Se connecterAlexanders Sicht
Ich hätte abdrücken sollen.
Das war das Protokoll. Nach jeder Regel meiner Welt hätte diese Frau tot sein müssen, in dem Moment, in dem ihr Fuß meinen privaten Boden betrat. Stattdessen stand sie da in billigen, durchnässten Kleidern mit einem wilden Feuer in diesen scharfen haselnussbraunen Augen. Sie sah mich an, als gehörte ihr der verdammte Raum, völlig unbeeindruckt von der Gefahr um sie herum.
Ich ließ die goldene Pistole auf dem Schreibtisch ruhen, nah genug, um sie in einer Sekunde zu greifen.
„Rede." Meine Stimme sank zu einem tiefen, warnenden Grollen, das normalerweise erwachsene Männer auf die Knie fallen ließ.
Sie verschwendete keine Sekunde. Sie sah mir gerade ins Gesicht und legte ihre Karten auf den Tisch.
„Ich weiß alles über das letzte Testament Ihres Großvaters", sagte sie. „Sie haben genau einen Monat Zeit, eine respektable Frau von außerhalb Ihrer kriminellen Welt zu heiraten. Wenn Sie es nicht tun, übernehmen Ihre korrupten Cousins alles, was Sie aufgebaut haben. Das ganze multi-milliardenschwere Imperium, die legalen Unternehmensgeschäfte und … die dunkle Seite."
Ich lehnte mich zurück und musterte sie. Niemand redet so mit mir. Die meisten bettelten oder schwiegen, aber sie machte einfach weiter.
Die Art, wie sie sprach, sagte mir, dass sie mit einer Präzision recherchiert haben musste, die bedeutete, dass das kein Impuls war. Sie hatte das geplant, was sie entweder brillant oder verzweifelt genug machte, um dumm zu sein.
„Und?" fragte ich.
„Ich biete Ihnen eine strenge Einjahres-Vertrags-Ehe an", erklärte sie und trat ein paar Zentimeter näher an den Tisch. „Ich spiele in der Öffentlichkeit die perfekte Ehefrau. Sie erfüllen das Testament, sichern Ihr Erbe und neutralisieren den Anspruch Ihrer Cousins. Im Gegenzug geben Sie mir die Ressourcen – Geld, Anwälte, Männer –, um Josh McAfee zu demontieren." Sie machte eine Pause. „Vollständig."
Ich spürte einen dunklen Funken in meiner Brust aufflackern. Kühn, rücksichtslos und gefährlich.
„Josh McAfee, hm?" murmelte ich, und ein kaltes Lächeln zerrte an meinen Lippen hinter der Maske. „Also bist du die goldgräberische Ex-Frau, über die die Zeitungen nicht aufhören zu reden."
Ich sagte es absichtlich, um sie zu reizen, um zu sehen, ob ich ihre ruhige Oberfläche knacken konnte, aber sie zuckte nicht zusammen. „Ich bin keine Goldgräberin. Dieser Bastard hat mich reingelegt, die Schiffsanteile meiner Familie gestohlen und mich mit nichts rausgeschmissen. Alles, was ich will, ist zurückzubekommen, was mir gehört."
„Das ist fair." Ich nickte langsam. „Und du nennst dich?" fragte ich.
„Bianca Steele."
„Hmmm. Also, was lässt dich glauben, dass ich auf diesen Deal eingehen werde, Bianca Steele?" Ich fixierte ihre Augen hinter den Ausschnitten der Maske.
Sie sah keinen Moment weg. „Weil McAfee seit drei Jahren Fracht durch Ihre Docks laufen lässt und die Marge abschöpft." Ihre Stimme wankte nicht. „Sie wissen es. Sie hatten nur nie saubere genug Beweise, um gegen ihn vorzugehen, ohne dass die Enthüllung auf Sie zurückschlägt. Jetzt haben Sie sie."
Ich neigte den Kopf und beobachtete, wie das Mondlicht ihre blasse Haut traf. Sie war klug. Das musste ich zugeben.
Ich stand langsam auf und umrundete den Schreibtisch. Sie wich nicht zurück, trat vielmehr näher, um ihren Punkt zu machen. Mein ganzer Körper zuckte hart, bevor ich mich stoppen konnte. Sie war zu nah an meiner linken Seite. Die tiefen Narben unter der Maske brannten plötzlich mit einem Blitz der Erinnerung. Ich sah das kalte Gesicht meiner Mutter. Ich spürte den schrecklichen Schmerz der Verlassenheit. Das alte Trauma flackerte auf, und ich musste meine Muskeln zwingen, vollkommen still zu bleiben.
„Vorsichtig jetzt, kleines Täubchen", warnte ich; meine Stimme wurde tief und tödlich.
