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Perspektive: Biancas Sicht
„Drei wunderschöne Jahre, meine Damen und Herren. Auf meine Frau Bianca."
Joshes Stimme hallte durch den glitzernden Ballsaal wie Honig, der über zerbrochenes Glas gegossen wurde. Er hatte dieses süße Lächeln im Gesicht: Gott, dieses Lächeln. Das, in das ich mich verliebt hatte und das mir das Gefühl gegeben hatte, die einzige Frau auf der Welt zu sein. Ich stand neben ihm in meinem smaragdgrünen Seidenkleid, klatschte mit der Menge und ließ mich von den Kamerablitzen blenden, die den Raum in Weiß tauchten. Seine Hand lag warm auf meinem unteren Rücken, und für eine dumme, hoffnungsvolle Sekunde ließ ich mich darauf ein, zu glauben, dass diese Nacht alles wieder in Ordnung bringen würde. Das kalte Schweigen, das leere Bett, die Art, wie er aufgehört hatte, mich anzusehen, als wäre ich wichtig.
Ich drückte seinen Arm. „Du warst in letzter Zeit so distanziert", flüsterte ich ihm ins Ohr, das Herz peinlich voll. „Aber ich wusste, dass wir das durchstehen. Alles Gute zum Jahrestag, mein Schatz."
Ich strich mir das kastanienbraune Haar glatt und suchte in seinem Gesicht nach etwas. Wärme, Wiedererkennung, irgendetwas – doch er drehte den Kopf nicht und blinzelte nicht. Er behielt das Lächeln einfach für die Reporter bei, als hätte ich kein einziges Wort gesagt. Seit Monaten war er unerreichbar gewesen, aber heute Abend sollte sich das ändern. Heute Abend sollte etwas bedeuten.
Der Ballsaal summte um uns herum, roch nach Champagner und gebratener Ente. Kristallleuchter warfen gebrochenes Licht über die mächtigsten Gesichter Chicagos.
Josh trat ans Mikrofon.
„Aber lasst uns heute Abend ehrlich sein."
Der Raum erstarrte. Diese besondere Stille, die nach Blut riecht, bevor überhaupt jemand verletzt wurde.
„Eine Ehe ist nicht immer einfach." Er hob einen dicken weißen Umschlag von einem silbernen Tablett, das ein Kellner aus dem Nichts gereicht hatte, und hielt ihn mir hin wie ein Geschenk, als sollte ich dankbar dafür sein. „Manche Leute heucheln, manche bleiben aus Gier, und andere … ziehen weiter."
Wovon zum Teufel redete er? Meine Finger zitterten, als ich ihn nahm und aufriss.
Scheidungspapiere.
Der Boden brach unter mir weg, und meine Sicht verschwamm. Drei Jahre meines Lebens, gefaltet in ordentliche juristische Sprache und mir vor dreihundert Zeugen überreicht, während Kameras jede Sekunde verschlangen.
„Josh." Meine Stimme brach. „Was zum Teufel ist das?"
Er zuckte nicht einmal zusammen. „Bianca und ich sind fertig. Ich habe das Jahr damit verbracht, zu begreifen, wie echte Unterstützung aussieht, und ich bin mit jemandem zusammen, der mich wirklich unterstützt." Er machte eine Pause und wandte sich mir zu. „Sarah, komm her, meine Liebe."
Sarah? Sarah ist wie meine ehemalige beste Freundin. Nein, das konnte nicht sein.
Sarah trat aus der Seite des Raumes und hakte sich bei ihm unter, als hätte sie die Bewegung tausendmal geprobt. Sie sah mich an mit etwas, das fast Mitleid war, und das war schlimmer als Hass. Wenigstens hätte Hass ehrlich gewirkt. Mein Herz fühlte sich schwer an, als hätte jemand einen riesigen Stein darauf gelegt.
Die Kamerablitze explodierten.
