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Kapitel 3

Autor: Nebelklang
Schon zu Beginn ihrer Ehe war das Verhältnis zwischen ihnen alles andere als harmonisch.

Konstantin kam kaum nach Hause. Zweimal im Monat miteinander zu schlafen war schon ein Luxus.

Von Gesprächen im Alltag ganz zu schweigen.

Gegen Ende ihres ersten Ehejahres sollte Konstantin zur Niederlassung in den USA wechseln. Dort wollte er den Grundstein dafür legen, die Macht in der Familie Schritt für Schritt an sich zu ziehen.

In der Nacht vor seinem Abflug kam er betrunken von einem Geschäftsessen zurück und vergaß zum ersten Mal zu verhüten.

In dieser Nacht verhielt er sich ganz anders als sonst. Von seiner gewohnten Zurückhaltung war nichts mehr zu spüren. Der Alkohol hatte ihn so benebelt, dass er nicht einmal erkannte, wer bei ihm war.

Zwei Monate nach seiner Abreise wusste Charlotte, dass sie schwanger war.

Sie beherrschte die Pulsdiagnose und hatte die Schwangerschaft selbst festgestellt.

Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet.

Damals dachte sie sogar naiv: Wenn er sich selbst ohnehin für zeugungsunfähig hielt – konnte ein Baby sie dann nicht vielleicht einander näherbringen?

Deshalb beschloss sie, erst einmal vorzufühlen.

Sie flog sofort nach New York. Voller Freude und Erwartung fuhr sie direkt zu seiner Firma und wartete zwei Stunden lang im eisigen Wind. Konstantin war sichtlich überrascht, sie zu sehen. Er stellte sie niemandem als seine Frau vor, sondern ließ sie nur von einem Assistenten in seine Wohnung bringen.

Sie war so von Hoffnung erfüllt, dass sie die Kälte gar nicht bemerkte, mit der Konstantin nach außen hin auf Abstand zu ihr ging.

Am Abend kam er nach Hause und duschte. Ob der lange Flug sie erschöpft hatte, fragte er nicht einmal. Er beugte sich über sie und küsste ihr Ohrläppchen – doch in seinen Augen lag nichts als distanzierte Pflichterfüllung.

Für ihn war offenbar klar: Sie war nur hergekommen, um mit ihm zu schlafen.

Unbehaglich schob Charlotte ihn von sich. Ihr Herz klopfte wild, doch sie riss sich zusammen und fragte angespannt: „Wenn ich schwanger wäre ... würden wir dann ...?“

Die Frage schien ihm die ohnehin spärliche Lust zu verderben.

Abrupt ließ Konstantin von ihr ab, legte sich neben sie und schloss die Augen. Sie lagen im selben Bett und waren doch meilenweit voneinander entfernt.

„Falls du glaubst, ein Kind wird der Rettungsanker unserer Ehe, schlag dir das aus dem Kopf.“

Sein Ton blieb gelassen und ruhig – und zugleich erschreckend grausam und direkt.

Dahinter steckte eine Gefühlskälte, die ihr bis ins Mark ging.

Die ganze Nacht fand sie keinen Schlaf.

Sie wollte weinen – aber hatte sie sich das alles nicht selbst eingebrockt?

Am nächsten Tag buchte Konstantin ihr einen Rückflug nach Hause und überließ den Rest seinen Leuten. Es glich einem Rauswurf. Keine Minute länger sollte sie bleiben.

Sie war traurig und enttäuscht. Doch wegen der Scheidungsvereinbarung mit ihrer Siebenjahresfrist wusste sie: Ihr Ende war längst besiegelt. Das half ihr, rasch eine Entscheidung zu treffen.

Ob Konstantin sich wirklich nichts aus Kindern machte oder fest davon überzeugt war, zeugungsunfähig zu sein – von ihr erfuhr er kein einziges Wort.

Das Kind in ihrem Bauch war ihr eigen Fleisch und Blut. Ihn ging es nicht das Geringste an!

Seine Haltung sollte sie nicht dazu treiben, ihrem Körper und ihrem Kind zu schaden.

Kind behalten, Vater loswerden – im Nachhinein war das die kühnste, verrückteste und doch richtigste Entscheidung, die sie je getroffen hatte!

Und warum die kleine Emma Holst hieß ...

