Beranda / Werwolf / Das Verbotene Blut / Kapitel 3: Ein verborgenes Leben

Share

Kapitel 3: Ein verborgenes Leben

Penulis: Cat Ink
last update Tanggal publikasi: 2026-09-16 14:11:49

POV: Daphne

»Daphne, bitte …«, sagte meine Mutter nun schon zum gefühlt hundertsten Mal. »Lass mich dir alles erklären.«

»Ich will nicht mit dir reden.«

»Ich … es tut mir so leid.«

»Verdammt noch mal!«, rief ich fassungslos. »Er ist tot! Wir hätten ihm helfen können!«

»Wenn ich angehalten hätte, hätten sie uns alle getötet! Wir hätten rein gar nichts tun können«, sagte sie, während ihre Augen vom Weinen blutrot angelaufen waren. »Hör mir jetzt bitte gut zu.«

Ich schüttelte heftig den Kopf.

»Nein! Ich will überhaupt nichts mehr von dir hören!«, seufzte ich schwer. »In mir herrscht so ein verdammtes Chaos, ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich tun oder fühlen soll.«

»Es tut mir leid …«

»Und sag verdammt noch mal nicht dauernd, dass es dir leidtut! Er ist tot! Papa ist tot! Und was hast du getan? Nichts!«

»Jetzt reicht es!«, rief sie und sah mich scharf von der Seite an. »Gib mir nicht die Schuld daran! Es ist nicht meine Schuld! Es ist ganz sicher nicht meine Schuld, denn …«

»Warum?! Ist es etwa meine Schuld, dass er tot ist? Willst du mir das etwa damit sagen?!«

»Nein, niemals würde ich dir die Schuld dafür geben!« Ihre Hände verkrampften sich so fest um das Lenkrad, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. »Hör mir einfach zu …«

»Nein! Du verstehst es einfach nicht! Das alles ist doch eine verdammte Lüge!«

»Achte auf deine Wortwahl, junge Dame! Ich habe dich nicht erzogen, damit du …«

»Du bist nicht meine Mutter!«

Der Wagen vollführte eine abrupte Vollbremsung. Mein Körper wurde heftig nach vorne geschleudert, bevor der Sicherheitsgurt mich zurückriss. Entsetzt starrte ich sie an.

»Du bist doch wahnsinnig!«, schrie ich vollkommen verstört.

Ihre Brust hob und senkte sich keuchend. Ihre Augen begannen sich in rasender Geschwindigkeit zu verändern. Panik ergriff mich, als ich in ihre geweiteten, leuchtend violetten Augen blickte. Unter dem enormen Druck ihrer Finger an den Armaturen wurden ihre Knöchel kreidebleich. Sie begann, unverständliche Worte vor sich hin zu murmeln – fremdartige Begriffe in einer Sprache, die ich noch nie gehört hatte. Sie holte tief Luft, und ein blaues Aufblitzen schien sie wie ein Schutzschild zu umgeben. Als sie die Augen wieder öffnete, hatten sie ihre normale Farbe zurückgewonnen.

»Lass mich dir die Dinge einfach erklären, damit du begreifst, was hier vorgeht«, sagte sie mit erschöpfter Resignation. »Wenn du danach immer noch nicht mit mir reden willst, werde ich das akzeptieren.«

»Gut. Aber hör auf, mich anzulügen.«

Sie schwieg für einen Moment.

»In Ordnung, ich sage dir die reine Wahrheit.« Ich nickte stumm und wartete darauf, dass sie fortfuhr. »Es stimmt alles, mein Schatz … Wir sind nicht deine leiblichen Eltern«, sagte sie, und ihre Stimme zitterte vor Schmerz. »Deine echte Mutter hieß Rachel, Rachel Moore. Sie starb, um dich zu beschützen. Du kannst dich nicht an sie erinnern, weil du damals noch ein winziges Baby warst.« Sie seufzte tief. »Erinnerst du dich daran, wie sie dir früher Geschichten von Hexen und Werwölfen erzählt hat? All diese Geschichten über das Übernatürliche?«

»Ja …«, ich zog die Stirn kraus. »Aber was hat das mit alldem zu tun?«

»Sehr viel. Deine Mutter war kein Mensch, Daphne. Sie war eine …« Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, bevor sie es aussprach. »Deine Mutter war eine Wölfin.«

Ein nervöses Lachen entkam meiner Kehle.

