FAZER LOGINIch erstarrte. Die Worte „ihn sexuell befriedigen“ hallten in meinem Kopf wider wie ein Fluch, dem ich nicht entkommen konnte. Wie sollte ich das tun? Wie sollte ich mich freiwillig mit dem Mann hinlegen, der meine Eltern getötet hatte, demselben Alpha, dessen Name allein mein Blut zum Kochen brachte und meine Brust schmerzen ließ?
Ich schluckte schwer, meine Finger krallten sich in den Stoff meines Kleides. „Ich kann nicht …“, flüsterte ich, mehr zu mir selbst als zu Anastasia.
Aber ich kannte die Wahrheit. Ich hatte keine Wahl.
Sucy hielt das Leben meiner Mutter in ihren Händen. Sie hielt auch meines in ihren Händen. Wenn ich mich weigerte, würde Mutter sterben. Wenn ich mich wehrte, würde ich zurück in den Kerker geschleppt werden – wenn ich Glück hatte. Und selbst wenn ich dem Tod entkam … würde ich meine einzige Chance auf Rache verlieren.
Also tat ich, was ich seit fünf Jahren getan hatte. Ich gab nach. Ich beugte mich Sucys Willen … während mein Verstand verzweifelt nach einem Ausweg suchte.
Eine Weile saß ich dort, wie betäubt, und starrte ins Leere. Der Raum fühlte sich kleiner an, die Luft dicker, als würde jeder Atemzug an meinen Lungen kratzen. Meine Gedanken drehten sich im Kreis – Erinnerungen an Feuer, Blut, Ketten, den Körper meines Vaters auf dem Boden. Ich wusste nicht einmal, wie lange ich so dagesessen hatte.
Es klopfte an der Tür. Anastasia richtete sich sofort auf. „Herein“, rief sie.
Die Tür öffnete sich, und ein Soldat trat ein, gekleidet in eine dunkle Uniform mit dem Mooncrest-Wappen auf der Brust. „Luna“, sagte er und neigte leicht den Kopf in meine Richtung, „der Alpha hat nach Euch schicken lassen!“
Der Alpha. Mein Herz machte einen Satz.
Anastasias Finger strichen über meine Schulter, eine stumme Warnung. Bleib in deiner Rolle.
Ich stand langsam auf. Meine Beine waren jetzt stabil, mein Körper gesünder, aber innerlich war ich zerbrochen. „Folge ihm“, sagte Anastasia leise. „Denk an alles. Mach keinen Fehler!“
Ich nickte einmal und folgte dem Soldaten aus dem Zimmer.
Wir gingen durch einen Korridor, den ich noch nicht gesehen hatte, breiter als die anderen und von hohen Fenstern eingerahmt. Mondlicht drang hindurch und tauchte die Wände in Silber. Ich hielt mein Kinn erhoben und versuchte, so zu gehen, wie Sucy es tun würde – selbstbewusst, königlich, als würde all das mir gehören. Aber natürlich bin ich die wahre Luna.
Wir bogen um eine Ecke, und ich erkannte, wo wir waren: der lange Korridor. Goldene Kronleuchter zogen sich über die Decke und erstreckten sich in die Ferne. Die Marmorböden glänzten wie Glas unter meinen Füßen. Zwischen hohen Steinsäulen flackerten Fackeln sanft, und geschnitzte Wölfe schienen uns von den Wänden aus zu beobachten – Wächter eines Königreichs, das auf Blut errichtet worden war.
Ich konnte nicht anders. Trotz allem bewunderte ich es. Die Schönheit dieses Ortes schmerzte. Das war aus dem Rudel meines Vaters geworden – das, was Nidoran daraus gemacht hatte: ein Schloss voller Macht und Reichtum, das auf unserer Asche stand.
Eines Tages, schwor ich mir stumm, wirst du dafür bezahlen!
Wir blieben vor einem Paar gewaltiger Türen stehen. Dunkles Holz, eiserne Griffe. Der Soldat stieß eine der Türen auf und trat zur Seite. „Luna“, sagte er und verbeugte sich leicht, „der Alpha erwartet Euch.“
Mein Herz hämmerte so laut, dass ich sicher war, er konnte es hören. Ich trat ein.
Der Raum war noch schöner, als ich mir je vorgestellt hatte. Er war groß und offen, die Decke hoch und von geschnitzten Balken getragen, in die Mond-Symbole eingraviert waren. Sanftes goldenes Licht strömte von Kristallkronleuchtern herab. Dicke Teppiche dämpften meine Schritte, so weich, dass ich sie unter meinen Schuhen kaum spürte.
