LOGINFreya schlief kaum.
Man schläft nicht besonders gut, wenn das Gästebett größer ist als die gesamte Wohnung, in der man zuvor gelebt hat, und sich die Bettwäsche anfühlt, als wäre sie mehr wert als das gesamte Geld auf dem eigenen Konto.
Punkt sechs Uhr morgens stand sie bereits vor den bodentiefen Fenstern des Westflügels der Villa und beobachtete, wie die aufgehende Sonne die sorgfältig angelegten Gärten in goldenes Licht tauchte.
Noch immer trug sie ihr ausgewaschenes T-Shirt.
In den Händen hielt sie eine Porzellantasse mit schwarzem Kaffee, die eine wortlose Haushälterin kurz zuvor vor ihrer Zimmertür abgestellt hatte.
Ein leises Klopfen durchbrach die Stille.
Freya richtete sich auf.
„Herein.“
Es war nicht Liam.
Eine junge Frau in einem makellosen Hosenanzug trat ein und schob einen rollbaren Kleiderständer vor sich her.
Daran hingen hochwertige Business-Outfits.
Elegante Blazer.
Perfekt geschnittene Stoffhosen.
Seidenblusen.
Alles exakt in Freyas Größe.
Oben auf dem Kleiderständer stand außerdem ein Karton mit zwei Paar makellosen schwarzen Lederpumps.
„Herr von Dornstetten hat mich gebeten, Ihnen diese Kleidung für Ihren heutigen Arbeitstag zu bringen, Frau Meyer“, sagte die junge Frau höflich, ohne den Blick zu heben.
„Unten wartet um sieben Uhr ein Wagen, der Sie ins Büro bringt.“
Freya starrte den Kleiderständer an.
„Er hat mir Kleidung gekauft.“
„Ja, Frau Meyer.“
„Ohne mich vorher zu fragen.“
„Ja, Frau Meyer.“
Freya sah sie einen Moment lang schweigend an.
„Macht er das öfter? Dass er einfach Entscheidungen für andere trifft?“
Die Miene der jungen Frau blieb vollkommen beherrscht.
Nur für einen flüchtigen Augenblick huschte ein Anflug von Mitgefühl über ihr Gesicht.
„Herr von Dornstetten erwartet von seinen Mitarbeitern in Führungspositionen die Einhaltung des unternehmensinternen Dresscodes.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Freya verschränkte die Arme.
„Und wenn ich lieber meine eigene Kleidung tragen möchte?“
Die junge Frau lächelte höflich.
„Dann würde ich Ihnen empfehlen, dieses Thema direkt mit Herrn von Dornstetten zu besprechen.“
Mit einem respektvollen Nicken verließ sie das Zimmer.
Die Tür schloss sich leise hinter ihr.
Freya trat an den Kleiderständer heran.
Ihre Fingerspitzen glitten über den edlen Stoff eines anthrazitfarbenen Blazers.
Sie hasste es.
Sie hasste, wie mühelos Liam ihre gesamte Lebensrealität mit einer einzigen Zahlung per Firmenkreditkarte auslöschen konnte.
Doch dann fiel ihr Blick auf ihre durchnässten, völlig ruinierten Turnschuhe, die neben der Zimmertür standen.
Sie schluckte ihren Stolz hinunter.
Und griff nach einem Kleiderbügel.
Sie zog sich um.
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Der Wechsel von der Logistikabteilung auf die Vorstandsetage erfolgte mit erschreckender Geschwindigkeit.
Als Freya um 7:45 Uhr die sechzehnte Etage betrat, ließ ihr Vorgesetzter sie nicht einmal ihren Schreibtisch erreichen.
Er wartete bereits am Aufzug.
Blass.
Sichtlich nervös.
In den Händen hielt er eine Personalakte.
„Frau Meyer...“
Er vermied ihren Blick.
„Die Personalabteilung hat soeben eine außerplanmäßige Versetzung angeordnet. Sie verlassen die Logistikabteilung mit sofortiger Wirkung.“
Freya spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.
