LOGINMit neunzehn verbringt Maëlle Vautrin einen heimlichen Sommer mit Sacha Delcourt. Er ist älter, gefährlich und ausgerechnet der beste Freund ihres Bruders. Als Maëlle ihre Beziehung nicht länger verstecken will, verschwindet Sacha ohne ein Wort. Wenige Wochen später ist von der Zukunft, die sie für sich geplant hatte, nichts mehr übrig. Vier Jahre lang belügt Maëlle ihre Familie, um ihre Tochter Mia und das mühsam aufgebaute gemeinsame Leben zu schützen. Erst als sie nach Saint-Cyr-sur-Mer zurückkehrt, um endlich die Wahrheit zu sagen, steht Sacha plötzlich vor dem Haus ihrer Eltern. Aus dem Jungen mit den verletzten Knöcheln ist der Erbe des Delcourt-Konzerns geworden. Er trägt dunkle Maßanzüge, reist mit Personenschutz und erscheint in den Schlagzeilen an der Seite einer anderen Frau. Doch wenn er Maëlle ansieht, ist die verbotene Anziehung dieses Sommers sofort wieder da. Dann betritt Mia den Raum. Sacha versteht noch nichts. Noch nicht. Aber sein Blick verweilt zu lange, sein Schweigen verändert sich, und die ersten Fragen lassen nicht auf sich warten. Maëlle weiß nur eines: Sie muss verschwinden, bevor er die richtige Frage stellt.
View MoreMaëlleEin Jahr nach der Hochzeit besucht Sacha die Eröffnung einer Ausstellung und trägt dazu allen Ernstes eine Krawatte über und über voll mit kleinen Pferden.Mia hat sie am selben Morgen für ihn ausgesucht. Er hat kurz versucht zu verhandeln, doch da erinnerte sie ihn altklug daran, dass er ja bereits „alle Firmen der Welt“ kontrolliere und ihr wohl wenigstens die Wahl der Krawatte überlassen könne. Er hat sich vor meinen Augen geschlagen gegeben und danach nur kurz seinen Chauffeur böse gemustert, als dieser sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.Wir sind in Marseille, in der Restaurierungswerkstatt, in der ich seit unserer Rückkehr aus Florenz arbeite. Die Ausstellung zeigt verschiedene maritime Textilien aus Privatkollektionen. Ich habe zusammen mit einem sechs-köpfigen Team an der Restaurierung von zwei Stücken gearbeitet. Mein Name erscheint wieder in kleiner Schrift auf dem Museumsschild – genau an der Stelle, an die er gehört.Sacha trifft wegen einer Aufsichtsratssi
MaëlleAm Morgen meiner Hochzeit verliert Mia ihr Blumenkörbchen.Das gesamte Haus wird auf den Kopf gestellt. Meine Mutter beschuldigt Bastien, es verlegt zu haben, Bastien beschuldigt den Hund der Nachbarn, und Solène spürt es schließlich im Kühlschrank auf – verbarrikadiert zwischen zwei Flaschen Champagner.— Ich wollte doch nur, dass die Blütenblätter schön frisch bleiben!, erklärt Mia mit engelsgleicher Unschuld.Sie trägt ein cremefarbenes Kleidchen und einen Kranz aus zarten, weißen Blüten im Haar. Ihre wilden Locken weigern sich standhaft, trotz Solènes engagierter Bemühungen an Ort und Stelle zu bleiben. Jedes Mal, wenn man sie bittet, kurz stillzustehen, erinnert sie sich schlagartig an einen neuen, hochgradigen Notfall: ihre Schuhe, Papas Ring, das gekühlte Körbchen oder die exakte Position, an der sie nachher zu marschieren hat.Ich beobachte sie lächelnd dabei, wie sie durch mein Zimmer wirbelt, während meine Mutter im Rücken die kleinen Knöpfe meines Brautkleides schlie
MaëlleSechs Wochen später feiert Mia ihren fünften Geburtstag mit zwölf Kindern, zwei mächtigen Torten und einem Zauberer, den sie bereits nach exakt zehn Minuten enttarnt.Sacha hat einen Veranstaltungssaal nahe dem Parco delle Cascine gemietet, da unsere Wohnung diese Party niemals überlebt hätte. Er hat Mia die freie Wahl beim Thema überlassen. Sie wünschte sich Pferde, Schmetterlinge und Astronauten – die Eventplanerin hat es erstaunlicherweise geschafft, alle drei Elemente zu kombinieren, ohne den Raum in einen visuellen Albtraum zu verwandeln.Meine Eltern sind wieder aus Saint-Cyr angereist. Solène hat die Strecke zusammen mit Bastien zurückgelegt und betont direkt bei der Ankunft lautstark, dass die beiden getrennte Hotelzimmer gebucht haben – ein Detail, nach dem sie absolut niemand gefragt hatte. Lucia ist mit ihrem Sohn da. Mehrere Kinder aus dem Kindergarten flitzen im Zickzack um die Tische und werfen Französisch und Italienisch munter durcheinander.Sacha trifft zwanzig
MaëlleMia schläft endlich friedlich in ihrem Bett, umringt von zerknittertem Geschenkpapier und drei bereits ausgepackten Präsenten.Sacha hat sich auf das Sofa gelegt. Er hat das von der Klinik verschriebene Schmerzmittel eingenommen und sein Smartphone in der Küche abgelegt, nachdem er seinem Chauffeur befohlen hatte, ins Hotel zu fahren. Als ich mit einer Decke zurückkehre, hat er die Augen geschlossen, doch sein Atem geht viel zu flach, als dass er bereits schlafen könnte.Ich frage ihn leise, ob er Schmerzen habe. Das Medikament beginne zu wirken, erwidert er knapp. Ich breite die Decke über ihm aus, doch seine Hand greift nach der meinen, bevor ich mich wieder aufrichten kann.— Setz dich.Er zieht sanft. Ich lasse mich auf der Kante des Sofas nieder, nahe seiner Hüfte. Der Verband verdeckt einen Teil seiner Schläfe. Die Schnittwunde ist zwar nicht gefährlich, doch das Bild des reglosen Wagens auf Dorians Display schießt mir sofort wieder durch den Kopf, sobald ich sie ansehe.











