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Kapitel 2

Autor: Nebelklang
Die junge Krankenschwester verstummte schlagartig und lief rot an.

Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Charlotte, ohne mit der Wimper zu zucken, ein so intimes Geheimnis über ihren eigenen Mann ausplauderte.

Andererseits klang es glaubhaft.

Wer blieb sonst sieben Jahre verheiratet, ohne ein Kind zu bekommen?

Entsprechend mitleidig sah sie Charlotte nun an.

Charlotte verschwieg die Wahrheit.

In Wirklichkeit wollte Konstantin nicht, dass sie ein Kind von ihm bekam.

Schon in der Hochzeitsnacht hatte er ihr eiskalt erklärt: „Ich habe zu viel zu tun, für ein Kind bleibt mir keine Zeit. Deshalb will ich keins. Mach dir keine Hoffnungen und versuch gar nicht erst, mit mir darüber zu verhandeln.“

Damals hatte sie Verständnis für ihn. Er war schließlich wirklich sehr beschäftigt.

Aber jetzt ... glaubte sie zu verstehen, warum er Kinder ablehnte.

Ein Kind von einer anderen sollte der Frau, die er liebte, nicht im Weg stehen.

Das Lächerliche daran: Noch vor Kurzem hatte sie allen Ernstes überlegt, Konstantin von seiner Tochter zu erzählen. Wie dumm von ihr!

Wieder näherten sich Schritte. Als Charlotte aufsah, blickte sie direkt in Konstantins unergründliche Augen.

Er hielt die Zahlungsquittung in der Hand. Sein Blick war kälter als der eines Fremden.

Hatte er ihre üble Nachrede über seine ‚Erektionsstörungen‘ eben gehört?

Dann aber dachte sie: Na und?

Sie wollte sich nicht mehr darum scheren.

Und tatsächlich wandte Konstantin den Blick schnell wieder ab und ging teilnahmslos davon.

Charlotte überraschte das nicht.

So war er schon immer gewesen.

Seine Ungeduld, seine Gleichgültigkeit, sein Widerwille, auch nur einen Funken Energie an sie zu verschwenden – nichts davon versuchte er je zu verbergen.

Wenn sie Streit suchte, ließ er sie ins Leere laufen.

Ihr blieb nur, Tag für Tag alles hinunterzuschlucken, bis es ihr die Brust zuschnürte.

Sie hatte einen Ehemann und trotzdem niemanden, an den sie sich anlehnen konnte.

Geschweige denn jemanden, der ihr innerlich Halt gab.

Auch deshalb hatte sie damals heimlich ihre Tochter zur Welt gebracht. Seitdem zog sie das Mädchen hinter seinem Rücken groß.

Mit schweren Schritten kehrte Charlotte in ihr eigenes Sprechzimmer zurück.

Sie zog die Schublade unter dem Schreibtisch auf. Darin lagen zwei Stapel Dokumente.

Vor ihrer standesamtlichen Trauung mit Konstantin hatte Heinrich Sternberg, der Seniorchef der Sternberg-Gruppe, das Gespräch mit ihr gesucht und ihr zwei Verträge vorgelegt.

Der eine war ein Ehevertrag. Der andere ... eine Scheidungsvereinbarung.

Für die Sternbergs war ihre Herkunft schlicht nicht gut genug. Zwischen ihr und Konstantin lagen Welten. Nur weil die Sache damals so hohe Wellen schlug, nahm die Familie sie überhaupt auf.

Der alte Herr hielt nichts von ihr.

Die Scheidungsvereinbarung sah eine Frist von sieben Jahren vor.

Nach Ablauf dieser Frist sollte die Vereinbarung ... in Kraft treten.

Konstantin hatte damals nicht einmal hineingeschaut und ohne Umschweife unterschrieben. Vermutlich wusste er bis heute nicht, dass diese Scheidungsvereinbarung überhaupt existierte.

Und jetzt blieben bis dahin ... nur noch drei Monate.

Sie wollte keine Sekunde mehr verschwenden. Kurzerhand steckte sie die Unterlagen in ihre Tasche. Nach Dienstschluss schleppte sie sich erschöpft zurück in das Haus, das sie mit Konstantin bewohnte.

