LOGINDer Mann stand im Licht der Lampe über der Kliniktür und bewegte sich nicht.Aria sah ihn durch das Fenster. Er trug einen dunklen Mantel und hielt die Aktentasche mit beiden Händen vor dem Bauch, als wäre sie ihm zu schwer. Er sah nicht wie ein Arzt aus. Er sah nicht wie ein Patient aus. Er sah wie ein Mann aus, der wartete, bis jemand ihn bemerkte.Max trat vor ihr zur Tür. Er hatte den Arm noch in der Schlinge, aber er ging, als hätte er zwei gesunde Arme. Er öffnete die Tür nur einen Spalt.Was willst du, fragte er.Der Mann sah an ihm vorbei, direkt auf Aria. Er lächelte nicht.Ich suche eine Fahrgelegenheit, sagte er.Es ist zwei Uhr morgens.Ich weiß.Max sah auf die Straße. Kein Taxi. Kein Fahrzeug mit Kennzeichen und Lampe auf dem Dach. Nur die leere Straße und das Meer dahinter.Aria trat an die Tür. Sie legte Max eine Hand auf den Arm.Wie heißt du, fragte sie.Der
Aria stand auf dem Felsen und wartete, dass jemand etwas sagte.Niemand sagte etwas.Damien stand einen halben Schritt entfernt. Sie sah seinen Rücken, seine Schulter, den Ansatz seines Nackens. Sie sah alles, was sie in den letzten Wochen liebgewonnen hatte, und sie sah, dass es sich von ihr entfernt hatte. Nicht weit. Nur einen halben Schritt.Ein halber Schritt war im Augenblick alles.Eleanor hielt den Ring noch in der Hand. Der Wind zog an ihrem Mantel, aber sie stand ruhig. Ihre Männer hinter ihr rührten sich nicht. Auf dem Boden lag Elias Vane, das Gesicht zur Seite gedreht, und atmete in kleinen Stößen.Aria machte den ersten Schritt.Sie ging, ohne zu überlegen, an Damien vorbei, direkt auf Eleanor zu. Sie blieb zwei Arme lang vor ihr stehen.Ich nehme den Test an, sagte sie.Eleanor sah sie an. Ihr Blick war kühl, aber Aria sah etwas darunter. Ein winziges Zucken. Überraschung.Der T
Der Schuss zerriss die Nacht.Aria sah es, bevor sie es hörte. Sie sah, wie sich Elias Vane auf dem Felsen drehte, wie seine Hand nach oben fuhr, wie sie nichts mehr greifen konnte. Dann kam der Knall, hart und kurz, und über dem Meer blieb eine Stille zurück, die schwerer war als jeder Lärm.Elias sackte in die Knie. Das Blut lief über den grauen Stein und suchte sich seinen Weg in die Ritzen. Hinter ihm standen die zwei Männer mit den Waffen, aber keiner von ihnen rührte sich. Sie sahen nicht auf den Gefallenen. Sie sahen auf die Dunkelheit hinter ihm.Damien warf sich vor Aria. Sein Körper war wie eine Wand, sein Atem wie eine Faust. Aria hörte ihren eigenen Herzschlag in den Ohren und darunter den Wind, der vom Wasser kam.Dann Schritte.Langsam. Gleichmäßig. Ohne Eile.Eine Frau trat aus der Schwärze ins Licht der Laterne. Sie trug einen dunklen Mantel mit hochgeschlagenem Kragen. Ihr Haar war straff zurückgenommen. Ihr
Der Mann ging die letzten Schritte über den Felsen, und mit jedem Schritt wurde sein Gesicht deutlicher. Es war Ethans Gesicht. Aria hatte es hundertmal gesehen. Über einer Tasse Kaffee, über einem Stadtplan, über den Dokumenten in dem Lagerhaus. Aber dieses Gesicht hier trug eine andere Stille. Es war dasselbe und dennoch nicht dasselbe. Die Augen waren hart, und in ihnen lag nichts von der Wärme, die Aria bei dem Mann kennengelernt hatte, der in ihrer Küche Tee getrunken und über die Möbel ihrer Kindheit gelacht hatte.Der Fremde blieb drei Meter vor ihnen stehen. Hinter ihm, im grellen Licht der Scheinwerfer, warteten zwei Männer mit Waffen. Keine Bodyguards. Keine Sicherheitsleute. Menschen, deren Gesichter aussahen, als hätten sie gelernt, nichts zu fühlen.Guten Abend, sagte der Mann. Seine Stimme war tief und ruhig. Sie hatte denselben Klang wie Ethans Stimme, aber eine andere Melodie. Ich hoffe, ihr habt nicht zu lange gewartet.Aria hört
Aria stand in der Tür des Leuchtturms und spürte, wie der Nachtwind ihr das Haar ins Gesicht trieb. Der Scheinwerferkegel der ersten Limousine schnitt durch den Nebel, und dahinter bewegte sich eine Gestalt. Die Frau im roten Mantel ging langsam über den Felsen, als wäre der Weg ihr seit Jahren vertraut. Sie blieb stehen, als sie Aria sah, und lächelte, ein Lächeln, das in dem kalten Licht nicht warm wirkte.„Aria Bennett“, sagte die Frau. Ihre Stimme war tief und ruhig, mit einem Klang, der nach vielen Jahren des Schweigens verlangte. „Du bist größer geworden, als ich gedacht habe.“Aria blieb an der Tür stehen. Ihr Puls schlug hart, aber sie zwang sich, die Stimme ruhig zu halten. „Ich kenne Sie nicht.“„Nein.“ Die Frau trat einen Schritt näher. „Aber du kennst meinen Namen. Kassandra Whitmore. Deine Mutter.“Die Worte trafen Aria wie ein Schlag in die Magengrube. Sie griff nach dem Türrahmen, weil ihre Beine plötzlich weich wurden. „M
Die Dunkelheit im unteren Raum des Leuchtturms war vollkommen. Sie war nicht die Art von Dunkelheit, an die sich die Augen gewöhnen, sondern eine, die den Blick nirgendwohin fallen ließ, eine, die sich anfühlte wie Wasser über dem Kopf. Aria hörte ihren eigenen Atem, viel zu laut für einen Raum, der kleiner war als ihre Wohnung. Darunter lag Celestes Atem, flach und schnell, und unter allem das Rauschen des Meeres, das gegen die Felsen schlug, als wollte es sich Eintritt verschaffen.„Niemand bewegt sich“, sagte Damiens Stimme aus der Schwärze. „Hier unten gibt es keine Fenster. Wenn jemand stolpert, bricht er sich das Genick.“Arias Hand tastete nach der Wand neben sich. Der Stein war kalt und feucht. Sie fand die eiserne Leiter, die sie beim Herabsteigen berührt hatte, und hielt sich daran fest.„Ich habe mein Handy“, sagte Ethan. „Es ist in meiner Jacke.“„Deine Jacke liegt oben“, sagte Damien.„Ich weiß.“Aria hörte