„Werde ich entlassen?“
„Entlassen? Nein.“
Der Abteilungsleiter lachte kurz und unsicher.
„Sie werden auf die Vorstandsetage versetzt.“
Er schluckte.
„Sie arbeiten künftig direkt unter der Leitung der Chefassistentin des Vorstandsvorsitzenden.“
Freya starrte ihn ungläubig an.
„Ich bin erst seit einer Woche hier.“
„Das weiß ich.“
„Seit einer Woche sortiere ich Tabellen und Akten.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Und jetzt das?“
„Frau Meyer...“
„Wer hat diese Entscheidung getroffen?“
Zum ersten Mal hob ihr Vorgesetzter den Blick.
Sein Gesichtsausdruck beantwortete ihre Frage bereits.
„Die Anweisung kam...“
Er räusperte sich.
„...von ganz oben.“
Freya stieß langsam die Luft aus.
Dann griff sie nach ihrer Tasche.
„Natürlich.“
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Zehn Minuten später öffneten sich die Türen des biometrisch gesicherten Aufzugs.
Freya trat auf die Vorstandsetage.
Hier war es vollkommen still.
Die Luft roch nach poliertem Holz, teurem Parfüm und diesem unverwechselbaren Hauch von Zedernholz, der ihren Puls gegen ihren Willen schneller schlagen ließ.Viktoria, die Chefassistentin des Vorstandsvorsitzenden, wartete bereits auf sie.
Ihre Haltung war makellos.
Ihr prüfender Blick glitt über Freyas neuen, perfekt sitzenden Hosenanzug.
„Frau Meyer.“
Ein höfliches Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Sie erleben ja eine ausgesprochen ereignisreiche Woche.“
„Allerdings“, erwiderte Freya mit einem höflichen Lächeln.
Viktoria trat einen Schritt näher.
Kaum hatten sich die Aufzugstüren hinter ihnen geschlossen, senkte sie die Stimme.
„Ich weiß nicht, welches Spiel Sie spielen.“
Sie hielt kurz inne.
„Aber der Vorstandsvorsitzende holt niemals persönlich Praktikanten auf die Vorstandsetage.“
Ihre Stimme wurde kühler.
„Noch nie.“
Sie sah Freya direkt an.
„Deshalb möchte ich Ihnen gleich zu Beginn erklären, wie die Dinge hier oben funktionieren.“
„Bitte.“
Freya lächelte freundlich.
„Ich höre.“
Viktorias Augen verengten sich kaum merklich.
„Sie werden am Empfang sitzen.“
„Sie übernehmen die digitale Dokumentenablage, bearbeiten die Post und kümmern sich um den allgemeinen Schriftverkehr der unteren Managementebenen.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Sie betreten das Büro von Herrn von Dornstetten ausschließlich dann, wenn Sie ausdrücklich hereingerufen werden.“
„Sie sprechen ihn nicht an, es sei denn, er richtet zuerst das Wort an Sie.“
Ihre Stimme wurde noch schärfer.
„Und machen Sie nicht den Fehler zu glauben, dass der Grund, weshalb Sie auf dieser Etage arbeiten, Ihnen irgendeine Sonderstellung verschafft.“
Sie hielt Freyas Blick fest.
„Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Freya erwiderte ihren Blick gelassen.
„Vollkommen.“
Sie lächelte höflich.
„Wo ist mein Arbeitsplatz?“
Für einen kurzen Augenblick wirkte Viktoria überrascht.
Offenbar hatte sie mit mehr Widerstand gerechnet.
Doch sie fing sich sofort wieder und deutete ans andere Ende der Vorstandsetage.
„Dort drüben.“
Freya folgte der Bewegung ihrer Hand.
Und ihr Magen zog sich zusammen.
Der Schreibtisch bestand aus dunklem Mahagoni und stand direkt vor einer riesigen doppelflügeligen Glasfront.
Durch das Glas konnte sie das gesamte Büro überblicken.
Die beeindruckende Skyline dahinter.