Auf einer Seite befand sich eine Sitzecke mit Samtsesseln und einem niedrigen Tisch. Ein gewaltiges Bett, drapiert mit dunklen Laken und Fellen, dominierte die gegenüberliegende Wand. Schwere Vorhänge umrahmten hohe Fenster, hinter denen der Nachthimmel zu sehen war. Ein Feuer knisterte leise in einem steinernen Kamin und erfüllte den Raum mit dem Duft von Zedernholz und Rauch.
Es war nicht einfach nur ein Schlafzimmer. Es war ein Thronsaal, verborgen hinter der Schönheit eines Schlafzimmers.
Ich machte einen weiteren Schritt, dann sah ich ihn.
Alpha Nidoran.
Er stand nahe am Fenster, breite Schultern vom schwachen Schein des Mondlichts umrahmt. Er war in Schwarz gekleidet, der Stoff schmiegte sich an seine kräftige Gestalt, die Ärmel gerade weit genug hochgekrempelt, um die Adern und Muskeln seiner Unterarme zu enthüllen. Sein Haar – dunkel und leicht zerzaust – streifte seinen Nacken.
Er drehte sich um, und mein Herz blieb stehen.
Zum ersten Mal in meinem Leben setzte es aus, stolperte, schlug dann aber mit einer Wucht wieder weiter, die meine Brust schmerzen ließ.
Aus der Nähe war er noch schlimmer – schlimmer als meine Erinnerungen, schlimmer als meine Ängste, schlimmer als die Flüstereien, die mich in den Zellen meines Gefängnisses verfolgt hatten.
Er war schön, atemberaubend, ungerecht, grausam schön.
Sein Kiefer war markant, seine Lippen zu einer neutralen Linie geschlossen, die dennoch irgendwie wie eine Drohung wirkte. Eine schwache Narbe zog sich an der Seite seines Halses entlang und verschwand unter seinem Kragen. Doch es waren seine Augen, die mich fesselten.
Dunkel, durchdringend, ein Sturm aus Gold und Schatten.
Meine Wölfin schreckte in mir auf. „Gefährte.“ Das Wort riss roh und sehnsüchtig durch mich, ihre Stimme zum ersten Mal seit fünf Jahren laut und deutlich.
„Unser Gefährte“, knurrte sie aufgeregt. „Er ist hier. Er ist ganz nah. Unser Gefährte.“
Nein, nein, nein. „Sei still!“, zischte ich ihr lautlos zu. „Er kann nicht unser Gefährte sein!“
„Er ist es“, widersprach sie beinahe jammernd. „Kannst du es nicht spüren? Die Anziehung? Die Verbindung? Er gehört uns.“
„Er hat meine Eltern getötet“, fauchte ich in Gedanken, während der Zorn so heiß in mir aufwallte, dass ich beinahe vergaß, wo ich war. „Er hat unser Zuhause zerstört. Ich werde ihn niemals akzeptieren.“
Aber meine Wölfin kümmerte das nicht. Sie war zu aufgeregt, zu lebendig und sog seinen Duft in sich auf, als wäre sie am Verdursten gewesen und hätte endlich Wasser gefunden.
Zu spät bemerkte ich, dass sich meine Lippen bewegt hatten. Ich hatte es laut geflüstert.
Nidoran legte leicht den Kopf schief. „Hast du etwas gesagt?“, fragte er, seine Stimme glatt und tief, wie leiser Donner, der durch den Raum rollte.
Ich riss meinen Blick von ihm los, während mir die Hitze in die Wangen schoss. „Nein“, sagte ich schnell. „Es ist nichts.“
Er sah nicht überzeugt aus, ließ es aber dabei bewenden.
Mein Blick fiel überallhin, nur nicht auf sein Gesicht – auf den Teppich, das Feuer, den polierten Holzschreibtisch an der Seite, das Schwert an der Wand, auf alles, was nicht der Alpha war.
Doch selbst wenn ich wegsah, konnte ich ihn spüren. Seine Anwesenheit lag wie Hitze auf meiner Haut.
Als ich mich schließlich zwang, wieder aufzusehen, beobachtete er mich bereits, seltsam, eindringlich.
