MasukSylvia hatte recht, denn sie waren die Einzigen, die das Passwort kannten. Yvon wirkte zwar überhaupt nicht ernst, aber er war dennoch sehr aufmerksam und rücksichtsvoll. Er wäre nicht einfach hereingekommen, ohne sie zu begrüßen, da er wusste, dass hier Frauen und Kinder lebten. Außerdem hätte er niemals in ihrem Bett geschlafen. — Gut, was möchtest du essen? Ich bringe es dir mit. Ruh dich ein wenig aus. — Ich möchte Radieschen essen. Sie wusste selbst nicht warum, aber plots loch hatte sie Lust darauf. Zu Beginn ihrer Schwangerschaft hatte sie keinen Appetit gehabt und auch keine besonderen Gelüste. Doch plötzlich wollte sie unbedingt Radieschen essen. — Die grünen und knackigen, sagte Aurora. — … Sylvia war sprachlos. — Willst du zum Abendessen etwa nur Radieschen essen? Sylvia hielt sich die Stirn. Aurora konnte doch nicht so vergesslich sein, oder? — Es gibt nichts Bestimmtes, das ich essen möchte. Ich habe einfach plötzlich Lust darauf bekommen, aber ich weiß nicht, o
Sylvia hingegen war definitiv niemand, der einfach untätig bleiben konnte. Er rechnete immer weiter und stellte alle möglichen Überlegungen an. Julien wollte nicht länger mit ihm reden, weil er so dumm war. Auch Norbert war genervt und kratzte sich am Kopf. — Wo soll ich sie finden? Weißt du es? Norbert drehte plötzlich den Kopf und starrte ihn an. Schließlich war Julien derjenige gewesen, der ihre Krankenhausbehandlung organisiert hatte, und er wusste, dass Sylvia entlassen worden war. Dann musste er doch wissen, wohin sie gegangen war, oder? Norbert wurde noch aufgeregter, und seine Augen leuchteten. — Du weißt es doch, oder? Juliens Gesicht veränderte sich auffällig. Schließlich waren sie alle gute Freunde, und Julien konnte es nicht ertragen, Norbert so offensichtlich anzulügen. — Sag es mir. Norbert war nun noch neugieriger, doch Julien zögerte, weil er wusste, was wirklich hinter der ganzen Geschichte steckte. — Sag es mir schnell, damit ich sie suchen kann. Ich we
Als Norbert gerade aus dem Flugzeug gestiegen war, wusste er nicht, wohin er gehen sollte. Er kannte sich in Cité C nicht besonders gut aus, da er nicht oft hier gewesen war. Als Julien sagte, dass er sich in Cité C befand, sagte Norbert sofort: — Hol mich am Flughafen ab. Er hatte hier weder Freunde noch Verwandte, auf die er zurückgreifen konnte, also konnte er nur auf Julien zählen. Julien hob die Hand, um auf die Uhr zu sehen, und sagte: — Ich bin in zehn Minuten da. Nachdem er das gesagt hatte, legte er auf. Er rief Norbert am Flughafen an und sagte ihm, er solle herauskommen. Er hatte keine Zeit, aus dem Auto auszusteigen und Norbert zu suchen. Norbert kam aus dem Flughafen, öffnete die Autotür und setzte sich hinein. Er kam sofort zum Punkt: — Hast du Aurora gefunden? Was sonst hätte ihn dazu bringen können, den ganzen Weg hierherzukommen? Nur Aurora konnte ihn hierherlocken. Julien blieb ernst und sagte ruhig: — Was ist los? Bist du etwa nur gekommen, um mir abs
Julien nahm Arianas Kinn zwischen die Finger. Sie sah Aurora immer ähnlicher. Wenn sie lächelte, bildeten ihre Augen die Form eines Halbmondes, doch ihre Wangen, ihre Nase und ihr Mund ähnelten Julien unglaublich stark. Er versuchte, vernünftig mit ihr zu reden. — Deine Mama verbietet dir das Eis wegen deiner Gesundheit. Du musst gehorsam sein. Deiner Gesundheit zuliebe werden wir kein Eis essen. Arianas Gesichtsausdruck veränderte sich sofort. Auch ihre Mundwinkel sanken nach unten. Sie murmelte: — Ich will ja auch nicht viel essen. Mama ist schon so streng mit mir. Will Papa mir jetzt auch noch mein kleines Glück wegnehmen? Julien runzelte die Stirn. — Bist du nur glücklich, wenn du Eis isst? — Ja. Wenn ich etwas esse, das ich mag, macht mich das glücklich. Sie verließ ihren Stuhl, lehnte sich gegen Juliens Bein, legte ihr Gesicht auf seinen Oberschenkel und schlang die Arme um seine Taille. Er hatte weder an der Taille noch am Bauch irgendwelche Fettpolster. Arianas Hände
