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DIE VERSKLAVTE OMEGA
DIE VERSKLAVTE OMEGA
Autor: Edith Tay

Chapter 1

Autor: Edith Tay
last update Data de publicação: 2026-08-27 18:56:34

Ich versuchte, meine Hände nach vorne zu bewegen, doch die Ketten schnitten noch tiefer in meine zarte Haut. Meine Lippen waren rissig und trocken, während das Leben langsam aus mir wich. Seit einer ganzen Woche, seit dem Streit mit meiner Zwillingsschwester Sucy, hatte sie sich geweigert, mir etwas zu essen zu bringen. Nicht einmal einen Tropfen Wasser.

Ich versuchte, mich aufzurappeln, doch die Ketten zogen mich nach unten und ließen mich hilflos auf den kalten, feuchten Boden rutschen.

Plötzlich hörte ich entfernte Schritte, die durch den Kerker hallten. Mein Magen verkrampfte sich bei einem Aufflackern der Hoffnung, und genau wie ich erwartet hatte, war es Sucy, meine Zwillingsschwester, die ein Tablett mit Essen in den Händen hielt. Allein der Duft ließ mir schmerzhaft das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sie hantierte einen Moment lang mit den Schlüsseln, bevor sie den richtigen fand und die schwere Eisentür aufschloss.

Sie trat mit bedächtigen Schritten ein, ein bösartiges Grinsen umspielte ihre Lippen, bevor sie in Gelächter ausbrach.

„Ich habe es dir doch gesagt, Lucy“, spottete sie und beugte sich vor, um mir höhnisch über die Haare zu streicheln. „Du bist nichts ohne mich. Oh, du armes Ding. Sieh dich nur an, kurz vor dem Tod.“

Sie ließ das Essen weit außerhalb meiner Reichweite auf den Boden fallen, während ihre Augen vor Bosheit funkelten.

„Du weißt mich nie zu schätzen. Du respektierst mich nicht, obwohl du weißt, dass ich deine Lunge und dein Herz bin. Ich bin der Grund, warum du noch lebst.“

Ihre Stimme war von Sarkasmus durchzogen.

Ich biss mir fest auf die Unterlippe und hielt die Worte zurück, die in meiner Kehle brodelten. Ich wollte leben. Ich konnte keinen weiteren Tag ohne Essen oder Wasser überleben.

„Das wäre nicht passiert, wenn du mich nicht eingesperrt hättest!“, fuhr ich sie an, unfähig, mich länger zurückzuhalten.

Ein leises Knurren entwich meiner Wölfin, und zum ersten Mal seit langer Zeit spürte ich einen Funken Hoffnung – einen Beweis dafür, dass sie noch immer in mir lebte.

Sucys Gesicht verzog sich vor Ekel. Mit einer schnellen Bewegung packte sie eine Handvoll meiner Haare und riss meinen Kopf nach oben, sodass ich gezwungen war, ihr in die Augen zu starren.

„Halt den Mund, du nutzlose, hilflose Wölfin“, zischte sie. Ihre Stimme war kalt und tödlich.

Ich starrte wütend zurück, während sich Zorn in meiner Brust entzündete. Ich verfluchte den Tag, an dem wir als Zwillinge geboren worden waren. Ich verfluchte den Tag, an dem wir dasselbe Gesicht, dieselben Augen und dasselbe Haar bekommen hatten. Unsere identischen Gesichtszüge fühlten sich wie ein grausamer Scherz der Mondgöttin selbst an.

„Wie lange willst du noch den falschen Duft einer Omega tragen?“, knirschte ich mit den Zähnen. „Früher oder später werden sie alle herausfinden, wer du wirklich bist.“

Ihre Augen blitzten auf, doch ich hörte nicht auf.

Einst war alles perfekt gewesen. Mein Vater führte unser Rudel mit Stärke und Gerechtigkeit, meine Mutter, seine Luna, stand stolz an seiner Seite. Bis zu dem Tag, an dem Alpha Nidoran angriff, ein tödlicher abtrünniger Alpha, der unzählige Rudel erobert hatte. Er schlachtete unsere Leute, unsere Familie ab und ließ nichts als Asche und Blut zurück.

Meine Eltern hatten von der Bedrohung gewusst und uns versteckt. Doch Alpha Nidoran erfuhr irgendwie von unserer Existenz, er wusste nur nicht, dass wir Zwillinge waren. Seine Mond-Soldaten jagten uns, und ich wurde gefangen genommen. Sucy gelang die Flucht.

Sie schleiften mich zurück zu unserem zerstörten Rudel, angekettet wie eine Gefangene. Mein Herz verkrampfte sich vor Schmerz bei dem Anblick. Unser Zuhause war mit Blut getränkt, Rauch verdunkelte den Himmel.