Sein Blick glitt langsam über mich, nicht wie die anerkennende Betrachtung eines Liebhabers, sondern wie die eines Raubtiers, das etwas untersuchte, das es nicht vollständig verstand – meine Haltung, meinen Duft, meine Augen, die Art, wie ich mich hielt.
Jahre zuvor, in jener Nacht aus Blut und Feuer, war seine Aura eine überwältigende Kraft gewesen – kalt, brutal, gnadenlos. Jetzt, da ich vor ihm stand, spürte ich dieselbe Macht direkt unter der Oberfläche verborgen … doch etwas anderes war darin verwoben: Neugier, Erkennen, als würde ein Teil von ihm etwas anderes, etwas Falsches erkennen und versuchen, es einzuordnen.
Ich richtete meine Schultern auf und zwang das Zittern aus meinen Händen. Ich durfte ihn meine Angst nicht sehen lassen. Ich durfte nicht zulassen, dass er Verdacht schöpfte, dass ich nicht Sucy war.
Denk an das Buch. Denk an die Regeln. Lächle, wenn es nötig ist. Verbeuge dich, wenn es erwartet wird. Atme.
„Alpha“, sagte ich, das Wort kalt und schwer auf meiner Zunge, während ich den Kopf leicht senkte, so wie Anastasia es mir beigebracht hatte. „Ihr habt nach mir schicken lassen.“
Meine Wölfin summte in mir, begeistert, entzückt. Mein Herz hämmerte vor Wut. Mein Verstand konzentrierte sich auf ein einziges Ziel: ihm nahekommen, am Leben bleiben, einen Weg finden, ihn zu zerstören, selbst wenn mein Körper zitterte, selbst wenn mein verräterisches Herz aussetzte.
Lucys SichtWer glaubte er eigentlich zu sein, so mit mir zu reden?Was genau hatte er von mir erwartet? Dass ich ihn wie eine verliebte Närrin anlächle und so tue, als wäre alles in bester Ordnung?Ach, er dachte also, er hätte jetzt irgendeine Macht über mich?Ich lachte bitter auf.Diese Dreistigkeit!Du musst morgen mit mir an den königlichen Hof kommen.Ich äffte seine befehlende Stimme in Gedanken nach und verdrehte die Augen so heftig, dass es fast wehtat.Wer glaubte er eigentlich zu sein? Mich herumzukommandieren, als wäre ich eine seiner Bediensteten?Ich hatte schon genug durchgemacht. Ich war müde, frustriert und gefährlich nah daran, den Verstand zu verlieren.„Unglaublich!“, murmelte ich und stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden. „Absolut unglaublich!“Ich ging den Korridor entlang und grummelte vor mich hin wie jemand, der endlich den letzten Rest seines Verstandes verloren hatte.Was hatte ich getan, um all das zu verdienen?„Hallo, hallo, meine wunderschöne Luna!“
Beim Mittagessen hatte ich mich beinahe damit abgefunden, die Sache ruhen zu lassen.Beinahe.Ich hatte ein Königreich zu regieren, Streitigkeiten zu schlichten, und die Berichte von den Nordgrenzen verlangten meine Aufmerksamkeit. Ich konnte es mir nicht leisten, den ganzen Tag darüber zu grübeln, warum meine Luna sich plötzlich wie eine Fremde benahm.Und doch hörte ich mich, als ein Wächter mir meldete, sie sei mit mehreren Dienern in die westlichen Gärten gegangen, fragen, wie lange sie schon dort sei.Die Frage verließ meinen Mund, bevor ich sie aufhalten konnte.Der Wächter antwortete ohne Argwohn.„Ungefähr eine halbe Stunde, Alpha.“„Sehr gut.“Ich entließ ihn und kehrte zu meiner Arbeit zurück.Zehn Minuten später verließ ich mein Arbeitszimmer.Ich redete mir ein, ich brauchte frische Luft.Nichts weiter.Die westlichen Gärten lagen still da, im Schatten hoher Bäume und umgeben von blühenden Sträuchern. Sonnenlicht fiel durch die Äste und malte Muster auf die steinernen Pfade
