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Kapitel 3: Der Teufelspakt

Author: Stephanie
last update publish date: 2026-10-21 06:37:45

Biancas Sicht

Ich war dem Rossi-Captain seit vier Stunden gefolgt.

Regennass, Kapuze tief ins Gesicht gezogen, einen halben Block Abstand haltend durch Straßen, die nach Abgasen und nassem Asphalt rochen. Mein billiger Canvas-Mantel war vor einer Stunde durchgeweicht, aber das war mir egal. Der USB-Stick in meiner Manteltasche fühlte sich an wie eine scharfe Granate mit bereits gezogenem Stift – Beweise für Deals, die Josh McAfee direkt mit Alexander Rossis Schiffsnetzwerk verbanden. Genug, um beide zu zerstören. Genug, um zu verhandeln, wenn ich nicht zuerst getötet wurde.

Der Captain führte mich zu den Docks.

Das Lagerhaus saß gedrungen und grau gegen das schwarze Wasser, umgeben von rostenden Containern, die drei hoch gestapelt waren. Eine einzelne Lampe über der Laderampe warf orangefarbenes Licht über den nassen Beton. Ich beobachtete, wie zwei Wachen am Eingang rotierten, dann taktete ich sie und schlüpfte durch eine Seitentür, die nicht richtig verriegelt war. Die Faulheit von jemandem war mein Glück.

Drinnen war die Luft dick. Sie roch nach Salz, Maschinenöl und dem abgestandenen Geist von tausend Zigaretten, die gegen Vorschriften geraucht worden waren. Ich bewegte mich an der Wand entlang, kauerte hinter Türmen aus Kisten, hatte mein Telefon draußen und filmte. Ihre Stimmen trugen leise durch den dunklen Raum. Sie sprachen über Routen, Abholzeiten, eine Lieferung, die nach Norden durch Kanäle lief, die offiziell nicht existierten. Jedes Wort bestätigte, was ich auf der Festplatte gefunden hatte.

Dann hörte ich es. Einen Satz, der zwischen zwei Männern ausgetauscht wurde, als wäre er nichts.

Boss Alexander ist heute Nacht allein im Penthouse. Hat uns gesagt, bis morgen klarzukommen.

Ich lächelte. Genau das war es, wofür ich gekommen war. Sein Aufenthaltsort. Ich war gerade im Begriff zu gehen, als das Bodenbrett unter meinem Fuß schrie.

Mein Herz setzte aus.

Jeder Kopf im Lagerhaus drehte sich gleichzeitig zu mir. Taschenlampenstrahlen schnitten durch die Dunkelheit und konvergierten. Und für eine stillstehende Sekunde bewegte sich niemand.

Dann schrie jemand. Eindringling.

Ich rannte. Verdammt schnell.

Schwere Stiefel donnerten hinter mir, schneller als erwartet, und sie vermehrten sich. Ich rannte zwischen Schiffscontainern, schnitt scharfe Winkel, nutzte das Labyrinth aus gestapeltem Metall so, wie ich früher Lagerlogistik auf dem Papier navigiert hatte – außer dass jetzt jede falsche Abbiegung bedeutete, dass Hände nach mir griffen.

Plötzlich hörte ich einen Schuss, der mich im geschlossenen Raum taub machte. Die Kugel flog an meinem rechten Ohr vorbei und traf den Container direkt vor mir mit einem Geräusch wie ein Hammer auf einen Amboss. Der Aufprall hallte durch meinen Schädel.

Weiterlaufen! Nicht stehen bleiben! Nicht denken! sagte ich mir.

Meine Lungen brannten. Regen und Schweiß verwischten meine Sicht. BOOM! Noch ein Schuss, diesmal näher. Ich warf mich links um eine Ecke und rutschte beinahe auf dem nassen Beton aus, fing mich aber mit einer Hand und rannte weiter. Die Ausgangslücke, die ich auf dem Hinweg entdeckt hatte, war da, zehn Meter voraus. Ich rannte mit der Schulter voran gegen die Seitentür und platzte wie etwas Ausgestoßenes in die Gasse.

Ich rannte noch drei Blocks, bevor meine Beine nachgaben.

Ich sackte gegen eine Ziegelmauer, die Brust hechelnd; Regen prasselte über mich. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich mein Telefon kaum halten konnte. Die Aufnahme hatte überlebt. Und etwas anderes – ich sah auf meine geballte Faust und öffnete sie langsam.

Eine Keycard. Schwarz. Mit einem kleinen silbernen R geprägt.

Ich muss sie im Chaos gegriffen haben, ohne es zu registrieren. Mein Gehirn arbeitete schneller als meine Angst. Auf der Rückseite, schwach in die Oberfläche gekratzt wie eine private Erinnerung: P– 4491.

Es war ein Code.

Ich stand lange in dieser Gasse und starrte auf die Karte, während der Regen auf meine Schultern prasselte. Jeder rationale Instinkt, der mir noch geblieben war, sagte mir, wegzugehen. Einen anderen Winkel zu finden. Einen weiteren Tag zu überleben.