„Bianca ist labil", fuhr Josh fort, lauter jetzt, für den Raum. „Geldgierig. Sie hat versucht, meine Firma über die alten Branchenkontakte ihrer Familie zu sabotieren. Ich musste schützen, was mir gehört. Seit fünf Minuten sind alle ihre Konten eingefroren und ihr Name von allem gestrichen." Seine Augen fanden endlich meine, kalt und flach wie Januar-Beton. „Sicherheit, bringt sie raus."
Bevor ich seine Worte verarbeiten konnte, tauchten zwei Sicherheitsleute an meinen Seiten auf und packten meine Ellbogen. Ihre Griffe waren eisern, unpersönlich, als wäre ich bereits niemand.
„Nein, das könnt ihr mir nicht antun … Josh … mein Schatz, bitte, können wir das nicht in Ordnung bringen?" Meine Stimme brach, während ich versuchte, nach Josh zu greifen.
„Ich sagte: Bringt sie raus!" Josh sprach diesmal härter, und die Wachen zerrten mich hinaus.
Die betroffene Stille der Menge gerann zu Flüstern, und das Flüstern gerann zu Gelächter.
„Armes Ding, hat wirklich gedacht, sie wäre die Königin", murmelte eine Frau hinter mir.
Etwas in meiner Brust brach glatt durch.
Die Erinnerungen trafen mich ohne Vorwarnung, scharf wie ein Schlag unter den Kronleuchtern. Vor drei Jahren hatte ich eine Logistikkarriere hinter mir gelassen, die ich mir mit Blut und Schweiß aufgebaut hatte, weil Josh mich gebraucht hatte. „Wir sind ein Team, Bee. Lass uns zusammen unser Imperium aufbauen", hatte er gesagt und mein Gesicht gehalten, als wäre ich etwas Kostbares. Ich hatte ihm geglaubt, so wie man an Dinge glaubt, bevor die Welt einen eines Besseren belehrt. Als McAfee Logistics anfing, Geld zu verlieren, unterschrieb ich ohne zu zögern die letzten Schiffsanteile meiner Familie. Schüttete jeden Cent, jede späte Nacht, jede Unze von mir in seinen Traum. Ich saß allein in unserem riesigen, stillen Haus und redete mir ein, seine Kälte sei Stress. Dass die Designer-Kleidung und die schwarzen Kreditkarten seine Version von Liebe seien. Dass ich nur geduldig sein müsse – und ich war so unverzeihlich geduldig gewesen.
Meine Karriere. Das Erbe meiner Familie. Drei Jahre Einsamkeit, die ich als Hingabe verkleidet hatte, und Opfer, von denen ich mich überzeugt hatte, dass sie Liebe seien – alles mir ins Gesicht geworfen wie Müll an unserem Jahrestag, vor allen, die in dieser Stadt jemand waren. Er hatte nicht nur geplant, mich zu verlassen. Er hatte geplant, mich zu begraben.
Die Wachen zerrten mich zum Seiteneingang. Meine Absätze stolperten und klickten auf dem Marmor wie ein Countdown. Das smaragdgrüne Kleid, das vor zwei Stunden wie eine Rüstung gefühlt hatte, fühlte sich jetzt wie ein Kostüm an, wie ein Witz. Hinter mir stockte die Party kaum. Eis klirrte in Gläsern. Jemand lachte über etwas, das nichts mit mir zu tun hatte, und das war fast das Schlimmste – wie schnell ich zur Kulisse wurde.
Die Seitentüren öffneten sich, und die Nacht schluckte mich ganz.
Kalter Regen prasselte in Strömen herab, sofort und gnadenlos. Er tränkte die Seide in Sekunden, klebte mein Haar flach an mein Gesicht und zog Mascara-Linien über meine Wangen. Die Wachen ließen mich am Bordstein los und traten ohne ein Wort wieder hinein. Ich stand da auf dem Bürgersteig und zitterte vor Kälte oder Wut oder beidem; ich konnte es nicht mehr unterscheiden.