Nidorans PerspektiveIch beobachtete sie noch lange, nachdem Albert den Raum verlassen hatte.Sie hatte ihr Essen schon wieder nicht angerührt.Ihre Finger lagen immer noch um den Rand ihrer Tasse, aber ihr Blick haftete irgendwo jenseits des Tisches, als versuchte sie, sich einzureden, dass nichts geschehen war.Ich erkannte Angst, wenn ich sie sah.Den größten Teil meines Lebens war ich von Menschen umgeben gewesen, die mich fürchteten. Krieger, Gefangene, rivalisierende Alphas, sogar Mitglieder meines eigenen Hofes. Manche versuchten, es hinter falschem Lächeln und zitterndem Lachen zu verbergen, andere senkten den Kopf, sobald ich einen Raum betrat.Aber meine Luna war anders.Zumindest sollte sie es sein.Die Frau, die seit fünf Jahren mein Bett teilte, hatte nie Angst vor Albert gehabt. Im Gegenteil: Es hatte ihr eher Spaß gemacht, ihm das Leben schwer zu machen. Sie wusste genau, wie sie ihn provozieren konnte, wie sie ihn beleidigen konnte, ohne es offen zu tun, und wie sie se
Lucys PerspektiveIch folgte Nidoran in den privaten Speisesaal, mein Herz hämmerte noch immer gegen meine Rippen.Die lange Tafel war bereits gedeckt. Weiches Morgenlicht fiel durch die Fenster. Es hätte friedlich wirken sollen, doch das tat es nicht.Er zog mir einen Stuhl heraus. Ich setzte mich. Er nahm den Platz mir gegenüber ein, so nah, dass ich bei jedem Atemzug das Gewicht seiner Aufmerksamkeit spürte.Eine Weile sprach keiner von uns. Diener bewegten sich lautlos durch den Raum und verschwanden dann auf einen einzigen Blick von ihm. Die Stille, die sie zurückließen, war schwerer als jeder Lärm.Nidorans Augen ruhten auf meinem Gesicht.„Du bist mitten in der Nacht gegangen“, sagte er schließlich. Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig. „Warum?“Ich hielt meine Miene gleichmäßig. „Ich konnte nicht schlafen. Ich wollte dich nicht stören.“Er musterte mich. Dann stellte er die Frage, vor der ich mich gefürchtet hatte.„Auf dem Laken war Blut.“Mein Magen sackte ab, aber ich zwang mic
Nidoran's PerspektiveEs sollte eine gewisse Befriedigung damit einhergehen, seine Gefährtin zu finden.Zumindest hatte man mir das immer erzählt.Aber meine zu finden, war nie eine Frage der Liebe gewesen.Nicht am Anfang.Für mich war es um Rache gegangen.Sie sollte denselben Schmerz spüren, den ich jahrelang mit mir getragen hatte. Sie sollte in derselben Dunkelheit sitzen, in der ich gelebt hatte. Sie sollte begreifen, was es hieß, alles zu verlieren – Familie, Heimat, Zukunft – und nur noch die Wut zu haben, die das Herz am Schlagen hielt.Ich wollte, dass sie litt.Ich wollte, dass sie so litt, wie ich gelitten hatte.Deshalb hatte ich sie gebraucht.Deshalb hatte ich in der Nacht, in der ich sie gefangen nahm, geglaubt, dass mir die Befriedigung, nach der ich so lange gejagt hatte, endlich zuteilwerden würde, wenn ich sie zu meiner Gefährtin machte.Doch jetzt …Ich verstand nicht mehr, was mit mir geschah.In den vergangenen Tagen begann der alte Hunger nach ihrem Schmerz jed
Ich rannte.Nicht vor jemandem.Nicht dieses Mal.Ich rannte durch ein Feld voller Wildblumen, der Wind peitschte mir das Haar ins Gesicht, und echtes Lachen kam aus meiner Kehle – die Art von Lachen, die ich fast verlernt hatte.„Fang mich, wenn du kannst!“Ich blickte über die Schulter.Nidoran war hinter mir.Und er lächelte.Nicht der kalte, schneidende Ausdruck, an den ich mich gewöhnt hatte, sondern etwas Weicheres. Etwas, das ihn fast menschlich wirken ließ.„Du glaubst wirklich, du kannst mir davonlaufen?“ Seine Stimme trug mühelos über das Feld.Ich lachte und rannte schneller. „Du bist zu langsam!“Er schüttelte den Kopf und verschwand dann.Ich wurde langsamer, der Atem stockte. „Nidoran?“Nichts.„Nidoran?“Plötzlich schlossen sich starke Arme von hinten um meine Taille. Ich schrie auf und brach dann in Lachen aus, als er mich vom Boden hob und im Kreis drehte.„Du hast geschummelt!“„Habe ich nicht.“„Du bist verschwunden und ich konnte dich nicht finden!“„Das ist kein S