Den Nachnamen hatte sie nicht von Nina, sondern von deren Cousin – dem künftigen Oberhaupt der Familie Holst.

Charlotte dachte an den Mann, der bereit gewesen war, ihr zu helfen, und ihr Kind unter seinem Namen aufwachsen ließ –

Sie schüttelte den Kopf und sah auf den Chat mit Emma.

In der Familie Sternberg ahnte niemand etwas davon.

Jetzt war ihre Tochter das Einzige, was sie aus dieser Ehe mitnahm.

Konstantin hatte als Ehemann versagt, gewiss. Aber warum sollte sie sich noch mit ihm herumärgern? Für sie war er nur noch Emmas biologischer Vater.

-

Als Charlotte Nina von der Scheidung erzählte, war Nina einige Sekunden lang sprachlos. Niemand wusste besser als sie, wie sehr Charlotte Konstantin geliebt hatte – seit ihrer Teenagerzeit, mehr als zehn Jahre lang.

Diese Trennung musste Charlotte das Herz aus der Brust reißen. Und trotzdem klang ihre Stimme jetzt so ruhig.

Es war die Gewöhnung, die Abstumpfung nach unzähligen Verletzungen.

Nina fand sogar: Dass Charlotte Konstantin seine Tochter im Kindergartenalter verschwieg, hatte er sich selbst zuzuschreiben! Das war die gerechte Strafe!

Sie wusste schließlich, wie viel Charlotte hatte einstecken müssen, und stimmte prompt zu: „Männer sind wie benutztes Klopapier: zu nichts nütze und einfach nur eklig! Mies sein liegt denen im Blut! Müll gehört in die Tonne!“

Nach dem Gespräch packte Charlotte ohne Pause ihre persönlichen Sachen weiter.

Sieben Jahre als Ehefrau eines Sternberg – und am Ende reichten zwei Koffer.

Sie senkte den Blick auf den Diamantring an ihrem Ringfinger.

Behutsam strich sie darüber. Der Ring fühlte sich nach all den Jahren vertraut und glatt an – und doch schnitt er ihr wie eine Klinge ins Herz.

Sie atmete tief durch, zog ihn ohne jedes Bedauern ab und legte ihn in den Umschlag mit der Scheidungsvereinbarung.

Im Schutz der stillen Nacht lud sie die Koffer ins Auto.

Es war schon sehr spät.

Zurück im Haus schlief sie in ihren Kleidern ein.

Am nächsten Morgen weckte sie der Lärm von unten. Dort wurde geschleppt und gerückt.

Sie hatte nur drei Stunden geschlafen, und der Krach fuhr ihr wie eine Bohrmaschine in den Schädel.

Trotz ihres Unwohlseins machte sie sich fertig. Dann platzierte sie den Umschlag mitten auf den leer geräumten Schminktisch.

So konnte Konstantin diese lang ersehnte Überraschung gar nicht übersehen, sobald er hereinkam.

Dann ging sie hinaus.

Nina hatte ihr am Vorabend bereits eine Wohnung mit drei Schlafzimmern besorgt – schließlich sollte die kleine Emma bald bei Charlotte einziehen.

Charlotte wollte das Gepäck gleich dorthin bringen.

Oben an der Treppe sah sie einen etwa dreizehnjährigen Jungen im Wohnzimmer stehen, der die Arbeiter herumkommandierte.

Als er sie bemerkte, herrschte er sie mit seiner kippenden Stimme an: „Pack deinen Kram und verschwinde! Hier zieht bald meine Schwägerin ein. Mach ihr ja nichts dreckig!“

Der Junge war unverschämt und rüpelhaft.

Es war Lukas Sternberg, Konstantins jüngerer Bruder.

Völlig verzogen – mit Konstantin hatte er nicht die geringste Ähnlichkeit.

Sie selbst hatte er nie als Schwägerin bezeichnet. Jetzt aber nahm er eine andere Frau in Schutz.

Charlotte sah von oben auf ihn herab. Kühl erwiderte sie: „Wer?“

„Na, Isabel! Das ist wenigstens eine Frau, die zu Konstantin passt! Du hast dich jahrelang bei meinem Bruder und bei uns breitgemacht – und was kannst du außer Haushälterin spielen?“ Lukas stemmte die Hände in die Hüften, sein kindliches Gesicht voller Verachtung.

