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Kapitel 4

Autor: Nebelklang
Mit Konstantins stillschweigendem Einverständnis kamen Isabels Möbel ins Haus – eine Botschaft an alle: Seht her, wie kläglich seine Frau gescheitert ist.

Auch wenn Charlotte sich von ihm scheiden lassen wollte.

Auch wenn er es kaum erwarten konnte, der bisherigen Verlobten seines Cousins einen offiziellen Platz an seiner Seite zu geben – solange sie noch verheiratet waren, ließ Charlotte sich nicht so demütigen!

Schritt für Schritt ging sie hinein. Mit beinahe gelassener Miene musterte sie die Arbeiter und zeigte nacheinander auf jedes Möbelstück, das sie hereingetragen hatten. „Diese Sachen sind ziemlich wertvoll. Ich schenke sie euch – gebraucht bringen sie bestimmt noch einen guten Preis. Bitte schafft sie wieder raus.“

Die Männer waren nur für diesen Auftrag angeheuert.

Bei so einem Angebot hörten sie natürlich lieber auf die Erwachsene und machten sich gut gelaunt ans Werk.

Lukas kam nicht mehr dazwischen. Wütend fuchtelte er Charlotte mit dem Finger vor der Nase herum. „Was bildest du dir ein? Das ist ein Geschenk von meiner Mutter an meine Schwägerin! Glaubst du, du hast hier was zu sagen? Mein Bruder wirft dich raus!“

Charlotte begriff.

Hinter alldem steckte nicht nur Konstantin, sondern auch ihre Schwiegermutter Claudia Sternberg.

Sie sah auf Lukas hinunter und sagte langsam, Wort für Wort: „Gut. Dann komme ich morgen in deine Schule und erzähle deinen Mitschülern, dass du deinen Bruder mit der Verlobten eures Cousins verkuppelst. Dass Fremdgehen bei den Sternbergs Familientradition ist und ihr auch noch stolz auf eure Verdorbenheit seid. Du magst Isabel doch so sehr – ich mache für dich Werbung. Dann bist du an deiner Schule endlich berühmt. Na, wie klingt das?“

Ihre Worte waren alles andere als zimperlich.

So scharf hatte sie Lukas noch nie angefahren. Bisher hatte sie ihn immer mit Samthandschuhen angefasst. Entsprechend fassungslos riss er die Augen auf.

Sein Gesicht lief knallrot an. „Ich wusste es! Du bist eine gemeine, boshafte Hexe! Das traust du dich nicht!“

Charlotte zuckte mit den Schultern.

Da sieht man es.

Von wegen, Kinder wissen es nicht besser! Von wegen kindliche Unschuld!

Sobald das Messer im eigenen Fleisch steckt, tut es plötzlich weh.

Nachsicht, nur weil er noch klein ist?

Wer hat das festgelegt?

Der Lärm hatte offenbar jemanden aufgeschreckt.

Mit finsterer Miene kam Claudia herein. „Was ist hier los?“

Dabei richtete sie den Blick auf Charlotte und runzelte die Stirn. „Es ist fast zehn. Warum bist du heute so spät aufgestanden? Ist das Essen immer noch nicht fertig? Was soll ich denn essen? Und was soll Isa essen?“

Allein bei dem Gedanken schnürte es Charlotte die Kehle zu.

Sie kannte sich mit Medizin aus. In der einen Woche pro Monat, in der sie wieder zu Hause war, kümmerte sie sich um die Gesundheit der ganzen Verwandtschaft. Die Gerichte mit Heilkräutern bereitete sie selbst zu, abgestimmt auf die Beschwerden und Vorlieben aller. Schon vor fünf Uhr werkelte sie in der Küche, damit vor Dienstbeginn alles bereitstand.

Anschließend ließ sie das Essen auf das Anwesen der Sternbergs bringen – für die einzelnen Zweige der Familie und für Konstantins Großmutter.

Auch für Isabel war jedes Mal eine Portion dabei.