Als ich schließlich vor Alpha Nidoran gebracht wurde, erwartete ich ein Monster. Gerüchte hatten ihn als abscheuliche Bestie mit Reißzähnen und Klauen beschrieben. Doch zu meinem Entsetzen war er das nicht. Er war anders, erschreckend schön. Und dann geriet meine ganze Welt ins Wanken. Er war mein Gefährte.

Schon zu Hause hatten mich ständig Gerüchte verfolgt. Die Leute nannten mich eine Omega ohne Wolf. Dasselbe sagten sie über Sucy. Doch sie war keine Omega. Sie war etwas anderes.

Alpha Nidoran akzeptierte mich sofort als seine Gefährtin. Ich wollte ablehnen, aber ich konnte nicht. Ich hatte Angst. Er war grausam, wenn er jemanden zurückwies.

Nachdem er mich beansprucht hatte, warf er mich wie einen Gegenstand in ein Zimmer. In der Nacht, in der er nach mir schicken ließ, um mich zu sich zu holen, wurde ich auf dem Weg zu seinen Gemächern überfallen. Entführt. Gefangen. Verraten.

Alles brach über mir zusammen, als ich die Wahrheit erkannte. Sucy hatte mich hier eingesperrt. Mit der Hilfe einer Hexe hatte sie meinen Platz eingenommen und meinen Duft angenommen. Seit Jahren hielt sie mich in diesem verborgenen Kerker gefangen, ein Geheimnis, von dem niemand je glauben würde, dass es existierte.

Sie wollte Alpha Nidoran für sich. Und sie bekam ihn. Ich lebe in Ketten, versteckt, ausgehungert und wie ein Hund geschlagen.

Fünf Jahre lang hatte ich diese lebende Hölle ertragen, angekettet von meiner eigenen Zwillingsschwester.

Sucys Griff in meinem Haar wurde fester und riss meinen Kopf erneut nach oben.

„Du stinkende, machtlose Omega“, zischte sie. „Hast du vor, dich zu Tode zu hungern? Immer noch so eine große Klappe?“

Sie spuckte mir ins Gesicht und grinste dann.

„Ich bin heute nicht hierhergekommen, um dich zu bestrafen. Ich bin gekommen, um einen Handel vorzuschlagen.“

Mein Herz zog sich zusammen. Ein Handel? Mit ihr? Bei Sucy kam niemals etwas ohne Gift.

Sie richtete sich langsam auf, ihr Grinsen verschwand nicht.

„Ich habe meinen wahren Gefährten gefunden“, kicherte sie. „Nach Jahren der Suche.“

Meine Augen weiteten sich. Sie hatte ihn gefunden.

„Ja“, sagte sie und las meinen Schock in meinem Gesicht. „Ich weiß, was du denkst. ‚Was wird sie jetzt tun, wo sie ihren Gefährten gefunden hat?‘ Nun, genau deshalb bin ich hier.“

Ich hob den Kopf, während die Angst nach meiner Brust krallte.

„Was auch immer dieser nutzlose Handel sein soll, ich habe damit nichts zu tun“, fuhr ich sie an und mobilisierte die letzte Kraft, die noch in mir war.

Sie brach in Gelächter aus.

„Oh, das wirst du“, sagte sie leise. „Wegen dem, was ich gegen dich in der Hand habe.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Was?“

Ihre Augen glänzten. „Mutter. Sie lebt.“

Die Worte trafen mich wie ein Donnerschlag. Mein Blut gefror, meine Knöchel wurden weiß. Tränen stiegen mir in die Augen.

Mutter … am Leben?

„Wo? Wer? Wie? Ich dachte, sie wäre tot!“, schrie ich, während meine Stimme brach.

„Beruhige dich, kleine Ratte. Mutter lebt. Ich habe sie in jener Nacht gerettet. Leider hatte Vater nicht so viel Glück.“

Mein Magen drehte sich um, und zum ersten Mal seit Jahren durchströmte mich Freude. Meine Mutter. Meine Mutter lebte.

„Freu dich noch nicht“, fiel Sucy mir ins Wort, ihre Stimme wie Eis. „Mutter steht ebenfalls unter meiner Aufsicht. Seit vier Jahren. Und wenn du nicht auf das eingehst, was ich will, werde ich sie töten.“

Die Hoffnung wich aus mir wie Wasser aus einer gesprungenen Schale.

„Das kann nicht dein Ernst sein.“

„Vertrau mir, Liebes. Ich meine es todernst.“

„Du hast nicht einmal ein Herz!“, schrie ich, während meine Stimme brach.

„Oh, doch“, schnurrte sie. „Und wenn du nicht auf das eingehst, was ich will, werde ich keines mehr haben.“

Ein Schauer lief mir über den Rücken. Sucy war ein Teufel in Menschengestalt und drohte mir mit dem Einzigen, was von meinem Herzen übrig war … meiner Mutter.

„Was willst du?“, fragte ich besiegt.

Ihr Grinsen wurde breiter.

„Ich will, dass du bei Alpha Nidoran bleibst, während ich weg bin. Als mein Ersatz.“

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