Sie bemerkte es, lief aber nicht. Gut.
Ich verschränkte die Arme. „Aber … da ist mehr am Testament als nur die Ehe. Mein Großvater hat eine zweite Klausel hinzugefügt. Die Frau, die ich heirate, muss mir einen Erben schenken. Innerhalb des ersten Jahres. Kein Erbe, keine volle Kontrolle über das Imperium. Meine Cousins können dann immer noch alles anfechten."
Biancas Augen weiteten sich für einen Bruchteil einer Sekunde, dann schärften sie sich. Sie sah nicht weg. „Dann erledigen wir das auch. Sie bekommen drei Nächte unter der Woche. Wochenenden ebenfalls. Wir machen das Baby. Keine Ausreden."
Verdammt.
Die Worte trafen mich tief im Bauch. Der Gedanke an sie unter mir, Nacht für Nacht, bis mein Kind in ihr wuchs – das rührte etwas Rohes und Besitzergreifendes an, auf das ich nicht vorbereitet war.
Ich trat näher, ragte über sie. „Du würdest für einen Fremden die Beine spreizen, nur um Rache zu bekommen?"
Sie hob das Kinn. „Um ein Monster zu töten, brauche ich ein größeres – also werde ich tun, was nötig ist."
Ein dunkles Grinsen zerrte an meinem Mund. Ich mochte ihr Feuer zu sehr. Diese Frau war unglaublich kühn. Sie war rücksichtslos, verzweifelt und bereits ganz und gar meine, auch wenn sie es noch nicht wusste.
„Hier sind die Regeln. Keine Gefühle. Das ist streng ein Geschäftsabkommen. In der Öffentlichkeit gehorchst du jedem meiner Befehle ohne Frage. Du wirst absolut keinen Kontakt zu deinem alten Leben haben. Keine alten Freunde. Kein Familiendrama, das dich ablenkt. Ich erwarte totale, absolute Loyalität zum Namen Rossi. Wenn du auch nur eine einzige Regel brichst, stirbt der Deal sofort. Und merke dir das, Bianca: Sobald du meine bist, gibt es kein Weglaufen mehr vor mir. Niemals. Bis ich es sage."
Bianca hörte jedes einzelne Wort, ihre Augen verließen meine nie. Ich konnte den Wunsch nach Rache tief in ihrer Seele brennen sehen. Es war sonnenklar. Sie wollte Josh zerstört sehen, weit mehr, als sie fürchtete, was ich ihr antun konnte.
„Ich stimme zu", sagte sie ohne eine Sekunde Zögern.
Ich zog den Vertrag aus der Schublade. Meine Anwälte hatten ihn vorbereitet, seit das Testament meines Großvaters verlesen worden war, für Fälle wie diesen. Ich sah zu, wie sie jede Zeile sorgfältig las, einschließlich der neuen Erben-Klausel, die ich hatte hinzufügen lassen. Sie stockte an dieser Stelle, atmete langsam aus, dann unterschrieb sie mit fester Hand.
Als die Tinte trocknete, verdunkelten sich meine grauen Augen. Diese scharfzüngige Frau hatte sich gerade dem Teufel übergeben. Körper. Name. Zukünftiges Kind. Alles.
Ich lehnte mich gegen den Schreibtisch, meine Maske glänzte unter dem gedämpften Licht. Regen peitschte gegen die Fenster draußen.
„Willkommen im Rossi-Imperium … Frau."