Früher hatte Claudia Isabel auffallend herzlich behandelt. Charlotte hatte es auf deren Fähigkeiten zurückgeführt, auf ihr Aussehen und darauf, wie gut sie sich mit den Älteren verstand.

Im Nachhinein ... waren die Anzeichen nicht längst da gewesen?

Claudia hatte von Anfang an gewusst, dass Isabel die Frau war, die Konstantin im Herzen trug. Das erklärte die auffällige Bevorzugung. Und seit Isabels Verlobter im Gefängnis saß, versuchte Claudia erst recht, die beiden zusammenzubringen – offen wie hinter den Kulissen.

Ein ganzes Jahr lang hatte Charlotte ahnungslos die Geliebte ihres Mannes bekocht.

Wie eine Närrin, die man nach Belieben an der Nase herumführte.

Nie hatten sie ihr auch nur einen Funken Respekt entgegengebracht.

Charlotte wollte nicht länger nachgeben. Ruhig erwiderte sie nur noch: „Wenn ihr ohne mich nicht leben könnt, dann sterbt doch.“ Damit wandte sie sich ab und ging.

Claudias Miene verfinsterte sich schlagartig.

Ungläubig starrte sie Charlotte hinterher.

Selbst die Haushälterin daneben schnappte nach Luft.

Hatte die junge Frau Sternberg vor Eifersucht auf Frau Brenner den Verstand verloren?

Wie konnte sie es wagen, so respektlos mit ihrer Schwiegermutter zu sprechen?

Claudia fing sich schnell wieder und verzog verächtlich die Lippen. „So ein ordinäres Benehmen! Und mit so wenig Format will sie ihren Mann halten? Die träumt wohl!“

-

Nachdem Charlotte ihr Gepäck in die neue Wohnung gebracht hatte, fuhr sie in das Krankenhaus, in dem sie vier Jahre gearbeitet hatte, und reichte ihre Kündigung ein.

Sie hatte sich damals für diese Klinik mit eher mittelmäßigem Ruf entschieden, weil sie nicht weit von der Zentrale der Sternberg-Gruppe lag.

Jetzt, da sie Konstantin nicht mehr wollte, gab es keinen Grund mehr, hier ihre Zeit zu vergeuden.

Sie hatte immer eine Alternative gehabt – beruflich gab es bessere Möglichkeiten für sie.

Für den Nachmittag war sie mit Nina zum Essen verabredet.

Nina hatte ihr bereits die Adresse geschickt.

Das Restaurant lag ganz in der Nähe.

Kaum hatte Charlotte es betreten, winkte Nina ihr zu, schenkte ihr eine Tasse Tee ein und schob sie ihr hin. „Ist die Kündigung durch?“

Charlotte nickte. „So gut wie.“

„Und wie hat Konstantin reagiert, als du die Scheidung angesprochen hast?“ Das interessierte Nina dann doch.

Für einen Mann wie ihn kratzte es bestimmt am Ego, dass ausgerechnet Charlotte sich von ihm trennen wollte.

Charlotte blickte auf den Tee, von dem zarte Dampfschwaden aufstiegen, und schüttelte den Kopf. „Er hat sich nicht dazu geäußert.“

Er hatte sich nicht einmal mit ihr hingesetzt, um in Ruhe über die Scheidung zu reden.

Selbst jetzt, wo sie die Nase voll hatte und gehen wollte, konnte er sie weiter ignorieren.

Männer waren schon lächerliche Geschöpfe: Sie durften dich fallen lassen – aber wehe, du machtest zuerst Schluss.

Nina knirschte vor Wut mit den Zähnen. „Hat der Kerl einen Stein statt eines Herzens? Sieben Jahre! Da muss doch jeder Mensch irgendwie reagieren!“

Charlotte wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.

Sie war gescheitert. Ihre aufrichtige Liebe war mit Füßen getreten worden. Diese Demütigung lag schonungslos offen vor ihr. Ausweichen konnte sie ihr nicht.

