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Chapter 2

Autor: Edith Tay
last update Data de publicação: 2026-08-27 18:58:12

Ich starrte sie schockiert an, völlig sprachlos. Sie konnte das nicht ernst meinen.

„Du … machst du Witze?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mein ganzes Leben in ihren Händen lag.

Ihre Lippen verzogen sich zu einem grausamen Grinsen. „Sehe ich etwa so aus, als würde ich scherzen, Schwester?“

Dann kicherte sie, während sich ein bösartiges Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. Ich erstarrte. Mein Herz hämmerte schmerzhaft in meiner Brust. Das kann nicht echt sein. Das kann nicht sein! Sie will, dass ich sie ersetze. Das ist unmöglich!

„Du weißt schon, was du da von mir verlangst, oder?“, sagte ich schnell, während Panik in meine Stimme kroch. „Das ist kein Spiel! Du willst, dass ich zu dir werde! Das kann ich nicht!“

Es gibt keine Möglichkeit, dass ich diesem Wahnsinn zustimme. Ich kann Alpha Nidoran nicht einmal ertragen, denselben Monster, der das Rudel meines Vaters zerstört und ihn getötet hat. Allein der Gedanke an ihn lässt mein Blut kochen. Das ist falsch. Ich kann es nicht tun.

Sucy ging langsam im Kerker auf und ab, ihre Schritte hallten über den kalten Boden. Sie beugte sich dicht zu mir, ihr Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.

„Ich glaube, du hast vergessen“, sagte sie leise, ihr Tonfall scharf und gefährlich, „dass Mutter mit nur einem Schnippen meiner Finger verschwunden sein wird. Du weißt, dass ich keine leeren Drohungen ausspreche, Lucy. Und trotzdem stellst du mich noch immer auf die Probe. Warum?“

Ihre Augen brannten vor Macht, kalt und tödlich. Sie war nicht mehr dieselbe Sucy, die ich einst gekannt hatte. Die Wärme, das Lachen, alles war verschwunden. Was jetzt vor mir stand, war eine Wölfin mit der Aura einer Abtrünnigen. War sie gebissen worden? Oder war sie schon immer so dunkel gewesen?

Ich biss so fest auf meine Lippe, dass ich Blut schmeckte. „Warum … warum tust du mir das an? Mom? Ich habe dich all die Jahre geliebt. Was haben wir getan, um so etwas zu verdienen?“ Meine Stimme brach, und Tränen drohten über meine Wangen zu laufen. Ich konnte sie nicht länger zurückhalten.

„Oh bitte, halt den Mund“, fuhr sie mich an. „All die Jahre hast du mir etwas angetan.“

Ich runzelte verwirrt die Stirn. „Wovon redest du?“

„Mein ganzes Leben lang warst du die Große – die kostbare Omega, die jeder bewunderte. Und ich? Ich lebte in deinem Schatten. Schwach. Vergessen. Aber jetzt verbeugen sich alle vor mir und denken, ich sei du. Ist das nicht einfach perfekt?“ Sie lachte wild, ihre Stimme hallte wie die einer Wahnsinnigen durch den Raum.

Eifersucht? Im Ernst? Darum ging es also? Lächerlich. Es war mir nie wichtig gewesen, bewundert zu werden. Wenn überhaupt, war sie immer diejenige, die von allen verehrt wurde, nicht ich.

Ich schluckte schwer. „Bitte, Sucy, wir beide wissen, dass das eine Lüge ist.“

Ihr Gesicht verhärtete sich, und sie biss die Zähne zusammen. „Es ist mir egal, ob es eine Lüge ist oder nicht. Du wirst dem zustimmen, und damit ist die Sache erledigt.“

Ich starrte sie an und erkannte, dass dies nicht nur eine Forderung war – es war ein Todesurteil oder eine Chance auf Rache. Das Blut meines Vaters schrie noch immer nach Gerechtigkeit. Vielleicht … war dies mein Moment.

„Gut“, flüsterte ich. „Ich werde dich ersetzen. Aber versprich mir, dass du Mom beschützen wirst.“

Sie lächelte, aber es war ein grausames, leeres Lächeln. „Mom wird sicher sein, solange du gehorchst. Versuch nicht, schlau zu sein.“

„Werde ich nicht“, sagte ich leise.

Sie reichte mir einen Teller mit Essen, und ich verschlang ihn wie ein Tier. Ich war am Verhungern, meine Hände zitterten, während ich aß. Sucy stand einfach da und beobachtete mich angewidert, aber es war mir egal. Hunger kannte keinen Stolz.

Als ich fertig war, wandte sie sich zum Gehen. „Ich bin bald zurück. Meine Zofe und ich müssen alles vorbereiten.“

Ich nickte nur. Es war mir inzwischen egal. Dies war meine Chance, meine einzige Chance, diesen Albtraum zu beenden und den Alpha für alles bezahlen zu lassen, was er uns angetan hatte.

Als Sucy gegangen war, kehrte die Stille zurück. Der Kerker versank wieder in Dunkelheit, während das gleichmäßige Tropfen von Wasser leise widerhallte. Ratten huschten in den Ecken umher. Aber dieses Mal war es mir egal. Bald würde ich frei sein. Und ich schwor beim Mond, dass ich diesen Ort nie wieder betreten würde.

Stunden vergingen, bevor ich Schritte hörte. Mein Herz machte einen Sprung. Der vertraute Duft traf mich – Sucy.

Sie betrat den Kerker mit einem Schlüsselbund in der Hand, ihr Gesicht ausdruckslos. Eine nach der anderen schloss sie die Ketten um meine Handgelenke auf. Als die letzte abfiel, keuchte ich und starrte auf die dunklen Verbrennungen, die sie hinterlassen hatte.

Dann kniete sie sich hin und schloss die Ketten an meinen Beinen auf.

Ich versuchte aufzustehen, doch meine Beine zitterten. Es war fünf Jahre her, seit ich das letzte Mal gegangen war. Ich stolperte und fiel, und Sucys Gesicht verzog sich vor Ekel. Sie packte mich grob und zog mich hoch, zwang mich, weiterzugehen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würden meine Knochen gerade erst wieder lernen, sich zu bewegen.

Als wir den Kerker endlich verließen, spürte ich die kühle Nachtluft auf meiner Haut. Freiheit. Sie roch anders, sauberer, lebendig. Tränen brannten in meinen Augen, aber ich weigerte mich, sie fallen zu lassen. Nicht vor ihr. Nicht vor dem Monster, zu dem meine Schwester geworden war.

Weiter vorne bewegte sich ein Schatten, eine Frau winkte uns zu. Sucy packte meinen Arm und zog mich zu ihr. Doch während wir durch etwas gingen, das wie ein Tunnel aussah, konnte ich es spüren …

Augen. Sie beobachteten uns. Versteckt in der Dunkelheit.

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