»Das ist nicht komisch«, meinte sie ernst.

»Du hast gesagt, du lügst mich nicht mehr an!«

Sie fuhr sich erschöpft mit beiden Händen über das Gesicht. »Vor deiner Geburt hat meine Familie Werwölfe und alle möglichen übernatürlichen Wesen gejagt. Wir waren ein Clan, und zu unseren Mitgliedern gehörten Hexen und Magier.«

»Bist du … eine Hexe?«, fragte ich stockend.

»Ja. Genau wie meine gesamte Familie. Eines Tages wurde uns ein Rudel Wölfe zugewiesen. Dein Vater jagte sie, als er deine Mutter fand.« Ein wehmütiges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. »Er wusste lange Zeit nichts von ihrer wahren Natur. Als er schließlich erfuhr, dass die Frau, die er liebte, eine Werwölfin war, blickte er in den Abgrund. Er hatte ihre Art gejagt und sich ausgerechnet in eine von ihnen verliebt. Aber trotz alledem liebte er sie so sehr, dass ihm alles andere egal war. Um Konflikten mit ihren Clans zu entgehen, beschlossen sie zu fliehen und ließen ihre Familien für immer hinter sich. Sie lebten jahrelang im Verborgenen, bis deine Mutter mit dir schwanger wurde. Ab diesem Moment konnten sie sich nicht mehr verstecken«, erklärte sie. »Dein Großvater hat das niemals akzeptiert. Als er von dir erfuhr, drehte er durch. Genau deshalb war deine Mutter von ihm geflohen. Als er von deiner Existenz erfuhr, schickte er sein gesamtes Rudel los …« Sie ergriff meine Hände. »Er wollte nicht, dass du lebst, mein Schatz.«

»Und was ist dann passiert?«, flüsterte ich.

»Deine Mutter hat es herausgefunden und uns um Hilfe gebeten.«

»In welchem Verhältnis standest du zu ihnen?«

»Ich bin die Schwester deines leiblichen Vaters.« Ich stieß einen überraschten Schrei aus. »Ich weiß. Als deine Mutter zu uns kam, bat sie uns, auf dich aufzupassen – aber fernab von ihr.«

»Und wie stand Anderson zu alldem?«

Sie lächelte traurig.

»Er war ein mächtiger Magier, aber er war auch mein Ehemann. Eines Nachts fielen sie auf unserem Land ein und entfesselten einen Krieg. Deine Eltern zögerten keine Sekunde und zogen in die Schlacht.« Sie wischte sich eine Träne ab, die über ihre Wange rollte. »Leider überlebte deine Mutter die Schlacht nicht. Anderson sprach einen Schutzzauber aus, damit sie dich niemals aufspüren konnten, und wir flohen. Alle fünf Jahre wechselten wir unseren Wohnort, damit sie dich trotz des Zaubers nicht fanden. Aber als du fünfzehn wurdest, begannst du dich zu verändern. Deine Kräfte erwachten, und das stellte eine tödliche Gefahr für uns alle dar. Also bat ich Anderson, dir deine Kräfte zu nehmen.«

»Und hat es funktioniert?«

»Ja. Er war dagegen, weil es extrem gefährlich war, aber wir mussten dich beschützen – ich hatte es deiner Mutter versprochen. Also tat er es, und er löschte gleichzeitig all deine Erinnerungen. Aber wir wussten beide, dass das kein Dauerzustand sein würde.«

»Das ist doch absurd …«, fuhr ich mir mit beiden Händen durch die Haare. »Du bist also meine Tante.«

Sie nickte stumm.

»Und bin ich eine Hexe?«

»Ja.«

»Aber du meintest doch, meine echte Mutter war eine Wölfin. Was bedeutet das? Bin ich auch eine?«

Sie zuckte mit den Schultern.

»Ich weiß es nicht, mein Schatz. Deine Mutter war eine, aber bei dir haben wir nie Anzeichen dafür gesehen. Normalerweise findet ihre erste Verwandlung im Alter von achtzehn Jahren statt, aber sie machen auch in der Kindheit und Jugend Veränderungen durch – und die hattest du nie. Wenn du nach deinem Vater schlägst, hast du nur seine Gene geerbt. Ich weiß, wie schwer das alles zu begreifen ist, aber du musstest es früher oder später erfahren.«

Sie seufzte tief.