Nur sie selbst kannte das ganze Ausmaß dessen, was sie in diesen sieben Jahren durchgemacht hatte.

Ihre Tränen waren längst versiegt.

Sie war nicht mehr die Frau, die um einen Krümel Zuneigung von Konstantin bettelte, nur um irgendwie weiterzumachen.

Nina wollte wissen, was den Ausschlag für die Scheidung gegeben hatte.

Charlotte verheimlichte nichts und erzählte ihr, was in der Notaufnahme passiert war.

Nina lief puterrot an. Sie sprang auf und schlug mit der Hand auf den Tisch. „Diese miesen Schweine können nicht mal ein bisschen diskret sein?! Hat diese Isabel denn gar keinen Anstand? Wie lange sitzt ihr Verlobter überhaupt schon im Gefängnis? Und sie hat schon eine Affäre mit seinem Cousin! Ist sie etwa auch noch schwanger?“

So etwas hatte Nina in ihrem ganzen Leben noch nicht erlebt!

Charlotte kannte ihre Freundin. Nina war geradeheraus, und sobald sie sich aufregte, wurde sie laut.

Sofort zog Charlotte sie am Arm.

Was genau gestern Nacht geschehen war, wusste sie selbst nicht.

Sie hatte Nina nur grob wiedergegeben, was die junge Krankenschwester ihr erzählt hatte.

Zu einer Untersuchung von Isabel war es gar nicht erst gekommen. Die Patientin hielt nichts von Charlottes ärztlichem Können und begegnete ihr mit großem Misstrauen.

Doch es war schon zu spät.

In ihrem Rücken ertönte ein kaltes Lachen.

Charlotte drehte sich um und sah einen Mann, der direkt hinter dem Raumteiler stand.

Sie kannte ihn.

Moritz Jäger – einer der wenigen engen Freunde Konstantins.

Er machte keinen Hehl aus seinem Spott und seiner Abscheu. Offensichtlich hatte er jedes Wort gehört, das Nina eben gesagt hatte.

Und daraus geschlossen ... dass Charlotte diesen Skandal absichtlich herumerzählte.

„Charlotte, ich wusste nicht, dass du so tief sinken kannst.“

Moritz’ Mundwinkel zuckten. Er maß sie von oben bis unten mit einem herablassenden Blick, lachte höhnisch auf und ging mit großen Schritten die Treppe hinauf.

Charlotte kam nicht einmal dazu, zu antworten.

Er behandelte sie wie eine Übeltäterin.

Unwillkürlich zog Charlotte die Brauen zusammen.

Nina platzte der Kragen. „Was bildet der sich ein? Die zwei schämen sich nicht für das, was sie tun, aber keiner darf darüber reden? Man sollte ein Transparent vor der Zentrale der Sternberg-Gruppe aufhängen! Wenn deren Aktienkurs dann nicht abstürzt, fresse ich einen Besen!“

Charlotte war klar, dass das nicht ging.

Damit hätte sie ihre gesamte Zukunft hier aufs Spiel gesetzt.

Diese Familie setzte ihre Interessen skrupellos durch. Solange Charlotte nicht fest auf eigenen Beinen stand, durfte sie sich keine mächtigen Feinde machen.

Sie war allein und musste Emma beschützen – so dumm war sie nicht.

Moritz’ Bemerkung nahm sie sich nicht weiter zu Herzen.

-

Oben.

Moritz öffnete die Tür, sein Gesicht noch immer eisig.

In dem eleganten Separee saßen bereits mehrere Leute am Tisch.

Am Kopfende thronte – wie sollte es anders sein – Konstantin.

Seine Haltung war vornehm und gelassen, und auch ohne ein Wort strahlte er eine natürliche Autorität aus. Er wandte leicht den Kopf.

Direkt neben ihm hatte Isabel Platz genommen.

Sie sah Moritz mit einem feinen Lächeln an. „Wer hat dich denn verärgert?“

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