Alexanders SichtZwei Tage später wurde der Vertrag real.Ich stand in der Haupthalle meines Anwesens, der schwarze Anzug scharf wie eine Klinge, die Maske fest über dem Gesicht. Bianca stand mir gegenüber in dem weißen Kleid, das mein Team ausgewählt hatte. Es war elegant, kalt und teuer.Der Raum war kalt. Es gab keine Blumen und keine Musik. Nur den Sturm und das Gewicht von Unterschriften, die bereits in Blut getrocknet waren.Bianca sprach ihre Gelübde durch zusammengebissene Zähne, jedes Wort wie Gift herausgepresst, und ich legte meine Gelübde ohne Zögern ab und band sie fester als jede Kette. Ich schob den massiven Diamanten auf ihren Finger, und in dem Moment, in dem er sich setzte, durchfuhr mich ein wilder Anspruch. Meine.Der Richter hetzte den Rest durch und floh mit den Zeugen, als würde der Teufel ihn jagen.Ich reichte ihr eine schwarze Kreditkarte, unsere Finger berührten sich. „Kein Limit. Benutze sie, um die Rolle zu spielen." Dann gab ich ihr das neue Telefon. „Es
Alexanders SichtIch hätte abdrücken sollen.Das war das Protokoll. Nach jeder Regel meiner Welt hätte diese Frau tot sein müssen, in dem Moment, in dem ihr Fuß meinen privaten Boden betrat. Stattdessen stand sie da in billigen, durchnässten Kleidern mit einem wilden Feuer in diesen scharfen haselnussbraunen Augen. Sie sah mich an, als gehörte ihr der verdammte Raum, völlig unbeeindruckt von der Gefahr um sie herum.Ich ließ die goldene Pistole auf dem Schreibtisch ruhen, nah genug, um sie in einer Sekunde zu greifen.„Rede." Meine Stimme sank zu einem tiefen, warnenden Grollen, das normalerweise erwachsene Männer auf die Knie fallen ließ.Sie verschwendete keine Sekunde. Sie sah mir gerade ins Gesicht und legte ihre Karten auf den Tisch.„Ich weiß alles über das letzte Testament Ihres Großvaters", sagte sie. „Sie haben genau einen Monat Zeit, eine respektable Frau von außerhalb Ihrer kriminellen Welt zu heiraten. Wenn Sie es nicht tun, übernehmen Ihre korrupten Cousins alles, was Sie
Biancas SichtIch war dem Rossi-Captain seit vier Stunden gefolgt.Regennass, Kapuze tief ins Gesicht gezogen, einen halben Block Abstand haltend durch Straßen, die nach Abgasen und nassem Asphalt rochen. Mein billiger Canvas-Mantel war vor einer Stunde durchgeweicht, aber das war mir egal. Der USB-Stick in meiner Manteltasche fühlte sich an wie eine scharfe Granate mit bereits gezogenem Stift – Beweise für Deals, die Josh McAfee direkt mit Alexander Rossis Schiffsnetzwerk verbanden. Genug, um beide zu zerstören. Genug, um zu verhandeln, wenn ich nicht zuerst getötet wurde.Der Captain führte mich zu den Docks.Das Lagerhaus saß gedrungen und grau gegen das schwarze Wasser, umgeben von rostenden Containern, die drei hoch gestapelt waren. Eine einzelne Lampe über der Laderampe warf orangefarbenes Licht über den nassen Beton. Ich beobachtete, wie zwei Wachen am Eingang rotierten, dann taktete ich sie und schlüpfte durch eine Seitentür, die nicht richtig verriegelt war. Die Faulheit von
Achtundvierzig Stunden.Das war alles, was es gebraucht hatte, damit mein ganzes Leben zu Schutt wurde.Ich saß am Rand einer klumpigen Motelmatratze. Die Wände waren dünn genug, dass man das Paar nebenan über Zigaretten streiten hörte. Der Teppich hatte eine Farbe, die einst beige gewesen sein könnte, Jahrzehnte zuvor, bevor Verzweiflung sich in jede Faser gefressen hatte. Hier war Bianca McAfee – nein, Bianca Steele – gelandet.Meine Designer-Kleider lagen über dem Boden verstreut wie abgeworfene Haut. Ich hatte den Morgen in einem Pfandhaus drei Blocks weiter verbracht und sie an einen Mann mit ölverschmierten Fingern verkauft, der mich so ansah, wie man Verzweiflung ansieht. Hungrig und gemächlich, wissend, dass man keinen Hebel hat. Er hatte mir sechzig Dollar für ein Kleid gegeben, das viertausend gekostet hatte. Ich hatte es ohne Widerspruch genommen. Das smaragdgrüne Kleid vom Jahrestag lag zerknüllt in der Ecke, wohin ich es geworfen hatte, und trug immer noch schwach den Ger
Perspektive: Biancas Sicht„Drei wunderschöne Jahre, meine Damen und Herren. Auf meine Frau Bianca."Joshes Stimme hallte durch den glitzernden Ballsaal wie Honig, der über zerbrochenes Glas gegossen wurde. Er hatte dieses süße Lächeln im Gesicht: Gott, dieses Lächeln. Das, in das ich mich verliebt hatte und das mir das Gefühl gegeben hatte, die einzige Frau auf der Welt zu sein. Ich stand neben ihm in meinem smaragdgrünen Seidenkleid, klatschte mit der Menge und ließ mich von den Kamerablitzen blenden, die den Raum in Weiß tauchten. Seine Hand lag warm auf meinem unteren Rücken, und für eine dumme, hoffnungsvolle Sekunde ließ ich mich darauf ein, zu glauben, dass diese Nacht alles wieder in Ordnung bringen würde. Das kalte Schweigen, das leere Bett, die Art, wie er aufgehört hatte, mich anzusehen, als wäre ich wichtig.Ich drückte seinen Arm. „Du warst in letzter Zeit so distanziert", flüsterte ich ihm ins Ohr, das Herz peinlich voll. „Aber ich wusste, dass wir das durchstehen. Alles