Den gewaltigen Mahagoni-Schreibtisch in der Mitte des Raumes.
Und Liam.
Er saß bereits dort.
Sein Blick ruhte direkt auf ihr.
Nichts an ihm erinnerte an den Mann, der sie am Vorabend in seiner Maybach-Limousine praktisch zum Einsteigen gezwungen hatte.
Jetzt wirkte er makellos.
Kühl.
Unnahbar.
Seine Miene verriet nicht das geringste Gefühl.
Freya ging langsam zu ihrem Arbeitsplatz.
Sie stellte ihre Tasche ab, rückte ihren Stuhl zurecht und setzte sich mit betonter Gelassenheit.
Sie öffnete die digitale Ablage auf ihrem Bildschirm.
Ohne auch nur ein einziges Mal durch die Glaswand zu ihm hinüberzusehen, murmelte sie kaum hörbar vor sich hin:
Dreißig Etagen Abstand ... Von wegen.
Hinter der Glaswand spannte sich Liams Kiefer sichtbar an.
Sein Blick löste sich nicht von ihr.
Mit seinen sturmgrauen Augen verfolgte er jede ihrer Bewegungen.
Erst ein scharfes Klopfen auf die Kante ihres Mahagoni-Schreibtischs durchbrach den Moment.
Freya hob den Kopf.
Viktoria stand vor ihr.
In den Händen hielt sie einen dicken, ledergebundenen Ordner.
„Da Sie offenbar so motiviert sind, Frau Meyer, wollen wir doch gleich sehen, wie Sie mit echten Unterlagen der Vorstandsebene zurechtkommen.“
Mit einem dumpfen Schlag ließ sie den Ordner auf Freyas makellosen Schreibtisch fallen.
„Hier finden Sie sämtliche noch ungeprüften Ausgabenfreigaben der Logistikabteilung für das dritte Quartal.“
Sie verschränkte die Arme.
„Vergleichen Sie sie mit dem Hauptbuch, gleichen Sie alle Buchungen ab und kennzeichnen Sie sämtliche Unstimmigkeiten.“
„Ich benötige die Ergebnisse vor der Vorstandssitzung um elf Uhr.“
Freya warf einen Blick auf die Uhr ihres Bildschirms.
08.05 Uhr.
Sie hob den Blick wieder.
„Sie geben mir weniger als drei Stunden Zeit, um sämtliche Sonderfreigaben eines ganzen Quartals zu prüfen?“
Viktorias Lächeln wirkte kühl.
„Falls diese Aufgabe eine Praktikantin überfordert, kann ich der Personalabteilung selbstverständlich mitteilen, dass Ihre Versetzung auf die Vorstandsetage etwas verfrüht war.“
Freya erwiderte ihren Blick vollkommen ruhig.
„Ich habe nicht gesagt, dass mich die Aufgabe überfordert.“
Eine kurze Pause.
„Ich wollte lediglich den Zeitrahmen wissen.“
Sie öffnete den Ordner.
„Möchten Sie die Auffälligkeiten nach Abteilungen oder nach Betragshöhe sortiert haben?“
Zum ersten Mal wirkte Viktoria überrascht.
„Nach Abteilungen.“
Sie räusperte sich.
„Und vergessen Sie die Altkonten nicht.“
„Der Bericht liegt spätestens um halb elf auf Ihrem Schreibtisch.“
Freyas Stimme blieb sachlich und ruhig.
„Wir werden sehen.“
Mit diesen Worten drehte sich Viktoria um.
Das harte Klacken ihrer Absätze hallte über den glänzenden Marmorboden, während sie in Richtung ihres Büros davonging.
Freya atmete langsam aus.
Dann schlug sie den Ordner auf.
Die Zahlen wirkten auf den ersten Blick wie ein einziges undurchschaubares Chaos aus komplizierten Buchungen und verschachtelten Kostenstellen.
Doch nach einer Woche in der Logistikabteilung wusste sie genau, wonach sie suchen musste.
Ihre Finger flogen über die Tastatur.
