MasukDie Große Symmetrie machte ihrem Namen alle Ehre, und an Tagen wie diesem hasste Kael jede einzelne Achse von ihr.
Der Raum war im Grunde eine gigantische, kreisrunde Halle aus weißem, makellos poliertem Marmor, so groß, dass das Echo eines unbedachten Räusperns minutenlang an den kalten Wänden entlangwandern konnte.
In der Mitte der Halle stand das leere Podest des Hohen Kanonikers, um das sich zweihundert Novizen in exakt ausgerichteten, konzentrischen Ringen gruppierten.
Kaltes Licht sickerte durch die schmale Kuppelöffnung hoch oben im Scheitelpunkt des Gewölbes und tauchte den weißen Stein in ein fahles, schattenloses Grau.
Der tiefe, vibratoartige Gesang der Ältesten setzte ein, ein gutturales Brummen, das tief im Bauch der Meister entsprang und den nackten Stein unter den gekreuzten Beinen der Jungen in feine Schwingung versetzte.
Das monotone Summen klang wie das ferne Mahlen tektonischer Platten und füllte die gewaltige Halle bis in den letzten Winkel aus.
Dann traf der lederne Klöppel die schwere Bronzeschale auf dem zentralen Altar. Der gläserne, reine Ton schnitt durch den rituellen Chorgesang, schwoll an, bis er im Gehörgang schmerzte, und ebbte nur sehr langsam ab, während der Duft von getrocknetem Wermut und kaltem Kiefernharz durch die Reihen zog.
„Das Phreem ist kein Diener des Willens“, sprach der Hohe Kanoniker mit einer Stimme, die leise war und dennoch mühelos alles beherrschte.
„Es ist die Symmetrie der Welt. Wer seine Emotionen gewähren lässt, trübt das Wasser seiner Quelle. Wer sich vom Zorn leiten lässt, verliert die Herrschaft über seinen Pfad. Findet die Stille.“
Es war die Stunde der Spätmeditation. Die Zeit, in der das Bergheiligtum Solis Vanth versuchte, den Jungen die unruhigen Regungen ihres Herzens auszutreiben, sie zu zähmen und ihre Gefühle unter einer dicken Schicht asketischer Disziplin zu begraben.
Kael presste die Hände flach auf die Knie, die Fingernägel gruben sich unwillkürlich in den feuchten Stoff seiner Hose.
Die Wirbelsäule gerade gerichtet wie die Speere der Palastwache, saß er im dritten Ring, doch in seinem Inneren gab es keine Symmetrie.
Das Verbot zu fühlen schnürte ihm die Kehle zu. Jede Faser seines Körpers rebellierte gegen diese erzwungene Kälte, und unter seiner sonnengebräunten Haut drängte das unruhige, goldene Feuer unaufhörlich nach oben, heiß, laut und völlig unempfänglich für das monotone Summen des Chores.
Die erste Regel der Symmetrie verlangte den starren Blick auf das leere Podest in der Mitte des Doms, doch Kael brach das Gesetz jeden Abend auf dieselbe Weise.
Er hob die Lider um einen winzigen Spalt, ignorierte die starre Haltung der Novizen neben sich und suchte den innersten Kreis des Auditoriums ab.
Dort, nur wenige Schritte vom Altar der Meister entfernt, saß Ryu.
Der Anblick des anderen Jungen schnitt Kael tiefer in die Brust als die schwere Predigt des Kanonikers.
Während Kael unter der kargen Tunika schwitzte und jede Faser seiner Muskeln vor angestauter Energie zitterte, wirkte das Genie wie eine unbewegliche Skulptur aus Quarz.
Ryus Schultern waren perfekt ausgerichtet, sein Atem floss so flach und gleichmäßig, dass die Luft vor seinen Lippen nicht einmal als Wölkchen in die Kälte entwich.
Das lange, tiefblaue Haar lag wie ein stiller, dunkler Fluss auf seinem Rücken, gefangen in der absoluten Disziplin, die Solis Vanth verlangte.
