Mag-log inAurora scheint verstanden zu haben, warum Chloé gerade geseufzt hat. Sie erklärt nichts weiter, sondern lächelt nur leicht.
Ihre Ehe mit Julien ist nichts weiter als ein gegenseitiger Austausch. Sie hat kein Recht, Fragen über sein Privatleben zu stellen. In seiner Abwesenheit fühlt sie sich endlich etwas entspannter. Als Aurora das Schlafzimmer betritt, erkennt sie sofort den Stil des Raumes: Schwarz und Weiß dominieren die Einrichtung. Alles wirkt schlicht, aber elegant — luxuriös, ohne protzig zu sein. — Das ist das Schlafzimmer von Herrn Beaumont, sagt Chloé lächelnd. Da sie verheiratet sind, sind sie nun Mann und Frau. Natürlich müssen sie zusammen wohnen. Aurora öffnet den Mund, findet aber keine passenden Worte. Deshalb nickt sie einfach zustimmend. Es ist ihre erste Nacht an diesem fremden Ort. Sie sitzt auf dem Bett und durchsucht auf Leboncoin verschiedene Stellenanzeigen, um Arbeit zu finden. Ein Job würde ihr ermöglichen, sich einzuleben, sich um ihre Mutter zu kümmern und dem Baby in ihrem Bauch eine Zukunft zu geben. Plötzlich entdeckt sie etwas. Überrascht sieht Aurora eine Anzeige für einen Übersetzerjob. Übersetzerstellen sind zwar nichts Besonderes, doch diese Anzeige sucht ausdrücklich jemanden mit guten Englischkenntnissen. Das Land, in das Gautier sie geschickt hatte, war ein wenig entwickeltes tropisches Land. Dort lernten nur wenige Menschen Englisch, weil die weltweit verbreiteten Sprachen meistens aus mächtigen und entwickelten Ländern stammen. Das Gehalt ist gar nicht schlecht. Also schickt sie ihren Lebenslauf ab. Danach legt sie ihr Handy weg und geht schlafen. Das Mondlicht fällt wie glatte, zarte Seide durch das Fenster. Die Nacht ist ruhig und still. Die Frau im Bett schläft langsam ein. Von draußen fällt plötzlich ein weißer Lichtschein in den Hof. Kurz darauf fährt ein Maybach vor und hält an. Die Tür öffnet sich und ein großer Mann steigt aus dem Wagen. Als er das Haus betritt, schwankt er leicht und geht ungewohnt unsicher. Er zieht an seinem Kragen. Sein Mund ist trocken. Nachdem er das Schlafzimmer betreten hat, gießt er sich ein Glas Wasser ein. Sein markanter Adamsapfel bewegt sich bei jedem Schluck. Wegen des Alkohols sind seine tiefen Augen leicht gerötet. Erst nachdem er das Glas geleert hat, fühlt er sich etwas besser. Beim Geschäftsessen hatte er viel Schnaps getrunken und später noch einige Gläser Rotwein auf Leilas Geburtstag. Selbst für jemanden mit guter Alkoholverträglichkeit ist er ziemlich betrunken. Er zieht seine Jacke aus, wirft sie auf das Sofa und geht direkt ins Schlafzimmer, ohne vorher ins Bad zu gehen. Das Zimmer ist dunkel. Doch er kennt den Weg zum Bett genau. Ohne zu zögern legt er sich hin. Im Schlaf hört Aurora ein Geräusch. Doch kurz darauf wird es wieder still. Sie rollt sich zusammen und schläft weiter. Am frühen Morgen. Goldene Sonnenstrahlen erhellen das Schlafzimmer. Beide schlafen noch tief. Sie sehen aus wie ein verliebtes Paar. Die Wimpern des Mannes zucken leicht. Langsam öffnet er die Augen. Wegen des Katers schmerzt sein Kopf. Er braucht dringend eine Dusche, um wieder klar zu werden. Als er den Arm hebt, spürt er plötzlich etwas. Er dreht den Kopf und sieht eine Frau in seinen Armen liegen. Das schwarze Haar des Mädchens ist weich und glänzend und liegt über seinem Arm verstreut. Ihre Haut ist hell, ihre Wimpern geschwungen wie Schmetterlingsflügel. Ihre rosigen Lippen sind leicht geöffnet, ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Langsam lässt er seinen Blick über sie wandern — über ihren schmalen Hals und ihre feinen Schlüsselbeine. Beim