MasukPOV: Daphne »Ich bin dein Halbbruder, Daphne.« Diese Worte hallten unaufhörlich in meinem Kopf wider. Ich begann, all das zu verarbeiten, was er gerade gesagt hatte. Hatte ich also wirklich einen Bruder? Ja. War mein leiblicher Vater tot? Ja. Oh Gott! Das war völlig verrückt. Würde meine Mutter je die ganze Wahrheit erfahren? Was würde als Nächstes passieren? Unzählige Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Alles war so verwirrend. David hatte gesagt, dass seine Mutter Sophia hieß, aber meine leibliche Mutter hieß Emily Lawton. »Du hast vorhin erwähnt, dass deine Mutter Sophia hieß«, sagte ich und bemerkte sofort einen Hauch von Unsicherheit in seinen Augen. »Aber der Name meiner leiblichen Mutter war Emily.« »Wenn das so ist, haben wir denselben Vater, aber nicht dieselbe Mutter.« Er setzte sich auf das Bett und sah mich eindringlich an. »Bevor er deine Mutter traf, hatte mein Vater bereits eine Familie.« »Du machst wohl Witze? Er hat seine Familie für eine andere ver
POV: Daphne Nach einigen Stunden erreichten wir schließlich den Flughafen. Die Männer, die meinen Vater ermordet hatten, waren uns nicht gefolgt – was Sarah extrem merkwürdig fand. Sie vermutete, dass sie womöglich etwas planten und wir uns deshalb beeilen mussten. Schnell rafften wir unsere Sachen zusammen. Ich hatte nicht viele Koffer dabei, aber für den Aufbruch reichte es völlig. Sie schloss mich eine Minute lang fest in ihre Arme; dann stiegen wir in das Flugzeug und nahmen unsere Plätze ein. In meinem Kopf kreisten noch immer so viele Fragen. »Sarah …« »Du kannst mich Mutter nennen, Daphne. Ich werde immer deine Mutter sein, egal was passiert, verstanden?« »Ich weiß … Ich habe nur so viele Fragen. Ich versuche noch immer zu begreifen, was hier eigentlich vorgeht, aber …« »Ich weiß, mein Schatz. Ich weiß, dass das alles nicht leicht ist, aber ich verspreche dir, dass alles gut werden wird.« Sie drückte mich fest an sich. »Du sagst also, dass ich eine Hexe bin?«, flüstert
POV: Daphne »Daphne, bitte …«, sagte meine Mutter nun schon zum gefühlt hundertsten Mal. »Lass mich dir alles erklären.« »Ich will nicht mit dir reden.« »Ich … es tut mir so leid.« »Verdammt noch mal!«, rief ich fassungslos. »Er ist tot! Wir hätten ihm helfen können!« »Wenn ich angehalten hätte, hätten sie uns alle getötet! Wir hätten rein gar nichts tun können«, sagte sie, während ihre Augen vom Weinen blutrot angelaufen waren. »Hör mir jetzt bitte gut zu.« Ich schüttelte heftig den Kopf. »Nein! Ich will überhaupt nichts mehr von dir hören!«, seufzte ich schwer. »In mir herrscht so ein verdammtes Chaos, ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich tun oder fühlen soll.« »Es tut mir leid …« »Und sag verdammt noch mal nicht dauernd, dass es dir leidtut! Er ist tot! Papa ist tot! Und was hast du getan? Nichts!« »Jetzt reicht es!«, rief sie und sah mich scharf von der Seite an. »Gib mir nicht die Schuld daran! Es ist nicht meine Schuld! Es ist ganz sicher nicht meine Schul
POV: Daphne Mein Körper erstarrte bei diesen Worten, mein Verstand war wie leer gefegt. Der Mann, der immer an meiner Seite gewesen war, der mich großgezogen hatte, behauptete gerade, nicht mein Vater zu sein? Ich versuchte verzweifelt, die Fassung zu bewahren, doch es war unmöglich. Es war mir schlichtweg unmöglich, noch einen klaren Gedanken zu fassen. »Sarah, hol die Sachen …«, befahl mein Vater. Die Hände meiner Mutter zitterten vor Nervosität, während sich auf dem Gesicht meines Vaters tiefe Erbitterung abzeichnete. »Ich brauche dich hier! Konzentrier dich auf mich!«, rief sie ihm zu. »Nein. Ich … wie könnt ihr so etwas nur sagen?«, stammelte ich, während mir die Tränen über die Wangen liefen. »Sagt mir bitte, dass das nicht wahr ist!« Ein tiefes Knurren hallte durch das ganze Haus und ließ uns beide zusammenfahren. Mein Vater sah mich an und bedeutete mir mit einer schnellen Geste, still zu sein. Langsam schlich er auf die Tür zu und hielt kurz inne. »Bleibt hier.« »Aber
POV: Daphne »Daphne, wach auf. Die Vorlesung ist vorbei …« Langsam schlug ich die Augen auf, doch ich sah nur verschwommene Schemen. Ich presste die Lippen zusammen und verzog das Gesicht. Der schreckliche Schmerz war zurück. Seit einigen Monaten hatte ich nun schon mit diesen Anfällen zu kämpfen. Zuerst hatte ich gedacht, es läge am Stress oder an etwas Ähnlichem; es gab Tage, an denen ich bis tief in die Nacht über meinen Universitätsarbeiten saß. Aber es wurde nur noch schlimmer, und ich spürte, dass etwas nicht stimmte. »Daphne, geht es dir gut?« Verdammt, ich war schon wieder eingeschlafen. Ich warf einen Blick auf die Uhr und fluchte innerlich. Die Vorlesung war tatsächlich zu Ende. Ich sah wieder auf. Vor mir standen zwei Personen mit besorgter Miene. »Du siehst gar nicht gut aus, Daphne. Warst du schon beim Arzt?«, fragte Annie und legte mir eine Hand auf die Stirn. »Mir geht’s gut. Ich glaube, es ist nur eine Erkältung …« »Du glühst ja regelrecht!«, rief sie aus. Ich