Kael spürte die kühle Resonanz, die von Ryu ausging, selbst über die Distanz von vier Sitzreihen hinweg.
Es war ein feines, eisiges Prickeln, das sich wie eine lindernde Salbe auf seine eigenen, brennenden Lumina Linien legte und gleichzeitig eine wilde, unbändige Wut in seinem Bauch entfesselte.
Ryu war vollkommen. Ryu war die personifizierte Symmetrie, die Kael niemals erreichen würde, und dieser hochmütige Frieden auf dem Gesicht des Anderen war eine ständige Aufforderung, den nächsten Kampf zu suchen.
Kael sah genauer hin als die Kanoniker, die mit langsamen, geräuschlosen Schritten durch die Gänge zwischen den Sitzringen patrouillierten.
Für die Ältesten war Ryu die fleischgewordene Symmetrie des Gezeitenclans, ein makelloses Instrument ohne jeden Fehl und Tadel.
Doch Kael kannte jede Bewegung dieses Jungen aus unzähligen staubigen Stunden im Sand des Hofes. Wenn man die Augen verengte und den unruhigen Dunst der eigenen Hitze ignorierte, verlor Ryus Haltung ihre arrogante Leichtigkeit.
Da war eine winzige, fast unsichtbare Starre in der Ausrichtung seiner Schultern.
Ryu saß nicht gelassen, er hielt sich aufrecht, als wäre seine Wirbelsäule aus sprödem Eis gegossen, das bei der geringsten Erschütterung zu brechen drohte.
Seine flach auf den Knien liegenden Hände waren nicht entspannt auf dem Stoff abgelegt. Die Fingerspitzen pressten sich mit einer minimalen, konstanten Kraft in das dunkle Leinen, sodass die Haut über seinen Knöcheln fahl und blutleer wirkte.
An seinem Kiefer arbeitete ein winziger Muskel, ein rhythmisches, hartes Mahlen, das von fest aufeinandergebissenen Zähnen zeugte.
In Ryu fraß etwas. Ein finsterer, eisiger Zorn, der tiefer ging als das unbedeutende Nachmittagsduell im Hof, eine stumme Last, die er mit aller Macht vor den Augen des Tempels zu verbergen suchte.
Er tut nur so, dachte Kael, und in seiner eigenen Brust stieg das unruhige Gold gefährlich hoch, ließ die Luft vor seinen Augen flirren. Er tut so, als stünde er über den Dingen, aber er verbrennt innerlich genauso heftig wie ich. Er versteckt seine Fehler nur hinter einer schützenden Wand aus Eis.
Es machte Kael rasend. Dieses unnahbare Eis, das Ryu um sich herum hochgezogen hatte, seit sein Clan im Süden abgeschlachtet worden war, war einfach unerträglich. Ryu verweigerte jede Geste der Gemeinschaft. Er blickte durch sie alle hindurch, als wären sie bloß Luft, und ganz besonders durch Kael.
Kael ballte die Fäuste auf seinen Knien, bis der raue Stoff leise knirschte.
Er wollte einfach, dass Ryu sich umdrehte, nur für einen winzigen Wimpernschlag. Er wollte diesen einen, verächtlichen Blick zurück, den das Genie ihm im Badehaus zugeworfen hatte.
Es war jener quecksilberne Glanz in Ryus Pupillen, der Kaels gesamtes Phreem mit einem Schlag in helle Aufregung versetzte.
Ein schweigendes Versprechen, dass sie noch immer auf demselben Pfad wandelten, dass der Abstand zwischen ihnen kein unendlicher Abgrund war.
Solange Ryu ihn ansah, selbst wenn es voller Hochmut und Verachtung geschah, besaß Kael einen festen Platz in dieser starren Welt aus Stein. Doch dieses absolute Ignoriertwerden schnürte ihm die Kehle zu wie eine unsichtbare Schlinge.
Ein plötzlicher Schatten schob sich über seine Schultern.
Die kühle Luft hinter seinem Nacken verdichtete sich augenblicklich, schwer von dem sanften, erdigen Duft alter Pergamente und getrocknetem Salbei.