Klang ihres Atems wirkt sie auf einmal seltsam verführerisch. Unbewusst schluckt er. Ein Verlangen steigt in ihm auf, das er selbst bei Leila nie verspürt hat. Er runzelt die Stirn, als wäre er unzufrieden mit dieser unkontrollierbaren Reaktion seines Körpers. Trotzdem kann er den Blick nicht von ihr abwenden. In ihrem Traum befindet sich Aurora in der afrikanischen Savanne. Ein wilder Löwe starrt sie direkt an, als wolle er sie verschlingen. Erschrocken fährt sie hoch. Doch als sie die Augen öffnet, blickt sie direkt in tiefe Augen voller erzwungener Ruhe. Einen Moment lang ist sie verwirrt. Dann reißt sie plötzlich die Augen auf, zieht die Decke an ihre Brust und fragt panisch: — Du … Warum bist du hier? Der Mann wendet ruhig den Blick ab und hebt langsam die Decke an. — Das ist mein Zuhause. Aurora will etwas erwidern, verstummt jedoch, als sie sich im Zimmer umsieht. — Warst du nicht auf dem Geburtstag deiner Freundin? Warum bist du zurückgekommen? Sie steigt aus dem Bett und bleibt daneben stehen. Ihr Ton klingt vorwurfsvoll. Nachdem Chloé ihr gestern gesagt hatte, dass Julien wahrscheinlich nicht zurückkommen würde, hatte sie ihre Vorsicht verloren und tief geschlafen. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass er ins Zimmer gekommen war. Tatsächlich hatte sie die ganze Nacht mit diesem Mann im selben Bett geschlafen. Als sie daran denkt, dass sie letzte Nacht sogar in seinen Armen geschlafen hat, wird sie knallrot. Schnell senkt sie den Kopf. Julien öffnet die Knöpfe seines Hemdes, das er gestern Nacht nicht einmal ausgezogen hat. Es riecht noch nach Alkohol, ist zerknittert und klebt unangenehm an seiner Haut. Während er die verwirrte Frau neben dem Bett betrachtet, zieht sich ein spöttisches Lächeln über seine Lippen. — Ist der Geburtstag meiner Freundin wichtiger als unsere Hochzeitsnacht? Aurora weiß nicht, was sie darauf antworten soll. Das hier ist doch nur ein Deal. Sie sind kein echtes Paar. Warum spricht er plötzlich von einer Hochzeitsnacht? Julien zieht sein Hemd aus. Aurora dreht sofort hastig den Kopf weg. Dieser Mann zieht sich tatsächlich direkt vor ihr aus. Seit jener Nacht empfindet sie eine tiefe Abneigung gegen Männer — besonders, wenn sie ihnen zu nahe kommt. Panik steigt in ihr auf. — Dann gehe ich lieber raus. Im nächsten Moment rennt sie aus dem Zimmer. Julien schenkt dem kaum Aufmerksamkeit. Er öffnet seinen Gürtel und geht ins Badezimmer. Er braucht dringend eine Dusche. Das Geräusch von fließendem Wasser erfüllt das Badezimmer. Etwa eine Stunde später breiten sich Wasserdampf und der Duft von Duschgel im Raum aus. Nach dem Duschen sind seine kurzen schwarzen Haare leicht feucht und zerzaust. Der weiße Bademantel hängt locker an seinem schlanken Körper und steht leicht offen, sodass seine gebräunte Haut und seine männliche Ausstrahlung sichtbar werden. Er geht zum Kleiderschrank und öffnet ihn. Als er seine Kleidung herausholt, entdeckt er eine fremde Tasche mit aufgedruckten Sonnenblumen. Er hält inne. Gehört diese Tasche dieser Frau? Und dann auch noch mit Blumen darauf? Wirklich kindisch. Und sie hat ihre Sachen ganz selbstverständlich in seinen Schrank gelegt. Leicht runzelt er die Stirn und zieht sich an. Als er den Kleiderbügel zurücklegt, stößt er versehentlich gegen die Tasche. Der Reißverschluss war nicht richtig geschlossen. Die Tasche fällt herunter und ihr gesamter Inhalt verteilt sich auf dem Boden — einfache Kleidung und alltägliche Dinge. Er geht in die Hocke, um alles aufzuheben. Dabei entdeckt er plötzlich die Ultraschallbilder. „Aurora Dupont, weiblich, erstes Schwangerschaftsdrittel, sechs Wochen.