Schon bald erfüllte nur noch das gleichmäßige Klappern der Tastatur die stille Vorstandsetage.
Eine Stunde verging.
Freya war vollkommen in ihre Arbeit vertieft.
Sie war so sehr in die Tabellen und Zahlen versunken, dass sie nicht bemerkte, wie sich die doppelflügeligen Glastüren öffneten.
Erst als ein großer Schatten auf ihren Schreibtisch fiel, hob sie den Blick.
Den Duft von Zedernholz und Leder nahm sie wahr, noch bevor sie seine Stimme hörte.
„Sie verfolgen in Zeile zweiundvierzig die falsche Kennzahl.“
Freya erstarrte.
Ihre Finger schwebten reglos über der Tastatur.
Langsam hob sie den Kopf.
Sie musste das Kinn leicht anheben, um seinem Blick zu begegnen.
Liam stand unmittelbar neben ihrem Schreibtisch.
Eine Hand steckte lässig in der Hosentasche.
Mit unbewegter Miene betrachtete er ihren Bildschirm.
„Zeile zweiundvierzig enthält eine reguläre Logistikfreigabe, Herr von Dornstetten“, erwiderte Freya.
Ihre Stimme blieb betont sachlich, obwohl ihr Herz plötzlich heftig gegen ihre Rippen schlug.
„Nicht ganz.“
Seine tiefe Stimme erfüllte den stillen Raum.
„Es handelt sich um einen Offshore-Standard für den Seetransport.“
Er beugte sich leicht vor und deutete mit einem langen Finger auf eine bestimmte Spalte des Monitors.
Er war nah.
Viel zu nah.
Nah genug, dass Freya seine Körperwärme spüren konnte.
Nah genug, dass sich die feinen Härchen auf ihren Armen aufrichteten.
„Hier wird mit der Nettoraumzahl gerechnet, nicht mit dem gewöhnlichen Frachtgewicht.“
Sein Finger glitt über die betreffende Formel.
„Wenn Sie die Berechnung nicht entsprechend anpassen, weist Ihre gesamte Abstimmung für den europäischen Geschäftsbereich am Ende eine Abweichung von zehntausend Dollar auf.“
Freya richtete den Blick wieder auf den Bildschirm.
In Gedanken überprüfte sie blitzschnell die Zahlen.
Er hatte recht.
Sie unterdrückte ihren Ärger, ließ ihre Finger über die Tastatur fliegen und korrigierte die Formel.
„Danke.“
Ohne aufzusehen, fügte sie hinzu:
„Ich passe den Rest der Unterlagen entsprechend an.“
Liam beobachtete sie einen Moment schweigend.
Sein Blick wurde eine Spur dunkler.
„Warum hat Viktoria Ihnen ausgerechnet diese Akte gegeben?“
„Das ist keine Aufgabe für eine Praktikantin.“
Freya arbeitete weiter.
„Sie wollte den Bericht bis elf Uhr.“
Sie speicherte die Änderungen.
„Ich habe ihr gesagt, dass sie ihn spätestens um halb elf bekommt.“
Erst dann hob sie den Blick.
Ihre Augen trafen seine sturmgrauen ohne jedes Zögern.
„Es sei denn …“
Ein kaum wahrnehmbares Lächeln spielte um ihre Lippen.
„… Sie glauben, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen bin?“
Ein gefährliches, kaum wahrnehmbares Funkeln glomm in Liams Augen auf.
Sein innerer Wolf brüllte beim Anblick ihres unbeugsamen Stolzes, der von ihr ausging.
Am liebsten hätte er sie aus dem Stuhl gezogen.
Hätte ihr gesagt, dass sie in diesem Gebäude niemandem etwas beweisen musste.
Dass sie zu ihm gehörte.
Doch er biss die Zähne zusammen.
Mit eiserner Disziplin zwang er sich, die kühle Fassade des Vorstandsvorsitzenden wieder aufzusetzen.
„Halb elf.“
Seine Stimme war ruhig.
