LOGINMaëlleSachas Telefon klingelt, bevor ich Zeit habe, mir eine Antwort zu überlegen.Er nimmt ab und geht auf den Balkon. Die Glastür schließt sich hinter ihm, während er seinem Gesprächspartner bereits Anweisungen gibt.Solène wartet, bis er uns den Rücken zudreht, und packt mich dann am Handgelenk.»Komm.«Sie zieht mich ins Schlafzimmer und lässt die Tür einen Spaltbreit offen.»Weiß er von Mia?«»Nein.«»Bist du dir sicher?«Ich vergewissere mich unwillkürlich, dass Sacha immer noch auf dem Balkon steht.»Wenn er es wüsste, würden wir jetzt nicht so ruhig miteinander reden.«Solène wirft einen wenig überzeugten Blick ins Wohnzimmer.»Warum mischt er sich dann so sehr in dein Leben ein? Es wirkt, als hätte er längst beschlossen, ein Teil davon zu sein.«»Weil Sacha alles kontrollieren muss. Du kennst ihn doch.«»Eben drum.«Sie lehnt sich an den Schrank und beobachtet mich einige Sekunden lang. Mit Solène ist Stille niemals beruhigend. Sie bedeutet meistens, dass sie gerade etwas be
Maëlles Punkt sechs Uhr hält die schwarze Limousine vor dem Tor.Der Chauffeur verstaut meinen Laptop und meine Tasche im Kofferraum. Sacha wartet bereits auf der Rückbank, ein Tablet auf den Knien und das Telefon am Ohr. Er beendet seinen Satz, während ich einsteige, und wirft dann einen Blick auf die Mappe, die ich fest an mich drücke.»Hast du die Originale?«»Ja.«Er bittet den Chauffeur loszufahren und setzt sein Gespräch fort.Saint-Cyr verschwindet hinter uns. Das erste Morgenlicht gleitet über die Hügel, bevor die Straße auf die Autobahn Richtung Lyon führt. Sacha arbeitet ohne Unterbrechung und wechselt von einem Anruf zum nächsten mit jener Leichtigkeit, die den Eindruck erweckt, als würde sich der Rest der Welt erst bewegen, wenn er es entscheidet.Ich halte die Akte geschlossen auf meinem Schoß.Als ich das erste Mal allein nach Lyon zurückkehrte, war ich seit einigen Wochen schwanger. Ich hatte die ganze Fahrt damit verbracht, nach einer Möglichkeit zu suchen, um eine St
Maëlles Eine erste Website hat den Artikel bereits offline genommen. Eine andere hat meine Adresse unkenntlich gemacht. Die Fotografen haben die Straße geräumt, nachdem die Gemeindepolizei eingetroffen ist.Ich blicke aus dem Fenster.Vor dem Tor meiner Eltern herrscht wieder Ruhe.Noch zwei Stunden zuvor wusste ich nicht einmal, wie ich fremde Leute daran hindern sollte, bei mir anzurufen. Sacha hingegen hat das Problem kurzerhand in eine Liste von Namen verwandelt und seinen Anwälten übergeben.Die Videokonferenz endet kurz darauf. Die Gesichter verschwinden vom Bildschirm, und im Arbeitszimmer kehrt wieder Stille ein.Sacha schlägt bereits die nächste Akte auf, als verdiene der ganze Rest keine Aufmerksamkeit mehr.»Danke.«Das Wort kommt so leise über meine Lippen, dass ich fast hoffe, er hätte es nicht gehört.Sacha verhält mitten auf der Seite, die er gerade liest. Sein Blick sucht den meinen.»Gern geschehen.«Er legt eine Mappe vor mir auf den Tisch.Das Logo meiner Hochschul
MaëllesMein Handy vibriert erneut.Neue Kommentare tauchen unter dem Artikel auf.»Hat als Kassiererin im Supermarkt angefangen und landet schließlich im Bett des Chefs. Respekt für die Karriereplanung, ehrlich.«»Wie viel bekommt sie eigentlich für jedes Foto, auf dem Delcourt sie ansieht?«Ich schließe die App. Noch bevor ich mein Handy weglegen kann, ruft eine unbekannte Nummer an.Ich habe seit der Veröffentlichung des Artikels bereits sechs Anrufe abgelehnt. Dieser hier versucht es stur ein zweites Mal. Ich gehe ran, überzeugt davon, dass es ein Notfall sein muss.»Hallo?«Eine männliche Stimme antwortet:»Wie viel kostet es eigentlich, vom Kühlregal ins Bett eines Milliardärs zu wechseln?«Ich lege sofort auf.Der Mann ruft auf der Stelle noch einmal an.Ich blockiere die Nummer, aber auf meiner Mailbox ist bereits eine Sprachnachricht eingegangen. Ich lösche sie, ohne sie anzuhören.Anschließend treffen auf meiner geschäftlichen E-Mail-Adresse etliche Nachrichten ein. Einige g
Maëlles Sacha stellt sich direkt vor mich. Sein Rücken füllt das gesamte Blickfeld der Handykamera aus.Zwei Sicherheitsleute treten zu ihm.»Niemand filmt über diese Hecke hinaus«, befiehlt er. »Überprüft das Team, das für das Shooting engagiert wurde. Die anderen bleiben auf der Straße.«Die Sicherheitsleute drängen die Journalisten zurück. Der Fotograf auf der Terrasse nimmt seine Speicherkarte heraus und überreicht sie einem der Guards.Ich sollte ins Haus gehen.Sacha dreht sich zu mir um.»Haben sie dich gefilmt?«»Mein Fenster und einen Teil des Gartens.«Seine Kiefermuskeln spannen sich an.»Ich werde alle Aufnahmen überprüfen lassen.«Apolline tritt hinter ihn.Ihr Lächeln ist für die Fotografen, die sich immer noch vor dem Tor drängeln, zurückgekehrt. Sie schlingt eine Hand um Sachas Arm.»Alle warten auf dich. Wir haben schon genug Zeit verloren.«Sacha blickt hinab auf ihre Finger.Er entzieht ihr seinen Arm.Die Geste ist dezent, doch auf der Straße lösen augenblicklich
Maëlles Perspektive»Nein.«Der Chauffeur hält mit den beiden Koffern inne.Sacha nimmt endlich seine Hand von meiner Taille. Er greift nach dem Handtuch, das auf der Sonnenliege liegt, und legt es sich um die Schultern.»Ins Gästezimmer«, fährt er fort. »Sie reist morgen wieder ab.«Apollines Lächeln hält stand, aber ihr Blick wird eisig.»Ich bin gerade erst angekommen.«»Du hast mich gehört.«Der Chauffeur senkt den Blick und trägt die Koffer nach oben.Ich hebe den Ball auf. Mein feuchtes Kleid klebt an meinem Bauch, und das Wasser, das Sachas Körper auf meiner Haut hinterlassen hat, kühlt schnell aus. Apolline verfolgt jede meiner Bewegungen.»Tut mir leid, dass ich euren nachbarschaftlichen Nachmittag gestört habe.«Ihre Stimme bleibt vollkommen sanft.Ich gebe ihr nicht die Genugtuung einer Antwort. Ich durchquere das Wohnzimmer, passiere das Tor und gehe zurück zum Haus meiner Eltern.Sacha holt mich an der kleinen Mauer ein.Er ist barfuß.»Maëlle.«Ich gehe einfach weiter.E