Ariana klammerte sich noch fester an Juliens Bein. Offenbar hatte sie Angst, dass jemand ihr ihren Vater wegnehmen könnte. Die Lehrerin lächelte. Sie sagte nichts, konnte aber nicht widerstehen, Julien noch einmal verstohlen anzusehen. Ariel kam herüber. Er warf einen Blick auf die Lehrerin und dann auf Julien und formte mit dem Mund: — Papa, mach nicht einfach irgendwelchen Frauen schöne Augen, sonst erzähle ich es Mama. Nachdem er das gesagt hatte, ging er hinaus und ließ Julien überhaupt keine Gelegenheit, sich zu erklären. — … Julien war sprachlos. Wer machte hier wem schöne Augen? Warum beschuldigte sein Sohn ihn? Als sie ins Auto gestiegen waren, sah Julien die beiden Kinder im Rückspiegel an und fragte: — Ihr beiden, was wollt ihr essen? — Krabbentopf, sagte Ariana. Sie aß ebenfalls gern Krabben im Krabbentopf. Es war scharf und sehr lecker. — Wo? Seine Tochter wollte es essen, also würde er ihren Wunsch natürlich erfüllen. Aber er kannte sich hier n
Der „Assistenzarzt“ war im Raum geblieben. Er konnte Aurora nicht nach draußen folgen und sie zurückbringen, sondern konnte sie nur heimlich beobachten. — Ich bin am Eingang. Sylvia wartete seit Beginn am Eingang. Drinnen war der „Assistenzarzt“ bei Aurora gewesen, während sie selbst nur das fünfte Rad am Wagen gewesen war. Doch der „Assistenzarzt“ konnte Aurora nicht nach draußen begleiten und sie zum Auto bringen. Deshalb wartete Sylvia an der Tür. Aurora kam heraus. Sylvia half ihr, die Autotür zu öffnen, und fragte: — Sind die Untersuchungsergebnisse alle in Ordnung? Sie nickte. — Alles ist in Ordnung. — Was möchtest du essen? Lass uns etwas essen gehen. — Sylvia. Aurora stieg nicht ins Auto ein, sondern sah sie einfach nur an. — Ich habe das Gefühl, dass du dich heute sehr seltsam verhältst. Sylvias Art nach zu urteilen, hätte sie Aurora selbst dann nicht bei einem „Assistenzarzt“ gelassen, wenn sie Krankenhäuser hasste. Offensichtlich war heute etwas ungewöhnlich. —
Aurora scheint verstanden zu haben, warum Chloé gerade geseufzt hat. Sie erklärt nichts weiter, sondern lächelt nur leicht.Ihre Ehe mit Julien ist nichts weiter als ein gegenseitiger Austausch. Sie hat kein Recht, Fragen über sein Privatleben zu stellen.In seiner Abwesenheit fühlt sie sich endlic
Obwohl es wie eine Frage klingt, lässt Julien Aurora keine Möglichkeit, abzulehnen.Sie nickt. Offenbar möchte er mit ihr sprechen.Und auch sie möchte mit ihm reden.Gautier wirft Aurora einen warnenden Blick zu.— Sei vorsichtig.Er hat Angst, dass Aurora Julien beleidigen könnte, bevor sie ihn h
— Aurora, eine Ehe ist eine wichtige Entscheidung. Ich werde nicht zulassen, dass du so etwas tust.Jeannine versteht ungefähr, was Aurora vorhat.Aurora stellt die Tupperdose auf den Nachttisch. Während sie das Essen herausholt, sagt sie:— Ich werde keinen Fremden heiraten. Er ist doch der Sohn d
Eine Wärme breitet sich von hinten über ihren Körper aus, während eine Stimme ihr ins Ohr flüstert.— Hast du Angst?Ein fremder Duft liegt ganz nah bei ihr und lässt sie erschauern, doch sie wagt nicht, einen Laut von sich zu geben.Aurora Dumont spürt, wie der Mann einen Moment innehält, bevor er