Charlotte warf einen Blick auf die Möbel, die hereingetragen wurden.

Ein neuer Schminktisch, ein neues Sofa, ein neuer Standspiegel – alles ganz nach Isabels Geschmack.

„Wer hat das erlaubt?“, fragte Charlotte mit eisiger Miene.

Ihre Kälte erschreckte Lukas. Wütend und gekränkt fauchte er: „Mein Bruder natürlich! Wer denn sonst?“

„Er will dich nicht mehr! Du ekelst ihn an! Für ihn bist du nichts mehr wert! Wenn du schlau bist, machst du sofort Platz!“

Charlotte presste die Lippen zusammen.

Es traf sie wie ein dumpfer Schlag vor die Brust. Sekundenlang war ihr Kopf völlig leer.

Konstantin konnte es also kaum erwarten, dass sie Platz machte für die Frau, die er liebte.

Erst gestern hatte sie herausgefunden, was er mit der schwangeren Isabel trieb – und heute zeigte er es schon ganz unverhohlen.

Richtete er ihr gemeinsames Zuhause schon für die neue Hausherrin her?

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Último capítulo

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 30

    Konstantin ging noch einmal ins Arbeitszimmer, um etwas zu holen.In kürzester Zeit hatte er sich für die ungeheure Summe von sechsundzwanzig Millionen die Gelegenheit erkauft, Isabel glücklich zu machen.Auf ihn warten?Hatte er sie noch alle?Charlotte war bereits vor Tagen ausgezogen, und er schien es nicht einmal bemerkt zu haben.Wie gleichgültig musste sie ihm sein, dass ihm selbst das entging?Ihr war beinahe zum Lachen zumute.Sie hatte keine Lust, sich weiter mit Konstantin abzugeben. Nachdem sie das Familienfoto sicher verstaut hatte, verließ sie das Haus.Als sie wieder in ihren alten Opel stieg, stellte sie genervt fest, dass der Wagen schon wieder streikte.Der Motor sprang einfach nicht an.Egal wie oft sie es versuchte, das Auto verweigerte den Dienst.Wenn man Pech hatte, ließ einen selbst der eigene Wagen im Stich.Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz nach acht war.Charlotte stieg aus, um nach dem Fehler zu suchen, doch es half nichts.Als Konstantin heraus

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 29

    Charlotte hatte nicht damit gerechnet, Konstantin zu Hause anzutreffen.Früher war er kaum je da gewesen. Doch bei ihren letzten Besuchen war sie ihm jedes Mal begegnet.Als er das Geräusch an der Tür hörte, hob er den Blick. Charlotte sah abgehetzt aus. „Hast du so viel zu tun bei der Arbeit?“Sie schien derart beschäftigt, dass sie in letzter Zeit kaum noch heimkam.Vom Anwesen der Sternbergs hatte er erfahren, dass sie schon seit Tagen keine Heilkost mehr vorbeigebracht hatte.Früher hatte Charlotte sogar Wege gefunden, ihm stärkende Suppen direkt in die Firma liefern zu lassen.Auch das war inzwischen ausgeblieben.Er wusste, woran es lag.Immer noch die Sache mit Isabel.Diesmal zeigte Charlotte allerdings deutlich mehr ‚Rückgrat‘ als sonst.Sie wollte darauf nicht eingehen und wandte sich an Monika. „Wo ist das Foto?“Monika trocknete sich die Hände ab und deutete auf den Platz, an dem Konstantin saß. „Auf dem Tisch vor Herrn Sternberg.“Erst jetzt bemerkte Charlotte das Familien

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 28

    „Wer?“, fragte Charlotte skeptisch.Als sie das Besprechungszimmer betrat und Isabel dort sitzen sah, hatte sie bereits eine Vermutung.Diese saß mit überschlagenen Beinen da und blickte beim Geräusch der Tür langsam auf.Charlottes Erscheinen überraschte sie nicht. Ganz selbstverständlich erklärte sie: „Das Haus, für das du die Anzahlung geleistet hast – ich habe ein Auge darauf geworfen.“Charlotte sah sie gelassen an. „Und weiter?“Isabel kam direkt zur Sache. „Nenn mir einen Preis. Ich will es kaufen.“Offenbar erwartete sie ganz selbstverständlich, dass alle ihr den Weg freimachten.Charlottes Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. „Du musst wohl alles probieren. Soll ich demnächst ein paar Güllewagen an deinem Haus vorbeischicken, damit du auch davon kosten kannst?“Isabels Gesichtszüge erstarrten kurz.Sollte das etwa heißen, dass sie ... Scheiße fressen sollte?Sie runzelte die Stirn. „So primitiv und ordinär. Kein Wunder, dass Konstantin nichts von dir wissen will.