»Ich weiß, das sind verdammt viele Informationen auf einmal.« Sie lächelte schwach. »Und wo fahren wir jetzt hin?«

»Wir müssen zu deinem leiblichen Vater«, verkündete sie, nachdem sie den Wagen wieder gestartet hatte und wir uns auf der Landstraße befanden.

Ich starrte sie an.

»Ich weiß, dass Anderson nicht mein leiblicher Vater war«, seufzte ich schwer. »Aber ich kenne diesen Mann nicht. Mein Vater war Anderson, kein Fremder.«

»Ich verstehe dich, mein Schatz.« Sie strich mir sanft über die Wange. »Aber ich muss dich zu ihm bringen. Es ist der einzige Ort, an dem du wirklich sicher sein wirst. Ich habe nicht mehr die Kraft und die Macht, dich allein zu beschützen.«

»Und was wird aus meinen Freunden? Aus meiner Nanny?! Wenn ihnen etwas zustößt, vergebe ich mir das nie …«

»Ihnen wird nichts passieren, das verspreche ich dir. Sie sind außer Gefahr. Und jetzt zieh dich um; hinten liegt ein Koffer mit deinen Sachen.«

»Du hattest also alles vorbereitet, für den Fall, dass genau das passiert?«

»Ja. Aber wir hätten nie gedacht, dass dieser Tag so schnell kommen würde. Los, zieh dich um.«

Ich nickte stumm.

Während meine Mutter uns in Richtung Flughafen steuerte, kletterte ich auf die Rückbank und zog meine Uni-Kleidung aus. Ich wechselte in meine schwarze Lieblingsbluse mit langen Ärmeln, eine Jeans und Stiefel.

Ich schloss die Augen und kämpfte gegen die Erinnerung an das an, was geschehen war.

Du bist stark, Daphne.

Als ich fertig war, kletterte ich zurück auf den Beifahrersitz. Meine Mutter hielt den Blick starr auf die Straße gerichtet, während sie leise weiterredete. Die ganze Situation war von einer drückenden Fremdheit erfüllt; ich konnte noch immer nicht fassen, wie mein gesamtes Leben innerhalb weniger Minuten aus den Fugen geraten war.

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Das Verbotene Blut   Kapitel 5: Das verbotene Erbe

    POV: Daphne ​»Ich bin dein Halbbruder, Daphne.« ​Diese Worte hallten unaufhörlich in meinem Kopf wider. Ich begann, all das zu verarbeiten, was er gerade gesagt hatte. ​Hatte ich also wirklich einen Bruder? Ja. ​War mein leiblicher Vater tot? Ja. ​Oh Gott! Das war völlig verrückt. Würde meine Mutter je die ganze Wahrheit erfahren? Was würde als Nächstes passieren? Unzählige Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Alles war so verwirrend. David hatte gesagt, dass seine Mutter Sophia hieß, aber meine leibliche Mutter hieß Emily Lawton. ​»Du hast vorhin erwähnt, dass deine Mutter Sophia hieß«, sagte ich und bemerkte sofort einen Hauch von Unsicherheit in seinen Augen. »Aber der Name meiner leiblichen Mutter war Emily.« ​»Wenn das so ist, haben wir denselben Vater, aber nicht dieselbe Mutter.« Er setzte sich auf das Bett und sah mich eindringlich an. »Bevor er deine Mutter traf, hatte mein Vater bereits eine Familie.« ​»Du machst wohl Witze? Er hat seine Familie für eine andere ver

  • Das Verbotene Blut   kapitel 4: Die Wahrheit über ihre Herkunft

    POV: Daphne Nach einigen Stunden erreichten wir schließlich den Flughafen. Die Männer, die meinen Vater ermordet hatten, waren uns nicht gefolgt – was Sarah extrem merkwürdig fand. Sie vermutete, dass sie womöglich etwas planten und wir uns deshalb beeilen mussten. Schnell rafften wir unsere Sachen zusammen. Ich hatte nicht viele Koffer dabei, aber für den Aufbruch reichte es völlig. Sie schloss mich eine Minute lang fest in ihre Arme; dann stiegen wir in das Flugzeug und nahmen unsere Plätze ein. In meinem Kopf kreisten noch immer so viele Fragen. »Sarah …« »Du kannst mich Mutter nennen, Daphne. Ich werde immer deine Mutter sein, egal was passiert, verstanden?« »Ich weiß … Ich habe nur so viele Fragen. Ich versuche noch immer zu begreifen, was hier eigentlich vorgeht, aber …« »Ich weiß, mein Schatz. Ich weiß, dass das alles nicht leicht ist, aber ich verspreche dir, dass alles gut werden wird.« Sie drückte mich fest an sich. »Du sagst also, dass ich eine Hexe bin?«, flüstert