Kaum war sie in ihre Hausschuhe geschlüpft, kam Konstantin die Treppe herunter.

Charlotte blieb stehen.

Konstantin jedoch machte keine Anstalten, mit ihr zu reden oder ihr den Vorfall in der Notaufnahme zu erklären.

Als er an ihr vorbeiging, fand sie endlich ihre Stimme wieder. „Lassen wir uns scheiden. Ich gebe dir drei Monate, um die Vermögensübertragung und -aufteilung zu regeln.“

Erst jetzt blieb Konstantin stehen.

Seine langen Finger hielten kurz inne, während er gemächlich die edelsteinbesetzten Manschettenknöpfe anlegte. Aus dunklen, schmalen Augen sah er kühl auf sie herab. „Nur weil ich Isa heute ins Krankenhaus begleitet habe?“

‚Nur‘ – für ihn war das also eine Kleinigkeit.

Er wusste genau, dass es sie treffen musste – und hatte trotzdem kein Wort darüber verloren.

Charlotte hielt seinem Blick stand und sagte leise: „Ja.“

Wer im Recht war, darüber wollte sie nicht mehr streiten.

Und von dem Kind sollte Konstantin nicht das Geringste erfahren.

Konstantins Miene blieb nahezu ausdruckslos. Ob sie absichtlich eine Szene machte, interessierte ihn nicht. „Zu Hause kannst du deine Launen ausleben. Aber draußen bist du Frau Sternberg. Du weißt, wie du dich zu benehmen hast.“

Mit diesen Worten wollte er nur Isabels makelloses Image in der Öffentlichkeit schützen.

Was Charlotte empfand, war ihm egal.

Sie begriff: Ob sie die beiden nun in flagranti erwischte oder nicht – Konstantin sah keinen Grund, sich vor seiner Ehefrau zu rechtfertigen.

„Keine Sorge.“

Unbewusst grub Charlotte die Fingernägel in die Handflächen. Der Schmerz half ihr, ruhig zu klingen. „Nach der Scheidung geht mich das ohnehin nichts mehr an.“

Vielleicht überraschte ihn das doch.

Ungerührt musterte Konstantin seine Frau mit kühlem Blick. Sonst hatte sie sich ihm immer gefügt, nun zeigte sie auf einmal die ‚Krallen‘.

„Ich habe gerade keine Zeit für deine Befindlichkeiten. Wenn dich das so sehr stört, lass dir von einem Anwalt eine Vereinbarung aufsetzen.“

In sieben Ehejahren hatte er sich nicht einmal an ihre Gegenwart gewöhnt – von Liebe ganz zu schweigen. Ohne zu zögern, willigte er ein.

Charlotte verlor keine Zeit. Entschlossen ging sie an dem hochgewachsenen Mann vorbei und stieg die Treppe hinauf, um ihre Sachen zu packen.

Konstantin kniff die kalten Augen leicht zusammen und sah ihrer schmalen Gestalt nach.

Doch schon nach zwei Sekunden glaubte er, ihre Absicht durchschaut zu haben.

Ihre diesmal etwas ‚heftigere‘ Reaktion nahm er nicht ernst.

Solche Versuche, seine Aufmerksamkeit zu erregen, hatte es schon öfter gegeben.

Er musste sich nie darum kümmern.

Denn am Ende gab Charlotte immer klein bei.

Bekam sie keine Reaktion, tröstete sie sich selbst und ließ sich nichts mehr anmerken.

Oft dauerte es nicht einmal ein paar Tage.

Ihre sogenannten Gefühle waren für ihn also nicht viel ‚wert‘.

Gleichmütig sah er weg, griff nach seinem Mantel und verließ, ohne sich umzudrehen, erneut das Haus.

Charlotte stand in ihrem Zimmer und betrachtete das Zuhause, das sie sieben Jahre lang liebevoll eingerichtet hatte. Sie wusste kaum, wo sie anfangen sollte.

Genau da meldete sich WhatsApp.

Als sie das Comic-Profilbild aufleuchten sah, wurden ihre Züge sofort weich.

Sie tippte die Sprachnachricht an. Wieder erklang die helle Kinderstimme: „Mama, nächsten Monat komme ich zu dir nach Berlin! Dann sind wir für immer zusammen!“

Plötzlich brannte es Charlotte hinter den Lidern.