Leise.
Und dennoch klang sie wie ein unmissverständlicher Befehl.
„Machen Sie mich nicht zur Lügnerin, Frau Meyer.“
Für einen kurzen Moment huschte ein kaum sichtbares Lächeln über seine Lippen.
„Ich dulde auf dieser Etage keine verpassten Fristen.“
Dann drehte er sich um.
Mit ruhigen Schritten ging er zurück in sein Büro.
Die schweren Glastüren glitten lautlos hinter ihm zu und schlossen sich mit einem gedämpften, luftdichten Klicken.
Freya blieb einen Augenblick regungslos sitzen.
Ihr Blick ruhte auf den geschlossenen Türen.
Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Hände leicht zitterten, während sie die Kante ihres Schreibtisches umklammerte.
Sie holte tief Luft.
Schob die überwältigende Präsenz, die er hinterlassen hatte, mit aller Kraft beiseite.
Und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm.
Freya stand wie erstarrt im flackernden Schein der Wandleuchten des steinernen Korridors. Ihr Atem ging stoßweise und flach. Ihr Blick war starr auf ihre eigenen Hände gerichtet. Das warme, dunkelrote Blut auf ihrer Haut war real. Doch die rasiermesserscharfen Krallen, die noch vor wenigen Sekunden aus ihren Fingerspitzen hervorgeschossen waren, waren verschwunden und vollständig unter ihren sorgfältig gepflegten Nägeln zurückgezogen, als hätte es sie nie gegeben.Auf den kalten Travertinfliesen vor ihr wand sich Anita in entsetzlichen Schmerzen. Die Sicherheitswölfin presste beide Hände fest gegen die rechte Seite ihres Halses, doch zwischen ihren blassen Fingern quoll unaufhörlich Blut hervor und bildete bereits eine dunkle Lache auf dem Boden. Ihr Gesicht war von Schock gezeichnet, ihre Brust hob und senkte sich hektisch, während schwache, wimmernde Atemzüge über ihre Lippen kamen.Freya konnte sich nicht bewegen.Ihr Verstand fühlte sich völlig zerrissen an. Einerseits war da die
Der private Speisepavillon des Küstenanwesens der von Dornstettens war ein Meisterwerk architektonischer Dominanz. Er ragte scheinbar waghalsig über das dunkle Mittelmeer hinaus, während seine raumhohen Glaswände einen atemberaubenden Blick auf das schwarze Meer darunter boten, das nur vom sanften Mondlicht und den fernen Lichtern der Yachten erhellt wurde.Im Inneren war ein polierter Mahagonitisch für vier Personen gedeckt. Makellos gefaltete Leinenservietten, Kristallgläser und schweres Silberbesteck vervollständigten die elegante Tafel.Freya erreichte den Pavillon pünktlich um 18:58 Uhr. Ihre Absätze klackten über den glatten Travertinboden.Liam war bereits da.Er stand an der gläsernen Außenfront und hielt ein Kristallglas mit Scotch locker in seiner großen Hand. Er wirkte imposant in seinem makellosen schwarzen Anzug, der seine breiten Schultern und seine gebieterische Statur noch stärker hervorhob.Als er sich zu Freya umdrehte, verdunkelten sich seine goldgesprenkelten Augen
Die abgedunkelte Limousine glitt über die kurvenreichen Küstenstraßen der französischen Riviera und nahm mühelos die scharfen Kurven, die in die zerklüfteten Klippen geschlagen waren. Tief unter ihnen erstreckte sich das Mittelmeer endlos bis zum Horizont, eine weite Fläche aus tiefem Saphirblau, die unter der Nachmittagssonne glitzerte. Weiße Yachten verteilten sich wie polierte Elfenbeinsplitter auf dem Wasser, während sich die umliegenden Hänge in dramatischen Terrassen aus üppigen Olivenhainen, alten Steinvillen und leuchtend pinkfarbenen Bougainvilleen erhoben.Im Inneren des stillen Wagens hielt Freya den Kopf zum Seitenfenster gedreht. Die schwindelerregende Schönheit der Küste war überwältigend und bildete einen starken Kontrast zu der bedrückenden Stille, die die lederverkleidete Kabine erfüllte.Liam saß neben ihr, seinen langen Körper entspannt gegen den Sitz gelehnt, während sein Daumen über die verschlüsselten Dokumente auf seinem Tablet glitt.Keiner von beiden sprach.D