  • Das Verbotene Blut   Kapitel 3: Ein verborgenes Leben

    POV: Daphne »Daphne, bitte …«, sagte meine Mutter nun schon zum gefühlt hundertsten Mal. »Lass mich dir alles erklären.« »Ich will nicht mit dir reden.« »Ich … es tut mir so leid.« »Verdammt noch mal!«, rief ich fassungslos. »Er ist tot! Wir hätten ihm helfen können!« »Wenn ich angehalten hätte, hätten sie uns alle getötet! Wir hätten rein gar nichts tun können«, sagte sie, während ihre Augen vom Weinen blutrot angelaufen waren. »Hör mir jetzt bitte gut zu.« Ich schüttelte heftig den Kopf. »Nein! Ich will überhaupt nichts mehr von dir hören!«, seufzte ich schwer. »In mir herrscht so ein verdammtes Chaos, ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich tun oder fühlen soll.« »Es tut mir leid …« »Und sag verdammt noch mal nicht dauernd, dass es dir leidtut! Er ist tot! Papa ist tot! Und was hast du getan? Nichts!« »Jetzt reicht es!«, rief sie und sah mich scharf von der Seite an. »Gib mir nicht die Schuld daran! Es ist nicht meine Schuld! Es ist ganz sicher nicht meine Schul

  • Das Verbotene Blut   Kapitel 2: Die Wahrheit kommt ans Licht

    POV: Daphne Mein Körper erstarrte bei diesen Worten, mein Verstand war wie leer gefegt. Der Mann, der immer an meiner Seite gewesen war, der mich großgezogen hatte, behauptete gerade, nicht mein Vater zu sein? Ich versuchte verzweifelt, die Fassung zu bewahren, doch es war unmöglich. Es war mir schlichtweg unmöglich, noch einen klaren Gedanken zu fassen. »Sarah, hol die Sachen …«, befahl mein Vater. Die Hände meiner Mutter zitterten vor Nervosität, während sich auf dem Gesicht meines Vaters tiefe Erbitterung abzeichnete. »Ich brauche dich hier! Konzentrier dich auf mich!«, rief sie ihm zu. »Nein. Ich … wie könnt ihr so etwas nur sagen?«, stammelte ich, während mir die Tränen über die Wangen liefen. »Sagt mir bitte, dass das nicht wahr ist!« Ein tiefes Knurren hallte durch das ganze Haus und ließ uns beide zusammenfahren. Mein Vater sah mich an und bedeutete mir mit einer schnellen Geste, still zu sein. Langsam schlich er auf die Tür zu und hielt kurz inne. »Bleibt hier.« »Aber

  • Das Verbotene Blut   Kapitel 1: Das Erwachen der Hexe

    POV: Daphne »Daphne, wach auf. Die Vorlesung ist vorbei …« Langsam schlug ich die Augen auf, doch ich sah nur verschwommene Schemen. Ich presste die Lippen zusammen und verzog das Gesicht. Der schreckliche Schmerz war zurück. Seit einigen Monaten hatte ich nun schon mit diesen Anfällen zu kämpfen. Zuerst hatte ich gedacht, es läge am Stress oder an etwas Ähnlichem; es gab Tage, an denen ich bis tief in die Nacht über meinen Universitätsarbeiten saß. Aber es wurde nur noch schlimmer, und ich spürte, dass etwas nicht stimmte. »Daphne, geht es dir gut?« Verdammt, ich war schon wieder eingeschlafen. Ich warf einen Blick auf die Uhr und fluchte innerlich. Die Vorlesung war tatsächlich zu Ende. Ich sah wieder auf. Vor mir standen zwei Personen mit besorgter Miene. »Du siehst gar nicht gut aus, Daphne. Warst du schon beim Arzt?«, fragte Annie und legte mir eine Hand auf die Stirn. »Mir geht’s gut. Ich glaube, es ist nur eine Erkältung …« »Du glühst ja regelrecht!«, rief sie aus. Ich

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status