Sie legte rasch den Kopf in den Nacken und drängte die Tränen zurück.

Zum Glück.

Sie hatte noch ihren kleinen Schatz.

Zum Glück.

Sie hatte Konstantin nichts von dem Kind erzählt.

Fast gleichzeitig rief ihre beste Freundin Nina Holst an, halb aufgeregt, halb besorgt. „Unsere Kleine kommt?“

„Nächsten Monat.“

Nina schnalzte mit der Zunge und platzte dann heraus: „Heißt es nicht, Konstantin ist zeugungsunfähig? Du hast längst heimlich eine Tochter von ihm bekommen, und dein Plan steht fest: Kind behalten, Vater loswerden! Wenn der das erfährt, dreht er dann nicht völlig durch?“

Charlotte lachte kurz auf, mit einem Hauch Selbstironie. „Wird er nicht.“

Konstantin machte sich ja nicht einmal etwas aus ihr – warum sollte ihn so etwas kümmern?

Er hatte sich sogar auf die Verlobte seines Cousins eingelassen – und dabei offenbar nicht einmal auf eine mögliche Schwangerschaft Rücksicht genommen!

Ob ihm Kinder etwas bedeuteten oder nicht – er verdiente es nicht, Vater zu sein!

Und was die angebliche Zeugungsunfähigkeit betraf ...

Einen Moment lang blickte Charlotte ins Leere.

Im ersten Ehejahr war sie nicht schwanger geworden – Konstantin verhütete eben stets zuverlässig. Damals schnappte sie zufällig auf, wie das Hauspersonal hinter vorgehaltener Hand darüber redete.

Die Angestellten hielten es für sehr wahrscheinlich, dass Konstantin keine Kinder zeugen konnte.

Die Familie Sternberg hatte zuvor immer wieder versucht, ihn mit einer standesgemäßen Tochter aus gutem Hause zu verheiraten.

Er aber lehnte jedes Mal ab und verkündete sogar: „Kinder wird es von mir nicht geben.“

So verbreitete sich nach und nach das Gerücht vom zeugungsunfähigen Erben der Sternbergs.

Dass ihre siebenjährige Ehe kinderlos blieb – zumindest dem Anschein nach –, schien das für Außenstehende nur zu bestätigen.

Anfangs hielt Charlotte es tatsächlich für wahr. Es machte ihr nicht einmal etwas aus. Hauptsache, sie führten ein gutes Leben – ein Kind war für sie nur das Tüpfelchen auf dem i.

Allerdings verhüteten sie und Konstantin konsequent.

Was ihr Intimleben betraf, hatte sie an ihm nichts auszusetzen.

So schlecht es auch um ihre Ehe stand, das konnte sie nicht leugnen.

Später aber wich er dem Thema Kinder ständig aus.

Irgendwann glaubte sie selbst felsenfest an die Geschichte.

Bis zu jenem Tag –

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Último capítulo

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 30

    Konstantin ging noch einmal ins Arbeitszimmer, um etwas zu holen.In kürzester Zeit hatte er sich für die ungeheure Summe von sechsundzwanzig Millionen die Gelegenheit erkauft, Isabel glücklich zu machen.Auf ihn warten?Hatte er sie noch alle?Charlotte war bereits vor Tagen ausgezogen, und er schien es nicht einmal bemerkt zu haben.Wie gleichgültig musste sie ihm sein, dass ihm selbst das entging?Ihr war beinahe zum Lachen zumute.Sie hatte keine Lust, sich weiter mit Konstantin abzugeben. Nachdem sie das Familienfoto sicher verstaut hatte, verließ sie das Haus.Als sie wieder in ihren alten Opel stieg, stellte sie genervt fest, dass der Wagen schon wieder streikte.Der Motor sprang einfach nicht an.Egal wie oft sie es versuchte, das Auto verweigerte den Dienst.Wenn man Pech hatte, ließ einen selbst der eigene Wagen im Stich.Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz nach acht war.Charlotte stieg aus, um nach dem Fehler zu suchen, doch es half nichts.Als Konstantin heraus

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 29

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  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 28

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  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 25

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