LOGINEmmas Sicht„Ist das ... ist das der See?!“, stotterte Luca und starrte auf seine durchnässten dunklen Lederstiefel hinab wie ein Mann, der plötzlich vergessen hatte, wie die menschliche Sprache funktionierte.„Nein, du Idiot!“, schrie ich, während ich mich im plüschigen Samtschaukelstuhl zusammenkrümmte, als ein feuriges, glühend heißes Messer von einer Wehe direkt durch meine Wirbelsäule schnitt. „Meine Fruchtblase ist geplatzt! Das Baby kommt JETZT GLEICH!“Lucas kühles, unantastbares CEO-Gehirn startete in einem Bruchteil einer Sekunde neu. Er zog sein Telefon aus der Tasche, hielt das Mikrofonsymbol gedrückt und hob mich direkt vom Stuhl in seine breiten, muskulösen Arme, als wöge ich überhaupt nichts.„Hannah, Papa, Richard – hört mir zu!“, brüllte Luca in sein Telefon, seine tiefe Stimme zitterte vor einer seltenen, erschreckenden Nuance reiner Panik, während er aus dem Kinderzimmer auf den Flur sprintete. „Emmas Fruchtblase ist geplatzt! Das Baby kommt in diesem Augenblick! Ic
Emmas Sicht„Halte diese Pose, Emma! Perfekt! Absolute göttliche Perfektion!“, rief der leitende Fotograf über die sanfte Studiomusik hinweg, die über unsere Terrasse am See hallte. „Gib mir diese strahlende Eleganz einer Mutter der Oberschicht! Ja!“Fünf Monate vergingen in einem blitzschnellen Verschwimmen aus Kamera-Blitzlichtern, wachsenden Rundungen und einem Körper, der sich weigerte, langsamer zu werden.Was als süßer, ordentlicher Babybauch im vierten Monat begonnen hatte, war zu einer vollen, atemberaubenden Lebensphase im neunten Monat aufgeblüht. Aber anstatt mich in riesigen Jogginghosen zu verstecken, hatte sich meine Schwangerschaft in ein internationales Event verwandelt. Große Luxusmodehäuser – von französischen Seidenmarken bis hin zu italienischen Top-Designern – bettelten praktisch darum, meine Umstandssilhouette präsentieren zu dürfen.Ich stand im siebten Monat schwanger am Rand unseres Infinity-Pools und trug ein hauchzartes, fließendes goldenes Seidenkleid, das
Hannahs SichtDas Knistern der Holzscheite im großen Steinthermenkamin war das einzige Geräusch, das durch die ruhige Weite der Lodge hallte. Draußen war der Nachthimmel stockfinster, aber drinnen war das Wohnzimmer in ein warmes, bernsteinfarbenes Licht getaucht.Mia hatte sich auf dem plüschigen Samtsofa an meine Seite gekuschelt, ihren Kopf schwer auf meine Schulter gelegt. Ihre Augenlider flatterten zu, völlig erschöpft von der emotionalen Achterbahnfahrt unserer letzten Universitätsarbeiten und dem Helfen beim Packen von Emmas Leben für das neue Anwesen am See.„Luca hat wahrscheinlich inzwischen die Tore abgeschlossen und die Schlüssel in den See geworfen“, murmelte Mia, ihre Stimme schwer vor Schlaf, während ihre Finger faul Kreise auf meinem Knie zogen.Ich gluckste, beugte mich hinab und drückte einen sanften Kuss auf die Spitze ihres dunklen Haares, während ich den süßen Duft ihres Pfirsichshampoos einatmete. „Oh, absolut. Er hat wahrscheinlich sein Telefon ausgeschaltet, se
Lucas SichtDie goldene Morgensonne wusch über den See und malte die Glaswände unserer Hauptsuite in Streifen aus flüssigem Gold.Ich lag auf der Seite und beobachtete Emma beim Schlafen. Ihr dunkles Haar war über meiner Brust verstrickt, ihre Haut tief und köstlich rosa angehaucht, und ihre Lippen waren geschwollen von dem Morgen, den wir gerade geteilt hatten. Runde zwei war wilder gewesen als letzte Nacht – ihre Schwangerschaftshormone trieben sie völlig um den Verstand, und jedes Mal, wenn sich ihre weichen Oberschenkel um meine Taille schlangen, zerfiel meine Beherrschung zu Asche.Ich glitt mit der Hand unter die Seidenlaken und legte meine große Handfläche flach auf die warme, runde Wölbung ihres Bauches im vierten Monat.Unter meinen Fingern gab unsere kleine Göttin ein sanftes, winziges Flattern von sich.„Du starrst mich schon wieder an, VP Carter“, flüsterte Emma, während ihre Wimpern aufflatterten. Ein träges, verschmitztes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als