Mein Telefon vibrierte in der Clutch. Ich nahm automatisch ab.
„Bianca, es ist schlimm." Die Stimme meines Anwalts war vorsichtig, als würde er eine Diagnose überbringen. „Er hat das monatelang geplant. Die Konten, die Anteile – es ist fast nichts mehr auf deinem Namen. Wir können kämpfen, aber …"
Ich hörte nicht mehr zu. Durch die regennassen Fenster leuchtete der Ballsaal wie eine Laterne, warm und gleichgültig. Drinnen hob Josh wahrscheinlich schon wieder ein Glas. Sarah hatte wahrscheinlich ihre Hand auf seiner Brust. Alle, die gerade zugesehen hatten, wie man mich ausweidete, redeten bereits über etwas anderes.
Zuerst traf mich der Herzschmerz. Die Art, die einem den Atem raubt und einen fragen lässt, wie man den Raum jemals füllen soll, in dem früher Vertrauen wohnte.
Dann härtete er sich.
Etwas Dunkles und Absichtliches formte sich in meiner Brust, still wie eine sich schließende Faust.
Ich sah zurück zu dem glitzernden Gebäude, zu allem, was es darstellte, allem, was er genommen hatte, allem, von dem er glaubte, er hätte es gewonnen – und ich legte mir selbst ein Versprechen ab.
„Du hast mir alles genommen", sagte ich, während Tränen über mein Gesicht liefen, meine Stimme roh und absolut. „Jetzt werde ich dein verdammtes Imperium dem Erdboden gleichmachen."
Alexanders SichtZwei Tage später wurde der Vertrag real.Ich stand in der Haupthalle meines Anwesens, der schwarze Anzug scharf wie eine Klinge, die Maske fest über dem Gesicht. Bianca stand mir gegenüber in dem weißen Kleid, das mein Team ausgewählt hatte. Es war elegant, kalt und teuer.Der Raum war kalt. Es gab keine Blumen und keine Musik. Nur den Sturm und das Gewicht von Unterschriften, die bereits in Blut getrocknet waren.Bianca sprach ihre Gelübde durch zusammengebissene Zähne, jedes Wort wie Gift herausgepresst, und ich legte meine Gelübde ohne Zögern ab und band sie fester als jede Kette. Ich schob den massiven Diamanten auf ihren Finger, und in dem Moment, in dem er sich setzte, durchfuhr mich ein wilder Anspruch. Meine.Der Richter hetzte den Rest durch und floh mit den Zeugen, als würde der Teufel ihn jagen.Ich reichte ihr eine schwarze Kreditkarte, unsere Finger berührten sich. „Kein Limit. Benutze sie, um die Rolle zu spielen." Dann gab ich ihr das neue Telefon. „Es
Alexanders SichtIch hätte abdrücken sollen.Das war das Protokoll. Nach jeder Regel meiner Welt hätte diese Frau tot sein müssen, in dem Moment, in dem ihr Fuß meinen privaten Boden betrat. Stattdessen stand sie da in billigen, durchnässten Kleidern mit einem wilden Feuer in diesen scharfen haselnussbraunen Augen. Sie sah mich an, als gehörte ihr der verdammte Raum, völlig unbeeindruckt von der Gefahr um sie herum.Ich ließ die goldene Pistole auf dem Schreibtisch ruhen, nah genug, um sie in einer Sekunde zu greifen.„Rede." Meine Stimme sank zu einem tiefen, warnenden Grollen, das normalerweise erwachsene Männer auf die Knie fallen ließ.Sie verschwendete keine Sekunde. Sie sah mir gerade ins Gesicht und legte ihre Karten auf den Tisch.„Ich weiß alles über das letzte Testament Ihres Großvaters", sagte sie. „Sie haben genau einen Monat Zeit, eine respektable Frau von außerhalb Ihrer kriminellen Welt zu heiraten. Wenn Sie es nicht tun, übernehmen Ihre korrupten Cousins alles, was Sie