Liam erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung. Sein Blick glitt über Freya, die am Fuß der großen Treppe stehen geblieben war.Das sanfte Morgenlicht fiel durch die hohen Glasfenster und hob die klaren Linien ihres schwarzen Businesskleides, den gepflegten Glanz ihres streng zurückgebundenen Dutts und die kontrollierte Haltung in ihren dunklen Augen hervor.Einen langen Moment betrachtete er sie einfach nur. Sein Gesichtsausdruck blieb undurchschaubar.Dann schloss er seinen Laptop mit einem leisen Klicken.Ohne ein Wort drehte sich Liam um und ging los.Freya holte ruhig Luft, um sich zu sammeln, nahm ihre lederne Arbeitstasche fester in die Hand und folgte ihm. Bewusst hielt sie zwei Schritte Abstand zwischen ihnen, während sie durch den weitläufigen Korridor gingen.Er führte sie zu den hinteren Glastüren des Anwesens und trat hinaus in die klare, kühle Morgenluft des weitläufigen Gartens.Hinter den makellos gepflegten Rasenflächen erstreckte sich ein privates Rollfeld. Eine Tr
Das Morgenlicht hatte den Vorstadthimmel inzwischen vollständig erhellt und warf lange, blasse Schatten auf die ruhige Wohnstraße vor Lenas Apartmenthaus. Im kleinen Wohnzimmer herrschte noch immer eine angespannte Atmosphäre, erfüllt von einer unausgesprochenen Kapitulation.Nachdem sie zugestimmt hatte, auf die Geschäftsreise mitzukommen, stand Freya mitten im Raum. Ihr Gesichtsausdruck war verschlossen und unbeweglich, während Liam am offenen Eingang wartete wie ein imposanter Schatten.Lena trat zu Freya und schlang die Arme um sie. Sie hielt ihre Freundin lange und fest an sich, vergrub das Gesicht an Freyas Schulter und löste sich erst nach einigen Sekunden weit genug von ihr, um ihr in die Augen zu sehen.„Wenn irgendetwas passiert“, murmelte Lena. Ihre Stimme war ruhig und von absoluter Aufrichtigkeit erfüllt, obwohl der hochgewachsene Milliardär nur wenige Schritte entfernt stand. „Wenn du dich auch nur eine Sekunde unwohl fühlst, ruf mich an. Ich bin nur einen Anruf entfernt
Die Stille, die auf Liams Stimme hinter der schweren Holztür folgte, war vollkommen, erdrückend und beängstigend.Freya saß völlig erstarrt auf dem Samtsofa. Ihr Atem stockte, während ihr Herz wie ein gefangenes Vögelchen gegen ihre Rippen hämmerte. Der Klang seiner tiefen, rauen Stimme – kraftvoll und befehlend und doch von einer unverkennbaren, angespannten Verzweiflung durchzogen – traf sie wie ein körperlicher Schlag.Lena wandte sich von der Eingangstür ab und sah mit weit aufgerissenen Augen zu Freya zurück. Ihr Blick war eindeutig und wortlos zugleich. Sie fragte ihre Freundin stumm, ob sie die Tür öffnen oder sie fest verschlossen halten sollte, um den Mann draußen fernzuhalten.Freya starrte auf den Messinggriff, während ein Sturm widersprüchlicher Gefühle durch ihre Brust tobte. Dann schüttelte sie entschieden den Kopf und formte lautlos die Worte:Nein. Sag ihm, dass ich ihn nicht sehen will.Lena richtete die Schultern auf und wandte sich wieder der schweren Holztür zu. Si