Aber zweiundvierzig Dollar und ein Vater im Krankenhausbett hatten eine Art Rationalität, die wie ein Luxus wirkte, den ich mir nicht leisten konnte.

Um 2 Uhr morgens stand ich gegenüber dem Rossi Tower.

Vierzig Stockwerke aus schwarzem Glas und Stahl, die Art von Gebäude, die seine eigene Macht nicht ankündigen musste. Die Lobby-Lichter brannten kalt und weiß. Zwei Wachen am Haupteingang. Eine Kamera über der Seitenservice-Tür, so ausgerichtet, dass sie den gesamten Zugang erfasste.

Ich holte den Signalstörer heraus, den ich für dreißig Dollar an einem Elektronikstand gekauft hatte, der keine Fragen stellte. Billig und möglicherweise unzuverlässig, aber ich versuchte es trotzdem. Ich richtete ihn auf die Kamera und drückte den Knopf. Ich sah das rote Anzeigelicht erlöschen, dann überquerte ich die Straße, bevor ich mich selbst ausreden konnte. Die Wachen rotierten beim Schichtwechsel, also hatte ich ein neunzigsekündiges Fenster. Ich hatte es zweimal von gegenüber gezählt.

Ich schaffte es mit vier Sekunden Vorsprung hinein.

Der private Aufzug akzeptierte die Keycard ohne Zögern, und die Türen schlossen sich. Die Zahlen kletterten in einer Stille so vollkommen, dass ich meinen eigenen Puls in den Ohren hören konnte. Vierzig Stockwerke. Vierzig Stockwerke, um zu entscheiden, ob ich dumm war oder einfach nichts mehr zu verlieren hatte. Ich war mir nicht sicher, ob es einen Unterschied gab.

Die Türen öffneten sich in Dunkelheit.

Ein weites Büro materialisierte sich langsam, als sich meine Augen anpassten. Mondlicht fiel durch die bodentiefen Fenster über Ledermöbel, dunkles Holz und eine Wand, von der ich nicht erwartet hatte, dass sie antike Waffen trug – montiert und mit der sorgfältigen Präzision angeordnet, die jemand besaß, der sie für Kunst hielt. Alte Gewehre und Klingen. Eine Sammlung, die Macht leiser und effektiver aussprach als alles, was man einfach kaufen konnte.

Sobald mein Fuß den Teppich berührte, drückte kaltes Metall gegen den Hinterkopf.

„Die meisten Leute, die hier reinschleichen", sagte eine Stimme direkt hinter mir, tief und unbeeilt wie die eines Mannes, der seine Stimme nie hatte heben müssen, „gehen in Stücken."

Alles in meinem Körper schrie. Meine Sicht wurde an den Rändern weiß. Aber ich bewegte mich nicht.

Alexander Rossi trat langsam um mich herum, hielt die Waffe eben, als wäre ich etwas mild Interessantes, das er auf seinem Boden gefunden hatte. Er war größer, als die Fotos vermuten ließen, breiter, dunkler, die Art physischer Präsenz, die die Luft in einem Raum neu ordnete. Die silbern-schwarze Maske fing das Mondlicht. Darüber bewegten sich sturmgraue Augen über mich mit der ruhigen, methodischen Einschätzung von jemandem, der Wahrscheinlichkeiten berechnete, statt Emotionen zu empfinden.

Er vollendete seinen Kreis und blieb vor mir stehen.

„Drei Sekunden", sagte er. „Warum sollte ich meinen Boden nicht mit deinem Blut bemalen?"

Mein Herz fühlte sich hinter meinen Rippen gefangen. Angst schrie mich an, einzuknicken, mich zu entschuldigen, mich klein zu machen. Stattdessen stieg etwas anderes unter dem Terror auf. Es war kalt, wütend und unzerbrechlich. Der Teil von mir, der die letzten achtundvierzig Stunden überlebt hatte. Der Teil, den Josh völlig falsch eingeschätzt hatte.

Ich traf seine Augen, ohne zu blinzeln.

„Ihre Männer sind überbezahlte Idioten, wenn ich hier allein und unbewacht reinkommen könnte. Meine Meinung? Sie sollten sie alle feuern."

Ich bereute das sofort. Warum zum Teufel hatte ich das gerade gesagt?

Stille fiel wie eine dritte Anwesenheit im Raum.

Sein Kopf neigte sich kaum wahrnehmbar. Die Waffe bewegte sich nicht.

„Ist das so?"

Ich brachte keine Antwort über die Lippen. Dann sagte er:

„Warum hast du den Tod riskiert, um hierherzukommen?"

Ich hob das Kinn. „Ich bin nicht hier, um um mein Leben zu betteln." Ich griff langsam in meine Manteltasche und hielt den USB-Stick zwischen zwei Fingern hoch. „Ich bin hier, um Ihnen ein Angebot zu machen, das Sie nicht ablehnen können."

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