Jasmines POV
Mein Handgelenk brannte wie Feuer in seinem Griff, während der Mann auf mich herabblickte. Seine dunklen Augen wirbelten plötzlich in einem unnatürlichen Licht, das meine Knie weich werden ließ.
Er lächelte dunkel. Seine attraktiven Lippen wölbten sich nach oben, doch das Lächeln war völlig tot und erreichte diese leuchtenden, gefährlichen Augen nie.
„Na, na“, murmelte er. „Wonach genau haben diese flinken kleinen Fingerchen gesucht?“
„Ich… ich…“ stotterte ich. Mein Gehirn setzte komplett aus. Ich öffnete den Mund, konnte aber kein einziges vernünftiges Wort herausbringen. „Ich bin gestolpert. Es tut mir so leid.“
Sein Griff zog sich nur ein kleines Stück fester zusammen und versprach schmerzhaft gebrochene Knochen. „Versuch’s nochmal.“
Aus dem Augenwinkel erhaschte ich einen Blitz von smaragdgrünem Kleid… Zea. Sie hatte den Patzer vom anderen Ende des Saals aus gesehen und webte sich bereits durch die wohlhabende Menge auf uns zu, das Gesicht vor Sorge angespannt. Zweifellos brütete sie gerade über irgendeinem wilden Plan, um mir zu helfen – wahrscheinlich wollte sie wieder ein Getränk verschütten oder einen verstauchten Knöchel vortäuschen, nur um eine Ablenkung zu schaffen, damit ich abhauen konnte.
Der Mann drehte nicht einmal den Kopf zu ihr. Ein Grollen vibrierte tief in seiner breiten Brust. Es war so leise, dass die umstehenden Partygäste mit ihren klirrenden Gläsern es nicht hören konnten.
„Sag deiner kleinen Freundin, es wäre besser, wenn sie zurückbleibt“, warnte er mit einer gefährlich weichen Stimme, die vor absoluter Autorität triefte. „Es sei denn, sie will auch verletzt werden.“
Zea erstarrte mitten im Schritt. Sie war unglaublich street-smart und erkannte eine massiv verlorene Schlacht, wenn sie eine sah. Sie kaute auf ihrer Unterlippe, während ihre kühnen braunen Augen vor Frustration blitzten.
„Ist hier alles in Ordnung, Mr. Glenn?“
Ich zuckte zusammen, als plötzlich ein großer, breitschultriger Security-Mann neben uns auftauchte. Seine wachsamen Augen huschten zwischen meinem gefangenen Handgelenk und dem attraktiven Gesicht des Fremden hin und her. Er wirkte unglaublich respektvoll… beinahe ängstlich, als er den Mann ansprach.
Dasselbe unheimliche, tote Lächeln kehrte auf das Gesicht des Fremden zurück, während er seinen Griff an meinem Arm geschmeidig anpasste und die Finger so verlagerte, dass es aussah, als halte er lediglich meine Hand auf intime Weise.
„Alles ist vollkommen in Ordnung“, sagte Glenn glatt, mit leichter, lässiger Stimme. „Stören mich diese beiden? Nein, überhaupt nicht. Die Dame hat nur das Gleichgewicht verloren. Stimmt’s, Schätzchen?“
Ich schluckte den harten Kloß in meinem Hals hinunter und zwang mich zu einem knappen, ruckartigen Nicken. „Ja. Mir geht’s gut.“
Der Wächter zögerte eine kurze Sekunde, nickte dann und zog sich zurück, verschmolz schnell wieder mit der lauten Menge.
Zea verstand den unausgesprochenen Hinweis ebenfalls. Sie machte zwei langsame Schritte zurück, um uns Raum zu geben, blieb aber. Sie hielt sich in der Nähe einer hohen Säule auf und beobachtete jede plötzliche Bewegung sehr genau.
Glenn ließ meine Hand endlich los, und ich riss meinen Arm sofort zurück, rieb mir das lädierte Handgelenk unauffällig hinter dem Rücken.
Mein Herz machte immer noch wilde Saltos gegen meine Rippen, und ich wollte verzweifelt weglaufen… zum Seitenausgang stürmen und nie zurückblicken. Doch meine Füße fühlten sich an, als wären sie dauerhaft am Boden festgeklebt.
Überraschenderweise stieß Glenn einen Atemzug aus und entspannte seine Haltung.
„Du siehst blass aus“, stellte er fest und streifte beiläufig die paar Tropfen verschütteten Champagners von seinem teuren Anzugsärmel. „Lass mich dir einen Drink spendieren. Du bist eigentlich im genau richtigen Moment zu mir gekommen.“
Ich starrte ihn völlig verdutzt an. „Wie bitte?“
„Ich war todlangweilig von diesen reichen Männern“, sagte er und winkte abweisend in Richtung der Gruppe, der er gerade entkommen war. „Ich wollte heute Abend etwas anderes machen.“
Er drehte sich um und deutete zur nächsten offenen Bar, klar erwartend, dass ich ihm folgte.