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 27

    Durch die Scheibe sah Charlotte Konstantin und Isabel drinnen sitzen.Ihnen gegenüber saßen ein Ehepaar mittleren Alters und Tobias, den sie ebenfalls kannte.Drei von ihnen begegnete sie häufiger.Aber dieses Ehepaar ...Es waren Gerhard Brenner, ihr leiblicher Vater, und Rosemarie Brenner, die Frau, mit der er während seiner Ehe mit Charlottes Mutter jahrelang eine Affäre gehabt hatte.Als Nina dazukam und Konstantin und Isabel drinnen sah, stieß sie ein verächtliches „Pah!“ aus. „Verdammtes Pack!“Trotz ihrer Flüche bemerkte sie, wie schlecht Charlotte aussah, und zog sie rasch in den Restaurantbereich. Dort nahmen sie Platz.„Ich weiß, dass es kurz vor der Scheidung immer noch wehtut. Das ist ganz normal. Schließlich hat man nicht beliebig viele Siebenjahresabschnitte zu verschenken.“Nina war nicht gerade für ihr Feingespür bekannt, doch sie versuchte nach Kräften, ihre Freundin zu trösten.Charlotte schüttelte den Kopf. „Deswegen ist es nicht.“„Weswegen dann?“„Isabels Stiefvate

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 26

    Schließlich hatte sie Konstantin unter dem Vorwand eines Immobilienkaufs dazu gebracht, die Erklärung zu unterschreiben.Seine plötzliche ‚Anteilnahme‘ machte sie nervös, doch den Grund dafür durfte sie sich nicht anmerken lassen.„Nein.“ Charlotte sah, dass Isabel in einiger Entfernung auf sie zukam, und fragte beiläufig: „Kannst du mir gerade bei der Auswahl helfen?“Konstantin musterte sie nachdenklich.Ob er wollte oder nicht, sagte er nicht.Hinter ihnen erklang schon Isabels Stimme: „Konstantin, lass uns fahren.“Charlotte sah hinüber.In Isabels Blick lag ein Hauch von Unmut. Offensichtlich passte es ihr nicht, dass die rechtmäßige Ehefrau die Zeit ihres Freundes beanspruchte.Konstantin entschied sich fast sofort: „Ja, steig ein.“Er drehte sich um und ging auf Isabel zu.Er sagte nichts weiter, doch Charlotte wusste, dass das eine Absage war.Konstantin opferte keine Zeit mit Isabel, um Charlotte beim Immobilienkauf zu beraten.Isabels Miene entspannte sich ein wenig. Sie warf

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 25

    Da kam er schon extra her, um ihr ein tröstendes Wort zu sagen.Und Charlotte wusste das nicht zu schätzen?Moritz runzelte die Stirn.Er fand es selbst völlig unbegreiflich, dass er ihr überhaupt nachgegangen war!Wie verhext! -Charlotte verschwendete keinen Gedanken mehr an Moritz.Sie fuhr nach unten in den separaten Bereich.Dort war niemand zu sehen.Der Kellner, der sie eben noch an ihre wartende Verabredung erinnert hatte, kam erneut auf sie zu. „Frau Wendt, entschuldigen Sie. Ich habe nur auf Anweisung meiner Vorgesetzten gehandelt.“Charlotte war nicht dumm. Sofort durchschaute sie das Hin und Her.Diese sogenannte ‚Verabredung‘ hatte es wohl nie gegeben.Elisabeth hatte das Ganze absichtlich eingefädelt.Zuerst sollte Charlotte Konstantin in der Loge treffen und mit ihm zu Abend essen.Dann hatte die alte Dame einen erfundenen Mann ins Spiel gebracht, um Konstantins ... Eifersucht als Ehemann zu wecken?Offensichtlich gab Elisabeth nicht auf und wollte die beiden erst einma

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