Kael erstarrte, das heiße Blut in seinen Adern schien für einen Herzschlag zu stocken. Er hatte nicht das geringste Scharren gehört.
Niemand vernahm die Schritte von Kanoniker Taro, wenn der alte Mann es nicht explizit wünschte.
„Deine Hitze stört die Symmetrie der Reihe, Novize“, flüsterte die Stimme direkt an seinem Ohr.
Sie war leise, kaum lauter als das feine Rieseln von trockenem Sand, doch sie besaß das unerbittliche Gewicht eines herabstürzenden Felsens.
Kael versuchte hastig, das brodelnde Gold unter seiner Haut zurückzudrängen, doch die plötzliche Konzentration ließ ein verräterisches Knistern in seinen Adern aufkommen.
Ein feiner, warmer Hauch von verbranntem Holz stieg von seiner Brust auf.
„Verzeiht, Kanoniker“, presste er zwischen den Zähnen hervor.
Taro verharrte vollkommen unbeweglich. Seine blinden, milchig weißen Augen starrten leer nach vorn, exakt auf jenen Punkt, den Kael eben belauert hatte, auf Ryus geraden, unbeweglichen Rücken.
Der alte Mentor hütete die Geheimnisse von Solis Vanth seit Generationen und benötigte keine Sehkraft, um die unruhige Reibung und die hitzigen Störungen im Fluss des Phreems wahrzunehmen.
„Du schaust nach vorn, Kael, aber dein Geist klammert sich an den Kreis vor dir“, sprach Taro leise weiter, während der Knauf seines hölzernen Gehstocks schwer auf dem polierten Marmor ruhte.
„Du suchst nach einem Ventil für deine Hitze. Du spürst die Starre im Phreem deines Nachbarn und glaubst, du könntest diese Blockade mit deiner eigenen Flamme aufbrechen. Du willst dich beweisen. Du willst, dass er deinen Funken spürt.“
Kael fühlte sich ertappt. Ein plötzlicher, heißer Schauer jagte ihm über den Nacken, und er senkte den Kopf ein kleines Stück, sodass die fuchsroten Zacken seines Haares ihm die Sicht nahmen.
Seine Ohren röteten sich vor stummem Trotz. „Er hält sich für unnahbar. Er tut so, als wäre er den Meistern bereits ebenbürtig. Aber sein Phreem ist unruhig, ich kann es spüren.“
„Das Phreem eines Kriegers ist seine eigene Last, nicht die deine“, erwiderte Taro, und in seiner Stimme schwang eine tiefe, fast traurige Ernsthaftigkeit mit.
„Wer versucht, das Schicksal eines anderen mit Gewalt zu formen, verliert nur seinen eigenen festen Stand auf dem Fels. Wenn du dein Feuer an seine Gezeit kettest, Kael, dann wird sein Absturz dich mit in die Tiefe reißen.
Und seine Dunkelheit ist tief. Tiefer, als dein Feuer jemals leuchten kann.“
Der alte Kanoniker tat einen langsamen Schritt vorwärts.
Das vertraute, monotone Aufschlagen seines hölzernen Stocks auf dem polierten Marmor hallte leise durch die Sitzreihen und markierte das endgültige Ende des Gesprächs.
„Finde deinen eigenen Atem. Nicht seinen.“
Taro schritt langsam die Reihe hinunter, ein grauer, lautloser Geist im dichten Weihrauchdampf der Halle.
Kael blieb zurück, der heftige Puls schlug ihm spürbar bis in die Schläfen.
Er saugte die eisige Luft der Halle tief in seine Lungen, um die kochende Glut in seiner Brust Schicht für Schicht nach unten zu zwingen, bis das goldene Phreem unter der Haut seiner Unterarme zu einem matten, dunkelgoldenen Schimmern verblasste.
Sein Blick suchte noch ein letztes Mal den Weg nach vorn.