Ich wollte keinen Drink… ich wollte zurück in die Sicherheit der Slums. Doch die nachhallende Bedrohung in seiner Alpha-Aura schob mich vorwärts. Die Angst zwang meine Beine, sich zu bewegen, und trug mich zur Bar, wo er geschmeidig zwei Gläser Bourbon bestellte und mir eines reichte. Ich nahm das Glas mit leicht zitternden Fingern und trank nur aus blanker Furcht.
„Wer bist du?“ fragte ich mit einer Stimme, die kaum mehr als ein heiseres Flüstern war.
Er nahm einen langsamen Schluck von seinem Drink, seine dunklen Augen verließen die meinen nie. „Ich bin Glenn.“
„Nur Glenn?“
„Nur Glenn.“ Er lehnte sich mit dem Rücken an die Bar und musterte mich, als wäre ich ein faszinierendes, kompliziertes Puzzle. „Und was ist mit dir? Erzähl mir von deinem Leben. Wie heißt du? Wer ist deine Familie?“
Ich nahm einen hektischen, brennenden Schluck vom Bourbon. Er zog eine feurige Spur meinen Hals hinunter, gab mir aber einen winzigen, notwendigen Funken Mut.
„Mein Name ist Sarah“, log ich glatt und fiel mühelos in meine eingeübte Coverstory zurück. „Meine Familie besitzt eine kleine Reederei im östlichen Territorium. Wir sind nur für eine Woche in Cresthaven, um uns nach Immobilien umzusehen.“
Glenn starrte mich einen langen, stillen Moment an, dann entkam seinen Lippen ein echtes Lachen.
„Faszinierend“, sagte er und schüttelte langsam den Kopf, mit einem amüsierten Glitzern in den Augen. „Denn absolut nichts von dem, was du gerade gesagt hast, war wahr.“
Mein Atem stockte schmerzhaft. „Ich weiß nicht, was du meinst.“
„Du bewegst dich wie jemand, der ständig erwartet, geschlagen zu werden, und deine Hände sind viel zu schnell für eine verzogene Reederei-Erbin.“ Er trat näher und drang vollständig in meinen persönlichen Raum ein.
Plötzlich seufzte er schwer und blickte mit offensichtlichem Widerwillen durch die überfüllte Halle. „Hier ist es einfach zu laut für mich. Ich habe eine private Suite oben. Wir können dort hingehen und uns unterhalten oder so.“
Frische Panik überkam mich sofort. „Nein. Danke, aber ich sollte wirklich zurück zu meiner Freundin.“
Ich drehte mich zum Gehen, verzweifelt darauf bedacht, Abstand zwischen uns zu bringen, doch seine Augen wurden plötzlich zu kaltem, hartem Feuerstein.
„Das war keine Bitte“, sagte er, und seine Stimme fiel um eine Oktave.
Ich blickte in diese dunklen Augen und erkannte die schreckliche Wahrheit… ich war vollkommen gefangen!
Ich schluckte meinen Stolz und meinen Terror hinunter. Ich hatte hier absolut keine Wahl, als ich ihm unbeholfen zu folgen begann. Meine Beine fühlten sich an wie Blei, während wir uns von der Party entfernten und die Treppe hinauf zu seiner privaten Suite gingen.
Ich warf einen Blick über die Schulter und fand Zea. Sie sah verängstigt aus, die Knöchel weiß, wie sie das Champagnerglas umklammerte. Ich gab ihr schnell ein unauffälliges Abwärtssignal mit der Hand und signalisierte ihr, ruhig zu bleiben und stehenzubleiben.
Wir gingen einen ruhigen, teppichbelegten Flur entlang. Er schloss die Tür zu einer massiven, luxuriösen Suite auf und stieß sie auf. In dem Moment, als die Tür hinter uns ins Schloss fiel, wurde die Stille im Raum unglaublich ohrenbetäubend.
Glenn ging an mir vorbei, warf seine Anzugsjacke auf einen Sessel in der Nähe und lief zum Rand des großen Kingsize-Bettes. Dann setzte er sich, spreizte seine langen Beine bequem und blickte mit einem dunklen, erwartungsvollen Glitzern in den Augen zu mir hoch.
„Zeig mir eine Show“, befahl er beiläufig.
Ich blinzelte, völlig überzeugt, dass meine Angst mich Dinge hören ließ. „Eine was?“
Er stieß einen genervten Seufzer aus und lehnte sich auf die Hände zurück. „Tu nicht so ahnungslos. Du hast versucht, mich auszurauben, und jetzt will ich, dass du für mich einen Striptease machst.“
Die schiere Unverschämtheit des Mannes!