Emmas Sicht„Luca, hör auf, so schnell zu gehen! Ich muss diesen Winkel aufnehmen, bevor die Sonne komplett verschwindet!“, lachte ich und hielt mein Telefon im Querformat hoch, während ich den Blick über das weitläufige Wohnzimmer schweifen ließ.„Du nimmst schon seit zwanzig Minuten auf, College-Mädchen“, grinste Luca verschmitzt, lehnte sich mit hochgekrempelten Ärmeln an die Marmorinsel der Küche und beobachtete mich mit reiner Zuneigung in den Augen.„Weil mein Familien-Gruppenchat komplett ausrastet!“, quiekte ich und tippte erneut auf die Aufnahmetaste, als ich in den Küchenbereich trat. „Schau dir diese maßgefertigten Walnussschränke an! Schau dir den Doppelgasherd an! Mama hat gerade zehn Ausrufezeichen hintereinander geschickt.“„Zeig ihnen das Atelier“, schlug Luca vor und nahm einen Schluck aus seinem Glas Sprudelwasser. „Das war der Hauptgrund, warum ich den führenden Architekten aus Mailand engagiert habe.“„Warte, es gibt ein Atelier?!“, keuchte ich und senkte mein Tele
Emmas Sicht„Die Zeit ist um! Bitte legen Sie Ihre Stifte flach auf den Tisch!“, dröhnte die Stimme des Hauptaufsichtsführenden durch die Lautsprecher.Eine kollektive, atemlose Stille hing für einen einzigen Herzschlag über der riesigen Halle, und dann explodierte der gesamte Raum.Zettel flogen in die Luft. Tische wackelten, als hunderte von Studenten von ihren Stühlen aufsprangen, schrien, sich umarmten und in reiner, unverfälschter Erleichterung weinten.„Wir haben es geschafft!“, kreischte Mia und schlang ihre Arme so fest um meinen Hals, dass wir beinahe auf meinen Tisch gekippt wären. „Emma, wir haben es wirklich geschafft! Es ist vorbei! Das Studium ist offiziell vorbei!“„Wir haben überlebt!“, rief Hannah über den Lärm hinweg, drängte sich in unsere Umarmung und schlang ihre Arme um uns beide. „Vier Jahre brutale Finanzvorlesungen, endlose Fallstudien und nächtliche Panikattacken – vorbei!“„Ich kann gar nicht glauben, dass ich während Frage vier nicht in den Wehen gelegen ha
Emmas SichtDie Musik von unten pulsierte unter meinen Füßen, ein ferner Herzschlag, der sich dumpf durch den Boden zog. Hier oben, in Lucas Schlafzimmer, das schwach nach Zeder und etwas abgestandenem Rasierwasser roch, war die Welt auf den Raum zwischen unseren Körpern zusammengeschrumpft.Hannah
Emmas SichtIch wachte am nächsten Morgen noch vor meinem Wecker auf, und mein Herz raste bereits, als hätte es im Schlaf einen Marathon absolviert.Einige Sekunden lang starrte ich an die Decke meines Schlafzimmers und versuchte, mich zu erden. Das blasse Morgenlicht fiel durch die Vorhänge und er
Emmas SichtVor ein paar Monaten war ich für eine Übernachtung bei Hannah.Das Haus war dunkel und still. Ich hörte das leise Murmeln einer Stimme.Nicht Hannahs.Ein Frauenlachen, leise und kehlig, drang aus der Küche herauf. Ich hielt auf der letzten Stufe inne, meine Hand erstarrte auf dem kühle
Emmas Sicht„Hannah ist hier.“Die Worte trafen mich wie Eiswasser.Lucas Körper verkrampfte sich an meinem, und jede Spur von Hitze wich augenblicklich aus seinem Gesicht. Für den Bruchteil einer Sekunde rührte sich keiner von uns. Die Musik unten wummerte ahnungslos weiter. Mein Herz hämmerte so