Drei Reihen weiter verharrte Ryu in unveränderter Haltung, doch jene feine, mühsam kontrollierte Anspannung in seinen Schultern war einer absoluten, künstlichen Totenstille gewichen.
Jedes winzige Lebenszeichen schien aus Ryus Körper gewichen zu sein, als hätte eine dicke Schicht aus ewigem Eis seinen Nacken überzogen und die unruhige Wärme, die Kael verströmte, abgefangen.
Kael schloss die Augen und presste die Kiefer aufeinander.
Ich werde meinen Stand auf dem Fels nicht verlieren, Taro, dachte er grimmig, während die Kälte der Halle seine erhitzte Haut langsam taub werden ließ.
Aber ich werde ihn zwingen, mich anzusehen. Auf der Trainingsmatte, wo es für ihn kein Ausweichen mehr gibt.
Die Welt war erschreckend leise geworden.Es war keine Stille, die Frieden brachte. Es war die hohle, bedrückende Taubheit eines Raumes, aus dem man schlagartig die gesamte Luft gesaugt hatte.Ryu saß auf einer moosbewachsenen Basaltklippe, dreihundert Schritt oberhalb des Ausweichlagers. Der eisige Nordwind riss an dem dunklen Wollmantel, den Kael ihm um die schmalen Schultern gelegt hatte, doch Ryu spürte die Kälte kaum. Seine Haut war zwar nicht mehr taub vom Schatten-Phreem, aber sie fühlte sich fremd an – dünn, verletzlich und der Witterung schutzlos ausgeliefert.Neben ihm im feuchten Schotter lag das obsidianene Kurzschwert.Die Klinge war stumm. Jene unheilvolle, rotierende Schicht aus schwarzem Phreem, die einst wie ein lebendiger Parasit über den Stahl gekrochen war, existierte nicht mehr. Es war nur noch ein gewöhnliches Stück dunkles Metall, stumpf geworden vom Ascheregen, ohne Glanz und ohne Stimme.Ryu beugte sich langsam nach vorn. Seine Finger, die noch immer leicht zi
Der Morgen roch nach nassem Holz, verbranntem Kiefernharz und dem dumpfen Gestank von ungewaschenen Leibern.Kael schlug die Augen auf. Jeder einzelne Muskel in seinem Nacken war steif gefroren. Seine Wirbelsäule fühlte sich an wie ein verrostetes Eisenband, das bei der kleinsten Bewegung zu brechen drohte. Er hatte die gesamte Nacht auf dem harten gestampften Lehmboden gesessen, den Rücken gegen die rohe Holzstütze der Zeltkonstruktion gepresst, während seine rechte Hand ununterbrochen Ryus kaltes Handgelenk umschlungen hielt.Er wandte langsam den Kopf.Ryu schlief. Das Gesicht des Vaelen war noch immer tödlich blass, die Schatten unter den geschlossenen Lidern fast schwarz, doch der rasselnde, fiebrige Schüttelfrost hatte nachgelassen. Der Atem des Jungen ging stetig, ein leises, dünnes Heben und Senken des Brustkorbs unter den feuchten Segeltüchern.Kael löste seinen Griff mit äußerster Vorsicht. Seine eigenen Finger waren taub, weiß an den Knöcheln und vor Kälte erstarrt.Er vers
Die Dunkelheit war nicht mehr glatt.Sie war keine seidene, lichtschluckende Schicht aus kaltem Basalt und pechschwarzem Phreem mehr, in der er monatelang wie ein meisterhaft geschliffenes Werkzeug gedöst hatte. Die Finsternis, die Ryu umgab, war zerrissen, raulappig und von einem stetigen, unbarmherzigen Pochen durchzogen.Er erwachte nicht.Er wurde aus der Besinnungslosigkeit gerissen, als hätte man ihn an einem glühenden, eisernen Haken durch kochendes Fett und zähflüssigen Teer nach oben gezogen. Der Übergang von der Bewusstlosigkeit in die Realität war kein sanftes Auftauchen, sondern ein gewaltsamer Aufprall auf den nackten Tatsachen der Existenz. Sein erster Atemzug war kein rettendes Lufolen; es war ein ersticktes, trockenes Würgen, das den gesamten Brustkorb in eine schmerzhafte Schockstarre versetzte. Seine Lungen, die jahrelang an die saure, ölige Konsistenz des unterirdischen Sumpfgases gewöhnt gewesen waren, wehrten sich hysterisch gegen die Reinheit der Atmosphäre. Als d