“ Sie ist schwanger?Er nahm den Löffel und benutzte ihn als Mikrofon. Dann lächelte er und sah Sylvia an. — Fräulein Dumont, richtig? Darf ich Sie ansehen? Sylvia sah auf den Suppentopf auf seinem Kopf. Die gefaltete Spitze um den Rand der Schüssel sah aus wie die lockigen Haare eines Clowns. Im Vergleich zu Juliens Härte war Norbert sanft. Er hatte einen hellen Teint und wohlgeformte Gesichtszüge, aber sie waren nicht kantig. Seine Augen unter den geschwungenen Brauen strahlten immer ein sanftes Licht aus. Es schien, als läge ihm ständig ein Lächeln auf den Lippen. Seine Augen waren hell wie der Halbmond, der nachts am Himmel leuchtete. Jetzt sah er sie an wie ein Kind, das sich absichtlich zum Narren machte, nur um sie zum Lachen zu bringen. Sie drehte den Kopf weg und sagte kühl: — Warum sehen Sie mich an? — Fräulein Dumont ist die einzige Person hier, die mich dieses Lied singen hören kann. Ich kann doch kein Liebeslied für Kinder und Männer singen, oder? Ich glaube nicht, dass Fräulein Dumon
— Das ist es. Ariel schob den Suppentopf vor Norbert. Norberts Augen weiteten sich. — Was machst du da? — Du stellst dich auf diesen Suppentopf und singst das ganze Lied vom Schwein, und ich sage dir, wo Tante Sylvia ist, sagte Ariel seelenruhig. — … Norbert war sprachlos. — Selbst ich könnte diesen Suppentopf zerquetschen, mischte Ariana sich ein. — Siehst du? Sogar deine Schwester weiß, wie stark du bist. Der Suppentopf war aus Porzellan und wirkte ziemlich zerbrechlich. Norbert könnte ihn mit einem Fuß sicherlich zerbrechen! Norbert sah Ariana dankbar an. Zum Glück war wenigstens jemand auf seiner Seite. Er war nicht allein. — Bruder, ich finde, du solltest Onkel Norbert den Suppentopf auf den Kopf setzen lassen. Dann soll er sich in die Eingangshalle stellen und „Das göttliche Lied“ singen. Wenn er fertig ist und niemand über ihn lacht, kannst du ihm sagen, wo Tante Sylvia ist. Norberts Gesicht wurde immer dunkler, während Ariana sprach. Wenn er wirklich
Als bei der Ausstellung an diesem Tag der Taffet erwähnt wurde, konnte Norbert nur an Aurora denken, aber es gab keinen Beweis. Nun schien es, als stünde der Taffet tatsächlich in direktem Zusammenhang mit Aurora und als hätte sie wahrscheinlich die Ausstellung organisiert, wäre jedoch einfach nicht selbst erschienen. Damit stellte sich die Frage: Wer war diese Frau? Renée Dumont und Sylvia Dumont trugen beide denselben Nachnamen Dumont? War das ein Zufall oder …? Es schien jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Warum sollte Sylvia sonst einen anderen Namen tragen? Renée und Aurora kannten sich, und sie kannte auch die beiden Kinder. Es war also eindeutig Sylvia. Ariel war ein kluger Junge und konnte die aktuelle Situation verstehen: Jeder hier wusste, dass Renée Sylvia war, nur Norbert hatte es noch nicht begriffen. Da er sich daran erinnerte, dass er Sylvia verletzt und sie sogar dazu gebracht hatte, ihr Aussehen und ihre Stimme zu verändern, wollte er ihm die Wahrheit nicht sagen
Sylvia hatte recht, denn sie waren die Einzigen, die das Passwort kannten. Yvon wirkte zwar überhaupt nicht ernst, aber er war dennoch sehr aufmerksam und rücksichtsvoll. Er wäre nicht einfach hereingekommen, ohne sie zu begrüßen, da er wusste, dass hier Frauen und Kinder lebten. Außerdem hätte er niemals in ihrem Bett geschlafen. — Gut, was möchtest du essen? Ich bringe es dir mit. Ruh dich ein wenig aus. — Ich möchte Radieschen essen. Sie wusste selbst nicht warum, aber plots loch hatte sie Lust darauf. Zu Beginn ihrer Schwangerschaft hatte sie keinen Appetit gehabt und auch keine besonderen Gelüste. Doch plötzlich wollte sie unbedingt Radieschen essen. — Die grünen und knackigen, sagte Aurora. — … Sylvia war sprachlos. — Willst du zum Abendessen etwa nur Radieschen essen? Sylvia hielt sich die Stirn. Aurora konnte doch nicht so vergesslich sein, oder? — Es gibt nichts Bestimmtes, das ich essen möchte. Ich habe einfach plötzlich Lust darauf bekommen, aber ich weiß nicht, o