„Du bist verrückt. Das mache ich nicht.“
Ich drehte mich auf dem Absatz um, völlig bereit, hinauszugehen und es mit den Cresthaven-Enforcern zu riskieren, doch in dem Moment, als meine Hand nach der Tür griff…
Eine Welle aggressiver Dominanz überrollte mich. Sein Wolf projizierte einen furchterregenden Alpha-Befehl, der meine Knie physisch einknicken ließ. Der leere Raum in meiner Brust, wo meine Wölfin sein sollte, schrie in phantomhaftem Schmerz, während das Amulett gegen meine Haut brannte.
Ich war panisch. Ich konnte gegen die Aura eines Alphas nicht ankämpfen, wenn ich magisch meiner eigenen Verteidigung beraubt war…!
Tränen der Frustration stachen mir in die Augen, doch ich schluckte sie hinunter und drehte mich langsam um, unterwarf mich dem erdrückenden Gewicht seiner Macht.
Ich ging zum kleinen Audiosystem auf dem Beistelltisch und drückte auf Play. Langsame Musik füllte die Stille, und ich hielt meinen Blick fest auf seine Augen gerichtet, maskierte meine Angst mit einem Blick sturer Trotzigkeit.
Ich begann, den Tease für ihn zu machen, bewegte mich langsam zur Musik, wie verlangt. Ich schob die Träger meines Kleides von den Schultern, ließ den Stoff zu Boden gleiten und stieg heraus, während die kühle Luft Gänsehaut auf meiner Haut hervorrief.
Ich stand nur noch in meinem schlichten schwarzen Unterwäsche da und fühlte mich unglaublich entblößt, das Herz hämmernd.
Plötzlich stand Glenn vom Bett auf, griff nach oben und begann, seine Krawatte zu lösen, zog sie vollständig aus dem Kragen und warf sie auf den Boden. Seine Augen waren dunkel, hungrig und vollständig auf mich fokussiert, als er näher kam und mich zum Bett einlud.
Entsetzen überkam mich, und ich stand eine Sekunde lang wie erstarrt da. Dann holte ich tief Luft und zwang meinen Verstand, sich zu stählen, um das durchzuziehen.
Ich ertrank in den schrecklichen Schulden meiner toten Mutter und lebte auf geliehener Zeit, arbeitete mich zu Tode. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, wäre das sowieso nicht das erste Mal, dass ich einen Mann für Geld fickte. Überleben war ein hässliches, brutales Spiel in Cresthaven. Wenn es bedeutete, dass ich diesem fremden Mann meinen Körper gab und dafür lebend und frei aus diesem Hotel herauskam… dann würde ich es tun.
Ich kletterte auf die Matratze…
Irgendwann später war der Raum still, abgesehen vom Summen der Klimaanlage. Glenn schlief tief und fest neben mir, seine breite Brust hob und senkte sich gleichmäßig nach einem unglaublich intensiven Fick.
Mein Verstand war komplett durcheinander, mein Körper zitterte noch immer von den Nachbeben, denn ich war unzählige Male gekommen. Das Vergnügen war so überwältigend und so verzehrend gewesen, dass ich die totale Kontrolle über meinen Körper verloren und sogar gesquirtet hatte, sodass die Matratze unter uns feucht geworden war.
Ich konnte absolut nicht glauben, dass der beste Sex meines gesamten Lebens mit einem unheimlichen, fordernden Fremden stattgefunden hatte, der mich im Grunde erpresst hatte.
Glenn bewegte sich, ließ ein leises Schnarchen hören und zeigte deutliche Anzeichen tiefen Schlafs. Das war mein Stichwort.
Ich glitt vorsichtig aus dem Bett, griff meine Kleider vom Boden und begann leise, aber hastig, mich anzuziehen. Ich zog das Kleid über den Kopf, kämpfte mit dem Reißverschluss… machte mir nicht einmal die Mühe, die High Heels wieder anzuziehen. Ich trug sie einfach in der Hand.
Ich schlich Richtung Tür, verzweifelt darauf bedacht, zurück zu Zea zu kommen und so schnell wie möglich aus dem Elysian Moor zu verschwinden. Doch genau in dem Moment, als ich an dem kleinen Glastisch neben dem Sessel vorbeiging, blieb ich stehen.
Dort lag offen und völlig unbewacht die dicke Geldbörse des Mannes. Sie strotzte förmlich vor Bargeld.
Ich blickte zurück zu dem schlafenden Mann, dann wieder zur Geldbörse. Das betrachtete ich als meinen Gefahrenzuschlag. Warum nicht?
Ohne eine weitere Sekunde zu zögern, streckte ich die Hand aus und griff zu…