Biancas SichtIch war dem Rossi-Captain seit vier Stunden gefolgt.Regennass, Kapuze tief ins Gesicht gezogen, einen halben Block Abstand haltend durch Straßen, die nach Abgasen und nassem Asphalt rochen. Mein billiger Canvas-Mantel war vor einer Stunde durchgeweicht, aber das war mir egal. Der USB-Stick in meiner Manteltasche fühlte sich an wie eine scharfe Granate mit bereits gezogenem Stift – Beweise für Deals, die Josh McAfee direkt mit Alexander Rossis Schiffsnetzwerk verbanden. Genug, um beide zu zerstören. Genug, um zu verhandeln, wenn ich nicht zuerst getötet wurde.Der Captain führte mich zu den Docks.Das Lagerhaus saß gedrungen und grau gegen das schwarze Wasser, umgeben von rostenden Containern, die drei hoch gestapelt waren. Eine einzelne Lampe über der Laderampe warf orangefarbenes Licht über den nassen Beton. Ich beobachtete, wie zwei Wachen am Eingang rotierten, dann taktete ich sie und schlüpfte durch eine Seitentür, die nicht richtig verriegelt war. Die Faulheit von
Achtundvierzig Stunden.Das war alles, was es gebraucht hatte, damit mein ganzes Leben zu Schutt wurde.Ich saß am Rand einer klumpigen Motelmatratze. Die Wände waren dünn genug, dass man das Paar nebenan über Zigaretten streiten hörte. Der Teppich hatte eine Farbe, die einst beige gewesen sein könnte, Jahrzehnte zuvor, bevor Verzweiflung sich in jede Faser gefressen hatte. Hier war Bianca McAfee – nein, Bianca Steele – gelandet.Meine Designer-Kleider lagen über dem Boden verstreut wie abgeworfene Haut. Ich hatte den Morgen in einem Pfandhaus drei Blocks weiter verbracht und sie an einen Mann mit ölverschmierten Fingern verkauft, der mich so ansah, wie man Verzweiflung ansieht. Hungrig und gemächlich, wissend, dass man keinen Hebel hat. Er hatte mir sechzig Dollar für ein Kleid gegeben, das viertausend gekostet hatte. Ich hatte es ohne Widerspruch genommen. Das smaragdgrüne Kleid vom Jahrestag lag zerknüllt in der Ecke, wohin ich es geworfen hatte, und trug immer noch schwach den Ger
Perspektive: Biancas Sicht„Drei wunderschöne Jahre, meine Damen und Herren. Auf meine Frau Bianca."Joshes Stimme hallte durch den glitzernden Ballsaal wie Honig, der über zerbrochenes Glas gegossen wurde. Er hatte dieses süße Lächeln im Gesicht: Gott, dieses Lächeln. Das, in das ich mich verliebt hatte und das mir das Gefühl gegeben hatte, die einzige Frau auf der Welt zu sein. Ich stand neben ihm in meinem smaragdgrünen Seidenkleid, klatschte mit der Menge und ließ mich von den Kamerablitzen blenden, die den Raum in Weiß tauchten. Seine Hand lag warm auf meinem unteren Rücken, und für eine dumme, hoffnungsvolle Sekunde ließ ich mich darauf ein, zu glauben, dass diese Nacht alles wieder in Ordnung bringen würde. Das kalte Schweigen, das leere Bett, die Art, wie er aufgehört hatte, mich anzusehen, als wäre ich wichtig.Ich drückte seinen Arm. „Du warst in letzter Zeit so distanziert", flüsterte ich ihm ins Ohr, das Herz peinlich voll. „Aber ich wusste, dass wir das durchstehen. Alles