Der Aufstieg durch die kollabierenden Adern des Berges war kein Marsch mehr; er war ein stummes, zähes Ringen gegen die Schwerkraft einer sterbenden Welt.Kael trug Ryu fest an seine Brust gepresst. Der schwere Wollmantel, den er um den kleineren Körper gewickelt hatte, war an den Säumen zerfetzt, durchnässt von der kochenden Schlacke des zerstörten Beckens und dem schweren, grauen Staub, der unaufhörlich von den Gewölbedecken regnete. Mit jedem einzelnen Schritt, den Kael über die zerborstenen Marmorstufen nach oben setzte, zitterten die massiven Fundamente des Tempels wie das Skelett eines sterbenden Giganten. Hinter ihnen krachten die tiefen Stollen des Klerus mit einem dumpfen, endgültigen Tosen zusammen, als würde die Erde ihre eigenen Wunden für immer unter tonnenschwerem Basalt begraben.Ryu lag reglos in Kaels Armen. Sein Atem ging flach, aber stetig. Die toxische Taubheit, die den Vaelen monatelang umklammert hatte, war der nackten, physischen Erschöpfung gewichen. Seine link
Die Senke des Quell-Heiligtums war kein heiliger Ort mehr. Sie war der Schlund einer sterbenden Welle.Das goldene Phreem in Kaels Adern pulsierte mit einer Frequenz, die den gesamten Raum umhüllte. Es war eine tiefe, vibrierende Wärme, die sich unaufhaltsam gegen die toxische, eiskalte Schwere der Ur-Quelle stemmte. Kael kniete im heißen, zähen Schlamm, die Beine tief im Morast verankert. Seine Arme hielten Ryus geschundenen Körper umschlungen, als wolle er den Vaelen physisch aus der Kälte der Welt herausreißen und in sein eigenes Zentrum einweben.Ryus Stirn ruhte schwer an Kaels Schlüsselbein. Jedes Keuchen des Jungen war ein mechanisches, rasselndes Ringen. Die Rüstungsfetzen der Obsidianer, die noch an Ryus Schulter hingen, zerfielen unter der Berührung des goldenen Feuers zu feinem, grauem Staub. Wo immer Kaels Hände die nackte Haut des Vaelen berührten, reagierte das Gewebe. Die pechschwarzen, verätzten Adern, die sich wie eitriges Geäst über Ryus Brust gezopen hatten, glühten
Die Kälte in seinen Knochen war kein Schutz mehr. Sie war ein käfigartiges Gefängnis geworden, das von innen heraus zersprang.Ryu lag im flachen, fast kochenden Schlamm am östlichen Rand des zerstörten Beckens. Der Basalt unter seinen zitternden Fingern war von feinen, haarscharfen Rissen durchzogen, aus denen pausenlos gurgelndes, pechschwarzes Wasser sickerte. Die schwere, mattschwarze Rüstung der Inquisitoren, die man ihm aufgezwungen hatte, war an der linken Schulter von Nogusas verzweifeltem Schlag zersplittert. Das Eisen hatte sich tief in seine Haut gegraben, doch die Wunde blutete kaum. Die dicke, verdorbene Tinte in seinen Adern gerann, bevor sie die Oberfläche erreichen konnte, und hinterließ nur eine eitrige, violette Verätzung.Über ihm heulte die Architektur des Tempels ihr eigenes Requiem.Große Blöcke aus weißem Marmor, die jahrhundertelang die herrschaftliche Symmetrie des Klerus repräsentiert hatten, lösten sich aus der hohen Gewölbedecke und krachten mit dumpfem, ohr







