht, einen Spion in meine Reihen zu bringen. Seine Spione hielten nie lange durch — sie starben, bevor sie Verrat in meinen Mauern atmen konnten. Aber Kael hörte nie auf, es zu versuchen. Und jetzt war er weiter gegangen als mit Tricks und Drohungen. Er hatte einen der Meinen ermordet und ihn wie eine Herausforderung an unserer Grenze liegen lassen.

Meine Wölfe sträubten sich, ein Knurren wogte durch die Menge.

Die Ashmoon waren Abschaum. Im Gegensatz zu uns suhlten sie sich in Blut und Chaos. Sie entführten Wölfe und Menschen gleichermaßen, vergewaltigten, schlachteten und zwangen die Verwandlung bei Unschuldigen herbei, um Macht aus Leid aufzubauen. Sie waren ein Schandfleck auf unserer Art.

Und jetzt hatten sie eines meines Blutes auf unserem Land vergossen.

„Genug“, knurrte ich, meine Stimme leise, trug aber durch das ganze Rudel. „Es wird Zeit, dass wir sie daran erinnern, wer wir sind.“

„Ja, Alpha“, stimmte Adrian zu, seine Lippen verzogen sich zu einem gefährlichen Lächeln.

„Wurde auch Zeit“, murmelte ein anderer Wolf voller Eifer. „Ich habe schon lange nach Gewalt gedürstet. Sie betteln förmlich darum.“

Ich nickte einmal entschlossen. „Begrabt ihn, Dan.“

Der Befehl durchschnitt die Spannung wie eine Peitsche. Dan senkte den Kopf und gehorchte ohne Zögern.

Wir standen schweigend da, während Dan und zwei andere den Körper unseres Bruders forttrugen. Der Wald schien den Atem anzuhalten, das Gewicht der Trauer drückte wie Stein herab.

Adrian trat vor, die Fäuste geballt. Seine Stimme war ruhig, aber ich kannte ihn gut genug, um den Sturm darunter zu hören.  

„Sie werden nicht aufhören, Damien. Kael will Krieg.“

Ich drehte mich um und begegnete den Augen meines Bruders. Sein Wolf brannte darin, wütend und bereit. „Dann soll er Krieg bekommen.“

Das Rudel regte sich, tiefes Knurren grollte in ihren Kehlen. Sie brauchten meine Wut. Sie brauchten meinen Befehl.

„Verdoppelt die Patrouillen“, befahl ich. „Niemand überschreitet diese Grenzen, ohne dafür zu bluten. Wenn sie auch nur in unsere Richtung atmen, reißt ihnen die Kehlen heraus.“

„Ja, Alpha“, hallten die Stimmen im Chor.

Einer meiner Männer bleckte die Zähne zu einem wilden Grinsen. „Lass sie kommen. Ich habe schon lange nach Blut gedurstet.“

Ich erwiderte das Grinsen nicht. Ich war nicht hungrig — ich war die Wut selbst, und Kael hatte gerade das Feuer gefüttert.

Während die anderen loszogen, um meine Befehle auszuführen, blieb Adrian an meiner Seite.  

„Bruder“, sagte er leise, „lass deine Wut dich nicht blind machen. Kael will, dass du unbesonnen wirst. Er wird jede Schwäche gegen dich nutzen.“

Mein Kiefer spannte sich an. Ich wusste, dass er recht hatte. Aber Schwäche war etwas, das ich mir nicht leisten konnte. Nicht heute Nacht. Nie.

Ich blickte in die Dunkelheit, in Richtung des Ashmoon-Landes, und ließ den Schwur über meine Lippen gleiten, scharf wie eine Klinge.  

„Er hat einen der Meinen genommen. Er wird in Blut bezahlen.“

Die Knurrlaute des Rudels schwollen an, der Klang stieg in die Nacht — ein Versprechen von Gewalt, ein Sturm, der bereits aufzog.

Und ich stand im Zentrum davon, Wut brannte in meinen Adern, bereit, die Hölle zu entfesseln.

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