Sylvia hingegen war definitiv niemand, der einfach untätig bleiben konnte. Er rechnete immer weiter und stellte alle möglichen Überlegungen an. Julien wollte nicht länger mit ihm reden, weil er so dumm war. Auch Norbert war genervt und kratzte sich am Kopf. — Wo soll ich sie finden? Weißt du es? Norbert drehte plötzlich den Kopf und starrte ihn an. Schließlich war Julien derjenige gewesen, der ihre Krankenhausbehandlung organisiert hatte, und er wusste, dass Sylvia entlassen worden war. Dann musste er doch wissen, wohin sie gegangen war, oder? Norbert wurde noch aufgeregter, und seine Augen leuchteten. — Du weißt es doch, oder? Juliens Gesicht veränderte sich auffällig. Schließlich waren sie alle gute Freunde, und Julien konnte es nicht ertragen, Norbert so offensichtlich anzulügen. — Sag es mir. Norbert war nun noch neugieriger, doch Julien zögerte, weil er wusste, was wirklich hinter der ganzen Geschichte steckte. — Sag es mir schnell, damit ich sie suchen kann. Ich we
Als Norbert gerade aus dem Flugzeug gestiegen war, wusste er nicht, wohin er gehen sollte. Er kannte sich in Cité C nicht besonders gut aus, da er nicht oft hier gewesen war. Als Julien sagte, dass er sich in Cité C befand, sagte Norbert sofort: — Hol mich am Flughafen ab. Er hatte hier weder Freunde noch Verwandte, auf die er zurückgreifen konnte, also konnte er nur auf Julien zählen. Julien hob die Hand, um auf die Uhr zu sehen, und sagte: — Ich bin in zehn Minuten da. Nachdem er das gesagt hatte, legte er auf. Er rief Norbert am Flughafen an und sagte ihm, er solle herauskommen. Er hatte keine Zeit, aus dem Auto auszusteigen und Norbert zu suchen. Norbert kam aus dem Flughafen, öffnete die Autotür und setzte sich hinein. Er kam sofort zum Punkt: — Hast du Aurora gefunden? Was sonst hätte ihn dazu bringen können, den ganzen Weg hierherzukommen? Nur Aurora konnte ihn hierherlocken. Julien blieb ernst und sagte ruhig: — Was ist los? Bist du etwa nur gekommen, um mir abs
Obwohl es wie eine Frage klingt, lässt Julien Aurora keine Möglichkeit, abzulehnen.Sie nickt. Offenbar möchte er mit ihr sprechen.Und auch sie möchte mit ihm reden.Gautier wirft Aurora einen warnenden Blick zu.— Sei vorsichtig.Er hat Angst, dass Aurora Julien beleidigen könnte, bevor sie ihn h
Nachdem sie sich umgezogen hat, tritt Aurora aus der Umkleidekabine und blickt erneut zur linken Kabine hinüber, deren Tür fest verschlossen ist.— Das steht Ihnen sehr gut.Die Verkäuferin hat wirklich Geschmack. Tatsächlich kann sie allein durch einen Blick auf eine Kundin das passende Kleid ausw
— Aurora, eine Ehe ist eine wichtige Entscheidung. Ich werde nicht zulassen, dass du so etwas tust.Jeannine versteht ungefähr, was Aurora vorhat.Aurora stellt die Tupperdose auf den Nachttisch. Während sie das Essen herausholt, sagt sie:— Ich werde keinen Fremden heiraten. Er ist doch der Sohn d
Eine Wärme breitet sich von hinten über ihren Körper aus, während eine Stimme ihr ins Ohr flüstert.— Hast du Angst?Ein fremder Duft liegt ganz nah bei ihr und lässt sie erschauern, doch sie wagt nicht, einen Laut von sich zu geben.Aurora Dumont spürt, wie der Mann einen Moment innehält, bevor er







